“ Endemann 9.00 Endemann
„ Stein 9.00 Stein
„ Rehma 9.00 erh. Rehma
350,00
Eine Promotion war also eine durchaus kostspielige Angelegenheit.62) Es ist zwar immer schwierig, einen historischen Vergleich von Kaufkraft zu ziehen, nimmt man aber nur das Beispiel, dass ein Chemiearbeiter um 1900 einen Monatslohn von 120 Mark erhielt, oder 1902 der durchschnittliche Tariflohn für Arbeiter 70 Mark betrug, würden die Kosten einer Promotion bei drei bzw.
fünf solcher Monatslöhne gelegen haben.63)
Im Übrigen zeigt die Gebührenabrechnung auch die wichtige Rolle und mehrfache Funktion des Dekans (Endemann) bei den Promotionsverfahren;
dem Dekan standen demnach insgesamt ca. 20 % der Gesamtgebühren zu.
überwiegend die gleichen waren.
Andererseits wird die Vergleichbarkeit des Promotionsverfahren dadurch etwas eingeschränkt, dass bei Kambe einige Ausnahmen gemacht wurden, zB wurde keine Vorprüfung verlangt, weil er bereits als Professor in Japan tätig war. Hier machte die Fakultät wohl von dem in der Prüfungsordnung vorgesehenen Ermessen Gebrauch.64)
Dass beide Dissertation mit rite bewertet wurden, zeigt, dass durchaus strenge Maßstäbe angelegt wurden. In den Gutachten kommt auch zum Ausdruck, dass ein gewisses Wohlwollen angesichts der trotz allem eingeschränkten Sprachkenntnisse entgegengebracht wurde. Im Übrigen hieß es ja in der Promotionsordnung, dass Erteilung eines Prädikats „nach dem Ausfall der Promotionsleistung, insbesondere der mündlichen Prüfung“ erfolgte. Wenn man allerdings bedenkt, was zB Takaki noch an Aufwand für die Vorprüfung durch die Textinterpretationen erbringen musste, war es für ausländische Studenten doch eine sehr große Hürde, die sie zur Erlangung des Doktogrades überwinden mussten.
Anhand des Studienverlaufs und des Promotionsverfahrens von Takaki kann man im Übrigen noch etwas Beispielhaftes erkennen: Ein Studienortwechsel war in der Zeit nicht ungewöhnlich, wohl auch vor dem Hintergrund, dass es schwierig war, Informationen über die Studien- und Promotionsbedingungen und die einzelnen Professoren zu erhalten und vielleicht erst nach einiger Zeit erkennbar war, wo und bei wem das Studium fortgesetzt werden sollte. Die Frage, wer von den Japanern warum sein Studium wo in Deutschland bzw.
Europa an einer bestimmten Universität begonnen hat und welche Gründe tatsächlich zu einem Studienortwechsel geführt haben, kann in dem hier
64) Mangels Verfügbarkeit der Promotionsordnung (PO) der Philosophischen Fakultät wird davon ausgegangen, dass einige Grundregeln gleich waren, wie die der juristischen Fakultät.
vorgelegten Text noch nicht beantwortet werden. Die Analyse weiterer Quellen wird hierzu eventuell mehr Erkenntnisse liefern, insbesondere vor dem Hintergrund, dass die folgenden Untersuchungen ebenfalls thematisch nach Rechtsgebiet geordnet erfolgen und so gewisse Gemeinsamkeiten eher erkennbar werden.
