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auch, dass sowohl in diesen Ausführungen als auch in der Literaturliste der Name Roesler, der mit dem Entwurf eines Japanischen HG aufs engste verbunden ist, nicht auftaucht.56)

Dies ist auch deshalb bemerkenswert, weil Lastig ebenfalls in seinem Gutachten diesen Namen unerwähnt lässt, obwohl er ihn gekannt haben muss. Schließlich hatte er Takaki veranlasst, den von Roesler verfassten Entwurf aus Japan kommen zu lassen. Wie wenig er von Roesles Arbeit und den dem Entwurf beigelegten Motiven gehalten hat, wird aus seinem Kommentar ...“Der Japanische Entwurf, von einem Deutschen ausgearbeitet, der leider der Aufgabe nicht gewachsen ist, dennoch offenbar sich zum Schöpfer neuen Rechts für befähigt hält,...“ mehr als deutlich.

Fakultät der Universität Halle ab WS 1899 ein, studierte dort zunächst drei Semester, ging für ein Semester nach Berlin (SS 1901), um dann nach Halle zurückzukehren und seine Promotion abzuschließen.

Kambe war der erste „Student“ der Keio, der zum Studium ins Ausland ging.

Die Tatsache, dass er dann direkt in Halle anfing zu studieren, nahm man im Zuge der 2008 etablierten Partnerschaft zwischen den Universitäten Keio und Halle-Wittenberg zum Anlass, eine nach Kambe benannte Gastprofessur in Halle einzurichten, die es Professoren der Keio ermöglicht, zu Lehr- und Forschungszwecken Halle zu besuchen.57)

Unter den japanischen Studierenden der Meiji-Zeit nimmt Kambe insoweit eine Sonderstellung ein, als er in Japan bereits als Professor für Zivilrecht an der Keio-Universität etabliert war, für ihn also der Aufenthalt in Deutschland vor in der Heimat beruflich abgesicherten Lebensumständen stattfand. Dass ein Hochschullehrer aus dem Ausland in Halle promovieren wollte, wurde von den deutschen Professoren mit leichtem Erstaunen zur Kenntnis genommen, Kambe selbst sah es eventuell auch als eine persönliche Herausforderung, um sich einerseits auf eine Stufe mit den deutschen Hochschullehrern stellen zu können, andereseits, um auch in Japan seine wissenschaftliche Reputation zu stärken.

In Kambes‘ Dissertationsakten gibt es kein Abgangszeugnis, aus dem hervorgeht, welche Vorlesungen Kambe gehört hat. Insofern kann man nur auf die in seinem Lebenslauf genannten Namen zurückgreifen. Einigen Bemerkungen der Gutachter im Promotionsverfahren kann man entnehmen,

57) https://www.politik.uni-halle.de/japanologie_oberlaender/haniel_hochschulkooperation/kambe_

torajiro-gastprofessur/; Kurzinfo zu Kambe: https://www.politik.uni-halle.de/japanologie_

oberlaender/haniel_hochschulkooperation/kambe_torajiro-gastprofessur/kambe_torajiro/

dass der Sonderstellung Kambes durchaus in gewisser Weise Rechnung getragen wurde.

Trotzdem ist es interessant, sowohl die Verfahrensakten als auch die Dissertation selbst mit den Unterlagen anderer Japaner zu vergleichen, die vorher oder nachher zum Studium in Deutschland waren, da sie einerseits auch etwas über Unterschiede im Umgang und bei Verfahrensinhalten zeigen (k e i n e N o t w e n d i g k e i t d e r v o r h e r i g e n Vo r l a g e v o n E x e g e s e n/

Textinterpretationen), zum anderen aber auch die unterschiedliche Art und Weise erkennen lassen, mit der die betreffenden Personen sich mit der ihnen zur Bearbeitung zugewiesenen Materie beschäftigt haben.

