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Umschlag aus der Rauhform von OHARA-Ruhrbazillen in die Glattform vermittels Kultivierung in der mit
abgetöteten heterologen Bakterienleibern
versetzten Bouillon (Verfahren
von HABS und SEITZ).
Von
Ohta, Izumi|Fukuda, Massao
(太田, 泉│福田, 正雄)
Aus dem Bakteriologischen Institut der Nagasaki Medizinischen Fakultät (Leiter: Prof. Dr. T. NAITO und a. o. Prof. Dr. Y. AOKI).
(Eingegangen am 13. Januar 1911.)
Die Frage nach der Rückverwandlung der Rauhform in die Glattform von OHARA-Ruhrbazillen (KRUSE-SONNE Bazillen, E-Ruhrbazillen, Shigella paradysen- teriae var. SONNET) ist von vielen Forschern bearbeitet worden. Wenngleich die Mehrzahl von ihnen sich im Sinne des anscheinenden Kolonieformrückgangs entscheidet, ist doch eine einwandfreie Lösung bezüglich der Antigenität und der Virulenz noch nicht gefunden worden. Wie wäre es klinisch oder epidemio- logisch für uns , bequem und nützlich, wenn es gelänge, alle Eigenschf ten der
R-Kulturen leicht und konstant zu ihren Ausgangsverhältnissen wieder zurück- kehren zu lassen.
Unsere an die Arbeiten von HABS und SEITZ 2) und die nachprüfenden Versuche von S. YASUDA 3) im hiesigen Institut anknüpfenden Untersuchungen brachten einige befriedigende Beiträge, indem wir nach ihnen die Rauh-Stämme
dicht mit sog. Vaccine versetztem Nährboden beimpften.
Bevor wir unsere Resultate erreichten, hat FUKUDA, einer von den Mitarbeitern, schon lange danach gestrebt, diese Frage zu klären. Es ist ihm aber schliesslich nicht möglich gewesen,
die Glattform zu isolieren, indem er:
1) lebende Ruhrbazillen mit der 60°C-30 Min. erhitzten S-förmigen Kultur gemeinsam intraperitoneal auf Mäuse einpflanzte, nach 6 bis 8 Stunden bei gestorbenen Tieren das Herzblut und die Darmkontenta unter Verwendung von Agar- und ENDO-Platten kulturell untersuchte, und
2) S- und R-Kulturen in den das Anti-S-Kaninchenserum oder das normale Kaninchen- serum haltigen Nährböden zusammen beimischte, nach 24 stündiger und weiter nach 4 tägiger Bebrütung auf Agar-Platten verstrich und die dann entwickelten Kolonien beobachtete.
Unsere diesmalige Methodik besteht im folgenden :
1) 48 stündige Kultur von verschiedenen Bakterienarten (Typhus 5, Paratyphus 3, Ruhr 2, Coli, Proteus, Staphylokokken und OHARA-S) wird in Mengenverhältnis von 4 mg: 1 cc in 10 cc Bouillon aufgeschwemmt, bei 60°C-30 Min. lang erhitzt, dann das Absterben genau geprüft, 2) eine geringe Quantität der meist oder vollständig zu R verwandelten OHARA-Bazillen darin ver- 1) Vortrag, gehalten in der 17. Jahresversammlung der Nagasaki Medizinischen Gesell- schaft am 1. Dez. 1940.
2) Z. Hyg., Bd. 116, S. 97, 1935.
3) noch nicht veröffentlicht.
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124 l.̲OHTA und M. FUKUDA :
der H lfte der entwickelten Kolonien. Das weicht ab von den Ergebnissen unseier Vorg riger, in welchen die 'Umwandlung erst nach einer Woche, im allgemeineh noch sp ter fast ・ unabhangig von den Vaccine‑Arten stattfand.