本研究はJSPS科研費24330006及び16H01975の助成を受けたものです。
Anhang 1.EntwicklungderFakultätenanderUniversitätTübingen
2.StudienortwechseljapanischerStudentenindenerstenJahrennachderMeiji-Restauration
3. CV Takaki
4. Aus der Promotionsakte von Takaki: Hanschriftlicher Text von Takaki zur Digestenexegese und Kommentierung von Fitting
5. Promotionsurkunde Takaki
6. Aus der Promotionsakte von Kambe (Protokoll mündliche Prüfung)
7. Promotionsurkunde Kambe
8. Kurzportrait der deutschen Professoren, die an den Promotionsverfahren sowohl von Takaki als auch Kambe beteiligt waren65):
a) Hermann Fitting (1831-1918)
Fitting studierte die Rechte in Würzburg, Heidelberg und Erlangen. Dort wurde er 1852 mit einer Arbeit über den »Begriff von Haupt- und Gegenbeweis und verwandte Fragen«
p r o m o v i e r t . E r a b s o l v i e r t e d i e A u s k u l t a t u r, d e n Vorbereitungsdienst für das Richteramt, in Zweibrücken und Speyer. Zu Sprachstudien reiste er 1855 nach Paris. 1856 habilitierte sich Fitting an der Universität Heidelberg, bereits im folgenden Jahr berief ihn die Universität Basel auf ein Extraordinariat. 1858 wurde er dort zum ordentlichen Professor ernannt. 1862 nahm er einen Ruf an die Universität Halle an, hier l e h r t e u n d f o r s c h t e e r ü b e r r ö m i s c h e s R e c h t u n d Zivilprozessrecht, speziell Konkursrecht. Außerdem trat er mit rechtshistorischen Abhandlungen hervor (»Das castrense peculium in seiner geschichtlichen Entwickelung und heutigen gemeinrechtlichen Bedeutung« 1871; »Juristische Schriften des früheren Mittelalters« 1876; »Die Anfänge der Rechtsschule zu Bologna« 1888). Zum Geheimen Justizrat ernannt wurde Fitting 1881. Am 1. Oktober 1902 wurde der Hochgeehrte (u. a. Roter Adler-Orden 2. Klasse mit Eichenlaub, Stern zum Kronenorden II. Klasse; Dr. jur.
h. c. der Universität Bologna) auf eigenen Wunsch von den akademischen Pflichten entbunden. Sein Alterswerk, eine Bearbeitung des provenzalischen Rechtsbuches aus der Mitte des 12. Jahrhunderts »Lo Codi« erschien 1906. Vor allem mit seinen rezeptionsgeschichtlichen Schriften und seinen Studien zum Zivilprozessrecht hat sich Fitting, wie Lieselotte Jelowik urteilte, »einen Namen gemacht«, wenngleich »er im Schatten bedeutender deutscher Rechtswissenschaftler steht«.
65) Quelle: https://www.catalogus-professorum-halensis.de
b) Gustav Lastig (1844-1930)
Lastig studierte an den Universitäten Königsberg, Leipzig und Halle Rechtswissenschaften. 1870 promovierte er an der Universität Halle mit der rechtsgeschichtlichen Dissertation »De comanda et collegantia«. Am Krieg gegen Frankreich nahm er 1870/71 als Freiwilliger im Magdeburger Infanterieregiment Nr. X teil und wurde als Unteroffizier entlassen. Noch 1871 habilitierte er sich an der Universität Halle mit einer Arbeit über stille Gesellschaften, die Handelsocietäten im ausgehenden Mittelalter.
Seine Antrittsvorlesung hielt Lastig über die »Vehmgerichte«.
Zum außerordentlicher Professor für Rechtsgeschichte wurde er 1873 ernannt. Ordentlicher Professor wurde er 1878. Vor allem anerkannt wegen seiner substanziellen Beiträge zur Geschichte des Handelsrechts (»Entwicklungswege und Quellen des Handelsrechts«, 1877) bot Lastig auch erfolgreich Kollegien zum Sachsenspiegel an. 1911 wurde Lastig auf eigenen Wunsch von der Lehrtätigkeit entbunden und mit dem Kronen-Ordens III. Klasse sowie 1912 mit dem Roten Adler-Orden III. Klasse geehrt.
c) Rudolf Stammler (1856-1936)
Der, so Gustav Radbruch, »Neubegründer der deutschen Rechtsphilosophie«, studierte Rechtswissenschaften in Gießen und Leipzig. 1877 legte er das erste juristische Staatsexamen ab und promovierte an der Universität Gießen mit einer Dissertation über die strafrechtliche Bedeutung des Notstandes zum Dr. jur.
