3. Die Struktur von Netzwerken mit Grad-Grad Korrelationen 19
3.5. Struktur maximal dissortativer Netzwerke
-0.4 -0.2 0 0.2 0.4 0.6
26 28 210 212 214 216 218 rmax
N
γ= 2.1 γ= 2.3 γ= 2.5 γ= 2.7 γ= 2.9
Abbildung 3.9: Pearson-Koeffizient rmax f¨ur maximal assortative Netzwerke als Funktion der Netzwerkgr¨oße Nund f¨ur verschiedeneγ. Alle Datenpunkte sind Mittel-werte ¨uber 100 Netzwerke mit minimalem Gradk0= 6, der Fehlerbalken gibt die Standardabweichung. Die ge-strichelten Linien sind Fits nach Gleichung (3.48). In Ubereinstimmung mit den theoretischen Ergebnissen er-¨ gibt sich f¨urγ <2.5 ein negativer Korrelationskoeffizient rmax, obwohl die zugrunde liegenden Netzwerke maximal assortativ sind.
mitk0-Knoten verbunden. Sobald die Netzwerke groß genug sind, h¨angt der Wert von κ0 selbst nicht mehr vonN ab, siehe Abb. 3.10(a) und (b).
F¨ur eine genauere Analyse betrachten wir nun einige Adjazenzmatrizen maximal dis-sortativer Netzwerke in Abbildung 3.11. Wir sehen f¨ur alle drei Netzwerkgr¨oßen in (a)-(c)
kme
kme
κ0
κ0
κ1
κ1
kmax
kmax
k0
k0
k1
k1
k2
k2
· · ·
· · ·
· · ·
kme
kme
κ0
κ0
κ1
κ1
kmax
kmax
k0
k0
k1
k1
k2
k2
· · ·
· · ·
· · ·
kme
kme
κ0
κ0
κ1
κ1
kmax
kmax
k0
k0
k1
k1
k2
k2
· · ·
· · ·
· · ·
(a)N = 256 (b)N = 512 (c) N = 1024
Abbildung 3.11.: Darstellung der AdjazenzmatrixA f¨ur dreimaximal dissortativeNetzwerke mit γ = 2.9, k0 = 6, sowie verschiedenen Gr¨oßen (a) N = 256, (b) N = 512 und (c) N = 1024.
Sind zwei Knoteni und j miteinander verbunden, so ist der entsprechende EintragAij = 1 rot dargestellt, ansonsten bleibt das Fl¨achenelement weiß. Wie in Abb. 3.7 sind die Eintr¨age der MatrixA gem¨aß der Grade der Knoten angeordnet. Zur Orientierung sind jeweils oberhalb und links der Adjazenzmatrizen Balken eingezeichnet, die Gruppen von Knoten gleichen Grades durch eine gemeinsame Farbe hervorheben. F¨ur alle Netzwerkgr¨oßen in (a)-(c) finden wir ausgepr¨agte rechteckige Strukturen. Diese repr¨asentieren Doppelschichten von Knoten, in denen Knoten kleinen Grades mit Knoten großen Grades verbunden sind.
deutlich ausgepr¨agte rechteckige Strukturen. Diese Strukturen entsprechen verschachtel-ten Doppelschichverschachtel-ten von Knoverschachtel-ten, in denen Knoverschachtel-ten niedrigen Grades mit Knoverschachtel-ten hohen Grades verbunden sind. Die ¨außerste Doppelschicht besteht aus den Knoten mit Grad k0, die mit Knoten vom Grad κ0 . k ≤ kmax verbunden sind. In der zweiten Doppel-schicht sind k0+ 1-Knoten mit Knoten vom Gradκ1 .k.κ0 verbunden, in der dritten Schicht entsprechend k0+ 2 Knoten mit Knoten vom Grad κ2 .k.κ1 usw. Zus¨atzlich zu den rechteckigen Bereichen beobachten wir bei kleinen Netzwerken in 3.11(a) und (b), dass sich in der letzten Zeile bzw. Spalte der Adjazenzmatrizen ein roter Bereich ¨uber mehrere Schichten hinweg erstreckt. Dieser Bereich entspricht dem kmax-Knoten, der so viele Verbindungen hat, dass er sich mit mehreren niedrigenk-Schichten verbinden muss.
