Die Hegelsche Sittlichkeitskonzeption in der Jenaer Zeit: Ihre Wandlung und Errungenschaft
著者 TAKIGUCHI Kiyoei
出版者 法政大学言語・文化センター
journal or
publication title
言語と文化
volume 15
page range 193‑222
year 2018‑01‑10
URL http://doi.org/10.15002/00014336
TAKIGUCHIKi yoei
1 Fragestellung
InseinerJenaerZeitbefasstsichHegelerstmalsernsthaftmitder Sittlichkeit.AllerdingsistinseinenJenaerSchriften(Naturrechtsaufsatz, System derSittlichkeit,diePhilosophiedesGeistesinSystementwurfIund inSystementwurfIII)die Sittlichkeitskonzeption jeweils verschieden.
Gewohnlich wird dieserWandlung derKonzeption so beurteilt,dass HegelsichinderfruherenJenaerZeitnachderklassischenpolitischen Lehrerichtete,dieseaberin derspateren JenaerZeitaufgabundden StandpunktderneuerenNaturrechtslehrekritischannahm.
Ausserdem konnenwirindiesenAbhandlungenMoglichkeitenfur eineneueInterpretationderHegelschenRechtsphilosophiefinden.Laut RiedelhatHegeldentraditionellenburgerlichenGesellschaftsbegriffneu definiertundalsneuesThemadieBeziehungzwischenderburgerlichen Gesellschaftund dem Staatvorgeschlagen1. Habermasfindetin der AnerkennungstheoriederspaterenJenaerZeiteineandereEntwicklungs- moglichkeit der Hegelschen Rechtsphilosophie als die Sittlichkeits- konzeption aufder Basis der Selbstentwicklung des monologischen Geistes. AberseinerMeinung nach hatHegelin derPhilosophiedes GeistesinSystementwurfIIIletztlich den sittlichen Geistdurch diese Selbstentwicklung konstruiertund dabeiden allgemeinenuber den einzelnenWillengestellt.IndieserUnsymmetriezwischenIndividuum und Allgemeinem stelle der politische Staat fur den Burger einen
Di eHegel scheSi ttl i chkei tskonzepti on i nderJenaerZei t:
IhreWandl ungundErrungenschaft
unveranderlichensubstantiellenWillendar2.WennHabermasrechthatte, ergabesichhieraberkeinneuesBildfurHegelsRechtsphilosophie.
DiesebisherigenAuffassungenscheinenmiralsErklarungderJenaer Sittlichkeitskonzeptionnichtzutreffend.InderPhilosophiedesGeistesin SystementwurfIIIhatHegelvielmehrgrundsatzlichdieIndividualitatund dasAllgemeinealsgleichwertigangesehenunddiedem entsprechende SittlichkeitalseinintelligentesGemeinwesenkonzipiert.Dabeiwirddas Thema der Beziehung zwischen dem Staat und der burgerlichen GesellschaftnichtnurausideengeschichtlicherSichtwiebeiM.Riedel, sondern am besten ausderSichtderVerwirklichungdesBeriffesdes Geistes3verstanden. Wirkonnen geradedarin dasUrbild Hegelscher Rechtsphilosophiesehen.AlsomussenwirdieBedeutungderWandels und dieErrungenschaftdiesesNachdenkensuberdieSittlichkeitklar machen,um eineMoglichkeitfureineneueInterpretationderHegelschen Rechtsphilosophiezuveroffnen.DazustelleichzweiGesichtspunktedar;
erstensHegelsAuseinandersetzungmitderFichteschenFreiheits-und Naturrechtslehre― Es gehtsich insbesondere um den Fichteschen Zwangsbegriff,dessenStellenwertsichdrastischverandert-undzweitens seinAufstellenundanschlieendesAufgebenderTheseeinerOrganisie- rungderunorganischenNaturdurchdieSittlichkeit.Dadurchwirddas UrbildderHegelschenRechtsphilosophieneugeklart.
In derJenaerZeitwarHegelinsbesondere mitderFichteschen Naturrechtstheoriebefasst.・
DasersteUnternehmen,denStaatwiederals realeOrganisation zu konstruieren,warFichtesNaturrecht・4,schrieb Schelling damals. Fichte nahm den Standpunkt der empirischen Naturrechtstheoriekritisch aufund stelltedasvernunftigeWesen als ihrenAusgangspunktdar.Darausdeduzierteervernunftig-notwendig dasGemeinwesendervernunftigenWesen.DieserVersuchubernahm methodisch das Motiv der Rousseauschen Theorie und dessen Willenslehre. Hegelhingegen verwirftFichtesNaturrechtstheorie in seinerDifferenzschriftundimNaturrechtsaufsatzalsSystem desZwangs oderderAuerlichkeit.SeinerMeinungnachistFichtesFreiheitsbegriff
― FreiheitalsgegenseitigeBeschrankung― sehrproblematisch,weil dieserBegriffeinSystem desZwangshervorbringe.HegelsUberwindung diesesFreiheitsbegriffeswirdim W andelseinerSittlichkeitskonzeptionin derJenaerZeitoffenbar.Dieserzeigtsichvorallem inseinerheftigen Kritikam ZwangsbegriffunddessenspatererEinfuhrunginseigeneSys- tem.InderPhilosophiedesGeistesinSystementwurfIIIwirdHegelzum erstenMalernsthaftdieFichtescheThematikdesNaturrechtsaufnehmen und daraus das Urbild der spateren Hegelschen Rechtsphilosophie entwickeln.
WasdieKonstruktionderSittlichkeitinderJenaerZeitbetrifft,so gehtesdabeiimmerum dieBeziehungzwischenderSittlichkeitunddem
・ ReichdesBedurfnissesunddesRechts・(GW5.264).Wirsehenindendrei Texten,Naturrechtsaufsatz,System derSittlichkeitundSystementwurfI zunachsteinen konsequentgleichbleibenden Standpunkt,namlich die Organisierung des Gebiets des Bedurfnisses und des Rechts als unorganischeNatur.InderPhilosophiedesGeistesinSystementwurfIII hingegenwirddieserStandpunktaufgegeben.
・ DieGemeinschaftderPerson mitanderen mussdaherwesentlich nichtals eine Beschrankung der wahren Freiheitdes Individuums, sondernalseineErweiterungderselbenangesehenwerden.Diehochste GemeinschaftistdiehochsteFreiheit.・(GW4.54)DieserSatzausder Differenzschriftist bekannt als die Kernaussage des Hegelschen Freiheitsbegriffsundtrittim KontextderHegelschenKritikanFichte auf.HegelsagthieruberdasFichtescheNaturrecht:・
DerBegriffdes Beschrankens konstruiertein Reich der Freiheit,in welchem jedes wahrhaftfreie,fursichselbstunendliche[...]schoneWechselverhaltnis desLebens[...]vernichtetwird・(ibid.).EinnachFichtesVorstellungen entstandenerStaatkonntekeinelebendigeOrganisationseinundware
2 Die Auseinandersetzung mitdem Fichteschen Naturrecht,
bez uglichdesZwangsunddesBezwingens
vielmehreinVerstandesstaat,gleichsam eineMaschine.SogardasVolk ware ・
eine atomische lebensarme Vielheit・.Uber dem Individuum bestunde・
dasfixierteAbstraktum desgemeinsamenWillens・(GW4.58) alsRecht,dasfurdasIndividuum einefremdeMachtdarstellt.Hegelsah
・ dieArt,wiedieFreiheitbeschranktwerdensoll,damitdieFreiheitder anderenVernunftwesenmoglichsei・(GW4.55),alsdasgroteHindernis furdieGemeinschaftderFreiheitan. DieseFreiheitalsgegenseitige Beschrankungseizuuberwinden.
InderDifferenzschriftundimNaturrechtsaufsatzubtHegelheftige KritikanderFichteschenFreiheits-undSittlichkeitslehre.Sonennter dieFichtescheGemeinschaft・
dasSystem derAusserlichkeit・oder・ das System desZwangs・.DasgroteProblem bestehtfurihninderoben erwahntenFreiheit,ernenntsie・
dieFreiheit,welchealsbeschrankbar gesetztwerdenkann・(GW4.446).DabeiistdieallgemeineFreiheitaller vonderFreiheitdesEinzelnengetrennt,obwohlbeideeigentlichidentisch seinsollten.SolangesiefursichgesetztsindunddieseTrennungdas System beherrscht,trittaufdereinenSeite・
dienichtigeAbstraktiondes BegriffsderallgemeinenFreiheit・(ibid.)aufundaufderanderenSeite dieFreiheitdesEinzelnen,isoliert,fixiert.NotwendigistdannderZwang, dass ・
die ursprungliche Freiheitdurch den Begriffder allgemeinen Freiheitsichbeschrankensoll・(ibid.).Indiesem Begriffselbstwirdalso etwasAueresfurdieFreiheitdesEinzelnengesetzt.AberihrWesen bestehtdocheigentlichdarin,・
dassnichtsabsolutAueresist・(ibid.). AllerdingshatFichtein W ahrheitnichtkein solches ・
System des Zwangs・beabsichtigt.ErstelltsichdieFrage,・
wieeineGemeinschaft freierWesen,alssolcher,moglichist・(FW3.85).Dabeiakzeptierterdie RousseauscheWillenslehre. Ersetztan den Anfang dasendlichever- nunftige W esen und will aus ihm die freie Gemeinschaft der vernunftigenWesendeduzieren.Dem gegenuberistfurHegeldieFreiheit alsgegenseitigeBeschrankungsehrproblematisch,dadieseFreiheitdie TrennungderallgemeinenundderindividuellenFreiheitbedingtund sogar ein ・
System derAuerlichkeit・,ein ・
System des Zwangs・
hervorbringt.NachHegelistdieseine・
mitmechanischerNotwendigkeit wirkendeVeranstaltung,dassdieWirksamkeitjedesEinzelnendurchden allgemeinenWillengezwungenwerde・5(GW4.443).