Danach war er Referendar am Stadt- und Hofgericht Gießen sowie am Kreisamt der Stadt. 1879 bestand er das zweite juristische Examen und ging nach Leipzig, um seine Studien bei dem damals bedeutendsten Pandektisten Bernhard Windscheid fortzusetzen. Noch im selben Jahr habilitierte er sich an der Universität Leipzig mit einer Schrift über den Nießbrauch an Forderungen für das Fach römisches Recht. 1882 wurde Stammler als beamteter außerordentlicher Professor an die Universität Marburg berufen, 1884 erhielt er an der Universität Gießen ein Ordinariat. 1885 wechselte Stammler an die Universität Halle auf ein Ordinariat für Rechtsphilosophie, bürgerliches Recht und Rechtsgeschichte. Rufe nach Berlin (1890, Universität), Straßburg (1895), Berlin (1905, Handelshochschule) und Leipzig (1911) lehnte er ab. In Halle amtierte er 1903/04 als Rektor. 1916 wurde Stammler per Ministerialerlass an die Universität Berlin versetzt und dort 1921 emeritiert. Seinen Lebensabend verbrachte der Hochgeehrte (Roter Adler-Orden 3. Klasse, Komtur II. Klasse des Anhaltinischen Hausordens Albrechts des Bären, Ehrendoktorwürden der Universitäten Göttingen, Halle, Dresden, Mitglied der Ungarischen Akademie der Wissenschaften und der Academy of Arts and Sciences Boston, USA) in Wernigerode.
Stammlers Rechtsphilosophie resultierte aus fest verwurzelten Überzeugungen, die ihm eigene Art des Hinterfragens lässt sein Werk in der Rückschau jedoch als facettenreich und s o r g f ä l t i g a b g e w o g e n e r s c h e i n e n . G u s t a v R a d b r u c h b e z e i c h n e t e i n e i n e m Geburtstagsglückwunsch Stammlers Ideal als das einer »Gemeinschaft frei wollender Menschen«. Hieraus folgerte sicherlich dessen Engagement für rechtsstaatliche Zustände, die er als zivilisationsprägend ansah (»Die Bedeutung des Deutschen Bürgerlichen Gesetzbuches für den Fortschritt der Kultur«, 1900). Notwendigerweise lehnte Stammler naturrechtliche Grundsätze nicht völlig ab, drängte aber auf die Berücksichtigung sozialer Rahmenbedingungen und sich verändernder, gesellschaftlich bedingter, Inhalte. Die vorherrschende historisch-positivistische Methode der Rechtswissenschaft war für Stammler Anlass, über Verfahren der Rechtssetzung nachzudenken. Stammler reduzierte die Frage nach dem Sinn des Rechts, darin Kant folgend und marxistische Ideen ablehnend, auf die Suche nach Gerechtigkeit, nach dem »richtigen Recht«. Er ging von einem unbedingt gültigen Rechtsbegriff aus, relativierte diesen jedoch in der Präzisierung. Die Rechtssetzung betrachtete er als ein Verfahren des »geistigen Ordnens« im Ergebnis menschlichen Wollens.
Im Recht sah der Herausgeber der Zeitschrift für Rechtsphilosophie (ab 1913) den
»Zwangsversuch zum Richtigen«, aber letztlich eine Harmonisierung der »denkbaren Willensinhalte« (»Lehre vom richtigen Recht«, 1902, 2. Auflage 1926; »Rechts- und Staatstheorien der Neuzeit«, 1917, 2. Auflage 1925). Folgerichtig war für Stammler auch das Plädoyer für den wissenschaftlich-philosophischen Charakter des Rechts, da er in der Jurisprudenz zwar eine »Zweckwissenschaft«, nicht aber eine bloße Kulturtechnik oder verankerte Herrschaftsverhältnisse erblicken konnte. Stammlers weitgreifende Aussagen über Wollen und Gerechtigkeit, auch zum Verhältnis des Rechts zur Wirtschaft, waren Anlass zu grundlegenden Kontroversen in der politisch geprägten Wissenschaftslandschaft des Kaiserreichs. Zum einen wurde Stammlers, im damaligen Sinne »idealistischer« Ansatz, bedeutsam für die Ethik der sogenannten »Kathedersozialisten«. Zum anderen lieferte er Angriffspunkte, aus denen der Soziologe Max Weber, eine damals als »materialistisch«
verstandene, weit ausholende, historisierende Gesellschaftsbescheibung entwickelte. Für Stammler war Weber jedoch nur, so zeigen Privatbriefe, ein »unfertiger Empirist durchschnittlichster Art«. In diesen privat gemeinten Schreiben, die Matthias Wenn in seiner Dissertation über Stammler edierte, erscheint Stammler als liberal-konservativer Philosoph, der den durch die Novemberrevolution 1918 geschaffenen Zuständen ablehnend gegenüber stand. Die »elende und niederträchtige Revolution« habe lediglich einen »Trümmerhaufen«
geschaffen, meinte er. Vorrangig sei also jetzt – 1919 – die Sorge »zunächst weniger für das Soziale«, als für »das Recht«. Gegenüber den Trägern der »nationalsozialistischen Revolution« von 1933 wahrte Stammler keine solche Distanz, engagierte sich jedoch auch nicht explizit für das neue totalitäre Regime.