Dadurch wird auch der Verlauf von Knn(k) f¨ur großek bestimmt, wie er in Abb. 3.10 zu sehen ist. Sind keine Knoten mit zu großem k vorhanden, so verl¨auft Knn(k) flach, mit Knn(k & κ0) ≃k0, wie etwa in Abb. 3.10(a) f¨ur γ = 2.9 zu sehen ist. Gibt es hingegen Knoten mit sehr großem k im Netzwerk, so f¨allt Knn(k) weniger steil ab und steigt mit-unter sogar wieder kurz an f¨ur k.kmax, wie beispielsweise in den Kurven f¨ur γ = 2.1 in Abb. 3.10(c).
Im Folgenden wollen wir diese Effekte genauer betrachten und quantifizieren. Wir be-ginnen mit dem Einfluss des kmax-Knotens. F¨ur kleine Netzwerke mit N < N1 ist der maximale Grad durch kmax = N −1 gegeben, d.h. ein Knoten diesen Grades ist mit allen ¨ubrigen Knoten des Netzwerkes verbunden. Mit der Definition von kmax aus (2.3)
bestimmt sichN1 zu
N1≡k
γ−1 γ−2
0 . (3.49)
Ab Netzwerkgr¨oßenN > N1durchsetzt ein Knoten mitkmaxzwar nicht mehr das gesamte Netzwerk, aber immer noch einen großen Teil, n¨amlich alle Knoten mitk0≤k≤kA. Der Wert vonkA l¨asst sich berechnen aus
kmax=
kA
X
k=k0
Nk≈ Z kA
k0
N P(k)dk= 1 1−γ
N
A kA1−γ−k01−γ
, (3.50)
nachkAaufgel¨ost findet man kA=k0
1− 1−N1
k0N2γ−1−γ1−γ1
. (3.51)
Aus (3.51) erh¨alt man etwa f¨ur N = 256, γ = 2.9 und k0 = 6 den Wert kA ≈ 8, in guter ¨Ubereinstimmung mit Abb. 3.11(a), wo der kmax-Knoten bis in die k = 8 Schicht hineinragt. Im Grenzfall großer Netzwerke mitN ≫ N1 verh¨alt sich (3.51) wie kA ≈k0, d.h. alle Kanten eines Knotens mit kmax f¨uhren zu Knoten mit Grad k0. In der Darstel-lung der Adjazenzmatrizen aus 3.11 bedeutet dies, dass derkmaxKnotens f¨ur großeN in die ¨außerste Doppelschicht integriert wird. Die k0-Knoten stellen in großen Netzwerken sogar so viele Kanten, dass sie ¨uberkmax hinaus auch alle Kanten von Knoten abs¨attigen k¨onnen, deren Grad k gr¨oßer als ein bestimmtes κ0 ist. Dies f¨uhrt zur Bildung der ¨au-ßersten Doppelschicht, wie sie weiter oben beschrieben wurde. Der Wert vonκ0 l¨asst sich bestimmen aus
Nk0k0 =
kmax
X
k=κ0
Nkk , (3.52)
bzw.
N P(k0)k0 =
kmax
X
k=κ0
N P(k)k≈ Z kmax
κ0
N P(k)k dk= 1 2−γ
N
A kmax2−γ−κ2−γ0
. (3.53) Nachκ0 aufgel¨ost ergibt sich
κ0=k0
γ−2
k0 +N2−γγ−12−γ1
. (3.54)
Aus (3.54) folgt f¨urN ≫N2, mit
N2≡ k0 γ−2
γ−1
γ−2 (3.55)
der asymptotische,N-unabh¨angige Wert κ0 ≈κ∞0 ≡k
γ−1 γ−2
0 γ−221
−γ . (3.56)
F¨ur γ = 2.9 und γ = 2.5 l¨asst sich dieses Verhalten auch gut in den Abb. 3.10(a) und (b) erkennen, in denen jeweils die Werte f¨urκ∞0 eingezeichnet sind, wie sie sich aus (3.56)
ergeben. AbN = 210 in (a) bzw.N = 214in (b) sind alle Knoten mitk≥κ∞0 mit Knoten aus der k0-Schicht verbunden und der mittlere Grad der n¨achsten Nachbarn ist folglich gegeben durch Knn(k) ≃k0. F¨ur γ = 2.1 hingegen ist nach (3.55) N2 ≃3.6·1019 >264, folglich sind die in Abb. 3.10 (c) untersuchten Netzwerke noch viel zu klein, um dieses Verhalten beobachten zu k¨onnen.