Formale Nachweise über den Vorlesungsbesuch gibt es, wie erwähnt, zwar nicht, in dem auf Deutsch geschriebenen Lebenslauf am Ende der Dissertation erwähnt Kambe jedoch die Namen von Dozenten, deren Vorlesungen er in Japan und Deutschland besucht hatte:

Japan: Wigmore58), Droppers, Ehmann, Loyd,

Maida, Koga, Tomitani, Ishiwata, Kawamura, Shiba, Tanabe

Halle: Fitting, Lastig, Loening, Stammler, Endemann, Frank, Stein, Heck, Liepmann, Conrad, Vaihinger

Berlin: Gierke, Kahl, Hübler, Kohler, Bornhak

Unklar aufgrund mangelnder Belege im Archiv bleibt in diesem Zusammenhang, wie die Gebührenregelung für den Besuch der Vorlesungen durch Kambe gehandhabt wurde. Eventuell gab es für Dozenten aus dem

58) John Henry Wigmore (1863-1943), Jurist und Harvard Absolvent, wurde als ausländischer Berater von 1889-1892 an die juristische Fakultät der Keio Universität abgeordnet. In dieser Zeit widmete er sich intensiv dem Studium des Rechts des Tokugawa-Shogunats, über das er umfangreiches Material in englischer Übersetzung publizierte: Law and Justice in Tokugawa Japan 1603-1867, 15 Vols. https://en.wikipedia.org/wiki/John_Henry_Wigmore#cite_note-1

Ausland Ausnahmeregelungen.

Weiterhin interessant ist, dass Kambe sein Dissertationsthema nicht selbst gewählt hat, ihm dies vielmehr als Alternative zugewiesen wurde. Sein Plan war ursprünglich, ein römischrechtliches Thema aus dem Privatrecht bei Endemann zu bearbeiten. Dieser gab ihm jedoch zu verstehen, dass dafür sehr gute Lateinkenntnisse nötig sind, über die Kambe nicht verfügte. Dass der Alternativvorschlag dann auf ein gesellschaftsrechtliches Thema fiel, verwundert nicht, da die Reformen des Handels- und Gesellschaftsrechts in dieser Zeit in beiden Ländern ein beherrschendes Thema war und es außer der Arbeit von Takaki noch nicht viele rechtsvergleichende Publikationen dazu gab. Zurück in Japan widmete sich Kambe jedoch wieder voll dem Zivilrecht, war maßgeblich am Auf- und Ausbau der juristischen Fakultät beteiligt und hat sich in seiner Position einen hervorragenden Ruf erarbeitet.59)

2.2 Zur Dissertation

Inhaltlich ist Kambes‘ Arbeit in zehn Paragrafen unterteilt:

Einleitung, Die alte deutsche oHG, Überblick über das japanische HGB, Begriff und juristischer Charakter der oHG, Errichtung der oHG, Rechtsverhältnis der Gesellschaft nach innen und nach außen, Änderung der Gesellschaft, Auflösung und Liquidation.

Bemerkenswert ist zunächst, dass anders als bei Takaki überhaupt kein Literaturverzeichnis vorhanden ist und auch im Text, wie vom Co-Referenten ausdrücklich bemängelt, Literaturhinweise kaum vorhanden sind. Die

59) Vgl. https://ja.wikipedia.org/wiki/神戸寅次郎; Publikationsübersicht: https://iss.ndl.go.jp/books/

R100000002-I000001205654-00

entsprechenden Fußnoten beziehen sich meist nur auf Gesetztestexte bzw.

deren Übersetzung.

Im Text zitiert sind lediglich:

Lönholm, japanisches Handelsrecht 1885

Ders., Das Bürgerliche Gesetzbuch für Japan, 1897 Borchardt, Übersetziung altes Jap. HGB (1896) Cosack, Lehrbuch des Handelsrechts, 5. Aufl.

Lastig, in Goldschmidts Zeitschrift für das Gesamte Handelsrecht, Bd.24, 427 (ohne Titelangabe) und Die Auflösung der kaufmännischen Gesellschaften (nicht erwähnt: erschienen in Festgabe für Bernburg, 1900).

Schmidt, Handelsgesellschaften in den deutschen Stadtrechtsquellen des Mittelalters, 1883

Behrend, Handelsrecht

Staub, Kommentar zum Handelsgesetzbuch, 6. U. 7. Aufl. (?) Laband, Beiträge zur Dogmatik der H.G.

Endemann, Handbuch des H.R.

Gerber, Deutsches Privatrecht Staub, zu § 124 HGB

Kuntze, Prinzip und System der Handelsgesellschaften Gierke, Deutsches Privatrecht

An zwei Stellen wird auf Übersetzungsfehler aus dem Japanischen hingewiesen; Borchardt, S. 76 Fn1 und Lönholm, S. 94 Fn, woraus geschlossen werden kann, dass er sich mit diesen Quellen kritisch beschäftigt hat.