d) Edgar Loening (1843-1919)
Loening studierte an den Universitäten Bonn und Heidelberg Rechtswissenschaft (vor allem beim Rechtshistoriker Johann Kaspar Bluntschli) und Philosophie sowie Geschichte (u. a. bei Heinrich von Sybel). Folgerichtig promovierte er zum Dr. phil.
( B o n n 1 8 6 5 ) u n d D r. j u r. ( L e i p z i g 1 8 6 9 ) . I n s e i n e r philosophischen Dissertation »De pace domestica« wertete er ein breites Spektrum von Quellen des römischen und deutschen Rechts aus und untersuchte das Problem des Hausfriedens unter verschiedenen Aspekten. Seine Habilitationsschrift »Die Erbverbrüderungen zwischen den Häusern Sachsen und Hessen und Sachsen, Brandenburg und Hessen (Heidelberg 1867) behandelte die Geschichte der verschiedenen Erbverträge der fürstlichen Häuser, erörterte aber in erster Linie ihre Geltung unter gegenwärtigen Bedingungen. Von 1870 bis 1872 war er in der Verwaltung von Elsaß und Lothringen beim Regierungspräsidium Elsaß tätig (ausgezeichnet mit dem Eisernen Kreuz II. Klasse am weißen Bande). 1872 erhielt er ein besoldetes Extraordinariat an der Universität Straßburg. Von 1877 bis 1883 wirkte er als ordentlicher Professor der Rechte an der Universität Dorpat. 1878 veröffentlichte Loening eine 2-bändige Geschichte des frühmittelalterlichen Kirchenrechts (»Das Kirchenrecht in Gallien von Constantin bis Chlodowech«, »Das Kirchenrecht im Reiche der Merowinger«), 1880 ein Buch zum Thema
»Die Befreiung des Bauernstandes in Deutschland und Livland«. 1883 erhielt er einen Ruf auf ein Ordinariat an der Universität Rostock. 1886 nahm Loening den Ruf auf eine ordentliche Professur für Staats-, Verwaltungs-, Völker- und Kirchenrecht an der Universität Halle an. Hier trug er zur Profilierung des noch jungen Verwaltungsrechts bei und widmete sich staatsrechtlichen Fragen. So veröffentlichte er 1899 eine Untersuchung über die
»Heilung notorischer Missheiraten«, die er im Auftrag des Vereins der deutschen Standesherren abgefasst hatte. In dem Buch erörterte er die Genese der rechtlichen Grundlagen für die Ehen zwischen Adligen und bürgerlich geborenen Frauen und prüfte die Frage der Geltung der alten Hausrechte unter den neuen Bedingungen des Bürgerlichen Gesetzbuches. 1903 entstand eine Studie zum völkerrechtlich bedeutsamen Thema der
»Gerichtsbarkeit über fremde Staaten und Souveräne«. Auch zahlreiche Vorträge zum Verhältnis Staat-Kirche und zur Reichsverfassung wurden in teilweise hohen Auflagen gedruckt. Für die Kaiserlich-russische Staatsregierung fertigte er ein Gutachten zur Neugestaltung der Universitäten an. Loenings Alterwerk war eine Darstellung der preußischen Rechts- und Verfassungsgeschichte (Gerichte und Verwaltungsbehörden in Brandenburg-Preussen« 1914). Bleibende Verdienste erwarb sich Loening auch als Mitherausgeber des Handwörterbuchs der Staatswissenschaften (gemeinsam mit Johannes Conrad). 1899/1900 war Loening Rektor der Universität, gemeinsam mit seinem Freund C o n r a d i n i t i e r t e e r d e n U m b a u d e r J u r i s t i s c h e n F a k u l t ä t z u r R e c h t s - u n d staatswissenschaftlichen Fakultät. 1901 wurde Loening zum Vertreter der Universität im Preußischen Herrenhaus berufen. Der hochdekorierte Geheime Justizrat (Stern zum Kronenorden 2. Klasse, Komtur 2. Klasse des Hausordens Albrecht des Bären, Roter