Beil ufig angegen wird dabei noch eine Erscheinung, n mlich dass die umge‑
wandelteQ Kolonien nach 10 Tagen die S‑Eigenschaften besonders in Hinsicht des Antigenit tsumschlages etwas schwerer gewinnen (vgl. Tabelle IV). Die weiteren Versuche mit den bei 100'C‑gekochten Vaccinen ergeben fbr die Frage prinzipiell die gleichen Ergebnisse wie oben. Es hat also den Anschein, als ob die Warmewirkung bei der Vaccine‑Bouillon‑Herstellung ftir die Um‑
wandlung keine Bedeutung hat.
Die in denl Versuch der Tabelle I gewonnenen Glattst mme verhielten sich kulturell unter einauder identisch u,nd gleichzeitig ebenso wie die Aus‑
gangsstdinm,e NAKASHIMA‑Ane und Ditto‑Imoto (Tabe]le II), dazu entspricht solches Verhalten det Kultureigenschaften den Erg̲ebnissen unserer Verg nger.
Es wurde ferner eine Prtifun der Thermoflockung vorgenommen. Die NaCl‑L6s.‑Aufschwemmun*"en der 26 Rtickkehr‑St mme wurden 60'C‑30 Min., 80'C‑30 Min. und 100"C‑2 Std. erhitzt. Nach tibern chtlich m Aufenthalt in Zimmertemperatur fand sich in zwei Examplaren (Tohoku 681 und 68 ) bei der Erhitzu'ng auf 100'C eine ‑elbstflockung, a]le tibrigen zeigten dagegen keine Agglutination (s. Tabelle IV). Es scheint ferner, dass die um ewan‑
delten St mme bei der Senkungsgeschwindigkeit ebenso wie die urspriiin8lichen Stdinme sich auch stabil verhalten. Wie aus der Tabelle 111 hervorgeht, konnte eine parallellaufende Senkung von lebender Kultur TSURUMAKI und NAKASHIMA‑Ane in den Kochsalzlosungen mit verschiedenem Salzgehalt unter Verwendurig von WEsTERGREEN‑Apparat konstatiert werden. Die Farbenreak‑
tion mit MoLrscH‑ und MILLON'Reagenz hat den Anschein, a]s ob die umge‑
wandelten St mme sich nicht immer dadurch auszeichnen ; der umgewandelte
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TSURUMAKI (der umgewandelte)
TABELLE III.
0.1 O .2 4 O , 3 0.4 ; O . 5 O . 6 O . 7 O . 85 1 .0 Aq. dest.
1 Std. 2 Std. 6 Std. 24 Std.
Imm Imm Imm Imm Imm Imm Imm
1 mm
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4mm 4mm 4mm 5mm
‑ mm 4mm
TSURUMAKI
(der R‑variierte) 1 Std. 2 Std. 6 Std. 24 Std.
Imm Imm Imm
1 mm
Imm Imm Imm
1 mm
2mm 3mm
4m m
4mm 4mm 3mm 4mm 6mm 10mm 8mm
NAkAs iMA‑Ane (der ursprungliche S‑) 1 Std. 2 Std. 6 Std. 24 Std.
4mm
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Imm Imm Imm Imm Imm Imm Imm
1 mm
3mm 3mm 3mm 3mm
3 mm
3mm
3 mm
3mm 4mm
‑ mm ‑ mm 3 mm
Umschlag aus des Rauhform von OHARA Ruhrbazillen m die Glattform usw 1 25
Stamm TSURUMAKI verh lt sich negativ mit der MILLON‑Reagenz ebenso wie der Original NAKASHIMA‑Ane, doch der umgewandelte ODABE und NoDA
positiv.
Es dtirfte wohl mehr die Antigenitat in Frage kommen als die kultureli‑
biologischen Eigenschaften. . Gltick]icherweise konnten wir den Stamm Koma‑
gome‑Original ganz ohne Ver nderung seiner Beschaffenheit fortztichten. Auch war das Antiserum desselben als Stammagglutininl6sung im hiesigen Institut vorratig, das, bald nach der Uberlassung des Stammes aus Komagome‑Hospital zu Tokyo an uns von FUKUDA hergestellt wurde. Bekanntlich hat die Litera‑
tur in bezug auf die serologische Einheitlichkeit der OHARA‑Bazillen Ermtrti‑
gendes begracht, sd dass wir glaubten die Ansicht vertreten zu konnen, dass die Antigenit t der Versuchsst mme reversibel ist, wenn die Agglutination mit Serum Komagome‑Originai sowohl am Stamm Komagome‑Original, Ditto‑
Reversibel als auch an den tibrigen umgewandelten St mmen zum gleichen Resultat ftihren konnten.