ImNaturrechtsaufsatzstelltHegelnachseinerKritikam Begriffdes Zwangsdiesem nundenBegriffdes・
Bezwingens・gegenuber,welcherals reineNegativitatdiesichselbstbeschrankendeFreiheituberwindetund aufhebt.Um dasFichtesche・
System desZwangs・zuuberwinden,wird dieserBegriffdringendbenotigt.HegelhatsogardieAbsicht,mitdem Bezwingen die konsequent negative Behandlung der unorganischen Natur(desSystemsdesBesitzes)durchdieSittlichkeitzurechtfertigen.
DieAnsichtdergegenseitigbeschrankendenFreiheitistalso・
volligzu verwerfen・(GW4.446).
DiewahrhafteFreiheitist・
vielmehrdieNegationoderIdealitatder Entgegengesetzten,sowohldes +A alsA,die Abstraktion der Moglichkeit,dasskeinsvonbeidenist.[...]soistfursiekeinZwang moglich・(ibid.).
Der Bezwingensbegrifftritt vor allem der ・
Freiheit,welche im Wahlenbestunde,entwedersichals+AoderalsAzubestimmen・(ibid.), entgegen.DieFreiheitbestimmtsichentwederals+AoderalsA,sodass andieses・
Entweder-Oder・gebundenist.DasBezwingenistdagegenreine NegativitatalsdasAufhebenbeiderSeitenundinsoferneineIdealitat.
SomitistdasSubjektnachHegel・
bezwungen,abernichtgezwungen・
(GW4.448).
DiesesBezwingennimmtbeiHegeleinesehrwichtigeStellungein.
Ohne diesen Begriff kann die Sittlichkeitskonzeption im Natur- rechtsaufsatznichtzustandekommen.HieristdieSittlichkeitschonals Positivesvorausgesetzt. ・
DasPositiveistderNaturnacheheralsdas Negative,oder,wieAristotelessagt,dasVolkisteherderNaturnachals derEinzelne;dennwennderEinzelneabgesondertnichtsSelbstandiges ist,somussergleichallenTeilenineinerEinheitmitdem Ganzensein・
(GW4.468).WenndasBezwingenalsreineNegativitatfunktioniert,dann erstwirdderEinzelneausderDifferenzvollkommenindieIndifferenz aufgenommenundkannwahrhaftsittlichsein.DieTugendgiltalsoals
・ dasstarkereHervortreteneinerSeitederIdeedesGanzen・(GW4.469). Das Bezwingen liegt somit der negativen Beziehung zwischen der SittlichkeitundderunorganischenNatur(dem System desBesitzesim zweitenStand)zugrunde.ErstdurchdiesenBegriffkanndieSittlichkeit zustandekommen.
WelcheRollespieltnundieserBegriff― dasBezwingen― inder HegelschenSittlichkeitskonzeptionim Konkreten? DasNaturrechthat dieAufgabezukonstruieren,・
wiediesittlicheNaturzuihrem wahrhaften Rechtegelangt・(GW4.468).HegelgreiftdiesesThemaaufundbeschreibt sehrdeutlichdieEinseitigkeitderempirischenundformellenBehandlung desNaturrechts,die vom Einzelnen ausgeht,um die Sittlichkeitzu konstruieren.Darausergibtsichnamlich,dassdieabsoluteSittlichkeit alsdasPositivevorausgesetztwird.DasSystem desBesitzesnunbreitet in derSittlichkeitprivateengereInteressen desErwerbsuntereinem formalenRechtsverhaltnisaus.SeineNaturbestehtinder・
Bildungzu immergroererDifferenzundUngleichheit・(GW4.451).NachHegelistes ebendiesesSystem,welchesdenauchvom StandpunktderTugendaus sittlichnotwendigenUnterschiedzwischendem erstenStand(derFreien) unddem zweitenStandbeseitigtunddieSittlichkeitzuihrem Verfall fuhrt.DiesisteinstindergriechischenSittlichkeitpassiert,alsdieses System desBesitzes・
eineunabhangigeMacht・wurde.Erwerb,Besitz, Tausch und ein formales Rechtsverhaltnis losen den strengen UnterschiedzwischenderoffentlichenundderprivatenSphareaufund machenOffentlicheszum MitteldesPrivatlebens.DasmusslautHegel verhindertwerden.
・ DadiesesSystem derRealitatganzinderNegativitat[...]ist,so folgtfursein Verhaltnizu derpositiven Totalitat,daesvon derselbenganznegativbehandeltwerden[...]mu・(GW4.450).
Im NaturrechtsaufsatzsiehtHegeldasEinzelheitsprinzip alssehr negativ an. Er bezeichnet die erwahnte negative Beziehung als
・ Tragodie・(GW4.459)derSittlichkeit:DieseBeziehungzeigt,dassfurdas BestehenderSittlichkeitdasSystem desBesitzesunbedingterforderlich ist,aberzugleichvonihrabgetrenntundkonsequentnegativbehandelt werdenmuss.Dem AnscheinnachistdiesenegativeBeziehungnunmit dem Fichteschen ・
Zwang・identisch. AberHegelrechtfertigtfursich dieseBehandlungmitdem Bezwingen,dasetwasganzAnderesalsden FichteschenZwangdarstellt.UnterscheidetsichderBezwingensbegriff aberwirklichvom Zwangsbegriff? DarankommensofortZweifelauf.
Betrachten wir also,wie der Begriffdes Zwangs und der des BezwingensindenvierSchriftengebrauchtwerden.Daskonnteindem folgendenTafeldargestelltwerden:
DerBezwingensbegriffspielteine sehrwichtige Rolle im Natur- rechtsaufsatz,aberdanachverlierteranBedeutung.InSystementwurfIII benutztHegeldenBegriffdesZwangsim positivenSinnundteiltauch dem Begriff des Rechts und dem der gegenseitigen Anerkennung wichtigeRollen zu. ErgibtsogarseineThesedesOrganisierensder unorganischenNaturdurchdieSittlichkeitauf.DieseTatsachendeuten die besondere Stellung vonSystementwurf IIIin der Entwicklungs- geschichtederHegelschenRechtsphilosophiean.BesondersdieRolledes
derBegriffdesZwangs derBegriffdesBezwingens Naturrechtsaufsatz dieBefestigungder
Bestimmtheit
diereineNegativitatalsdas VernichtenderBestimmtheit System derSittlichkeit6 〔keinBeispiel〕 dasSubsumierender
kleinerenunterdie groereGewalt SystementwurfI 〔keinBeispiel〕 〔keinBeispiel〕 SystementwurfIII dieRekonstruktiondes
gemeinsamenWillens alsAnerkanntsein
〔keinBeispiel〕
Zwangsbegriffsverandertsichdrastischdarin.Dabeiwirdjedochdas ThemaderUberwindungdersichbeschrankendenFreiheitbeibehalten.
Wirmussen diesin Betrachtziehen und dieBedeutung dieserneuen sittlichenKonzeption,inderderZwangsbegriffeinenwichtigenTerminus darstellt, klarstellen. Zuvor will ich aber das Grundgerust der FichteschenGrundlagedesNaturrechts(1796)darlegen.
Das Fichtesche Naturrecht setzt bekanntlich dieGrundlage der gesammtenWissenschaftslehre(1794/95)vorausunddeduziertstattdes
・ Nicht-Ichs・ein anderesendlichesVernunftwesen:・
DasendlicheVer- nunftwesenkanneinefreieWirksamkeitinderSinnenweltsichselbst nichtzuschreiben,ohnesieauch anderen zuzuschreiben,mithin,auch andereendlicheVernunftwesenaussersichanzunehmen・(FW3.30).Der Begriff der Individualitat wird also als ・
Wechselbegriff・(FW3.47) bestimmt.SodannformuliertFichtedieAufgabeseinerNaturrechtslehre:
・ Personen,alssolche,sollenabsolutfrei[...]sein.Personensollen,
[...]ingegenseitigem Einflussestehen,[...]Wiebeidesbeisammen bestehenkonne,dieseszubeantworten,istdieAufgabederRechts- wissenschaft:dieihrzum GrundeliegendeFrageistdie:wieisteine GemeinschaftfreierWesen,alssolcher,moglich?・(FW3.85)
DieFichtescheKonzeptiongehtvonderIndividualitatals・
Wechsel- begriff・ausundzieltdaraufab,dieGemeinschaftfreierWesenvernunft- notwendigzudeduzieren.・
IchmussdasfreieWesenaussermirinallen Fallenanerkennenalseinsolches,d.h.meineFreiheitdurchdenBegriff derMoglichkeitseinerFreiheitbeschranken・(FW3.52).Esistalsodie Aufgabe des ・
Rechtsverhaltnisses・,durch den Begriff des ・
anderen endlichen Vernunftwesens・dieWirkungsspharejedesEinzelnen abzu-
3 ・
Wie ist eine Gemeinschaft freier Wesen, als solcher,
m oglich?・ ― dasThemadesFichteschenNaturrechts
grenzen unddiesoentstandeneBeziehungzwischen freien Wesen als solchenzusichern.DiesesVerhaltnismachtdieSpharederLegalitataus, diesichvonderSpharederMoralitatunterscheidet.