Mit dem Ausdruck (3.56) f¨urκ0 kann man nun auch n¨aherungsweise die oberen Grenzen κn der folgenden Doppelschichten angeben. Analog zu (3.52) bestimmt sich der Wert von κ1 aus
Nk0+1(k0+ 1) =
κ0
X
k=κ1
Nkk , (3.57)
die h¨oheren Werteκ2, κ3, . . . erh¨alt man anschließend durch Iteration von (3.57) mit ent-sprechend angepassten Summationsindizes. Wie in Abb. 3.11 zu sehen ist, ist die Folge der Doppelschichten in der Mitte begrenzt durch eine einfache Schicht von Knoten mit Grad kme. Dieser Grad ist dadurch gekennzeichnet, dass alle Knoten mit Gradk≤kme genauso viele Kanten haben, wie die Knoten mit Grad k ≥ kme. Durch L¨osung der impliziten Gleichung
kme
X
k=k0
Nkk=
kmax
X
k=kme
Nkk (3.58)
erh¨alt man
kme = 2γ−21 k0
1 +N2−γγ−12−γ1
. (3.59)
F¨ur große Netzwerke wird dieser Ausdruck unabh¨angig vonN und man findet das asym-ptotische Verhalten
kme≈kme∞ ≡2γ−12k0. (3.60) Dadurch ist auch die AnzahlNd der Doppelschichten im Netzwerk, die sich aus kme−k0 ergibt nach oben hin begrenzt:
Nd≤max(Nd)≡kme−k0 ≤k∞me−k0. (3.61)
Skalierung des Pearson-Koeffizienten rmin
Abschließend wollen wir nun die Skalierung des Pearson-Koeffizienten rmin f¨ur maximal dissortative Netzwerke bestimmen. Analog zum Ausdruck f¨ur maximal assortative Netz-werke in (3.32) ist rmin gegeben durch
rmin= min(Ar)−Br
Cr−Br . (3.62)
F¨ur die weiteren ¨Uberlegungen ist es vorteilhaft, allen Kanten eine bestimmte Richtung zuzuordnen, d.h eine bestimmte Kante m geht von einem Knoten mit Gradjm aus und
verweist auf einen zweiten Knoten mit Grad km. Nun indizieren wir die Kanten so, dass die Grade der Knoten, auf die sie verweisen, ansteigen:
k1 ≤k2 ≤ · · · ≤kM. (3.63) In dissortativen Netzwerken sind Knoten mit großem Grad bevorzugt mit Knoten mit kleinem Grad verbunden. Entsprechend wird auch die Summe in Ar dadurch minimiert, dass die Grade der Knoten, von denen die Kanten in (3.63) ausgehen, abnehmen. Dies entspricht gerade der umgekehrten Reihenfolge vonk1, k2, . . . , kM in (3.63), also
jm=Jm≡kM−m, (3.64)
und
J1≥J2≥ · · · ≥JM. (3.65) In Netzwerken, in denen Selbst- und Mehrfachverbindungen zugelassen sind, ist es im-mer m¨oglich, ein gegebenen Netzwerk so umzuordnen, dass (3.63)–(3.65) erf¨ullt sind. Im Gegensatz zu assortativen Netzwerken sind in dissortativen Netzwerken Mehrfachverbin-dungen nicht problematisch, da es sehr viele Knoten kleinen Grades gibt, die sich mit den wenigen Knoten hohen Grades verbinden k¨onnen, ohne dass Mehrfachverbindungen notwendig w¨urden. Im Grenzfall großer Netzwerke verschwindet der Anteil von Mehrfach-verbindungen und wir k¨onnen (3.63)–(3.65) auch f¨ur einfache Netzwerke verwenden. Mit (3.63) und (3.64) erhalten wir
min(Ar) =
M
X
m=1
kmJm=
M
X
m=1
kmkM−m. (3.66)
Der TermkmkM−m ¨andert sich nicht, wenn manm durchM−m ersetzt und es folgt min(Ar) = 2
M
X
m=M/2
kmJm= 2
M
X
m=M/2
kmkM−m. (3.67) Die Faktoren Jm =kM−m sind auch ihrer Gr¨oße nach geordnet und erf¨ullen die Unglei-chungen