Japanische Literatur wird allerdings mit keinem Wort erwähnt, ebensowenig wird zB. auf die Arbeit von Takaki hingewiesen, die sich als Referenzliteratur angeboten hätte.

Zum konkreten Inhalt: In der Einleitung beschreibt Kambe auf ca. zehn Seiten recht anschaulich die Rechtsentwicklung im Japan der Meiji-Zeit und geht dabei auch auf die Einflüsse des ausländischen Rechts in den verschiedenen Rechtgebieten ein. In Bezug auf das Handelsrecht ist es zumindest bemerkenswert, dass er – anders als Takaki – den Namen Roesler (Rössler) erwähnt und auf dessen Bedeutung bei der Ausarbeitung eines japanischen HGB hinweist, auch wenn der ursprüngliche Entwurf wegen diverser Widerstände nicht in der anfangs gedachten Fassung zustande kam.

Am Ende der Einleitung konzentriert er sich auf Fragestellungen zur OHG und findet so leichten Übergang zu §2, in dem er sich mit der alten deutschen offenen Handelsgesellschaft beschäftigt und zur historischen Erläuterung aus einer nicht näher bezeichneten Abhandlung von Lastig60) zitiert (S. 10f.).

I n § 3 g i b t K a m b e d a n n e i n e n Üb e r b l i c k üb e r d a s j a p a n i s c h e Handelsgesetzbuch von 1891 im Vergleich zu dem alten Entwurf von 1871, geht hier auch kurz auf die „stille Gesellschaft“ ein, ohne jedoch die Arbeit von Takaki zu erwähnen, die ihm eigentlich bekannt gewesen sein müsste. Es folgen Ausführungen über den Begriff und den Charakter der oHG im deutschen und japanischen Recht, wobei durchaus bemerkenswerte rechtsvergleichende Überlegungen angestellt und aus diverser deutscher Literatur zitiert wird (Endemann, Gerber, Staub). So kann der Meinungsstand zu diversen Fragestellungen gut nachvollzogen werden. Auch die Beschreibung der Errichtung der oHG erfolgt rechtsvergleichend zum deutschen und japanischen Recht, allerdings vorwiegend unter Zitierung der einschlägigen Paragraphen. In den §§ 6 und 7 geht es um das Innen- und Außenverhältnis ,

60) Gemeint ist wohl Lastigs umfangreiche Rezension der Studie von Endemann über die romanisch-kanonistische Wirtschafts- und Rechtslehre (1874) in der Zeitschrift für das gesamte Handelsrecht, unter dem Titel „Beiträge zur Geschichte des Handelsrechts“ I und II (1880?). Vgl.

dazu G. Dilcher/S. Lepsius (Hrsg), Max Weber, Zur Geschichte der Handelsgesellschaften im Mittelalter, Schriften 1889-1894, (2008), S. 36.

wobei neben einigen wenigen Literaturhinweisen auch ein Urteil von 1873 zur im deutschen Recht strittigen Frage zitiert wird, ob bei der Übertragung von Eigentum der Gesellschafter auf die Gesellschaft (Illitation) die dazu gewöhnlichen Rechtsformalitäten wie Auflassung etc. auch dann einzuhalten sind, wenn die einzubringende Sache schon vorher im Eigentum sämtlicher Gesellschafter stand. Kambe meint dazu, dass im japanischen Recht die Rechtsformalitäten einzuhalten sind, weil ein Eigentumswechsel zwischen natürlichen und juristischer Person stattfände und sieht hier einen Gegensatz zu der von Cosack und Staub vertretenen Meinung, wonach ein Eigentumswechsel bei den Gesellschaftern durch Änderung ihres Status‘ von ursprünglich gewöhnlichen Miteigentümern zu Mitgliedern der oHG stattfindet.

Dies ist ein Beispiel für ein durchaus tiefergehenderes Verständnis der gesellschaftsrechtlichen Materie.

Fragen der Änderung der Gesellschaft werden ebenfalls im Detail analysiert, wobei Kambe sich veranlasst sieht, zu der Regelung im neuen JHGB, wonach anders als in der alten Fassung die freie Auseinandersetzung des Gesellschaftsvermögens bei der oHG möglich ist (S. 84), kritisch Stellung zu beziehen (S. 84 Fn1). Diese und weitere Fragen der Auflösung der Gesellschaft wird etwas gedrängt in § 9 erörtert, bevor dann am Ende die Liquidation der Gesellschaft zwar intensiv erörtert wird, allerdings ohne Hinweise auf weiterführende Literatur.

