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KUKAI
Hannya
Shingyo
Hiken
-GEHEIMSCHLUSSEL
DES
HERZSUTRA
DER
ZUR
VOLLENDUNG
GEBRACHTEN
WEISHEIT
Geheimschiussel des Herzsntra
der zur Vollendung gebrachten
Weisheit
-Kommentar
von Kobo Daishi Kukai (Henjo Kongo)...
53
Herzsutra
der zur Vollendung
gebrachten
Weisheit
Text...
41
Anmerkungen...
39
Ubersetzt vonEiho
Kawahara
Christlieb
Jobst
1) 2)
Geheimschlussel des Herzsutra
der zur Vollendung gebrachten Weisheit
3) 1. Anrufung
(Worte der Devotion)
4)
Das scharf e Schwert des Bodhisattva Mafijusri schneidet hinweg all
5)
das Spiel der Gedanken.
s)
Die heiligen Worte des Bodhisattva Prajna leiten uns an, in der Zugelung unserer Triebe.
7)
Die mantrischen Silben Dhih and Mam, die sind der beiden Keime. 8)
Sie rind Dhdrani, das alles Wissen enthdlt. (Worte der Erweckung)
Wie ldj9t sich der unaufhorliche Strom von Tod and Leben unterbre-chen2
Allein durch Meditation and richtiges Denken.
5)
Das Geheimnis der Versenkung gibt Buddha nicht preis. Moge sich sein Erbarmen auf meine Auslegung herniedersenken!
2. Vorwort 10)
Buddhaschaf t ist nicht etwas ganz fern Entrhektes, sondern in 11)
rem Herzen, nahe. Soheit ist nicht irgendwo drauj8en zu f inden. Wo sollte sie denn anders sein, als in uns selbst. Irrtum and Erleuchtung sind in uns selbst, so werden wir sie, wenn wir danach streben, auch erreichen. Da es nicht von anderen abhangt, ob wir zum Lichte gelangen, oder in der Finsternis zuriiekbleiben, wird, wer im Glauben and im Uben fest ist, sogleich zur Wahrheit gelangen. Bedauernswert and jdmmerlich sind die von langem Schlafe Befallenen; qualvoll and volley Schmerzen ist das Leben derer, die in dumpfem Wahne leben. Ein Toiler lacht fiber NUchterne and der Schlhfer spottet fiber die Wachen. -Wann soil, wer
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12)
nach der Medizin des Heilers and des Konigs nicht sucht, das Licht der
13)
gro8en Sonne schauen? -Der Schwierigkeit der Hindernisse
entspre-chend, wechselt das Friih oder Spat der Erleuchtung and der Veranlagung
entsprechend stehen Verhaftetsein and Urnatur in anderem Verhaltis.
Letztlich bedarf es dazu der zwei Achsen der Lehre, der lehrend
14)
erhobenen Hand des Kongo- and Taizo-Komplexes and eines Erfassens der
15) Z
ugel der finf Fahrzeuge, auf da$ unter ihren Hufen die Schranken
der wesenlosen Wahnvorstellungen niedergetrampelt werden. Je nach der
Art der Gifte sind auch die Gegenmittel verschieden. So leitet ja aueh
in sorgender Liebe der Vater sein Kind.
3. Einf i hrung
Daihannya Haramitta Shingyo ist das gro9e Herz-Mantra des
16)
sattva Prajna and beinhaltet seine Versenkung.
Der Text dieses Sutra beansprueht nur eine einzige Seite and besteht 17)
aus vierzehn Zeilen. Bei seiner einfachen Knappheit and Kiirze ist es
18) b
edeutend and Lief. Die Weisheit der ,Fdnf Schatze" ist in einem seiner
Satze enthalten and eine Zeile enthalt Idekenlos die Essenz der sieben
19) b
uddhistischen Schulen.
20) Der Bodhisattva Avalokitesvara vertritt die Ubenden aller Richtungen.
Bef reiung vom Leide, Nirvana, bezeiehnet das Gliiek, das durch die
bud-dhistischen Lehren erlangt wird. Die fttnf psycho-physisehen Grundlagen
21)
des Seins bezeiehnen die Ebene der Welt der Illusionen. Die Buddhas der
Vergangenheit, Gegenwart and Zukunf t stellen darauf die Erleuchtung.
Bei den Worten: Die Welt der Dinge in ihrer Erscheinung... Leere"
22)
lachelt der Bodhisattva Samantabhadra, weil er sie als die vollkommene
Durchdringung versteht. Bei den Worten: Sie rind ungeboren" bricht
Bodhisattva Manjusri in ein frohliches Lachen aus, im Wegsehneiden
der grundlosen Spekulationen. Wenn der Begriff Bereich des Denkens"
23)
49)
and Wissen verschmelzen, empfindet der Bodhisattva, der die Einheit 20)
tritt, tiefe Freude. Die Erwahnung des zwolffachen Kausalnexus weist den 24)
Pratyeka-Buddhas den Weg von Entstehen and Vergehen and die Aufhebung 25)
des Zyklus des vierfachen Leidens erregt bei den Sravakas Verwunderung.
26)
Gar nicht davon zu sprechen, da9 die Silben gate" das Ziel des
ge-samten Schatzes aller Lehren darstellen and die beiden Silben para"
and sam" erfiillt sind von exoterischer and esoterischer Lehrkraft. Um
auf die Bedeutung eines jeglichen Lautes and Zeichens im Einzelnen
einzu-gehen, wiirde man Aonen brauchen and ihre Wahrheit auszuschopfen
ware auch unzahligen Buddhas nicht moglich.
Wenn daher jemand dieses Sutra liest and sich daran halt, es erklart
and verehrt, so wird das Bef reiung vom Leide and Erlangen von
Freude bewirken. Wer sich mit ihm iibend beschaf tigt and dariiber
me-ditiert, wird Erleuchtung and iibernattirliche Kraf to erlangen. Das Sutra
ist wahrhaf tig als ein besonders tief es zu bezeichnen.
Wenn ich jungcn Leuten das Sutra erklare, gebe ich zuerst einen
Abri3 des Ganzen and teile es dann in f iinf Abschnitte zur Erklarung.
Obwohl es eine Menge von Erlauterungen zum Text gibt, ist die
verbor-gene Bedeutung bisher noch nicht erfa3t worden. Auf Inkongruenzen bei
den Ubersetzungen and die Unterschiede in der exoterischen and
esote-rischen Auslegung will ich spater eingehen.
19)
Wenn nun jemand (aus der Hosso-Richtung) fragt, wie kann Prajna, die doch in die zweite Periode der Lehrtatigkeit Buddhas gehort, das in
27)
der dritten Periode Gepredigte enthaltenl
Darauf ist zu antworten, da3 bei den Predigten Buddhas ein einziges 15)
Wort das Wissen der Fiinf Fahrzeuge" beinhaltet and ein einziger Ge-danke die Doktrin des gesamten buddhistischen Schrifttums enthalt, das aus Sutren, Ordensregeln and Kommentaren besteht. Was sollte bei dem Sutra, das sich fiber ein Kapitel eines Buches erstreckt, fehlen?-Es ist
28) mit ihm, wie mit den Schildkrotenschalen- and Stengelorakeln, die die
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Fiille der Erscheinungen in sich unerschopf lich bergen, wie mit Indras 29)
Netz and der unendlichen Fiille von Bedeutungen, die er den Lauten
Fragt nun jemand: Warum haben denn die Meister friiherer Zeiten das nicht auch schon gesagt2"
So ist dem zu entgegnen: Je nach ihrer Empfdnglichkeit erteilt der Erhabene den Menschen seine Medizin and der Weise wartet mit Spre-chen and Schweigen auf seine Zeit and die MensSpre-chen. Es ist mir nicht kiar, ob sie nicht gesprochen haben, als es an ihnen war, zu sprechen oder nicht gesagt haben, was noch nicht an der Zeit war. Ich i1berlasse es dem Urteil Weiser, zu entscheiden, ob ich sage, was noch nicht an der Zeit ist zu verkiinden.