NunbestehendieUrrechte,diedieFreiheitderPersonlichkeitaus- drucken,hauptsachlichausdem RechtaufLeib(Rechtdersinnlichen Selbsterhaltung),der der ・
Reprasentantdes Ich in der Sinnenwelt・
(FW3.113)ist,unddem Eigentumsrecht,dasentsteht,wennetwasdurch zweckmaigeTatigkeitmeinem Zweck unterworfen wird. Durch die Anerkennung des anderen vernunftigen Wesens kommtein Rechts- verhaltniszustande. Alsomussen dieseAnerkennung und diedamit entstandene Selbstbeschrankung der Personlichkeit gegenseitig sein.
Dabeibeziehtsich―wiegesagt―dasEigentumsrechtaufdenBereich der zweckmaigen leiblichen Tatigkeit,es dient also dazu,in der GemeinschaftmitanderendenBereichdesEigentumsjedesEinzelnenzu bestimmen. Dazu ist eine ・
gegenseitige Anerkennung・(FW3.129) erforderlich,diejuristischals・
Vertrag・bezeichnetwird.Darausergibt sich,dass das Rechtsverhaltnis untrennbarmitdieserAnerkennung verbunden istund beidesich aufdiegegenseitigeBeschrankung der Freiheit grunden. Durch die gegenseitige Anerkennung soll ・
ein GleichgewichtdesRechtes・(FW3.136)zwischen freien Wesen erreicht werden.HinsichtlichdesgegenseitigenVertrauensbleibtjedochnochdie MoglichkeiteinesRechtsstreits:unterderBedingung,dassichmichdem GesetzunterworfenhabeunddennochmeinUrrechtverletztwird,tritt meinZwangsrechtinkraft.
Um nungegenseitigeSicherheitfurdieZukunftzugarantieren,fuhrt Fichte den ・
Dritten・ ein. Beide ・
mussten[...]ihre ganze Macht niederlegen in dieHandeeinesDritten,dem beidetrauen・(FW3.101). Hierin liegtallerdings ein Widerspruch,und zwar widersprichtdie FreiheitderPersondem VerauernihrerMachtundihresRechtsurteils ohneallenVorbehalt.DieAuflosungdiesesWiderspruchshangtdavon ab,obman eseinsieht,dassderDrittealsder ・
WilledesGesetzes・
Sicherheitverkorpert.NurmitdieserEinsicht・
kannman,vernunftiger-
weise,seineMachtundseinRechtsurteilandennotwendigenundkeiner AusnahmefahigenWillendesGesetzesveraussern・(FW3.104).Esistdie Rousseausche ・
volonte generale・7,an die Fichte dabeidenkt(vgl. FW3.107).Erfasstden・
WillendesGesetzes・―analogderRousseauschen Theorievom Gesellschaftsvertrag― als・
meinen eigenen unverander- lichenWillen・(FW3.104)aufundversuchtdiesenWillen・
vernunftiger- weise・zu deduzieren:・
Dermirdurch dasGesetzaufgegebene letzte EndzweckistgegenseitigeSicherheit・(FW3.144).AufdieseWeisealso argumentiertFichte.HegelsiehtdenspringendenPunktdabeiinder gegenseitigbeschrankendenFreiheit.Dasscheintrichtig,soweitwirden FichteschenGedankengangnachvollzogenhaben.
UnterderBedingung,dassim WollenjenesZwecksderWillealler wirkt,mussenalle・
einenVertragzurErrichtungeinesZwangsgesetzes undeinerzwingendenMachtuntersichschliessen・(FW3.146).Durch diesenVertragkommteinGemeinwesenalsVereinigungvonRechtund Gewaltzustande.Unterdem konstitutionellenGesetzhatdieoffentliche Gewaltauerdem dieAufgabe,einen Rechtszustandzu verwirklichen.
Dabeiwird das Zwangsrechtgegen rechtswidrige Handlungen ohne Ausnahmeunddurch ・
einemitmechanischerNotwendigkeitwirkende Veranstaltung・(FW3.142)angewendet. Weiters stellt Fichte,um Despotie zu vermeiden,einen Unterschied aufzwischen exekutiver Gewaltund dem ・
RechtderAufsicht,und Beurteilung,wiedieselbe verwaltet werde・. Er sieht die Vernunft des Staats in dieser Gewaltentrennung,dieeinesehrwichtigeRollein seinerKonzeption spielt.NachFichtewirddasGemeinwesendurchdasvernunftigeUrteil deduziert,um jedesUrrechtfurdieZukunftzusichern. ・
Gegenseitige Anerkennung・,・
Eigentumsrecht・,・
Rechtsverhaltnis・und・
Zwang・,diese Termini hangen alle mit der gegenseitig beschrankbaren Freiheit zusammen. DieEinfuhrung desZwangsrechtsrichtetsich gegen die VerletzungdesUrrechtsundihrZweckbestehtinderSicherungdieser Freiheit.SobetrachtetscheintdasFichtescheGemeinwesenjedochkein
・ System desZwangs・instrengem Sinnezusein,wieHegelbehauptet.
BeiseinerKritik hatteHegelvermutlich dieGrundlagedesNatur- rechts,ZweiterTeil(AngewandtesNaturrecht)im Kopf.DasFichtesche GemeinwesenhatdieOberaufsichtuberdieeinzelnenTeiledesselben,um jedem Eigentum und Arbeit zu sichern,welche die Freiheit der Personlichkeitausmachen. Hegelsiehtin diesem Gemeinwesen die
・ HerrschaftdesVerstandes・und ・
die EndlosigkeitdesBestimmens・, wobeijederBurgerstandigvonderPolizeiuberwachtwird.DerStaat
・ muss also nichtnur wirkliche Verletzung unter Strafen verbieten, sondern auch derMoglichkeiteinerVerletzung vorbeugen・(GW4.56). HegelkritisiertdenFichteschenStaatscharfalsPolizeistaat.Erzeigtdie ProblematikderFichteschenNaturrechtstheorieauf,d.h.dieauerliche BeziehungzwischendereinzelnenundderallgemeinenFreiheit,alsodie gegenseitig beschrankbare Freiheit. In diesem Punkterscheintmir HegelsKritiknichtsounberechtigt.
Sofortnachdem HegeldenNaturrechtsaufsatzverfassthat,schreibter ineinem ReinschriftfragmentzurSchriftuberdieVerfassungDeutsch- lands(Dez.1802oderAnfang1803),dassdaseigeneBestrebendesVolkes
・ alleindaseinLebenhat,wodieobersteStaatsgewaltsovielalsmoglich dereigenenBesorgungderBurger[uber]lasst・(GW5.177).Dabeidenkt Hegelals den Gegenstand seiner Kritik an die Fichtesche Natur- rechtstheorie,dieStaatstheorienderfranzosischenRevolutionundden preuischen Staat. Erversucht,dasfurdieStaatsgewaltNotwendige einzuschrankenunddem BereichdesburgerlichenTunseinengroen Spielraum zu lassen. Entspricht diese Auffassung eigentlich der BeziehungzwischenderstaatlichenSphareundderburgerlichenSphare, diemitdem ・
Bezwingen・imNaturrechtsaufsatzzum Ausdruckkommt?
DasBezwingenrichtetsichdortalsreineNegativitatgegendieeinzelne Bestimmtheitund・
dasSystem desBesitzes・.WoliegtdieGarantiedafur, dassdiesesBezwingenkeinauerlicher・
Zwang・ist?MitdemSystem der Sittlichkeitverschwindet schlielich ・
Bezwingen・ als Terminus;In welchersittlichenKonzeptionverschwindeterdenn? Oder:Wieuber- nehmen die spateren Schriften der Jenaer Zeit das Thema der
Uberwindung der sich beschrankenden Freiheit? Oder:Bleibt die Konzeption der Organisierung der unorganischen Natur durch die Sittlichkeiterhalten? MachenwiralsodasSystem derSittlichkeitzum GegenstandunsererUntersuchung.
Das Thema derUberwindung der gegenseitig beschrankbaren Freiheitwirdim zweitenTeilvonSystem derSittlichkeitbehandelt,der den seltsamen Titel・
Das Negative oderdie Freiheitoderdas Ver- brechen・8hat,unddasProblem dieserFreiheiteingehendentwickelt.Wir mussenzunachstdenerstenTeilvondiesem Textuberblicken,weiljener diesen voraussetzt. Die・
naturlicheSittlichkeit・desersten Teilswird dannschliesslichindieallgemeinenSittlichkeitaufgenommen.