So stellt diese Arbeit im Ergebnis ein interessantes Traktat der deutsch-japanischen Rechtsvergleichung im Gesellschaftsrecht dar, leidet allerdings unter der geringen und nachlässig gehandhabten Quellenverwendung.

Am Ende der Arbeit stehen noch sechs Thesen,61) bei denen nicht ganz klar ist,

61) Nach Nr. 6 der Promotionsordnung der Uni Halle (s.o. Fn. 23) waren wenigstens sechs Thesen

in welchem Verhältnis sie zum gesamten Promotionsverfahren stehen, da sie jedenfalls nicht alle zum Gegenstand der mündlichen Prüfung gemacht wurden, überwiegend aber auch nicht im direkten Zusammenhang mit dem Dissertationsthema stehen:

I: Die offene Handelsgesellschaft ist von dem japanischen Rechte als juristische Person gestaltet, dies würde sich auch für das deutsche Recht empfehlen.

II: Das interdictum uti possidetis hatte rekuperatorische Wirkung.

III: Bei Verpfändung einer Sache für eine zukünftige Forderung entsteht ein Pfandrecht nach römischem Rechte erst mit der Forderung und nicht bereits mit der Verpfändung.

IV: Das Wandelungsrecht des Käufers ist nach dem D.B.G.B. kein Anspruch auf Vertragsschluss.

V: Der Besitz ist nach dem B.G.B. als Rechtsverhältnis und nicht bloss als Thatsache aufzufassen.

VI: Eine selbständige, nacheinander erfolgende Anstiftung seitens mehrerer Personen ist rechtlich unmöglich.

2.3 Dissertationsgutachten (von Lastig und Rehme)

„Referat zu der Dissertation des Prof. Torajiro Kambe

mit der Dissertation abzuliefern.

Wie aus dem Lebenslauf des Kandidaten ersichtlich ist, hat dieser seine ganze Studienzeit in Japan absolviert und ist dann dort in Tokio zuerst Assistenzprofessor (93 – 98) gewesen, dann 1899 Professor geworden.

Seitdem hat er fünf Semester (über das letzte hier in Halle verbrachte liegt die Exmatrikel noch nicht vor) hier in Halle und Berlin studiert.

Unter diesen Umständen glaube ich an des Professoren Arbeit einen anderen Maßstab legen zu sollen als sonst bei unseren deutschen Kandidaten. Herr Kambe, der ursprünglich ein römischrechtliches Thema wählen wollte, wandte sich, nachdem ihm Herr Professor Endemann wegen nicht ausreichender Befassung der lateinischen Sprache hiervon abgeraten hatte, auf weiteren Rat des Herrn Professor Endemann an mich mit der Bitte ihm ein Thema aus dem Gebiet des neuen japanischen Gesellschaftsrechtes zu geben. Das vorgeschlagene Thema: „die offene Handelsgesellschaft“ bildet den Gegenstand der Dissertation.

Da das japanische Recht ganz nach dem Vorbild des deutschen Handelsrechts gearbeitet ist, so ist ein stetes Zurückgehen auf deutschrechtliche Entwickelung , Gesetzgebung, Doktrin und Literatur für den Japaner geboten.

So sehr sich die Japanische Offene Handelsgesellschaft von der deutschen schon in der Grundauffassung, dann auch in der Stellung der einzelnen Gesellschafter Dritten gegenüber, ferner auch in einer Menge von Einzelheiten unterscheidet, so ist doch gerade hier die vom Professor gezogene Parallele zwischen beiden Rechten interessant.

Zur Ermöglichung der Kontrolle hat Herr Prof. K. eine Übersetzung der erforderlichen Zeilen des neuen japanischen bürgerlichen Gesetzbuches und des Handelsgesetzbuches beigefügt; von letzterem zwar nur die des Entwurfes von 1899, doch hat er in kurzer Zeit später das erst dann erlassene neue Gesetz selbst besorgt ; ein Problem Laber ist daraus wenigen kleinen neu zugefügten nicht entstanden , denn abgesehen von den §§ stimmt der vorliegende Entwurf mit dem jetzt geltenden Gesetz wörtlich überein.