4. Der Titel des Sutra and seine Ubersetzung
Er lautet: Bussetsu Makahannya Haramitta Shingyo". Er ist aus zwei Sprachen gemischt, da das Sutra auf Sanskrit and Chinesisch iiber-liefert ist. Nur die drei Silben: setsu" shin" and gyo" sind reines Chinesisch, die ubrigen neun sind Sanskrit (sc. in chinesischer Umschrift). Ganz auf Sanskrit wird er
Bu-ddha-bad-sa-ma-hd-pra-jnd-para-mi-td-hri-da [ya]-sutram gelesen. Die ersten beiden Silben bedeuten erleuchtet, die beiden ndchsten, da$ der Erleuchtete durch die Eroffnung des esote-rischen Wissens den Himmelstau der Unsterblichkeit spendet, die zwei folgenden gro3, bzw. viel oder siegreich, das ndchste Paar bezeichnet die durch die Versenkung erlangte Weisheit and die drei ndchsten Silben besagen, dab alles, was zu bewirken war, vollbracht ist. Hrida [ya] bedeutet Herzstiick and sutram so etwas wie Leitfaden oder Halt.
Umfassend ausgedriiekt ist dieses Sutra auf eine religiose Gestalt 56)
bezogen, ist das Absolute and ist zugleich Metapher. Die religiose Gestalt 6)
ist der Bodhisattva Mahaprajndparamita, die im Titel erscheint. Ihm ist
30)
zugeord-net. Jedes Zeichen, jede Silbe im Text tragt daher den Keim zu abso-luter Wahrheit in sich, auf der anderen Seite hat es aber die normale Bedeutung des taglichen Sprachgebrauches and stellt somit eine Metapher dar.
5. Ort der Verkiindigung-Inkongruenzen bei den tibersetzungen
16)
Dieses Tor zur Einswerdung wurde von Buddha auf dem Geier-Berg
Sariputra and anderen Schftlern gepredigt.
Es gibt viele chinesische Ubersetzungen dieses Sutra. Als erste sei
31)
die Ubersetzung von Kumarajiva genannt, die ich als Grundlage fur
mei-ne Erlduterungen verwende. Als nachste sei die Ubersetzung von
32)
chuang erwahnt, bei ihr fehlen inn Titel die vier Silben: "Bussetsu 21)
Maka-". Nach dem Worte "Goun" (i. T.=die f dnf Grundlagen des Seins) folgt hier das Suffix -to "(=pl.) and each dem Worte "onri" (i.
T.=Fern-sein) fehlt "issai" (i. T.=allen). Nach dem Mantra im Text fehlt eine
33)
Angabe der Wirkung. Bei I-ching aus Chou f ehlt im Titel "Maka-" and
nach dem Mantra ist die Wirkung erwahnt. In den TJbersetzungen von
34) 35)
Fa-yueh and Prajna gibt es ein Vor- and Nachwort. Im dritten Band des
36)
T' o-to-ni-chi-ching (=Dharani-Sammlung) wird das Mantra erklart. Der Titel des Sutra lautet wie bei Kumarajiva.
6. Die tief ere Bedeutung des Titels
Der Ausdruck Hannyashin besagt, da3 es Mantren fur den Leib and auch das Herz des Bodhisattva Mahaprajnapdramita gibt and das Mantra dieses Sutra ist sein gro,8es Herz-Zauberwort. Von ihm ist der Ausdruck Hannyashin (=Weisheits-Herz) auch abgeleitet.
Es wird behauptet, da3 dieses Sutra nur deswegen in seinem Titel das Wort Herz" tragt, weil es sich bei ihm urn eine Zusammenfassung der Hauptpunkte der Mahaprajnaparamitd-Sutren handelt and das beide nicht zu verschiedenen Zeiten gepredigt wurden. -Schlie3lich aber sind
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Schuppen Schuppen, ganz gleich ob sie einem Drachen oder einer Sehlazige 37)
angehoren.
7. Exegese des Textes
Das hier behandelte Sutra last sich in fdnf Abschnitte gliedern: Der erste Abschnitt gibt einen Gesamtuberblick uber die (auf tretende
38)
Zentral-) Gestalt and den Lehrinhalt. (Text: 1-5).
Der zweite Abschnitt gibt die Essenz der Lehre der verschiedenen 19)
Fahrzeuge wieder. (Text: 7-26)
Der dritte Abschnitt befa,C3t sich mit dem, was die Ubenden errei-chen konnen. (Text: 27-33)
Der vierte Abschnitt mundet mit einem zusammenfassenden (Schluj3) in das Mantra ein. (Text: 33-38)
Der ffinfte Abschnitt ist das Mantra, der esoterische Schatz. (Text: 41)
Der erste Abschnitt, der Gesamtuberblick dber Zentralgestalt und Lehrinhalt behandelt wiederum f finf Hauptpunkte: TJr. sache, -Ubung, Er-leuchtung, Nirvana and Zeit. Der Bodhisattva Avalokitesvara steht fur alle, die sich der (Weisheits-) Ubung hingeben. Ihm wohnt ursprtingliche Erleuchtung ursachlich inne. Mit der "tief en, zur Vollendung gebrachten Weisheit" ist die Fdhigkeit, die wahre Wirklichkeit zu bebrachten, ge-meint, bzw. ihre Ubung. Das Sehen der "Leere" ist das Wissen-seiner Erleuchtung. Das fiber egliehes Leid Hinwegschreiten" ist seine Frucht, d. h. das Nirvana. Es gibt unendlich viele Unterschiede im Wissen derjenigen, die sich der Ubung dieser Lehre hingeben. Dement-sprechend ist die Zeit bis zur Erlangung des Zieles bei den Einzelnen ganz verschieden. Manche brauchen dazu drei Leben, manche drei Aonen, manche deren sechzig and wieder andere sogar hundert, je nach dem Grad ihres sehlimmen Verhaf tetseins.
38)
Der Meditierende ibt die Weisheit, 21)
Erkennet tief die Leere der f Unf Lagen alles Seins. Mag einer auch Aonen sich bemuh'n,
39)
Sobald er frei der Bande, tritt in des Herzens Einheit er ganz ein. Im zweiten Abschnitt sollen die Fahrzeuge, ebenfalls wieder fiinf, besprochen werden. Es sind Errichten" (=Hua-yen), Trennen" (=Md-dhyamika), (Schein-) gestalt" (=Yogdedra), Zwei" (= Hinaydna) and
19)
Ein" (sc. -heit, resp. -Weg) (=T'ien-t'ai).
j) Hua-yen ist die Lehre der Versenkung des Tathagata, des Errich-ters" (se. der drei vollkommenen Verschmelzungen" des Urgrundes alles Seins). Ihr entspricht der folgende Text... (7-12). Errichter" ist der
22)
esoterisehe Name des Bodhisattva Samantabhadra. Ursache fur die Er-leuchtung Samantabhadras ist, da3 er die drei Wahrheiten der vollkomme-nen Verschmelzung ursprunglich errichtet hat and besitzt. Daher riihrt auch sein Name. Er ist auch die Verkorperung der Taten and Geliibde, die aus der Erleuchtung alley Buddhas flie$en.
In der Verse Form gegossen klingt das so: Erscheinung and Leere sind ursprunglich eins.
Der Dinge Sosein and ihr Wesensgrund entspringen gleicher Quelle. Sie verschmelzen ohne Storung in dreifacher Weise.
40) Das Gleichnis vom Golde and das vom Wasser dient zur Erkldrung.
ii) Mddhyamika ist die Lehre von der Versenkung des Buddha, der nicht das Spiel der Spekulationen kennt". Ihr entspricht der folgende Text:... (14-16). Der genannte Name ist die esoterisehe Nennung des Bodhi-sattva Manjusri. Sein scharfes Schwert trennt mit der Gewalt der acht
41)
Negationen die Herzen der von schlimmem Verhaftetsein Befangenen von
denen, die auf dem richtigen Wege sind. Daher auch sein Name.
In der Verse Form gegossen klingt das so:
Die achtfdltige Negation sehaltet aus der Gedanken Spielereien.
Manjnsri ist die Gestalt, die dies reprdsentiert.
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Die frei in sich gehalt'ne Leere ist der letzte Grund.
Hinter der Wahrheit tief stem Schleier west ihr Wirken and ihr Sinn. iii) Mit Yogde ra ist die Lehre von der Versenkung des gro$en
23)
sattva Maitreya gemeint. Ihr entspricht der folgende Text:...(17-22). Die vom Groeen Mitleid" erfullte Versenkung dieses Bodhisattva hat sich zur Aufgabe gemacht, Freude zu spenden. Er zeigt mahnend das Gesetz von Ursache and Wirkung auf, Bowie den Unterschied von Gestalt and dahinter verborgenem Wesen and weist den Bereich der nur aus dem Bewu8tsein entspringenden Phanomene zuri ek. Sein Herz ist ganz davon erf tillt.