DienaturlicheSittlichkeitdeserstenTeils,indem esum praktische VerhaltnissewieBedurfnis,Arbeit,Genuss,Tausch,Vertrageusf.geht, gelangtbiszum ThemaHandel:Jestarkersich dieArbeitsteilung im Arbeitsprozessund in derGesellschaftentwickelt,desto mehr ・
Uber- flu・―vom Subjektabgetrennt―miteiner・
allgemeinenMoglichkeit desGebrauchs・(GW5.297)entsteht.DieGleichwertigkeiteinesDinges mitanderenDingen,d.h.seinWert,wirdaufdem Marktfestgelegt,und derTauschrealisiertdie・
allgemeineMoglichkeitdesGebrauchs・.Hegel siehthierindieTendenz,Dinge,dieinderPhasederDifferenzsind,indie Indifferenzaufzunehmen. ErnenntdieseTendenzdie・
durchgangige Idealitat・(GW5.300).DieErrungenschaftdernaturlichenSittlichkeitsind ihre relative Identitatin den realen Verhaltnissen und ihre daraus entstehendeformaleIdealitat(d.h.GesetzundRechte)9.Andersalsim NaturrechtsaufsatzhatdasIndividuum nuneinepositiveBedeutungals
・ Person・mitEigentumsrecht.10
DerErfolgdernaturlichenSittlichkeitistdieEntstehungvonIdeali- tatundIndifferenz.Aberdiesebleibennochformal.Hegelentwickelt
4 Die Uberwindungdergegenseitigbeschr ankbarenFreiheit:
・ DasNegativeoderdieFreiheitoderdasVerbrechen・
danndienegativenSeitenderFreiheitinBestimmtheitsehrkonsequent undversucht,dasSeinderSittlichkeitzurErkenntniszufuhren. ・
Die AufhebungderBestimmtheitenmu[...]dieAufnahmeallerBestimmt- heitenindieabsoluteAllgemeinheitsein・(GW5.310).Sostelltsichdie Aufgabedeszweiten Teilsdar. Dernaturlichen Sittlichkeitwirderst durchdieseEntwicklungeineigenerOrtinderSittlichkeitgegeben.Ganz anders als im Naturrechtsaufsatzbesitzt sie als das System des BedurfnisseseinerelativeAutonomie.DiesermoglichtdieVeranderung derBeziehungzwischen derSittlichkeitunddiesem System,zwischen dem erstenunddem zweitenStand.
DerzweiteTeilbehandeltnundienegativenSeitendernaturlichen Sittlichkeit.AusdernaturlichenSittlichkeitentstehtdieformaleIdeali- tat,d.h.dasformaleRecht.Diesem liegteineindenrealenVerhaltnissen dieEinzelnen verallgemeinerndeTendenzzugrunde. Eigentum,Recht und Person sind ihreHauptresultate. Fichtebehandeltebenfalls・
Ur- rechte・ und sieht die diese Rechte gewahrleistende Freiheit als gegenseitige Beschrankung. Nach Hegelist,wie schon erwahnt,in- sbesonderedieseFreiheitproblematisch.Sobetrachtet,zieltderDiskurs deszweitenTeilsdarauf,dieseArtvonFreiheitzuuberwinden.Diese Auffassungkonntezutreffendsein.
DerzweiteAbschnittbestehtausdrei・
Potenzen・.DieerstePotenz behandeltdiezweckloseVerwustungderKulturselbst(dieSubsumtion des Begriffs unterdie Anschauung),die zweite die Verletzung des EigentumsundderPerson(dieSubsumtionderAnschauungunterden Begriff)unddiedritteschlielichden ・
KampfderganzenPersongegen dieganzePerson・(dieIndifferenzbeider)(GW5.318).Indernaturlichen SittlichkeitbeginnendieEinzelnenfurdieAnderenzuexistieren.Sie werden aufdiePhasederIndifferenzfestgelegt,aberformal,weildas RechteineformaleIdealitatist.DabeiliegtderpersonlichenFreiheitdie FreiheitalsgegenseitigeBeschrankungzugrunde.Um dieErkenntnisder Sittlichkeiteinzufuhren,entwickeltHegelnun dasThema ・
dieErke- nntniderIdealitat,und dasrealeAufheben derBestimmtheit・(GW
5.310).DazumussjeneFreiheit,diedieTrennungdersittlichenIdeeund desSubjektsverursacht,uberwundenwerden.
DieVerletzungdesEigentumsinderzweitenPotenzbedeutetnicht nureineMinderungdesEigentums,sondern vorallem derPerson als Subjekt.SiebetrifftauchdieEhreundgiltdadurchalsVerletzungder ganzenPerson.・
DurchdieEhrewirddaseinzelnezueinem Ganzenund personlichen,unddiescheinbareNegationvoneinzelnenalleinistdie Verletzung des Ganzen・(GW5.318). Um die Ehre wirklich wieder herzustellen,・
mudas eigene Leben aufdas Spielgesetztwerden・
(GW5.319).
Eshandeltsichnichtmehrdarum,aufwelcherSeiteeseinentriftigen GrundfureinensolchenKampfgibt,underendetauchnichtmitdem Tod einesvonbeiden,dadieserdurcheinMitgliedderFamiliegerachtwird.
Ebendarinliegt・
dieGleichheitderGefahrfurbeide・(GW5.321).Indieser absoluten Unruhe muss folglich eine ・
Gleichheit der Indifferenz・
(GW5.323)auftreten.DasfolgendeWieisterstdurchdieEntwicklungdes Negativenmoglich:・
DiesesVersenktseinim BesitzundBesonderheit[...] istindifferenziirtso gutes kann,oderdie formale Indifferenz,das Personseinwirdim Volkrespectirt・(GW5.336).
DabeiwirddieSittlichkeitdesVolksalspositivvorausgesetzt.・ Die SittlichkeitmumitvolligerVernichtung derBesonderheitund der relativenIdentitat[...]absoluteIdentitatderIntelligenzsein・(GW5.324). AufdieseWeisebestehtdasThemaderOrganisierungderunorganischen NaturdurchdieSittlichkeitnochfort.
Die Sittlichkeit gliedert sich im System der Sittlichkeit― ent- sprechenddenTugenden(Tapferheit,RechtschaffenheitundZutrauen) alsauererErscheinungderSittlichkeit―indiedreiStande(denersten StandfurdieRegierung,denzweitenStandalsHandelsstandundden drittenStandalsBauernstand).DieKonstruktionderSittlichkeitbleibt alsonochklassisch-politisch.NunaberwirddienaturlicheSittlichkeit zum erstenSystem,d.h.zum ・
System desBedurfnisses・(GW5.350)der allgemeinen Regierung,diesich von derabsoluten Regierung unter-
scheidet.DadiesesSystem,andersalsimNaturrechtsaufsatz,aufseine WeiseeinerelativeAutonomiehat,bringtesimmerwieder,trotzzer- storerischerTendenzen,einGleichgewichthervor.11 Daraufbasiertauch dasVertrauen in diesesSystem. DabeiverandertHegelausdrucklich seineEinschatzungdavon:DieBeziehungzwischendenStandenberuht nun nichtmehraufdem einseitigen ・
Bezwingen・,sondern aufeiner
・ Beziehung derNutzlichkeit・(GW5.335). FurdieSittlichkeitistder FortbestandderStandesunterschiedenotwendig,weilihreAuflosungden strengenUnterschiedzwischenderoffentlichenundderprivatenSphare auflosenwurde.Ubrigens:Im Falle,dassdasGleichgewichtdurchauere Umstande starkergestortwird,muss die Regierung dieserStorung entgegenarbeiten.HegelrechnetdabeiaberzugleichaufSelbsthilfe,d.h.
・ dieConstitutiondesStandesinsich12・(GW5.354).
Passtdiese Konstruktion derSittlichkeitaberzurIdee von der SittlichkeitalsVerwirklichungderFreiheitaller?DieseKonstruktionist janochklassisch-politisch;dieFichtescheGemeinschaftskonzeptionist dagegenaufdem neuestenStandderEntwicklung.InSystementwurfI befreitHegelschlielichdasSystem derBedurfnissevonderklassischen Standelehre.NunwirddieSittlichkeitals・
digemeinschaftlicheWerk aller・(GW6.315)konstruiert,aufdenWegvonderFreiheitdesEinzelnen zurallgemeinen Freiheitwird derKampfum Anerkennung gestellt13. DiesererhaltdieAufgabederUberwindungderFreiheitalsgegenseitiger Beschrankung.
In derPhilosophiedesGeistesinSystementwurfIstelltHegeldie Konzeption auf,dass ・
der sittliche Geist・durch eine stufenformige TatigkeitdesBewusstseinserzeugtundzuBewusstseingebrachtwird.
DabeiwirdvoneineraktivenTeilnahmeallerausgegangen.DasThema
5 Der Kampf um Anerkennung als die Uberwindung der
gegenseitigen Anerkennung;die kritische Aufnahme der
FichteschenGemeinschaftskonzeption
derUberwindungdergegenseitigbeschrankbarenFreiheitistsomitnicht mehrlediglichdasProblem einesBereichseinesStandes,d.h.desSystems desBedurfnisses;dieSittlichkeitselbstkannerstdurcheinenKampfum Anerkennungzustandekommen.AberdieseThemenstellungscheintmir derneuerenNaturrechtslehreeigentlichnichtzuentsprechen.Schonim NaturrechtsaufsatzhatHegeldieSchwierigkeitendieserneuerenNatur- rechtslehreaufgezeigt:Sievermische,wiebeiHobbes,dasIdealemitdem Empirischen und stelle eine Fiktion des Naturzustands auf.Ferner schlieesieohneinnereNotwendigkeitaufeinen staatlichen Zustand.
AlsGrunddesUbergangsvon jenem zu diesem werdeein ・
Triebder Geselligkeit・(GW4.426)angenommen und sogardieEinwilligung der Einzelnenvorausgesetzt.HegelschatztalsodieneuereNaturrechtslehre nichtbesonders.KantsundFichtesBehandlungsartdesNaturrechtssetze im Grundsatzdazudem endlichenMannigfaltigen ・
dasPrinzipderdem Empirischen sich entgegensetzenden A prioritat・(GW4.430)entgegen.