Herrn Prof. K. ist es in erster Linie darauf angekommen, das japanische Recht zur Darstellung zu bringen, nur inhaltlich geht er auf das deutsche Recht ein, dafür ist es ihm wohl auch nicht vorzuwerfen. wenn er die deutsche Literatur nicht in ausgiebigerem Maße benutzt hat. Eine Reihe von Punkten in denen ich mit dem Verf. nicht einverstanden bin, habe ich angestrichen aber ich glaube davon absehen zu dürfen, sie hier zu besprechen, da wir Herrn Prof. K. die eigene Vertretung seiner Arbeit voll überlassen müssen. Aber auch in ihrer vorliegenden Gestalt hege ich keine Bedenken sie für eine völlig ausreichende Dissertation zu erklären u n d b e f ü r w o r t e d e s Ve r f a s s e r s Z u l a s s u n g z u d e n w e i t e r e n Promotionsleistungen.

H. 25/III 02 Lastig

/////////////////////////////////

Korreferat zu der Dissertation des Prof. T. Kambe

An der vorliegenden Dissertation habe ich mancherlei in formeller wie

materieller Beziehung auszusetzen. Unmöglich kann man in Ausdruck und Stil an einen Japaner die gleichen Anforderungen stellen wie an einen deutschen Kandidaten. Indessen kann man doch wohl auch von einem Ausländer verlangen, dass man beispielsweise nicht wie der Verfasser nicht durchweg „das Motiv“ (eines Gesetzes) statt „die Motive“

schreibt und die Artikel des A.D.HGBs als §§ bezeichnet, daß er überhaupt die Zitate korrekter faßt, als es der Verfasser gethan hat.

Was den Inhalt anlangt, so ist zunächst zu bemängeln, dass der Verfasser die Artikel 24-37 des Einführungsgesetzes zum Japanischen HGB, welche die offene Handelsgesellschaft betreffen, nicht berücksichtigt hat. Dagegen möchte ich es ebensowenig wie der Herr Referent dem Verfasser zum Vorwurfe machen, dass er die Litteratur über das deutsche Recht auch nicht annähernd vollständig herangezogen hat. Wohl aber ist es zu tadeln, dass er die Litteratur über das japanische Recht mit keinem Worte erwähnt, umso mehr, als er in seiner Arbeit eine dahingehörige Schrift nicht nur benutzt, sondern ihr sogar einige Sätze wörtlich (ohne jede Q u e l l e n a n g a b e ) e n t n o m m e n h a t . E s i s t d i e s e i n e ( z i e m l i c h unbedeutende) Schrift über das Handelsgesellschafts- und Wechselrecht, Materien, die in Japan bereits vor Inkrafttreten einer handelsrechtlichen Kodifikation gesetzlich geregelt worden waren: Löhnholm, Japanisches Handelsrecht, Tokyo 1895. (vgl. meine Anmerkungen zu S. 3.7.9 der Dissertation.) Ob der Verfasser in japanischer Sprache geschriebene Wercke benutzt hat, vermag ich nicht zu beurteilen, da ich der japanischen Sprache nicht mächtig bin.

Zahlreiche Einzelheiten, in denen dem Verfasser nicht zuzustimmen ist, hat schon der Herr Referent angemerkt; ich habe weitere Stellen (mit Tintenstift) an den neben dem Text befindlichen leeren Seiten

angestrichen.

Trotz alledem halte ich mit dem Herrn Referenten die Arbeit für eine völlig ausreichende Dissertation und befürworte ich gleichfalls die Zulassung des Verfassers zu den weiteren Dissertationsleistungen, stelle jedoch anheim, eventuell dem Verfasser aufzugeben, vor der Drucklegung der Dissertation

1) a u f d i e i n B e t r a c h t k o m m e n d e n B e s t i m m u n g e n d e s Einführungsgesetzes (wenigstens in Anmerkungen) hinzuweisen 2) Die Löhnholmsche Schrift sowie etwa sonst noch benutzte Schriften in

gehöriger Weise aufzuführen,

3) Die gröbsten Formmängel, wie die von mir vorhin erwähnten, zu beseitigen – ich erkläre mich bereit, hier dem Verfasser behilflich zu sein.

H. 2.4.1902 Rehme

////////////////////////////

Ich stimme mit dem Herrn Referenten und dem Herrn Correferenten u n b e d e n k l i c h f ü r d i e Z u l a s s u n g z u d e n w e i t e r e n Promotionsleistungen...

Halle, 4. April 1902 Fitting

Auch ich stimme für Zulassung zu den weiteren Promotionsleistungen.