In der Verse Form gegossen klingt das so: 42) W
ann wird der Glaube an zwei Iche endlich ausgeloscht? In drei Aonen mag man den Dharmakdya schauen.
43)
Speieherung ist alien Bewusdtseins Wesen.
Die leeren Erscheinungen sind nur auf gereihte Namen.
iv) Hinaydna la,St sich in zwei Auffassungen teilen: Die Einen
25)
(Srdvakas) erkennen nur die psycho-physischen Grundlagen an and
24)
verneinen das Ich, die Anderen (Pratyeka-Buddhas) rei,Qen die Keime des Karmas aus. Das Bind die Lehr_ en der Hinayana-Versenkung. Der folgende Text: (22-24 weder ein... ihr Aufhoren) gibt den Meditationsinhalt der Pratyeka-Buddhas wieder.
In der Verse Form gegossen klingt das so:
Beim Anblick im Winde treibender Blatter hat man 44)
innerlich. and au,Qerlich Bedingtes vor Augen.
Nach wieviel Jahren kann man aus dean Wanderkreis der Leben Erkennend sich befreien2
Das Hinschwinden von Tau oder einer Bliite reiQt aus die Keime Des irrenden Bewu13tseins.
45)
Schafs- uud Hirschgefdhrt eilen vereint!
den Meditation sin halt der Sravakas wieder. In der Verse Form gegossen klingt das so:
46)
Bleichendes Gebein, wo ist dein 46)
An der verwesenden Leiche ist nichts mehr vom friiheren Menschen! 47)
Mein Lehrer ist die vierfache Meditation.
48) Zur Arhatschaft gelangen, kann das Freude
v) Mit T'ien-t'ai ist die Frucht der Versenkung des Bodhisattva Aryaavalokitesvara gemeint. Ihm entsprechen im Text (25, 26: Es gibt nicht das... nicht zu fassen ist). Er, der den Namen: Buddha, der aus 49) eigener Natur rein ist", trdgt, eroffnet der Kreatur den Einen Weg", der rein ist, wie die wunderbare Lotosblute, unbeschmutzt im Sumpfe, and nimmt damit alle Leiden hinweg. Mit dem Worte Wissen" im Text ist die aktive Tdtigkeit des erleuchteten Erkennens gemeint and mit Erlangen" das durch die Erleuchtung zu realisierende Objekt. Da nun aber die Ursubstanz and das Wissen der Erleuchtung rniteinander ver-schmolzen sind, 1dQt es sich, wie sehr man sich auch um Worte bemuht, nur als Erfahrung der Einheit beschreiben. Der Inhalt von Werken,
50) 51)
wie des Lotos-Sutra and des Nirvana-Sutra and anderen, die die Theorien von drei Fahrzeugen in sich vereinigen, sind in den genannten zehn Zeiehen des obigen Testes (sc. in der chinesischen Vorlage) enthalten.
Wissende mogen die Unterschiede der einzelnen Fahrzeuge wohl be-aehten! In der Verse Form gegossen klingt das so:
Beim Anblick der Lotosblute werde deines Selbstes Reinheit gewahr. Beim Anblick ihrer Frucht erkenne deines Herzens Kraft.
Verschmilzt man zum Wege Wissen and Wahrheit, 52) So einen sich schweigend der Fahrzeuge drei.
Der dritte Abschnitt, der sich mit dem befall t, was den TJbenden erwaehsen kann, ldSt sich nach zwei Gesichtspunkten unterteilen: nach den (zu erkennenden Wegen der) TJbenden and nach den (zuerkennenden) Wahrheiten. In der ersten Gruppe gibt es insgesamt sieben verschiedene
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19) Vertreter, von denen sechs bisher schon beschrieben warden. Der letzte wird spater behandelt werden. Den Unterschieden der Bodhisatt-vas entsprechen die der Fahrzeuge. Man kann auch ganz allgemein die
53) l
ebenden Wesen in vier Arten einteilen: In der Dumpfheit des Niehtwis-sens verharrende, bewu13te, wissende and solehe, die esoterisehe
54) k
en bemeistern. Auch bei den Wahrheiten lassen sich vier unterscheiden: Ursache, lbung, Erleuchtung and Nirvana. Die zur Vollendung gebrachte Weisheit" ist also das, was zuerst ursachlich wirkt and zur
Tbung bef ahigt. Ausschaltung der Storungen and Loslosung von den Hindernissen ist folglich der Eingang ins Nirvana. Die Frueht des erken-nenden Realisierens der Erleuchtung ist also die erleuchtete Weisheit. Anhand der entsprechenden Textpassage denke man darUber nach. (Text: 27-33).
In der Verse Form gegossen klingt das so: Der TJbenden zdhlt man sieben,
Der Wahrheit Paare gibt es zwei.
Des Nirvana stilles Rund and Buddha-Wissen! Wie sollte da die rechte Zuflucht denn nosh fehlen?
Den vierten Abschnitt beinhaltet der zusammenfassende, in das Mantra einmundende Schluj (des Sutra). Er ist nach drei Gesichtspunkten einteilbar: Namen, Substanz and Wirkung. Das Mantra tragt einen vier-fachen Namen. Der Satz: es ist die unversfalschte Wahrheit" weist auf die Substanz hin.... die Kraft,... alles Leid hinwegzunehmen", erklart die Wirkung. Was die Titulierung anbetrifft, so ist: Das gro$e gottliche Zauberwort" das Mantra der Sravakas, Tier nachste Titel bezeiehnet das Mantra der Pratyekas, der dritte das des Mahayana and der letzte das Mantra des esoterischen Buddhismus. Wenn man die ganze Bedeutung ausschopfen wollte, lie 8e sich das Mantra in jeweils vierfacher Weise benennen. Hier habe ich mich immer nur auf eine einzelne Seite beschrankt. Erleuchtete mogen die drei anderen dazu
zur Einheit verschmelzen.
In der Verse Form gegossen klingt das so:
Die Prajnaparamita (=Dharani) enthalt Zeichen, hat tief e Bedeutung, Gibt Einsicht in das Ungeschaff'ne, sch-enkt izbernaturliche Krdfte.
55) Alles in Einem ist sie Wissenslichtes-Vermittlerin,
Urlaut, Zeichen, Buddhagestalt, Gesetz and Wirklichkeit erfiillen die Namen.
Der f unf to Abschnitt besteht aus dem in f unf Glieder auf 25)
ren esoterischen Mantra. Das erste gate" zeigt das Ubungsergebnis der Sravakas an, das zweite gate" das der Pratyeka-Buddhas; paragate" gibt das hochste Ziel des gesamten Mahayana. pa-rasamgate" zeigt den Ubungserf olg des vollstdndig realisierten Shin gon-Mandala; bodhi svaha" benennt den von alien Fahrzeugen angestrebten Eingang in die hochste Erleuchtung. Soviel fiber these Worte. Wenn man die Bedeutung jedes einzelnen Lautes erklaren wollte, so ware das auch in Aonen nicht zu schaff en, da unendlich viele Buddhas, Wahrheiten u. dgl. mehr darinnen verborgen sind. Wer noch Fragen hat, moge nach Erhalt der
56)
den Einweihung, weitere Fragen stellen. In der Verse Form gegossen klingt das so: Das Mantra ist wunderdar.
Wenn man daruber meditiert, es rezitiert, nimmt es Des Geistes Dunkelheit hinweg.
Ein einzig Wort enthalt der Wahrheit tausend Seiten, Ermoglicht Buddhaschaf t im jetz' gen Leib.
Geh', geh', bis du vollendete Ruh' erreichst!
Geh' hin, geh' hin, auf da,& du in den Ursprung eingeh'n mogest! 57)
In den drei Welten sind wir nur zu Gast. Einssein ist der Seele wahres Heim!
Frage: Dharani ist eine Geheimlehre des Buddha. Deswegen haben die alien Meister and Kommentatoren alle daruber geschwiegen and
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nichts Schriftliches dariiber hinterlassen. Handeln wir jetzt nicht gegen die tiefe heilige Intention von Sakyamuni?