HegelgibtdamitzudieserBehandlungsartdenhoherenStellenwert,zeigt aberzugleich sehrkritisch dieSchwierigkeiten auf,diedieformelle Behandlung desNaturrechtsverursacht. So betrachtet,bedeutetder Kampfum dieAnerkennung keineAnnaherung an den Diskursdes neuerenNaturrechts.14
Fichte setztdasendlich-vernunftige Wesen an den A nfang und versucht,durch gegenseitige A nerkennung ein Rechtsverhaltnisund dazu noch das Gemeinwesen freier Wesen aus der Rousseauschen Willenslehrezu deduzieren. A berHegelfindetdieFreiheitalsgegen- seitige Beschrankung,die durch A nerkennung zustandekommt,sehr problematisch. Hier,inSystementwurfI,setztaberauch er・
den Ein- zelnen・ als ・
die einzelne Totalitat・(GW6.312)an den A nfang der Anerkennung;in diesem Punkt ist er sich mit Fichte einig. In SystementwurfIfindenwirdiefolgendeAussage:
・ EsmuWahrheithaben,dadieeinzelnenihreeinzelneTotalitatals eineideellesetzen,nichteinBetrugallergegendasGanze・(GW6.316).
HierbestehtdasZieldesKampfsum dieAnerkennungalsonicht darin,dass die Einzelnen einander als Rechtssubjekte anerkennen, sonderninderSelbstaufhebungdesEinzelnen15.Jederwillsichindas BewusstseindesAnderensetzen.DiesendetnichtmitderAbgrenzung desBereichsjedesEigentums,sondernmussvielmehrdurchKampfsogar dieEinzelheitdesAnderenaufheben.HegelsAbsichtistam bestenim Zusammenhang mitderUberwindung derFreiheitdergegenseitigen Beschrankung zu verstehen,er findet die Fichtesche vollkommene EntauerungderRechtedesEinzelnenproblematisch.Mitdem Terminus
・ Werk・(GW6.315ff.)betontHegel,dassdieSittlichkeitdurchausnichts Auerlichesist.UndderDiskursum dieAnerkennungubernimmtdie Aufgabe,den ganzen Gang des Bewusstseins,ausgehend von der einzelnenFreiheit,zurallgemeinenFreiheitfolgerichtigzuerklaren.
・ DerEinzelne・als・
dieeinzelneTotalitat・trittdurchdietheoretische Potenz(dasGedachtnisund dieSprache),diepraktischePotenz(die ArbeitunddasWerkzeug)unddiedrittePotenz(den Besitzunddie Familie)auf. DasBewusstsein bestehtausdreiGliedern(・
dassich bewutseiende・,dieMitte,・
das,dessenessichbewutist・)unddarin,die zweiSeitendurchdieTatigkeitdesBewusstseinsinderMitte,ineiner negativen Beziehung zur Natur,zu organisieren. ・
Die Organisation desselbenanderRealitatseinerMomente〔ist〕eineOrganisationseiner FormenalsMitten・(GW6.276).DasempirischeBewusstseinzielt,sich durchdieseOrganisierungzudenhoherenPotenzensteigernd,aufdas absoluteBewusstsein(denVolksgeist,densittlichenGeist);inderMitte alsderSprachewirddieNaturideellaufgehoben.Diesem Bewusstsein tritt・
dieTotalitatdesSeins・(GW6.295)gegenuber.DasBewusstseinnun, diesenGegensatzdurchdieArbeitpraktischaufhebend,machtausderen GegenstandetwasBleibendes.DasWerkzeugals・
dieexistierendever- nunftigeMitte・(GW6.300)beideristderErfolgdieserPotenz.Hierwird dieBegierdevonderunmittelbarenBeziehungzum Genussbefreit,weil ArbeiteineVerschiebungdesGenussesbedeutet.HierinliegteinGrund furdieEntstehungdergeschlechtlichenLiebe:Diedarausentstandene
FamilieerzeugteinKindalsdieMittederEltern.DasKindeignetsichin derErziehungdasWissenseinerElternanundzieltdarauf,denGegensatz zwischen diesem Wissen und derauerlichen Weltaufzuheben. Erst durchdieseEntwicklungtritt・
derEinzelne・als・
dieeinzelneTotalitat・
auf.SosetztHegeldenAnfangspunktdergegenseitigenAnerkennung.
EntsprichtdieserEinzelneaberdem Individuum im Naturzustanddes empirischenNaturrechts? Nein.DieserEinzelnenahertsichvielmehr dem Fichteschen ・
endlichenvernunftigenWesen・(FW3.17).Vollziehen wiralso die Hegelsche Entwicklung dergegenseitigen Anerkennung nach.
NachHegelexistiertjederBesitzendeundschlietdenAnderen・ aus derganzenExtensionseinerEinzelheit・aus.Alsdieseausschlieende Totalitatwilljedersich insBewusstsein desAnderen setzen,d.h.die AnerkennungdurchdenAnderenerwirken.DerBesitzenthaltnunden Widerspruch,dasseinDingeinAllgemeinesderErdeistundtrotzdem an einen Einzelnen fallt. Besitzmussman sich folglich nehmen. Hegel betont,dassdieserEingriffnotwendigistunddassjedersolcheEingriff eineVerletzungdereinzelnenTotalitatbedeutet.Diesstimmtsichmit dem UrrechtsbegriffFichtesuberein. InGrundlage des Naturrechts schreibtFichte:
・ DasUrrechtistsonacheinabsolutes,undgeschlossenesGanzes;jede teilweiseVerletzungdesselbenbetrifftdasGanze,undflieteinauf dasGanze・(FW3.118).
EntsprechendsagtHegelinSystementwurfI:・
DieVerletzungeiner seinerEinzelheitenist[...]eineBeleidigungseineralseinesGanzen,eine BeleidigungseinerEhre.・(GW6.308)DieEhreisthierwichtig,insofernsie sichandieseeinzelneTotalitatknupft.Hegelstelltabsichtlichdenmit FichtegemeinsamenAnfangspunktauf:・
Indem jederdenandernthatig ausschliet,den in derVerletzung sich genommenen Besitzaufhebt, verletzterzugleichdenandern・(GW6.309).Jederbehauptetseineeigene
einzelneTotalitatundnegiertdiedesAnderen.Wasbedeutetesnun,sich vom Anderenanerkennenzulassen?
・ Jedersetztsichim Bewutseindesandern,hebtdieEinzelheitdes andernauf,oder〔setzt〕inseinem Bewutseindenandern,alseine absolute Einzelheit des Bewutseins. Diist das gegenseitige Anerkennenuberhaupt・(GW6.307).
DieseBeziehungendetkeinesfallsmitderFestlegungdereinzelnen BesitzbereichewieesbeiFichtederFallist.Vorallem betontHegel,dass derEinzelneeineausschlieendeeinzelneTotalitatist.DamitderAndere alseinzelneTotalitatvonmeinereinzelnenTotalitatwei,mussichmeine einzelneTotalitatinsBewusstseindesAnderensetzen.Dasbedeutetaber denGegenteilderAnerkennung,namlichdenToddesAnderen.Jeder mussaufdenToddesAnderengehenundzugleichseineigenesLeben aufsSpielsetzen.Ebendadurchentstehtein ・
absoluterWiderspruch・
(GW6.312):Jeder,seinLebenwagend,setztsichdem ・
NichtsdesTodes・
(GW6.311)ausundhangtzugleichander・
Einzelheit・seinesBesitzesund seinesSeins.Andersgesagt:DieVerwirklichungdesAnerkennenswird sogleichzuseinerAufhebung.DieserWiderspruchwirdfolgendermaen gelost:
・ Dieses,[...],dadasanerkannteTotalitatBewutseynnurist,indem essich aufhebt,istnun ein erkennnen diesesBewutseynsselbst.
[...]die einzelne Totalitatschautsich an,als eine ideelle,auf- gehobene・(GW6.312f.).
Die Anerkennung besteht demnach im ・
Aufgehobensein・,was bedeutet:・
die erscheinende Mitte der entgegengesetzten sein・,・ das absolutallgemeineElement・(GW6.315).DiesekonsequenteEntwicklung machtdeutlich,dassdersittlicheGeistdurchausnichtauerlich,sondern vielmehr・
di gemeinschaftlicheWerkaller・(ibid.)ist.DieBedeutung
dieses ・
Werks・,welcheseinelebendigeEinheitdereinzelnen und der allgemeinenFreiheitist,erklartsichim Kontrastzum Fichteschen・
Sys- tem derAuerlichkeit・;auchinSystementwurfIsetztsichHegelmitder Fichteschen Freiheits-und Naturrechtslehreauseinander. Geradehier konnenwirdasThemaderUberwindungderFreiheitalsgegenseitiger Beschrankungfinden.
DersittlicheGeistnimmtnun dieAufgabeaufsich,dievorher- gehenden Potenzen(derunorganischen Natur),d.h.dieSprache,die Arbeitund den Besitz als ・
die Sprache desVolks・,・
die allgemeine Arbeit・und ・
dasEigentum・zu rekonstruieren. Ermussdadurch ein
・ absolutpositivesWerk・(GW6.317)werden.AufdieseWeiseisteralsdas PositivegegendasNegativevorausgesetzt.IndieserKonzeptionrechnet Hegeldarauf,dassdieSittlichkeitinnerhalbihrerselbstdenBereichdes Bedurfnisses,derArbeitunddesBesitzesorganischkonstruierenkann.