JM/2 =kM/2 ≥Jm ≥JM =k0 f¨ur M/2≤m≤M . (3.68) Mit Hilfe dieser Ungleichungen k¨onnen wir folgende untere und obere Schranken f¨ur min(Ar) in (3.67) ableiten:
2kM/2
M
X
m=M/2
km≥min(Ar)≥2k0
M
X
m=M/2
km. (3.69)
Per Konstruktion ist dabei der Wert vonkM/2 gegeben durch den mittleren Gradkme, f¨ur den alle Knoten mit Gradk < kme genauso viele Kanten haben, wie die Knoten mit Grad k > kme. Den Wert vonkme hatten wir bereits in (3.59) abgeleitet:
kme = 2γ−21 k0
1 +N2γ−1−γ2−γ1
. (3.70)
F¨ur großeN ergibt sich aus (3.70) das Verhalten
kme ≈2γ−21 k0Nγ−11 f¨ur 1< γ <2 (3.71)
≈2γ−21 k0 f¨ur 2< γ . (3.72)
Die Summe ¨uber M/2 Kanten in (3.69) kann wieder in eine Summe ¨uber Grade umge-wandelt werden:
M
X
m=M/2
km=
kmax
X
k=kme
N P(k)k2 ≈ Z kmax
kme
N P(k)k2dk= N A
1
3−γ kmax3−γ−kme2−γ
, (3.73) zusammen mit dem asymptotischen Verhalten f¨urkme in (3.72) finden wir
M
X
m=M/2
km∼k20Nγ−12 f¨ur 1< γ <3 (3.74)
∼k0N f¨ur 3< γ . (3.75)
Nun k¨onnen wir das asymptotische Verhalten vonkmeundPM
m=M/2km in (3.71)–(3.72) und (3.74)–(3.75) mit den beiden Ungleichungen in (3.69) kombinieren. Zun¨achst f¨ugen wir (3.71) und (3.74) in (3.69) ein und erhalten
c1k03Nγ−13 ≥min(Ar)≥c2k03Nγ−12 (3.76) f¨ur 1< γ <2, mit den beiden von γ abh¨angigen Konstantenc1 und c2. Hieraus folgt f¨ur großeN das asymptotische Verhalten
min(Ar)∼k03Nζ f¨ur 1< γ <2 (3.77) wobei der Exponentζ die Ungleichungen
2
γ−1 ≤ζ ≤ 3
γ −1 (3.78)
erf¨ullt. Mit den Relationen (3.72) und (3.74), zusammen mit den Ungleichungen (3.69) erhalten wir
c′1k30Nγ−21 ≥min(Ar)≥c2k03Nγ−21 (3.79) f¨ur 2< γ <3, also
min(Ar)∼k30Nγ−12 f¨ur 2< γ <3. (3.80) F¨ur den Bereich γ > 3 kombinieren wir schließlich (3.72) und (3.75) mit (3.69) und erhalten
min(Ar)∼k30N f¨ur 3< γ . (3.81) Mit (3.77)–(3.81) haben wir nun das asymptotische Verhalten von min(Ar) f¨ur große N bestimmt. Zusammen mit den Ausdr¨ucken f¨ur Br und Cr in (3.33)–(3.37) k¨onnen wir
jetzt die Skalierung des Pearson-Koeffizienten rmin f¨ur maximal dissortative Netzwerke nach (3.62) angeben:
rmin∼
−const1(γ, k0) f¨ur γ <2
−N2−γγ−1 f¨ur 2< γ <3
−Nγ−4γ−1 f¨ur 3< γ <4
−const2(γ, k0) f¨ur γ >4
(3.82)
F¨ur 2 < γ < 4 folgt aus (3.82), dass der Korrelationskoeffizient im Grenzfall großer Netzwerke zu Null geht. Abbildung 3.12 zeigt rmin als Funktion der Netzwerkgr¨oße f¨ur verschiedeneγ, wie es aus Simulationen hervorgeht, die gestrichelten Linien sind Fits nach (3.82).
-0.8 -0.6 -0.4 -0.2 0
26 28 210 212 214 216 rmin
N
γ= 2.1 γ= 2.3 γ= 2.5 γ= 2.7 γ= 2.9
Abbildung 3.12: Pearson-Koeffizient rmin f¨ur maximal dissortative Netzwerke als Funktion der Netzwerkgr¨oße Nund f¨ur verschiedeneγ. Alle Datenpunkte sind Mittel-werte ¨uber 100 Netzwerke mit minimalem Gradk0= 6, der Fehlerbalken gibt die Standardabweichung. Die ge-strichelten Linien sind Fits nach Gleichung (3.82). In Ubereinstimmung mit der Theorie geht¨ rminf¨ur alle be-trachteten Werte vonγf¨ur große Netzwerke zu Null.