(Antwort): Es gibt zwei Arten von Predigten bei Buddha, exoterische and esoterische. Fur diejenigen, die fur Exoterisches empfanglich sind, -hat er viele Worte (zur Erklarung) gebraucht. Fur schen, die ein Organ fur Esoterisches haben, gab er die Zeichen der Dharani, die mannigfache Bedeutung haben. In dieser Weise hat Buddha auch selbst t ber die verschiedenen Bedeutungen der
58) Sil
ben A" and Om" u. dgl. mehr gesprochen, weil sie 59)
ne Bedeutungen tragen. Auch Nagarjuna, Subhakarasimha and
59)
Amoghavajra haben die Dharanis ausgelegt. Welc.he Weise man vorzieht, hangt nur von der Aufnahmefahigkeit der Horer ab. Zu sprechen oder zu schweigen, paj3t beides zur Intention nis.
Frage: Es ist eine weite Kluft zwischen der exoterischen and der rischen Lehre. Es geht doch nicht an, jetzt die in diesem rischen Sutra verborgene esoterische Bedeutung zu erklaren? (Antwort): Fur den Konig and den Heiler 1st alles, worauf Augen auf
60)
dem. Wege treffen, Medizin. Ein Kenner erkennt einen Edelstein im Schotter.
Wer ist an der Unwissenheit schuldig: der Wissende oder der Nichtwissende?
Das Mantra dieses Bodhisattva (Prajna) ist mit semen rituellen Regeln and Meditationsanweisungen vom TJrgrund alles Seins durch das
61)
Vajrasekhara-sutra gelehrt worden. Es ist unter den Geheimnissen das
allertief ste. Sakyamuni predigte in seinem irdischen Leib in
Anathapinda-da Bodhisattvas, Gottern and Menschen fiber Ikonographie, Mandala,
62)
Mantra and Mudra, gab Anweisungen, die esoterisch sind, was im
63)
ni-chi-ching, Bd. 3 auf gezeichnet ist.
Zei-chen and Worten. In den exoterischenTexten gibt es verborgene Esoterik
and unter den esoterischen wieder solche, die Lief ste Geheimnisse
enthal-ten. Es gibt viele Abstufungen zwischen seicht and tief.
8. Nachwort
Vom Standpunkt der durch die Esoterik der Shingon-Lehre gegebenen
Bedeutung aus, habe ich kurz die fiinf Abschnitte des Herzsutra der
zur Vollendung gebrachten Weisheit" kommentiert.
Jedes Wort, jeder Satz umfassen die Welt der Wahrheit. Ohne Anfang
and ohne Ende erfassen wir es in unserem Herzen. Jedoch die blinde
Kreatur sieht nichts. Manjusri and Prajna konnen von irrtiimlicher
Ver-strickung befreien. Moge Himmelstau die Irrenden benetzen and es ihnen
moglich werden, in gleicher Weise den Irrtum zu vermeiden. Moge es
ihnen gelingen, dem Heer der Versucher zu widerstehen!
Hannya Haramitta Shingyo
Herzsutra der zur Vollendung gebrachten Weisheit 20)
1 Gibt der Bodhisattva Avalokitesvara sich der Ubung der tiefen,
1)
zur Vollendung gebrachten Weisheit hin,
so sieht er in dieser Zeit seiner Erleuchtung,
21) 64)
d
ae die f dnf Grundlagen des Seins alle Leere" sind
5 and schreitet fiber jegliches Leid and Ubel hinweg.
65)
Sariputra!
66)
Die Welt der Dinge in ihrer Erscheinung ist nichts anderes als (diese) Leere" and Leere" ist nichts
als die Welt der Dinge in ihrer Erscheinung. 10 Was in Erscheinung tritt, ist Leere"
and Leere" ist gleich Erscheinung.
21) F
ur Wahrnehmen, Vorstellen, Wollen and B-e-denken gilt das Gleiche. Sdriputra!
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56)
Alle Gesetzma3igkeiten sind Gestalten der Leere";
15 Sie sind ungeboren, unverganglich, unbef leckt und auch nicht rein, weder in der Vermehrung, noch im Schwinden begriffen.
Es gibt in der "Leere" daher nicht die Welt der Dinge, nicht Wahrnehmung, Vorstellung, Willen und Bewu3tsein; weder Auge, Ohr, Nase, Zunge, Korper und Geist,
66) 56)
20 noch Farbe, Ton, Geruch, Geschmack, Beriihrung und Gedanken; 67) k
eine Wirklichkeit, von der Welt des Gesichtssinnes an, bis hin 68) zum Bereich des Denkens, weder ein unerleuchtetes Dunkel, noch sein Vergehen;-keines (sc. der zwolf Glieder) bis hin zu Alter und Tod, noch ihr Aufhoren; nicht Leid, Karma, dessen Vernichtung
69)
25 und keinen achtfdltigen Pfad. Es gibt nicht das Wissen, nicht sein 70)
E
rlangen, weil dadurch die Wahrheit nicht zu f assen ist.
In der zur Vollendung gebrachten Weisheit ruht der Bodhisattva und. sein Herz haf tet daher an keiner Storung, ohne Haf ten und Storung gibt es keine Furcht, Fernsein von alien verkehrten Wahnvorstellungen
11)
30 und schlieSlich Vollendung im Nirvana. Da alle Buddhas, 71) di
e in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft wesen, in der zur Vollendung gebrachten Weisheit ruhen, ist ihnen die hochste, absolute
72)
tung eigen. Hierdurch gewinnt man folgende Einsicht: Prajnaparamitd ist:
35 das gro3e gottliche Zauberwort, das Mantra des gro,9en lichtes, das erhabenste Mantra, ein unvergleichliches Mantra , das die Kraft hat, alles Leid hinwegzunehmen, denn es ist die unverfdlschte Wahrheit!
Es sei somit das Mantra der zur Vollendung gebrachten Weisheit 40 ausgesprochen. Es lautet:
26)
gate gate paragate parasamgate bodhi svaha!
Hannya Haramitta Shingyo (Prajna-paramita-hridaya-sutram)
Anmerkungen
1) Der Kommentar Geheimschlussel des Herzsutra der zur Vollendung gebrachten Weisheit" entstand wahrscheinlich um 834 and ist eines der wichtigsten Werke von Kobo Daishi Kukai (Henjo Kongo).
Henjo Kongo (sinojap.) (= alles mit seinem Strahlenlichte erfiillender Diamant), urspriinglich esoterischer Name fur Dainichi Nyorai vairoeana), wobei mit Diamant" (sanskr. vajra = sinojap. Kongo) eigentlich Donnerkeil gemeint ist. E r symbolisiert Unzerstorbarkeit, Reinheit and die Waffe zur Vernichtung der irdischen Verstrickungen
(sinojap. bonno, sanskr. klesa). Hier ist Henjo Kongo der Initiations (sinojap. Kanjo, sanskr. abhiseka) -name des Verfassers Kukai (sinojap.=Meer der Leere") (774-835 n. Chr.). Er ist im japanischen Volksbewu,C3tsein unter seinem posthumen Namen Kobo Daishi noch sehr
lebendig and ist eine der bedeutendsten Monchsgestalten im Japan des neunten Jahrhunderts.
In der Zeit zwischen 804 and 806 besuchte er das China der Dynastie, um seine buddhistischen Studien zu vertiefen. Er wurde dort
vom chinesischen Monch Hui-kuo, (sinojap. Keika, 746-805) in die Geheimlehre des esoterischen Buddhismus eingeweiht. Nach seiner Rhekkehr in seine Heimat Japan griindete er die sog. Shingon-Schule
des Buddhismus dort, die auch im heutigen Japan noch zu den tendsten buddhistischen Schulen zdhlt. Kukai steht auch in der modernen Zeit noch als Schriftsteller-sein Gesamtwerk zahlt fiber 200 Schrif ten-, als Kalligraph and als Volkserzieher im Mittelpunkt des Interesses, ganz abgesehen von seiner uberragenden GroSe als dhistischer Denker and Monch.
2) Das Sutra Hannya Shingyo (sinojap. Lesung), das die vorliegeude iibersetzte Schrift zu deuten versucht, gehort zum Gemeingut fast aller Schulen des Mahayana-Buddhismus. Genau gesagt gibt es 600 Hannya-Sutren, wovon das vorliegende das kurzeste and pragnanteste
ist and gewissermasen den Inhalt des ganzen Komplexes in tester Form bietet. Sein Hauptanliegen ist, den Leser zur Erleuchtung zu f iihren, d. h. zur Schau eines der wichtigsten Begrif f e des Buddhismus, namlich des Begriffes der Leere (s. u. Anm. 64). In Japan gehort es zu den beliebtesten and bekarlntesten Sutren schlechthin.