AberHegelstelltsogardar,dassBedurfnisundArbeit,indieAllgemein- heiterhoben,dann ・
einungeheueresSystem vonGemeinschaftlichkeit, undgegenseitigerAbhangigkeit・(GW6.324)bildenundzugleichdieses System ・
alseinwildesThiereinerbestandigenstrengenBeherrschung undBezahmungbedarf・(ibid.).WiedieRegierungManahmengegen dieseSchwierigkeitergreifen soll,istunkar,weildasManuskriptan dieserStelleabbricht.DasProblem derOrganisierungderunorganischen Natur durch die Sittlichkeit wird hier nicht gelost,aber auch in SystementwurfIIInichtbehandelt.DiesesAbbrechenmagkeinZufallsein, denninSystementwurfIIIwerden・
diegegenseitigeAnerkennung・,・ der Wille・,・
dasRecht・undsogar・
derZwang・alspositive,wichtigeTermini in die Sittlichkeitskonzeption aufgenommen;derRechtsbegriffbildet dabeidieGrundlagefurdieHegelschePhilosophiedesGeistes.Dieszeigt uns,dassnuneineneueKonzeption,diedieseTerminiaufnehmenkann, zustandekommt.
WorinbestehtdascharakteristischeMerkmalderneuenSittlichkeits- konzeption? DieUberwindungdermodernendualistischenEntzweiung wareinesderwichtigsten Themen derHegelschen Philosophie vom Naturrechtsaufsatzbiszum SystementwurfI. Nun in derSittlichkeits- konzeption gibterdieseUberwindung auf. Sogarschatzterdiese Entzweiung sehr: Hierin liegt die Eigentumlichkeit dieser neuen Konzeption.HegelsiehtindermodernenZeitdeutlicheinenhoheren Geistam WirkenalsdenderaltengriechischenZeit.Indergriechischen Sittlichkeit・
wardasschoneoffentlicheLebendieSittealler・(GW8.263), eine lebendige, unmittelbare Einheit der Individualitat und des Allgemeinen.IhrfehlteeinPrinzipdereinzelnenSelbstandigkeit,・
dasdie Alten,das Plato nicht kannte・(ibid.). Nun,die alte griechische SittlichkeitgehortderVergangenheitan;furdiemoderneWeltfordert Hegel:・
AberesisteinehohereAbstraction nothwendig,ein grosserer GegensatzundBildung,eintieferGeist・(GW8.262).Weitersbemerkter:
・ Die hohere Entzweiung istalso,dajedervollkommen in sich zuruckgeht,seinSelbstalssolches,alsdasWesenwei,zudiesem Eigensinnekommt,vom daseyendenAllgemeinenabgetrennt,doch absolutzuseyn―inseinem WissenseinAbsolutesunmittelbarzu besitzen;― er lat als Einzelner das Allgemeine frey,er hat vollkommeneSelbstandigkeitinsich・(ibid.).
Dieswird ・
dashoherePrinzipderneuernZeit・(GW8.263)genannt.
EinExtrem darinistdiesich・
vom daseyendenAllgemeinenabgetrennt・
alseinSelbstandigesverstehendeSubjektivitat,unddasandereistdas Allgemeine,dasin dasreineElementdesWissenstritt:・
DerGeistist gereinigtvondem unmittelbarenDasein,[...]erfangthieran,alsWissen
6 DieAufnahmedesZwangsbegriffesund dieneueSittlich-
keitskonzeption
zusein・(GW8.264).DasAllgemeineisthieralsozum Gegenstanddes Wissensgeworden.DasAllgemeineunddasEinzelne,beidesbildetseine eigeneSphareaus,undeswirdaufgezeigt,dassdiesdieEigenartder modernenZeitist. ・
Allgemeinheit,indervollkommenenFreyheitund SelbstandigkeitderEinzelnen・(GW8.254),daswirdals・
derBegriffdes Geistes・ausgedruckt.Hegelnimmterstunterdiesem neuenGesichts- punkt den Willensbegriff auf. Der einzelne Wille wird,konkreter bestimmt,als das einzelne Rechtund derallgemeine Wille als das allgemeineRechtbezeichnet.・
DasRecht・wurdebisheralszum System desBedurfnissesgehorigundim ・
Naturrechtsaufsatz・sogaralsdasdas System derAuerlichkeitHerbeifuhrendeangesehen.Abernunist・
das Recht・―alsVorstufederKunst,derReligionundderWissenschaft―
・ derunmittelbareBegriffdesGeistes・(GW8.256)undbildetdasGrundger ustdes ・
Gemeinwesens・(GW8.264)aus. Hegellegtnunmehrseiner SittlichkeitskonzeptiondenWillen,bestehendausdem einzelnenunddem allgemeinen Willen,zugrunde. Somitspielen FichtescheTermini,wie
・ Recht・,・
Wille・und ・
gegenseitigeAnerkennung・,inseinerKonzeption einewichtigepositiveRolle16. Dieseerschaffen aberkein System der Auerlichkeitmehr.VielmehrermoglichtderZwangsbegriff,andem er fruherheftigeKritikgeubthat,nuneineengeinnerliche,intellektuelle BeziehungderIndividualitatmitdem Allgemeinen;dieNaturdesWillens bestehtinderwissendenSubjektivitat.
IndieserneuenSittlichkeitskonzeptionbildendieeinzelnesowiedie allgemeineFreiheitihreeigenenSpharenaus.DerWilleentstehthierals einzelnerWilleundentwickeltsich,durchVermittlungeinernegativen Beziehungzwischen den Einzelnen,mitklarbewussterNotwendigkeit zum gemeinsamen Willen und umfasstschlielich den allgemeinen Willen17.ErstdurchdiesesUmfassendesallgemeinenWillensdurchden einzelnen entsteht die Bewegung des Willens zur ・
Constitution・
(GW8.253).
SowirdderUmriss・
diesesintelligentenGemeinwesens・(GW8.237, am Rande)gezeichnet.Die・
Bildung・unddie・
Entauerung・nehmenbei
derEntwicklung dieserKonzeption eine Schlusselstellung ein. Ihre Grundform bestehtinder・
Arbeit・,dieein・
ebendisichzum Gegenstande machen・(GW8.205)ist18. Auf dem W ege der Bildung und der Entauerung treten Fichtesche Terminiwie ・
gegenseitige Anerken- nung・,・
Zwang・und・
Recht・mit・
einer[...]durchsWissenvermittelten・
Notwendigkeit(GW8.255)auf.ZuletztwirdauchdieoffentlicheGewalt zum GegenstanddesWissens.
・ DerWille・istzunachst・
derTrieb・,dieMittedesZwecks(des Allgemeinen)und derTatigkeit(desEinzelnen). DieArbeitals・
das disseitigesichzum Dingemachen・(GW8.205)hebtdiesenGegensatzauf:
Ich machemich zum Ding und zugleich schaueich mich in diesem Gegenstand an. Diese reflexive Tatigkeit ermoglicht ein Sich-im- Anderen-Wissen.DerneueArbeitsbegriffHegelshatalsonichtnurdie Bedeutung derBearbeitung von Dingen,sondern auch diederSelbst- bestatigung und des Sich-Anerkennens. Er liegt der gegenseitigen Anerkennungzugrunde.
DurchdieEntwicklungderFamilietretennun ・
vollstandige,freye Individualitaten・(GW8.213)auf,dieihreneigenenBesitzhaben.Hegel sagt:・
DiVerhaltniistesgewohnlich,wasderNaturzustandgenannt wird・(GW8.214). Hegelwahltdafurden ・
Begriffdergegeneinander freyenSelbstbewutseine・(ibid.). DieserStandpunktzeigtsichereine AnnaherungandasFichtescheNaturrecht.BisherhaterKritikander Fichteschen Freiheitgeubt,dielautNaturrechtsaufsatzdieSchwierig- keiten desFichteschen Naturrechtsverursacht. Ausdem ・
Begriffder gegeneinanderfreyenSelbstbewutseine・folgtergibtsichnotwendiger- weisediefolgendeAuffassung:・
DerMenschwirdnothwendiganerkannt undistnothwendiganerkennend.DieseNothwendigkeitistseineeigne・
(GW8.215).NunistesseineAufgabe,dieseFreiheitzuverwirklichen.
HegelgibtalsodergegenseitigenAnerkennungdieMacht,denZugang zum gemeinsamen W illen durch dieBildungdeseinzelnen W illenszu offnen.Wirvollziehenim folgendendieEntwicklungdergegenseitigen
AnerkennungimSystementwurfIII.
DasZieldesKampfesum dieAnerkennungbestehtdarin,dassjeder Daseiendesichineinen・
wissendenWillen・(GW8.221)verwandelt.Das AusschlieendesBesitzersausseinem Besitz(z.B.durchRaub)bedeutet dasAusschlieendesWissens,dasserselbstBesitzerist,ausihm,dasein Produktdaszum DinggemachteSelbstistunddeswegendieBedeutung eineszweitenSelbstshat.DerKernpunktbestehtalsodarin,dassderso VerletztedenVerletzerdazubringt,ihnalsBesitzeranzuerkennen;erzielt darauf,seinWissenwiederherzustellen.Ausdiesem KampfaufLeben und Tod ・
gehtjedes〔so〕hervor,daesdasandrealsreinesSelbst gesehen[...];unddaderWilleneinesjedenwissenderist・(ibid.).Jeder erkenntsichalsEigentumeran,derEinzelneist・
Person・indiesem Ele- mentdesAnerkanntseins.Damitkommtauch ・
einWissenvom Guten und Bosen・(GW8.223)neu zustande,mit einem anderen Wort als
・ personlichesRechtundUnrecht・(ibid.)bezeichnet.Diefolgendenrealen Verhaltnisseentsprechendiesem Wissen:DerTauschhatdieBedeutung dergegenseitigenAnerkennung;jederentauertsichseinesProduktsund machteszueinem ihm Fremden.Dabeigilt:・
Ebendarinschaueichmein Anerkanntseinan・(GW8.227).Indiesem Anerkanntseinerwirbtjeder alles durch Arbeitund Tausch. Dieses Wissen wird im ・
Vertrag・
(GW8.228)ausgedruckt.JedergiltalseinzelnerWilleundzugleichals Person,dievom Anderenrespektiertwerdensoll.AufdieseWeiseund aufderBasisdesreflexiven Arbeitsbegriffessinddiewirtschaftlichen Terminimitdenrechtlichenverbunden.