Halle/S. 7. April 1902 Loening

Ebenso

H. 11.04.02 Stammler

Für Zulassung

H. 12 IV. 02 Stein

2.4 Protokoll der mündlichen Prüfung

Verhandelt Halle 22. April 1902

Es wird die mündliche Prüfung zum Dr.-Examen des stud. Torajiro Kambe abgehalten.

Professor Fitting fragte nach der Form, worin die Konkurseröffnung ausgesprochen wird, und nach dem dagegen zugestandenen Rechtsmittel der sofortigen Beschwerde, ferner nach den Maßregeln, die das Konkursgericht zugleich mit der Konkurseröffnung zu treffen hat. Dem Candidaten machten die mangelhaften Kenntnisse der deutschen Sprache große Schwierigkeiten; gleichwohl können seine Antworten als ausreichend bezeichnet werden.

Endemann, als Dekan prüfte römisches Recht und bürgerliches Gesetzbuch; Übersetzt wurde D.4i.2.3.i3. Besitzerwerb, Arten der Besitzer, Eigentum, res mancipi, Kauf, Erbschaftsanspruch.

Die Antworten waren im Ganzen gut.

Prof. Lastig fragte nach der Bedeutung des deutschen Rechts für Japan;

E r w e r b d e s G r u n d b u c h e i g e n t h u m s n a c h B G B ; I n h a l t d i e s e s E i g e n t u m s r e c h t s u n d i m G e g e n s a t z d a z u d i e S t e l l u n g d e r Fideicommissbesitzer und ..besitzer.

Die Antworten waren befriedigend.

Prof. Loening prüfte Staatsrecht und Völkerrecht. Die Antworten waren im ganzen genügend.

Prof. Rehme prüfte: Entstehung der Aktiengesellschaft.

Ergebnis: ausreichend.

Prof. Stein prüfte Strafrecht (Kinder, Jugendliche, Mord und Totschlag, Notwehr) Antworten befriedigend.

Der Candidat hat die Prüfung rite bestanden. Das Ergebnis wurde ihm verkündet.

Endemann, Dekan Fitting, Lastig, Loening Stein Rehmer

Q.D.B.V

2.5 Formalia

Zu den Unterlagen des Promotionsverfahrens gehörte auch eine Kostenaufstellung über die Gebühren, die aufgeteilt sind in „Necessaria“, Honorare der Professoren und sonstige.

I Necessaria:

Dekan pro bellariis 17.15 Mark (M.) (quittiert Endemann)

Rektor 8.25 M. (quitt. Sauthier) Univ. Bibliothek 13.60 M.

Univ. Sekretär 4.00 M.

Rektoratskasse 4.00 M. 25 M. 60 erh. Boltze

Pedell I 2.00 M

Pedell II 2.00 M

Sonstige 9.00 M

II Honorare etc.:

Fakultätskasse 10.00 (bleibt in der Fakultätskasse) als Prüfer 17.00 Endemann

Referent (Lastig) 25.00 erh. Lastig

Coreferent (Rehma) 25.00 erh. Rehma für Leitung der Prüfung 20.00 Endemann

für förml. Promotion 20.00 Endemann GehR. Fitting 20.00 erh. Fitting

Lastig 20.00 erh. Lastig

Loening 20.00 erh Loening

Prof. Endemann 20.00 Endemann

Stein 20.00 Stein

Rehma 20.00 erh. Rehma

287,00 Rest 63 M

GehR. Fitting 9.00 erh. Fitting

Lastig 9.00 erh. Lastig

Loening 9.00 erh Loening

Prof. Stammler 9.00 Stammler

⎫⎜

⎜⎜

⎜⎬

⎜⎜

⎜⎜

Endemann 9.00 Endemann

Stein 9.00 Stein

Rehma 9.00 erh. Rehma

350,00

Eine Promotion war also eine durchaus kostspielige Angelegenheit.62) Es ist zwar immer schwierig, einen historischen Vergleich von Kaufkraft zu ziehen, nimmt man aber nur das Beispiel, dass ein Chemiearbeiter um 1900 einen Monatslohn von 120 Mark erhielt, oder 1902 der durchschnittliche Tariflohn für Arbeiter 70 Mark betrug, würden die Kosten einer Promotion bei drei bzw.

fünf solcher Monatslöhne gelegen haben.63)

Im Übrigen zeigt die Gebührenabrechnung auch die wichtige Rolle und mehrfache Funktion des Dekans (Endemann) bei den Promotionsverfahren;

dem Dekan standen demnach insgesamt ca. 20 % der Gesamtgebühren zu.

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