Der Sanskrit-Urtext des Sutra 1st in Indien and China gegangen and nur noch in Japan erhalten. Er wurde im Jahre 609
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unserer Zeitrechnung nach Japan gebracht and dort, besonders in der Edo-Zeit mehrfach kopiert. Der Urtext wurde im Tempel Horyuji in Nara aufbewahrt. Die Version dieses Textes wird als das sog. Shohon (=Kleine Ausgabe) bezeichnet. Eine zweite Version, das sog. Daihon (=Gro,Ge Ausgabe) wurde im Jahre 836 aus China nach Japan gebracht. Chinesische Ubersetzungen sind insgesamt acht erhalten, wobei die von Kumarajiva (344-413) and Hsuan-chuang (600-664) besonders
gehoben seien. Beide fuden auf der sog. Kleinen Ausgabe".
Eine tibetische and eine mongolische Version, die beide auf der sog. Gro,een Ausgabe" fu$en, sind auch erhalten. (H. L. Feer: L'Essence de la Science Transcendante en trois langues, tibetain, esanskrit, gol. Paris 1866) Ein konjizierter Text aus der Kleinen" Sanskrit- and Gro/3en" chinesischen Ausgabe mit einer ersten TJbersetzung ins lische findet sich bei F. Max Muller: Buddhist Mahayana Texts Part 2, 1894, Sacred Books of the East, vol. 49, Oxford, Clarendon Press. Eine weitere TJbersetzung ins Englische findet sich bei E. Conze: Texts, Sources and Bibliography of the Prajnaparamita-hrdaya JRAS, 1948, pp. 33-51, sie fu,9t allerdings auf dem tibetischen Text, sowie in "Buddhist Wisdom Books" -The Diamond Sutra and the Heart Sutra (Vajracchedika and Hrdaya-Prajnaparmita), London 1958, hzw. "The Short Prajnaparamita-Texts" London 1973. Ende 1980 bei kyaiku-bunkakai ist eine TJbersetzung ins Englische von Isao Suzuki mit einer Deutung des Sanskrit wortschatzes in Englisch and Deutsch
in Nagoya erschienen.
In der uns erhaltenen Sanskritversion tragt der Sutrentext keinen besonderen Titel. Aus ihrem Schluf9satz vielmehr wurde der Titel der chinesischen Version geformt. Es ist unklar, woher der Verfasser der vorliegenden Schrift den langen Sutrentitel, den er selbst erklart, ubernommen hat, denn im Text behauptet der Verfasser, da,& er seiner Erlauterung den Text von Kumarajiva zugrundelege, tatsachlich spricht er aber eher der Ubersetzung von Genjo Sanzo. Nirgends ist uns der Titel Bussetsu Makahannya Haramitta Shingyo" uberlief ert, weder bei den genannten, noch bei anderen TJbersetzern. Dieser Titel ist aber
fur den esoterischen Shingon-Buddhismus verbindlich.
Prajnaparamita (sinojap. Hannya Haramitta) wurde in der vorliegenden TJbersetzung mit zur Vollendung gebrachte Weisheit" wiedergegeben, wobei mit Prajn.a eine Form der Weisheit gemeint ist,
die im Gegensatz zum intellektuell unterscheidenden Wissen steht. Shuyu Kanaoka verweist in Hannya Shingyo", Kodansha-Verl. Tokyo
1973 auf die Moglichkeit, da,C3 die Silbe pra-" von para", hochst, gro,dt, vollkommenst usw. abgeleitet ist. jna" bedeutet Bewu9tsein von
etwas haben, wissen. Erkldrt man paramita" aus param" and ita" entstanden, so bedeutet es: (die Weisheit), die zum jenseitigen Ufer
gelangt", bzw., wean man parami" and td" trennt,... die zum tigen Uf er fiihrt. Zur Vollendung gebracht" wurde gewahlt, weil these Weisheit bei, bzw. durch die Ubung von fiinf oder besser zehn Tugenden
in Vollkommenheit erreicht wird and zugleich zur Verwirklichung kommt. Es handelt sich dabei um:
Gebefreudigkeit (dana), Zucht (sila), Geduld (ksanti), Willensstdrke (virya), Meditation (dhyana), Weisheit (prajla),
(richtige) Methode (upaya), Vorsatz (pranidhana), Kraft (bala) and Wissen (jnana).
Die als sechste auf gefiihrte, ist die Frucht der neun anderen and zugleich in ihrer Ubung schon immanent. Prajna ist besonders vom Standpunkt des esoterischen Buddhismus aus gesehen, als wesenhafte Urreinheit zu verstehen, bzw. auch mit dharma" wiederzugeben. Hridaya bedeutet Herz. (sinojap. Shin). In der Auffassung des exoterischen Buddhismus wird dieses Wort als Haupt, bzw. Essenz... aufgefa,C3t,
im Sinne des zu Beginn dieser Anmerkung Erlauterten, also abstrakt. Der esoterische Shingon-Buddhismus fa3t Herz konkret als Herzstiick, hier in der Erlauterungsschrift von Henjo Kongo, der Weisheit des Bodhisattva Prajna, als dessen Mantra, das in dem Klang seiner Sanskritworter dessen Wesensgrund offenbart.
3) Die Untertitel wurden in Anschlus an die japanische Ausgabe: Kobo Daishi Chosaku Zenshu Bd. 1, Verl. Sankibo Busshorin, Tokyo 1971,
eingesetzt. Im chinesisch geschriebenen Urtext f ehien sie.
4) sinojap. Monju Bosatsu, er verkorpert die buddhistische niskraf t and wird auf einem Lowen thronend dargestellt. Sein Symbol
ist das Flammenschwert.
5) Mit seinem Schwert durchschneidet er die diskursiven, im schen Sinne erkenntnishemmenden Gedanken.
6) Bodhisattva Prajnaparamita (sinojap. Hannya Haramitta Bosatsu) verkorpert die absolute Weisheit der Buddhas and tragt deshalb auch die Namen Mutter der Weisheit" and Mutter der Buddhas". Sein Symbolist das San skrit-Sutrenbuch. Hier im Text wurde es in nung an europaische Vorstellungen, denen die Empfindungen der dhisten gegeniiber den Sanskrit-Sutren dhnlich sind, mit heilige Worte"
iibersetzt.
7) Silben, in denen sich die Wirklichkeit des Seins der verschiedenen Buddhas and Bodhisattvas and somit ihr Wirken manif estiert, das
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durch ihr meditatives Erleben erfahrbar wird. Sie Bind oft den kritnamen der entsprechenden Wesen entnommen and fur eines von
ihnen sind meist mehrere Silbenzeichen in entsprechend versehiedenen Anwendungsbereichen in Gebrauch. In bildlichen Darstellungen konnen
sie die entsprechenden Wesen vertreten.
8) Ein anderer Ausdruck f iir Mantra, Sanskritsilben, -worter oder meist -formeln, die rezitiert and meditiert, die schon in Anm. 7 erlduterte Bedeutung haben.
9) Die Bedeutung dieser Stelle ist seit alter Zeit umstritten. Mit senkung ist hier das Wirkens-Geheimnis der in Anm. 4 and Anm. 6 genannten Bodhisattvas gemeint. Mit gibt... nicht preis" ist u. U. nochmals auf die Esoterik des Inhaltes verwiesen, die zu kiinden nicht Aufgabe des historischen Buddha in seinem irdischen Leib war. 10) Erleuchtung (hier wortl. Buddhas Gesetz, s. a. Anm. 56) 11) Nirvana als Verwirklichung der Erleuchtung
12) Die aus dem Absoluten, dem Urgrund alles Seins (sanskr. irocana, sinojap. Dainichi Nyorai) tonende esoterische, and die sche Lehre des historischen Buddha (Konigs")
13) Das alley Kreatur grundsdtzlich innewohnende Sonnenlicht der Erleuchtung
14) Kongo- and Taizokai sind die beiden Mandala-Darstellungen, die die Grundlehren des Shingon-Buddhismus in zwei diagrammartigen Bildern wiedergeben, wobei die Buddhagestalten auch durch Symbole oder silben (s. a. Anm. 7) ersetzt werden konnen. Die Zentralgestalt in beiden ist Dainichi Nyorai, als dessen Emanationen alle auf den beiden Darstellungen wiedergegebenen Gestalten betrachtet werden konnen. Das Kongokai (=Donnerkeil-Welt)-bild ist in kreuzf ormige Kompositionen
in neun quadratischen, bzw. rechteckigen Feldern unterteilt, wdhrend bei dem Taizokai (=Mutterseho-Welt)-bild das Element des Kreises fiber die Form einer aehtblattrigen Lotosbliite in ein rechteckiges tungsprinzip iibergeleitet wird. Kongokai (sanskr. Vajradhatu-Mandala), auch sinojap. als Chi (Weisheits) -Mandala bezeichnet, ist ein Diagramm der Wirkungsweise der absoluten Weisheit des Urbuddha and weist zugleich dem sick meditativ Hineinversenkenden einen Weg, sie in sich selbst zu erwecken. Die Idee der durch these Weisheit zu erreiehenden Wahrheit, sinojap. ri, daher auch Ri-Mandala, wird als kosmisch umfassendes Prinzip and Wirken im Taizokai (sanskr. dhatu-Mandala) dargestellt. Es ist somit auch eine Veranschaulichung
der allumfassenden Liebe (sanskr. mahakaruna) des Urbuddha, die sich aller Mittel bedient, um die in alles Sein versenkten Keime ihres eigenen Lichtes zum Strahlen zu bringen. Die Weisheit and ihr Ziel, die Wahrheit sired aber untrennbar (sinojap. ri-chi f u-ni). Kongokai basiert auf dean Sutra Kongocho-gyo (sanskr. Vajrasekhara-sutra) and
Taizukai auf Dainichi-kyo (sanskr. Mahdvairocana-sutra).
