• 検索結果がありません。

a) Die oben vorgelegten Unterlagen sind in mehrfacher Hinsicht interessant und aufschlussreich. Zum einen zeigen sie, wie ein Promotionsverfahren Ende des 19. Jh. auch von der formalen Seite her abgelaufen ist, mit welchen Kosten es verbunden war, wie das Kollegium der Professoren eingebunden wurde und kommunizierte und welche Vor- bzw. Zusatzleistungen ein Doktorand zu erbringen hatte. Damit sind nicht nur die Textinterpretationen gemeint, die für sich genommen schon anspruchsvoll sind, sondern auch die mündliche Prüfung durch sieben Professoren, in der die gestellten Fragen den inhaltlichen Anspruch deutlich machen. Auch wenn davon auszugehen ist, dass die Kandidaten vor der Prüfung mit den Professoren sprechen und den Themenkreis der Fragen einschränken konnten, wird klar, dass die Hürden für ausländische Studenten hoch gelegt waren und es eines intensiven Studiums bedurfte, um diese zu überwinden.

Zum anderen geht aus den Dokumenten aber auch hervor, dass die Professoren nicht nur Rücksicht nahmen auf eingeschränkte Sprachkenntnisse, sondern dies auch bei der Beurteilung der fachlichen Kenntnisse taten („nach milder Beurtheilung“) und so letztlich die Tatsache honorierten, dass das Studium konsequent absolviert worden war. Trotzdem ist erstaunlich, dass ungeachtet der teilweise eindeutig ablehnenden Voten einiger Professoren die Prüfungsleistungen letztlich doch als genügend angenommen wurden. Man könnte fast den Eindruck haben, dass es insoweit eine Absprache innerhalb der Fakultät gegeben hat, was teilweise auch an die heute mancherorts übliche Praxis erinnert: Man bringt zwar

eindeutig zum Ausdruck, dass eine Prüfungsleistung eigentlich vollkommen unzureichend ist, findet dann aber doch noch einen A n h a l t s p u n k t, u m d i e d a r a u s n o r m a l e r We i s e f o l g e n d e Schlussfolgerung zu relativieren. Wie erwähnt dürfte das in Anerkennung der von ausländischen Studenten unternommenen Mühe und Kosten geschehen sein; teilweise kommt diese Einstellung auch in den Gutachten zum Ausdruck.

b) Auch im Gutachten zur schriftlichen Ausarbeitung der Dissertation weist der Referent Lastig auf Gründe hin, bei der Bewertung der Arbeit Nachsicht walten zu lassen. Nicht recht klar ist, was mit dem Hinweis am Anfang „wovon freilich auf die Zeiten von Jena u Berlin nicht viel gefallen zu sein scheint“, gemeint ist. Immerhin hat Takaki dort mehr Vorlesungen besucht, als in Halle. Man könnte es als Hinweis verstehen, dass die betreffenden Vorlesungen wenig m i t d e r D i s s e r t a t i o n s t h e m a t i k b z w. d e m e i g e n t l i c h e n Studienschwerpunkt zu tun hatten.

Es ist davon auszugehen, dass die Endfassung von einem Muttersprachler überarbeitet wurde, da bereits bei der Begutachtung der Arbeit zur Digestenauslegung durch Fitting darauf hingewiesen wurde, dass Takaki „an der Hand seiner Gewährsmänner“ ein richtiges Verständnis der betreffenden Textstelle habe erwerben kön n e n. D.h. , Ta k a k i k o n n t e n u r m i t d e r H i l f e v o n i h n unterstützenden Personen diese diversen Prüfungen überhaupt bestehen. Leider fehlt es an weiterführenden Hinweisen, um wen es sich bei diesen Personen gehandelt haben könnte, in jedem Fall bedeutet es auch, dass er gut in der Studentenschaft integriert

gewesen war.

c) Zur Dissertation selbst ist Folgendes zu bemerken: Bereits aus dem Titel geht hervor, dass es sich um eine thematisch sehr eingeschränkte, spezifische Arbeit handelt, möglicher Weise ist man Takaki hier auch entgegengekommen, damit er tatsächlich in einem angemessenen Zeitrahmen zum Abschluss kommen konnte.

Inhaltlich überrascht zunächst die sehr dürftige Literaturliste, die dann zudem auch nicht erkennbar im Text verarbeitet wird. Es handelt sich um folgende Titel:

Behrend, Lehrbuch des Handelsrechts, 1886; Borchardt, Die geltenden Handelsgesetze des Erdballs, 1883; Endemann, Handbuch des Handels- See- und Wechselrechts, Bd.I 1881; Entwurf eines Handelsgesetzbuches für Japan mit Commentar, 1884 (ohne Hinweis darauf, dass hier der deutsche Jurist Hermann Roesler maßgeblich mitgewirkt hat); Leone Levi, International Commercial Law, 1863;

Lyon-Caen & Renault, Precis de Droit Commercial, 1884; Renaud, Das Recht der stillen Gesellschaft, 1885, Smith, Compendium of Mercantile Law, 1877.