In Tabelle IV ist das Verha]ten der Bakterienaufschwemmungen*) ein‑
getragen. Die Erwartungen wurden in den meisten F l!en erfiillt, aber in einigen entt uscht. Wir halten es fdr berechtigt, die Reaktionen einer Reihe van umgewandelten Stdinmen (Denken, Komagome, WATANABE, KASIJGA, ODA‑
BE, NoDA, SAITO, Tohoku‑582 u. a.) als wesensgleich zu betrachten, obwohl dazwischen mehr oder weniger graduelle Verschiedenheiten auftreten. Die tibrigen St mme zeigten dagegen nur schwa.che Agglutiwotion, besonders die vergleichend lang in der Vaccine‑Bouillon gehaltenen und gleichzeitig etwas met,a]lisch gl nzend umgewande]ten St mme. Nennenswert ist dabei einerseits, dass die hoch reagierenden St mme nach 6 t giger Bebrtitung gewonnen, und danach auf Agar‑N hrboden 2 oder 3 Mal generalisiert wurden, und anderseits, dass die metallisch glanzenden nach dem 14. Bebrtitungstag isoliert wurden. Die Stamme Tohoku‑681 und ‑682, die beide nicht die Agglutina‑
tion sondern die Thermofiockung zeigten, stehen wohl ausser Frage ; es wurden bei diesen St mmen reversible Leistungen der Vaccine‑Bouillon nicht vollbracht.
Es ist eine schon bekannte und allt glich zu beobachtende Erscheinung, dass bei Rauhvarianten ein Verschwinden des eigentlichen Antigens stattfindet.
Im ganzen ist unser Agg]utinationstersuch mehr orientierender Art und macht auf Vollst ndigkeit keinen Anspruch, doch konnten wir ,mindestens festste]len, dass das antigen des Stammes Komagome, reversibel ist, und hatten den Eindruck, dass die iibrigen deutlich agglutinierenden St mme auch vielleicht eversibel sind. Beztiglich der schwach reagierenden St mme konnen wir keine Schltisse ziehen, da in solchen a priori ein selbst ndiges Antigen vorhanden ist. Jedenfa]Is sind noch mancherlei Fragen auf diesem Gebiet strittig und ungekl rt. ' Darbber hofft OHTA in absehbarer Zeit auf Grund weiterer Un‑
tersuchungen berichten zu konnen.
) Bei der Aggiutination‑Ausithrung werden die Aufschwemmungen immer vierartig vor‑
bereitet, n mhch die lebenden, die 60'C‑30 Min. erhitzten, die 80'C‑30 Min. und die loo'C‑2 Std. gekochten. Das bezweckt nichts anderes als die Erzielung einer m6glichst ausi hrlichen Antigenanalyse.
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128 I. OHTA und M. FUKUDA:
wie das der ursprtinglichen. Auch Thermo‑ und Salz‑Ausflockung wird ab‑
gelehnt. I)ie Reaktion mit MorlscH‑Reagenz ist aber inkonstant.
4) Die Agglutination der Umgewandelten mit dem mit ursprtinglicher S‑
Kolonie hergestellten Serum tritt positiv auf, aber graduelle Verschiedenheiten nach de,n Stammarten treten dabei zutage.
5) Die M usepathogenitat der umgewandelten St mme kehrt wieder zu ihrer Ausgangshohe zurtick.
6) Es hat im allgemeinen den Anschein, dass die vergleichend frtihzeitig isolierten und unter stabiler Koloniebeschaffenheit einige Male fortgepflanzten St mme den ursprtinglichen Eigenschaften am n chsten sich verhalten.