15) Unklar: entweder die Kukai bekannten 5 gro3en buddhistischen Hauptrichtungen, ausgenommen Shingon, oder 1. Menschen tet), 2. Gotter, 3. Srdvakas, 4. Pratyeka-Buddhas (Anm. 24,25), 5. Bodhisattvas
16) wortl... ist das Versenkungs-Wahrheitstor..., wobei Tor (sinojap. mo n) in Wortzusammensetzungen oft den Sinn von Schule, Lehrer,
bzw. Lehre hat.
17) Normalerweise,werden 17 1/2 Zeilen gezdhlt, die Einteilung des von Kukai verwendeten Testes bleibt unklar.
18) Sutra, Vinaya, Sdstra, Prajnd-pdramitd and Dhdrani, d. h. Lehre, Ordenszucht, klassische Erlduterungsschrif ten, Weisheit and Formeln,
in deren Klang sich Wirklichkeiten manifestieren.
Die Textstelle wurde teils als die alle Funf Schdtze" umfassende Weisheit, teils als die Weisheit, die ja auch in jedem der Funf
ze" enthalten ist, verstanden.
19) Sieben damals in Japan existierende buddhistische Schulen: Sanron (sanskr. Mddhyamika), Jojitsu (chin. Ch'eng-shih), Hosso (sanskr. Yogdedra), Kusha (sanskr. Abhidharma), Tendai (chin. T'ien-t'ai).
Kegon, Sanron, Hosso, Hinaydna and Tendai als 5, Hinaydna in Srdvaka and Pratyeka geteilt als 6, bzw. mit Shingon als 7Fahrzeuge"
gezahlt.
20)...vertritt die Ubenden aller Richtungen (sc. die sich um das Men der Prajnd-pdramita bemuhen). Avalokitesvara (sanskr.) (sinojap. Kannon-, Kanjizai-, Kanzeon- Bosatsu) bedeutet etwa: der Herr, der
(gnadig) herabblickt", gewisserma13en das Urbild des Bodhisattva, der das Gelubde abgelegt hat, allen Wesen, die in Not sind, zu Hilfe zueilen, um erst nach der Aufhebung alles Leides die Buddhaschaf t zu chen. In Ostasien tragt er oft weibliche Ztige. Er ist das Urbild des Erbarmens and wind oft mit mehreren Kopfen and Armen (1000)
gestellt, die ihzn dazu dienen, der Erf Ullung seines Geliibdes kommen.
21) (sinojap. goun) (sanskr. panca skandhdh):
1. (sanskr. rupa) (sinojap. shikiun) die Welt der Dinge in ihrer physischen Erscheinung 2. (s vedand) (ss juun) Empfindung - Wahrnehmung 3. (s samjnd) (ss soun) Wahrnehmung - Vorstellung 4. (s samskdra) gyoun) Wille
5. (s vijndna) (i shikiun) Bewu9tsein(sc. bewu3tes ken
Gemeint damit ist, seit den Anfangen des indischen Buddhismus, die Welt der Dinge in ihrer Erscheinung and ihrbewu3t-willensmaiges Ergreif en, das sie erst zu einer solchen werden last.
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22) sinojap. Fugen (=der Allweise) symbolisiert die Praxis der dhistischen Meditation and Predigt. Hier vertritt er die Kegon-Schule. Manjusri vertritt in diesem Zusammenhang die Sanron (sanskr.
hyamika) -Schule and Avalokitesvara die Tendai-Schule.
23) sinojap. Miroku-bosatsu, laut Sutrentext wind er sich in ferner Zukunft als Buddha verkorpern. Er reprdsentiert die Lehre der Hosso (sanskr. Yogae ra)-Schule. Sein tief stes Geheimnis ist die Erkenntnis, da3 alle Dinge and ihre Gesetzmd,C3igkeiten nur iln Bewu,8tsein
tieren.
24) Fi r-sich-selbst-Buddhas" (sinojap. Enkaku), die die Erleuchtung selbst gefunden haben, die Lehre aber nicht weitergeben. Angehorige des Hinayana.
25) Rorer", die ihre Erleuchtung der Belehrung eines Buddha danken. Angehorige des Hinayana (sinojap. Shomon).
26) Be-wu$t von den alten Ubersetzern nicht ins Chinesische ilbertragen, da das Sutra sich nun fiber die in Zeile 40 abgeschlossene Ebene"
einer rational erfa1&baren oder wenigstens zn ertastenden" Belehrung erhebt. Es wurden daher lediglich die Sanskritlaute durch dhnlich klingende Chinesische ersetzt. Beim Urtext handelt es sich aber nicht um ganz reines Sanskrit, deswegen ist die Bedeutung auch nicht deutig klarbar. Grammatikalisch ist gate" sowohl als Vokativ, wie auch als Lokativ aufzufassen, oder, aber auch als Imperativ einer Verbform von gehen". para"- sam" ist hier im Sinne von vollig zu verstehen, wobei sam" wiederum eine Verstdrkung von para" ist.
bodhi" kann als Vokativ verstanden werdenn and svahd" steht am Schlu,S von Gebeten, als nochmaliger Wunsch um Erfiillung. (s. a. Hajime Nakamura, Hannya Shingyo, Kongo Hannya Shingyo, mibunko, 1963, pp. 34, 35).
27) Erst die dritte Periode der Le.hrtdtigkeit Buddhas soil esoterisches Weisheitsgut enthalten.
28) Altchinesische Form von Orakeln: je nachdem, wie sie fallen, konnen die geraden, gleichen Schafgarbenstengel alles ausdriieken; die gleiche Schildkrotenschale bietet potentiell die Moglichkeit fur alle worten.
29) 1. Der hinduistische Wettergott Indra. In seinem Palast. besitzt-. er ein Juwelennetz, bei dem alle Fdden miteinander verbunden sind. In alien seinen Juwelen spiegelt sich der Glanz all seiner Juwelen gleichzeitig wieder. Ein Symbol fur die im Buddhismus vertretene Abhdngigkeit aller Dinge voneinander in radikalster Form. 2. Wahrscheinlich Anspielung auf den altindischen Grammatiker
gleichen Namens-(Indra wird aber auch als Gott der Sprache gesehen)-, der die Vielheit der Bedeutungen der einzelnen Worter festhielt.
30) s. a. Anm. 7 u. 14. Ein Mandala, bei dem die dargestellten heiten, bzw. Krafte nur durch ihre Keimsilben dargestellt sind. 31) (344-413) Indischer Missionar and Ubersetzer von 35 buddhistisehen
Schriften, kam 401 nach China and gewann dort viele Anhanger. 32) s. a. Anm. 1. (600-664) (sinojjap. Genjo Sanzo) Chinesischer Priester, in
ganz Ostasien wegen seiner 629-645 unternommenen Indienreise, die fiber Zentralasien fi hrte, hochberuhmt; schrieb einen Reisebericht von hochstem historischen Wert and soil 657 Texte mitgebracht and 1330 Schriften i bersetzt haben.
33) (635-713) Chinesischer Monch, Indienreisender and Ubersetzer; war hauptsachlich wahrend der Chou-Periode der T'ang-Zeit tatig.