Was aber bedeuten die Verletzung des Besitzes oder andere VerbrechenfurdiesesAnerkanntsein?Siegeschehen,wennjemandvom gemeinsamenWillenabfallt.DabeiweiderVerletzendeselbst,waser tut.DieStrafealsZwanghat,diesesWissenvoraussetzend,dieBedeutung einesUmschlagens,d.h.der・
WiedergeltungalsdesallgemeinenWillen・
(GW8.235). DerZwang istfurden Einzelnen in diesem Sinnenicht auerlich,weilerdieBedeutungderWiederherstellungdesWissensvom
・ personlichenRechtundUnrecht・(GW8.223)hat.DieStrafealsZwang stammteigentlichausderIdeedesRechtsalsdesallgemeinenWillens.
・ DiVerbrechen istdie Belebung,die Bethatigung― Erregung zur Thatigkeit― desallgemeinen Willens・(GW8.235). Besondersfuhrt sorgfaltigeRechtspflegedazu,dass・
dasAllgemeine[...]diegewuteund gewollteSubstanz・(GW8.253)wird.WeiterskanndasRechtsichdurch dieseRechtspflegeals・
dasGewalthabendeGesetz・(GW8.236)zeigen.
DasRechtunddieGewaltsindnunkeineauerlicheOrdnungmehr.Die Gewaltist・
allgemeinesWissen・(GW8.254)undinsofernfangthierdie BewegungdesAllgemeinenan.
HegelstelltaufdieseWeisezweiEntwicklungendar,d.h.・
diWerden deseinzelnen zum Allgemeinen・,und das ・
Werden desAllgemeinen・
(GW8.256).Soerstwirddieses・
intelligenteGemeinwesen・19(GW8.237) konzipiert,in dem dasRechtein allgemeinesElementausmacht. Das RechtunddaseinzelneRechtentwickelnnunihreeigenenSpharenund haben zugleich eine untrennbare Beziehung. Die erstere Sphare bezeichnetmanmitanderenWortenalsdieSpharedesOffentlichenund diezweiterealsdiedesPrivaten.AufderBasisdiesesUnterschiedsstehen dieSpharedespolitischenStaatsunddieSpharedesBedurfnissesundder Arbeit. Wirsehen in diesem ・
intelligenten Gemeinwesen・20die Ver- wirklichungdes・
BegriffesdesGeistes・(GW8.256).DieAuffassungvon derOrganisierungderunorganischenNaturdurchdieSittlichkeitwird erstindieserKonzeptionaufgegeben.Stattihrererscheintnundie・
List derRegierung・(GW8.276,vgl.GW8.264),dieeinenUnterschiedzwischen beidenSpharenvoraussetztundzwischenihnenvermittelt21.
DieWandlungderSittlichkeitskonzeptioninHegelsJenaerZeitwird alsodeutlichim BlickaufseineAuseinandersetzungmitderFichteschen Naturrechtslehre. Insbesondere verweistdie Aufnahme desZwangs- begriffesaufdieEntstehung einerneuen Sittlichkeitskonzeption. In Systementwurf IIIfuhrt Hegel,genau betrachtet,das Thema der NeukonstruktiondesoffentlichenpolitischenunddesprivatenLebensein und strebtsogareineVermittlung zwischen diesen Spharen an. Wir konnenhierdasUrbildderHegelschenRechtsphilosophie,welchesuns eineneueInterpretationdesTextsderPhilosophiedesRechtsermoglicht,
sehen22. Hegelbefasstsich mitderAufgabe,beide Spharen alsdie Systemederihnen entsprechenden Institutionen zu konstruieren und zwischenihnenzuvermitteln.Esscheintmirwichtig,dieseBemuhungen Hegelsnachzuvollziehen.
FolgendeSchriftenwerdenmitderBandzahlinromischenundderSeitenzahlin arabischenZiffernzitiert:
GW G.WF.Hegel,GesammelteWerke. In Verbindung mitderDeutschen Forschungsgemeinschaft,hrsg.vonderReinisch-WestfalischenAkademie derWissenschaften,Hamburg,1968ff.
HW G.WF.Hegel,WerkeinzwanzigBanden,hrsg.vonE.MoldenhauerundK.
M.Michel,Frankfurta.M.,1969ff.
FW J.G.FichtesWerke,hrsg.vonI.H.Fichte,11Bde.,Leipzig.
1 Vgl.,M.Riedel,Zwischen Tradition und Revolution,Studien zu Hegels Rechtsphilosophie,Stuttgart,1982.S.163ff.
2 Vgl・ .,J.Habermas,ArbeitundInteraktion.BemerkungenzuHegelsJenenser PhilosophiedesGeistes・,in:TechnikundWissenschaftals・
Ideologie・,Frank- furtam Main,1981.S.40ff.,L.Siep,AnerkennungalsPrinzipderpraktischen Philosophie,Freiburg/Munchen,1979.S.281ff.
3 Vgl.,GW8.254:・
Allgemeinheitin dervollkommnen Freyheitund Selbst- standigkeitderEinzelnen・.
4 F.W.J.Schelling,VorlesungenuberdieMethodedesakademischenStudiums, in:SchellingsSammtlicheWerke,hrsg.M.Schroter,I.5,1859,S.316. 5 Derselbe Ausdruck,・
eine mit mechanischer Notwendigkeit wirkende Veranstaltung・(FW3.140), befindet sich in Fichtes Grundlage des Naturrechts,unddasZieldieserVeranstaltungrichtetsichhauptsachlich aufdieBeseitigungdesSpielraumsderWillkur.
6 InSystem derSittlichkeitstehtdasWort・
Bezwingen・aufSeite287(GW5) unddasWort・
Bezwingung・aufdenSeiten317und319(GW5). 7 Fichtesagt:・
Rousseausvolontegenerale,derenUnterschiedvondervolonte detouskeineswegssogarunbegreiflichist・(FW3.106).AufDeutschist jenerder ・
gemeineWille・,und dieserder ・
allgemeineWille・. Aberin Systementwurf IIIgebraucht Hegel ・
gemeinen Wille・ fur diesen und
・ allgemeinenWille・furjenen.DahinterstehtwohldieAbsicht,Kritikan Fichtezuuben. Nun,wiein diesem Abschnittbetrachtet,enthaltdie Abkurzungsverzeichnis
Anmerkungen
Fichtesche Naturrechtstheorie eine problematische Spannung zwischen einzelnerFreiheitundallgemeinerFreiheit.SogibtesauchdieAuffassung, dasssietotalitarsei.(Vgl.B.Wilms,DietotaleFreiheit;Fichtespolitische Philosophie.KolnundOpladen,1967)
8 M.Ri・ edelbeziehtdiesenTeilaufdenStandpunktdesneuerenNaturrechts.
SoerscheintdasSeindesEinzelnen,welchesdasneuereNaturrechtseiner DeduktionGesellschaftundStaatzugrundelegt,[...]unterdem Titel:Das NegativeoderdieFreiheitoderdasVerbrechen・(M.Riedel,HegelsKritikdes Naturrechts,in:Hegel-Studien,Bd.4,S.189).W.Bonsiepenbeziehtdiesen TeilaufdasneuzeitlicheRechtsverhaltnis.・
DerFortgangzurBehandlung desVerbrechensergibtsichnotwendigausdernegativenEinschatzungder modernenGesellschaft・(W.Bonsiepen,DerBegriffderNegativitatinden JenaerSchriftenHegels,in:Hegel-Studien,Beiheft16,Bonn,1977,S.86f.).Es gehthauptsachlichim zweitenTeilum dieVerletzungdes・
Eigentums・und der・
personlichenRechte・.DieseistdochnichtderTeildesNaturzustandes derneuerenNaturrechtstheorie.Inderklassisch-politischenTheoriegibtes auchkeinenentsprechendenDiskurs,derDiskursdeszweitenTeilistalso einzigartig. DerStellenwertdiesesTeilswird erstausderSichtder UberwindungdersichbeschrankendenFreiheiterklart.
9 K.H.Ilting beziehtdienaturlicheSittlichkeitaufden ersten Teilder Aristotelischen Politik(K.H.Ilting,HegelsAuseinandersetzung mitder AristotelischenPolitik,in:G.W.F.Hegel,FruhepolitischeSysteme,hrsg.von G.Gohler,Frankfurta.M.,1974,S.771).
10 Esgehthiernochnichtum dieAnerkennungdesEigenthumsrechts.Diese wirderstimSystementwurfIIIthematisiert.
11 Diese Auffassung verdeutlicht,dass Hegel schon die A.Smithsche Okonomiegekannthat.Am Rande,aufderSeite323inSystementwurfI, fuhrtHegelSmithsNamenan.G.LukacshatdenA.SmithschenEinflussauf denHegelschenokonomischenStandpunktbetont.(G.Lukacs,Derjunge Hegel,UberdieBeziehungenvonDialektikundOkonomie,Bd.2,1973,S.501f.) 12 ・
DieConstitutiondesStandesinsich・entsprichtderKorporationinder PhilosophiedesRechts(1820),vgl.250ff.derPhilosophiedesRechts.