Zumindest kann insoweit davon ausgegangen werden, dass Takaki in der Lage war, außer deutscher auch französische und englische Literatur zu verarbeiten. Die Digestenexeges im Vorfeld des Promotionsverfahren hatte ihm auch durchaus anspruchsvolle Lateinkenntnisse abverlangt.

d) Aufbau und Inhalt der Arbeit können wie folgt zusammengefasst werden: In einer kurzen Einleitung gibt Takaki zunächst einen ganz

kurzen Überblick über den Wandel Japans vom Feudalstaat, mit unterschiedlichen Rechtstraditionen in den Provinzen, zu einer konstitutionellen Monarchie nach westlichem Muster mit intensiven Bemühungen, ein diesen Vorbildern folgendes Rechtssystem aufzubauen, zu denen unter anderem auch der Entwurf eines Handelsgesetzes von 1884 gehörte.

Im ersten Kapitel folgen dann Ausführungen zu den ausländischen Handelsrechtssystemen, die bei den Reformbestrebungen eine Rolle spielten, allem voran zum französischen Recht mit einer Übersicht über die verschiedenen Formen von Handelsgesellschaften. Nicht erkennbar ist hier wie auch bei den folgenden Erläuterungen, auf welche Quellen sich Takaki dabei stützte. Da es sich lediglich um einen darstellenden Text handelt kann man vermuten, dass es sich um die Wiedergabe von Teilen aus den in der Literaturliste genannten Lehrbüchern handelt.

Da diese Liste aber nur Werke zum deutschen, französischen und englischen Recht enthält, bleibt unklar, woher die dem französischen Recht folgenden Informationen über das spanische, holländische, italienische und ägyptische Recht kommen oder warum gerade diese Rechtsordnungen in den Rechtsvergleich mit einbezogen wurden. Es fehlt auch jeder Hinweis, ob und ggfls in welcher Form es gegen- bzw. einseitige Beeinflussungen zwischen/von den genannten Rechtssystemen gegeben hat. Das hätte im vorliegenden Zusammenhang durchaus einen Erkenntnisgewinn gebracht.

Im zweiten Kapitel verschafft der Autor auf sieben Seiten einen Überblick über den japanischen Entwurf eines Handelsgesetzes, in dem lediglich dessen Aufbau, die Unterscheidung in Collektiv-,

Commandit- und Aktiengesellschaften verdeutlicht, aber noch keinerlei Hinweis auf die Art und Weise dessen Zustandekommens oder den Zeitraum der Erarbeitung, noch auf die Mitwirkenden an diesem Entwurf enthält.

Es folgt dann im dritten Kapitel auf ca. 15 Seiten ein historischer Abriß der Entwicklung der Stillen Gesellschaft, angefangen vom römischen Recht und unter Berücksichtigung vor allem des deutschen und französischen, aber auch mit Hinweisen zum

österreichischen und italienischen Recht, was in dieser

Zusammenfassung als durchaus gelungen gewertet werden kann.

Allerdings fehlen auch zu diesem Textteil jegliche Quellenhinweise.

Zum Schluß gibt es dann im vierten Kapitel über 18 Seiten detaillierte Erläuterungen zum Japanischen Recht, insbesondere zu den Regelungen über die stille Gesellschaft und die sonstigen Vereinigungen zum Betrieb einzelner Handelsgeschäfte etc. im japanischen HG-Entwurf, wobei nicht recht klar ist, warum nicht von vornherein das zweite Kapitel mit diesem Teil zu einer einheitlichen Darstellung verbunden wurde. Eventuell wurde das zweite Kapitel nachgetragen, weil in den Gutachten bzw. im Coreferat ein allgemeiner Überblick als noch zu erbringende Nachleistung angemaht wurde und die Positionierung dieses Abschnitts eher unmotiviert an dieser Stelle erfolgte.

Jedenfalls ist auch in diesem Abschnitt kein rechtvergleichender Hinweis darüber enthalten, welche ausländische Rechtsordnung bei der Gestaltung des Entwurfs besonders gewirkt hat oder welche Diskussionen bei dessen Abfassung eine Rolle gespielt haben. Seltsam

auch, dass sowohl in diesen Ausführungen als auch in der Literaturliste der Name Roesler, der mit dem Entwurf eines Japanischen HG aufs engste verbunden ist, nicht auftaucht.56)

Dies ist auch deshalb bemerkenswert, weil Lastig ebenfalls in seinem Gutachten diesen Namen unerwähnt lässt, obwohl er ihn gekannt haben muss. Schließlich hatte er Takaki veranlasst, den von Roesler verfassten Entwurf aus Japan kommen zu lassen. Wie wenig er von Roesles Arbeit und den dem Entwurf beigelegten Motiven gehalten hat, wird aus seinem Kommentar ...“Der Japanische Entwurf, von einem Deutschen ausgearbeitet, der leider der Aufgabe nicht gewachsen ist, dennoch offenbar sich zum Schöpfer neuen Rechts für befähigt hält,...“ mehr als deutlich.

関連したドキュメント