34) Inder, 732 nach China gekommen, 741 in Khotan gestorben. 35) Indischer Lehrer von Kukai, 782 nach China gekommen. 36) T 18, pp. 804e-812b.
37) Verschiedene Auslegungen. Wohl im folgenden Sinne zu verstehen: Wenn auch ein Drache (= Prajnaparamitahridaya-Sutra) Schuppen hat
wie eine Schlange (= Mahdprajnaparamita-Sutra), so ist er doeh deswegen noeh keine Schlange.
38) s. a. Anm. 20. Mit Zentralgestalt ist sowohl der Bodhisattva tesvara, wie auch natiirlich jeder Ubende gemeint. Das sinojap. Wort ho (sanskr. dharma) kann hier im Sinne von Lehrinhalt", wie auch von absolute Wahrheit" aufgefa/9t werden.
39) se. da,Q betrachten zu betraehtet werden wird, bzw. Betrachter and Betrachtetes eins sind.
40) Die Dreifache Durchdringung", eine der Grundlehren der Hua-yen (sinojap. Kegon-Schule) besagt, da9 in jedem Staubkornehen sich die ganze Welt spiegelt, da,8 jeder Augenblick die Ewigkeit enthalt and da,S das Eine alles and das All im Einen ist, was Tu-shun
jap. Tojun) am Beispiel des substanziellen Zusammenhanges zwischen dem Wasser and seinen Wellen and Fa-t'sang (sinojap. HOzO) mit dem Zusammenhang von Gold and einem Lowen aus diesem Material erklart.
(T1878, 1880)
41) Mit der sog. achtfaltigen Verneinug" beginnt Nagarjunas Werk Madhyamika-karika, ein Hauptwerk des Madhyamika-(sinojap. Sanron-) Buddhismus; sie lautet: Ungeboren, unverganglich, unbestandig, begrenzt, nicht identisch, nicht verschieden, ohne Kommen and ohne Gehen".
42) Ich" ist hier auch durch den Begriff Existenz vertretbar. Hier ist der Glaube an die Existenz eines Selbst and an Existenzen au,C3erhalb seiner selbst gemeint.
43) (sanskr. adana-vijnana, bzw. alaya-vijnana) nach der Lehre der HossO-(sanskr. Yogaeara-) Schule achte and hochste Stufe des
seins. Aus ihm entstehen alie anderen Stuf en des Bewu,9tseins, d. h.
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die auf den fdnf Sinnen beruhenden, das auf der Denkfdhigkeit hende sechste (sinojap. ishiki), sowie das falschliche Selbstbewu/9tsein (sinojap. manashiki). Das unterbewu3te Speicherbewu3tsein speichert
sie alle in ihrer keimhaften Anlage. 44) sc. Ursachen ihres Verfalls
45) Bezeichnung fur die Gefdhrte (=Lehren) der Sravakas and ka-Buddhas; s. a. Anm. 24, 25.
46) Zwei Stufen einer neunfachen Meditation, mit der sich die Buddhisten vom Anhangen an der Leiblichkeit bef reien.
47) Meditation der Hinayana-Buddhisten fiber Korper, Empfindungen, Seele and Dharma: 1. Der Korper ist unrein. 2. Die Empfindungen sind leidhaft. 3. Die Seele ist unbestandig. 4. Der Dharma ist frei vom Ich.
48) Arhatschaft ist die Form der Erleuchtung, die die Sravakas chen. Die einseitige Erleuchtung der Hinayana-Buddhisten wird hier
in Frage gestellt.
49) Die Tendai- (chin. T'ien-t'ai-) Schule wird hier mit Einheit", bzw. der Eine Weg" bezeichnet, well sie in ihrer Lehre besonderen Wert auf die, Identitat von Weisheit and Wirklichkeit legt.
50) (sanskr. Saddharma-pundarika-sutra) enthalt u. a. die unter Anm. 49 genannte Lehre and gehort zu den wichtigsten Sutren des Buddhismus iiberhaupt. Ihren Lehren folgen die Tendai-, vie auch die
Nichiren-Schulen.
51) (sinojap. Daihatsunehan-gyo) (sanskr. Mahaparinirvana-sutra) yana-Sutra, das die letzte Rede Buddhas enthalt, nur in der
schen Ubersetzung erhalten.
52) Au$er dem in Anm. 49 genannten weist das in Anrn. 50 genannte Sutra auch einen Weg zur Buddhaschaf t, der Anhanger der drei Fahrzeuge", se. der Sravakas, Pratyeka-Budhas and Bodhisattvas in gleicher Weise vereint.
53) Fur lebende Wesen", wie fur das Wort Bodhisattva" des gehenden Satzes stcht irn Originaltext satta" (=sattva), ein Begriff der eigentlich alle Arten von lebenden, fiihlenden Wesen umspannt. Im Falle des ersten Satzes diirfte es sich aber eindeutig um eine Abkiirzung von Bodhisattva handeln.
54) Im Originaltext steht Wissende" an letzter Stelle, der sonst von Kukai eingehaltenen Rangordnung entsprechend mu1 aber die
rische Praktiken bemeistern" an letzter Stelle stehen. Mit in der Dumpf heft... Verharrendc" sind alle vom Buddhismus noch nicht
erlosten Lebewesen gemeint, Bewu8te" sind die Anhanger des na-Buddhismus and Wissende" die mahayanistischen Schulen. Mit der
letzten Gruppe Bind die Anhanger des Tantrayana gemeint.
(sinojap. Jimyo, sanskr. vidyadhara), er wurde hier seiner keit wegen bewu9t wortlich iibersetzt.
56) wortl.: den Verordnungen entsprechend..."; Verordnungen" (=jap. Ho, sanskr. dharma), Begriff mit sehr weit gespanntem
dius, wobei die einzelnen Bedeutungen sich oft schillernd durchdringen, je nach dem Textzusammenhang: Gesetz, Verordnung, Lehre, faktor, -element, Denkobjekte, Geistesinhalt, kosmische Ordnung, letzte Wahrheit.
Hier handelt es sich konkret um die im Shingon-Buddhismus gene Kanjo-Zeremonie, die einer Taufe vergleichbar ist.
57) Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft.
58) s. a. Anm. 7; A, die erste Silbe des Sanskritalphabets gilt als die Mutter aller Silben, ist das Eingangstor in die Welt der Laute, ist die Grundnegation, die das Nicht-geschaffen-Sein erleben la8t rind somit die Wirklichkeit in ihrem konkret-absoluten Sein. A ist die Keimsilbe des Mahavairocana-tathdgata. s. a. Anm. 12. Eine nach festen Regeln erfolgende Meditation der Silbe A steht daher im Zentrum des esoterischen Buddhismus; Om (sanskr.), sinojap. On, ist eine mystische Silbe, die im alten Indien oft als Gegenstand von
tionen diente. Sie besteht eigentlich aus den drei Silben A, U and M, in denen sich drei Erscheinungsformen eines Buddha rnanifestieren: 1. als das Absolute (sanskr. dharma-kaya), 2. als iiberirdische dhagestalt (sanskr. sambhoga-kaya) and 3. als historische Verkorperung
in einem menschlichen Leib (sanskr. nirmana-kaya). Die Dharani (s. a. Anm. 8) in der Taizokai-Liturgie beginnen mit der Sibe A and die
der Kongokai-Liturgie mit der Silbe On.
59) Nagdrjuna (sanskr,) (sinojap. Ryuju, Ryumyo, bzw. Ryusho) lebte im 2.4. Jh. in Siidindien and wurde in den Himalayas von einem Month in esoterischen Praktiken unterwiesen. Einer der wichtigsten
Philosophen des Mahdydna-Buddhismus, Begriinder der Schule, des sog. Mittleren Pfades", Verfasser vieler philosophischer Werke; im Zentrum seiner Werke steht der Begriff sunyatd (sanskr.) (sinojap. Ku), der Leere. s. a. Anm. 64. Subadkarasimha (sanskr,) (sinojap. Zenmui) (637-735), Ubersetzer des Mahavairocana-Sutra jap. Dainichi-kyo) aus Zentralindien, Forderer des esoterischen dhismus in China. Amoghavajra (sanskr.) (sinojap. Fu-ku) (705-774), 6. Patriarch des esoterischen Buddhismus, Ubersetzer and Forderer des
esoterischen Buddhismus in China.