13UberdieEigentumlichkeitdesHegelschen Gedankensin diesem Manu- skript werden einige Auffassungen vorgestellt:L.Siep schatzt die ThematisierungdergegenseitigenAnerkennung:・
DerSystementwurfvon 1803/04kenntwedereine ・
naturliche Sittlichkeit・noch eine negative Aufhebung im Verbrechen. Die Institutionen des Rechts und der okonomischenSphare[...]finden〔wir〕hiererstaufderhochstenStufeder SittlichkeitalsFormendesGeisteseinesVolkes.Darinzeigtsicheineerste bedeutendeWandlungderStellungHegelszum Naturrecht.[...]DerKampf negiertnichtmehrdieAnerkennung,sondernhatsiezum Zweck・(L.Siep,
DerKampfumAnerkennung,ZuHegelsAuseinandersetzungmitHobbesinden Jenaer Schriften,in:Hegel-Studien,Bd.9,1974,S.175f.). W.Bonsiepen ubernimmtauch dieseAuffassung.(Vgl.W.Bonsiepen,DerBegriffder NegtivitatindenJenaerSchriftenHegels,Hegel-StudienBeiheft16,Bonn,1977, S.88f.)AberHegelbeabsichtigt,diesich beschrankendeFreiheitvollig aufzuheben. Deswegen funktioniertdasBewutsein hiergenugendsys- tematischnochnicht.DaruberhatR.P.HorstmandiefolgendeAuffassung:
Hegelhat・
dieMoglichkeit,SphareinderdiehochsteIdentitat,unddasist die Sphare derSittlichkeit,sich darstellen soll,durch den Begriffdes Bewutseinsstrukturellgegenuberdem BereichderNaturauszuzeichnen.
[...]Geistwirdhier,inderJenenserRealphilosophie,nochausschlielichals dieauszeichnendeBestimmungderSittlichkeitverstanden,um deren,abso- luteOrganisation・esHegelimmernochalleinzutunist.[...]hatderBegriff desBewutseinsbzw.derdesGeisteskeineeigenstandigesystematische Funktion・(R.P.Horstman,ProblemederWandlungen in HegelsJenaer Systemkonzeption,in:PhilosophischeRundschau,Nr.19,Tubingen,1972,S.
114.). DiesesProblem stehtim Zusammenhang mitderEinstellung der OrganisierungderunorganischenNaturdurchdieSittlichkeit.
14 Am RandeaufSeite315gibtesubrigenseinekritischeAussageuberdas neuereNaturrecht:DieSittlichkeitsei・
keineKomposition,keinVertrag, keinstillschweigenderoderausgesprochenerUrvertrag・(GW8.315). 15 L.Siep findetim Kampfum die Anerkennung dieselbe systematische
FunktionwiediedesKampfesallergegenallebeiHobbesundzeigtden Unterschiedauf,dassHegelaufdieSelbstaufhebungdesEinzelnenzielt, HobbesdagegenaufdieSelbsterhaltung.Nachihm bestehtdieBedeutung desKampfesum AnerkennunginSystementwurfIim folgenden:・
Soistdie Stellung desKampfesalsAbschluderEntwicklung desindividuellen Bewutseinsund alsVorstufedergegenseitigen Anerkennung in einer staatlich gesicherten Rechtssphareerstim Systementwurfvon1803/04 erreicht. Denn erst der Bewutseinsbegriff gestattet es Hegel,eine wirklicheEntwicklung zum Geistzu denken・(L.Siep,DerKampfum Anerkennung,Zu Hegels Auseinandersetzung mitHobbes in den Jenaer Schriften,in:Hegel-Studien,Bd.9,1974,S.204).
16 Dementsprechendistesbemerkenswert,dassderBegriffdesStaateserstin diesem SystementwurfmitpositiverBedeutungauftritt.W.Jaeshkezeigt dasim folgendenauf:・
DerinderfruhenJenaerZeitdominanteBegriffdes Volkesisthier[...]durchdenBegriffdesStaatesabgelost・(W.Jaeschke, Hegel-Handbuch,Leben-Werk-Wirkung,Stuttgart-Weimar,2005,S.171.) 17 BeiFichteentsprichtderallgemeineWilledervolontedetousund der
gemeinsameWilledervolontegenerale(Vgl.FW3.258).BeiHegelistdie EntsprechungdieserTerminiumgekehrt.
18 Riedelbetont die Bedeutung der Reform des Arbeitsbegriffs folgen- dermaen:・
DamithatHegeldieArbeit,deren,gesellschaftlicher・Charakter derklassischen Politik infolgederUberordnungdessittlichen Handelns uber das Herstellen und dem modernen Naturrecht infolge seiner OrientierungandenWillens-undVertragsverhaltnissenverborgenblieb, alsEmanzipationsform dermodernen Gesellschaftbegriffen,in derdas Individuum zur Freiheitder Rechtsperson ,gebildet・worden ist・(Die RezeptionderNationalokonomie,in:M.Riedel,ZwischenTraditionundRevolu- tion,StudienzuHegelsRechtsphilosophie,Stuttgart,1982,S.132).Kimmerle sieht in derPhilosophie des G eistesdie Auffassungsveranderung des Arbei・ tsbegriffsunddesBewusstseins.DabeiwirdderArbeitsbegriffals
einegrundlegendeanthropologischeKategorie・,d.h.・
bewutesHandeln gegen die Natur・aufgefasst(H.Kimmerle,Das Problem derAbgesch- lossenhei・ tdesDenkens,Hegel-Studien,Beiheft8,Bonn,1970,S.219).Inder PhilosophiedesGeistes・(1805/06)istm.E.dieSeitedereineGesellschaft bildendenArbeitvielbemerkenswerter.
19 AlseineSchwierigkeitdesSystementwurfIIIwird ・
die,Asymmetrie・der Hegelschen Anerkennungstheorie・betrachtet(L.Siep,Anerkennung als PrinzipderpraktischenPhilosophie,Freiburg/Munchen,1979,S.278ff.).Das Problem dabeiistdieVorrangstellungderAnerkennungdesStaatsdurch denEinzelnenvorderdesEinzelnendurchdenStaat.・
DieSelbstandigkeit deseinzelnenSelbstgegenuber[...]dem Staat,istkeineswegsinderselben WeisealsRechtanerkanntwiedessenMachtuberdieEinzelnen・(ibid.S.
126).DiesgiltfureineSeitederHegelschenSittlichkeit.Aberwenndem Grundgerustdes ・
intelligenten Gemeinwesens・,dasauszweiEntwick- lungenbesteht,Aufmerksamkeitgeschenktwird,kommtdieeineohnedie anderenichtzustande,oderdiedargestelltenGrundlinienderSittlichkeit mussendiePrufungdes・
wissendenWillens・ertragen.Die・
Asymmetrie・
ist,so betrachtet,nichtso stark. Hegelhatein Motiv,daspolitisch- offentlicheLebenherzustellen,wiesichinseinenpolitischenSchriftenzeigt.
DieseSeitescheinteinGrundder・
Asymmetrie・zusein.Hegelsiehtnundie VerfassungsanderungalseinegeschichtlicheAufgabeanundbetrachtetsie alsgeschichtlichen Fortschritt.(Vgl.G.W.F.Hegel,Vorlesungenuber NaturrechtundStaatswissenschaft,Heidelberg1817/18,hrsg.vonC.Becker, mite.Einl.von O.Poggeler,Hamburg1983,146und G.W.F.Hegel, VorlesungenuberRechtsphilosophie18181831,Ed.v.K.-H.Ilting,Stuttgart- BadCannstatt,197374,Bd.4,S.660f.)
20 IndieserKonzeptionspieltdieOffentlichkeiteinewichtigeRolle.Sieist eins der hauptsachlichen Themen im spateren rechtsphilosophischen Denken Hegels. Vgl.,G.W.F.Hegel,VorlesungenuberNaturrechtund Staatswissenschaft,Heidelberg1817/18,hrsg.vonC.Becker,mite.Einl.von
O.Poggeler,Hamburg1983,129.
21 HegelsiehtinderSpharedesBedurfnissesundderArbeitdieEntstehung desGegensatzeszwischengroem R eichtum undgroerArmut.Erbleibt trotzdem beider folgenden Einstellung:・
Das Eingreifen muso un- scheinbaralsmoglichsein・(GW8.244).
22 Der Begriffder ・
burgerlichen Gesellschaft・und der ・
konstitutionellen Monarchie・,deren charakteristisches Merkmalin der Trennung von furstlicherGewaltundRegierungsgewaltundsogarinderFormalisierung dieserTrennungbesteht,tritterstinderHeidelbergerZeitauf.(Vgl.G.W.
F.Hegel,VorlesungenuberNaturrechtund Staatswissenschaft,Heidelberg 1817/18,hrsg.vonC.Becker,mite.Einl.vonO.Poggeler,Hamburg1983) Diesem Versuch liegtdas Motiv einer Neukonstruktion des politisch- offentlichenLebensunddesprivatenLebenszugrunde.Zueinerneuen
Interpretation der Hegelschen R echtsphilosophie ist es notig,Hegels politischeSchriftenzuuntersuchen.
(ドイツ思想/市ヶ谷リベラルアーツセンター兼任講師)