60) se. er kann heilkraftige Pflanzen von nutzlosen and giftigen scheiden. Konig =Dainichi Nyorai and Heiler bedeutet Sdkyamuni. 61) T 20, p. 610, s. a. Anm. 14.
62) sinojap. shuin, inzo, ingei: Hand-. and Fingerhaltungen, d. h. Gesten, die seelisch-geistige Inhalte zum Ausdruck bringen. Sie sind fur die
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verschiedenen Gestalten des Mahayana-Buddhismus festgelegt. Dureh eine dreifache Tdtigkeit: Meditation, anhand der in den Mandalas vorgegebenen graphischen Darstellung (s. a. Anm. 14), sowie das zeitige Rezitieren von entsprechenden Mantren (s. a. Anm. 7) and
die der verinnerl.ichten Wesenheit entsprechende Geste, sucht der TJbende des esoterischen Buddhismus die gewiinschte Wesenheit in sich entstehen zu lassen. Die Beherrschung der Mudras ist fur die fiihrung der Kulthandlungen des esoterischen Buddhismus notwendig. 63) T 18, pp. 804e-806b.
64) sanskr. sunyata, sinojap. Ku, einer der Grundbegriffe des Buddhismus, schon im Hinayana-Buddhismus vorgebildet. Entsprechend der Tendai-Lehre (s. a. Anm. 22) wird der hinaydnistische Begriff der Leere sinojap. als Tanku, bzw, als Shakku bezeichnet (Einzel- bzw. abgetrennte Leere), veil er auf grund der Analyse der Existenz nur deren Nichtigkeit beweist. Im Mahayana erfdhrt dieser Begriff eine grundsdtzliche Umwertung: alle Formen, in denen Sein sich
licht, sired zwar ohne Bestand and somit leer. Leere ist daher aber auch das Absolute and beinhaltet die Prajudpdramita genannte Weisheit. Aus dem Erleben der Leere sehopf t der Mahayana-Buddhist seine
Lebenskraft. Wie der vorliegende kommentierte Sutrentext beweist, ist aber Leere trotzdem kein affirmativer Begriff. Das Sutra Hannya mitta Shingyo diirf to die komprimierteste and zugleieh vollkommenste Beschreibung dieses Begriff es sein. Kukai zeigt in seinem in der liegenden Ubersetzung wiedergegebenen Kommentar u. a. auch, wie sich die Bausteine dieses Begriffes auf verschiedene buddhistische Sehulen and Richtungen verteilen lassen; s. a. Anm. 2.
65) Hier im Sutra sinojap. Sharishi, anderweitig Sharihotsu genannt. Einer der zehn Hauptschiiler Buddhas, starb nosh zu seinen Lebzeiten.
Er wird als der begabteste von Buddhas Schiilern beschrieben.
66) sanskr. rupa, sinojap. shikiun, d. h. die Welt der Dinge in ihrer physischen Erscheinung. Die erste der in Anm. 21 auf gef uhrten cho-physischen Grundlagen des Seins.
Die Grundbedeutung des sinojap. Wortes shiki ist aber eigentlich Farbe", mit einem Unterton von Sinnenfreude, bis hin zu licher Lust. Da alle Eindrdeke des Gesichtssinnes sich ja schlie$lich auch auf Farbeindrticke reduzieren lassen, wurde an zweiter Stelle fur die Ubersetzung das Wort Farbe" gewahlt.
67) Mit... von der Welt des Gesichtssinnes an, bis hin zum Bereich des Denkens" werden in abkiirzender Form die (sinojap.) juhachi kai, (sanskr.) astadasa dhatavah genannten 18 Grundlagen des Seins der Philosophie des Mahayana aufgefiihrt, wobei die erste and die letzte vertretend fur die 16 in der Mitte liegenden erwahnt sind. artige Auslassungen sind beim Zitieren von Sutren and deren Lesung
in Ostasien weft verbreitet. Mit den 18 Grundlagen, bzw. Elementen oder auch Bereichen des Seins-das sinojap. Wort kai wird oft auch mit Bereich" oder Welt" wiedergegeben-Bind die grundlegenden Faktoren gemeint, die uns unserer Existenz erst bewnft werden
lassen, d. h. die in den vorangehenden Zeilen genannten gane and die von ihnen jeweils erfa$ten Objekte. Einschlie/flich des Denkorganes sind das also insgesamt 12. Als Verbindungselemente
ten nun zwischen das jeweilige Organ and semen Objektsbereich jeweils 6 verschiedene Bewu,&tseinselemente, wodurch sich die Gesamtzahl 18 ergibt.
Das Sutra als Ganzes gibt zu Anfang kurz and pragnant den Inhalt der im Zentrum stehenden Erkenntnis, legt ihren Inhalt dann mit logischer Prazision erschopfend dar and weist zum Schlu$ einen Weg, ihrer Wirkung teilhaft zu werden.
68) .Ahnlich wie in Anm. 70 umspannen die Begriffe unerleuchtetes Dunkel... Alter... Tod" wieder ein hier nur angedeutetes gebaude, das besonders im Hinayana eine wichtige Rolle spielt. Es handelt sich dabei um den sog. zwolffachen Konditionalnexus. Die 12 Bedingungen lauten :
1. sanskr. avidya, sinojap. mumyo = Unwissenheit 2. i. samskara, ss gyo = Taten (se. aus U.) 3. ss vijnana, is shiki = Grundbewu,8tsein 4. i. nama-rupa, ii myo-shiki = Erscheinung-Name 5. i. sad-ayatana ii rokunyu = 5 Sinne + Denken 6. is sparsa ss soku = Bertihrung
7. ss vedana ii ju = Empfindung 8. ss trisna is ai = Begierde 9. ss upadana ss shu = Ergreif en
10. is bhava // u= Sein
11. ss jati ii sho = Geburt, Leben 12. ii jara-marana ss roshi = Alter, Tod
69) Hiermit sind die sog. Vier edlen Wahrheiten" aufgefiihrt, die die Erleuchtung des Hinayana-Buddhismus beinhalten. Die zweite Wahrheit wurde snit Karma" ilbersetzt. Im Urtext steht daftir das sinojap. Wort shu, anderweitig moist jittai, sanskr. samudaya-sattya genannt.
Dieser Begriff bezeichnet eigentlich strenggenommen das sinnenbedingte Verhaftetsein, aus dessen Wirksamkeit das Karma dann als Endprodukt erst entsteht, als selbstverschuldete Schicksalsbedingung. Mit der nichtung ist das Nirvana gemeint, das durch die Ubung des ges" erreicht werden soil. Die acht Glieder dieses Weges sind folgende:
1. sanskr. samyag dristi sinojap. shoken = rechte Ansicht 2. ss samyak samkalpa ss shoshiyui = rechtes Denken 3. s samyag vac ss shogo = rechte Rode
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4. 〃 samyak karmanta 〃 sh696 =rechtes Verhalten 5. 〃 samyag ajiva 〃 sh6my6 =rechtes Lebell 6. 〃 samyag vyayalna 〃 sh6sh6jin=rechte Anstrengullg 7. 〃 samyak smriti 〃 sh6nen =rechtes Achten 8. 〃 samyak salnadhi 〃 shoso =rechte Sammlung
70) Mit diesem Satz schlie$t die Erklarung der zu Anf ang des Sutra gegebenen Erkenntnis. Dieser Satz bildet gewisserma8en das Fazit, den
Schlus", fur den das bisher Angef iihrte alles Pramisse" war. In diesen Satz ist auch, in pragnantester Form, der Inhalt der Erkenntnis der Zentralfigur dieses Sutra, des Bodhisattva Avalokitesvara, drdekt and zugleich verschldsselt. Dieser Bodhisattva vertritt ja auch die Tendai-Lehre (s. a. Ann. 49), der Kukai die hochste Stufe der auf
exoterischem Wege moglichen Erkenntnis einrduznt.
71) Die Buddhas haben durch ihre Erleuchtung das an Unterscheidungen haf tende Bewu3tsein ilberwunden and Bind daher auch der Dimension der Zeit nicht mehr verhaf tet. Sie sired durch ihre Buddhaschaf geboren and unvergdnglich" (sinojap. fusho-fumetsu).
72) s. a. Anm. 11. Durch das in der zur Vollendung gebrachten heit Ruhen wird nicht nur eine momentane Erleuchtung, sino jap.
sho, sondern eine endgiiltige, allumfassende, sinojap. ensho (=runde Wahrheitsbezeugung") erreicht; d. h. die im Herzen eines jeden