tsueecijMee
(ECO-HABITAT),
18(1):137-152,2011 ReviewGRUNDSATZE
UND
ARBEITSWEISEN
DER
VEGETATIONSKUNDLICHEN
SYSTEMATIK
Jes
TuxEN,
MerkurstraBe
a
D-76456
Kmppenheim,Germaay
Abstract:
Pt'inclples of tuut turproachesto
thephytosociologicat
atassification.Some
phytosociologistsfeeledobliged to
develope
a codefor
the nomenclature of plantcommunities, which isextremlycomplicated and often not well considered, and towhich many potentialusers wi]l not conform. A rigoros application of theserules without an exact investigationofthe realities
has
led
totheunacceptabledestructionofaria]liance appreciated byallcoastalspecialists.
Leading and meritorieus professionalsare often criticized
for
the creation of so much iorbidden"superfiuous
names" ,theuse of which was often necessary priortotheintroductionof thecode.
Vegetation
types and their systematic arrangement should be detected and describedinan inductive-syntheticmanner, which isdescribedhereindetail.A nomenclatural "Typusaufnahme"isunable to helpand useless. The existence ofcommunities with a single
dominant
characteristic species isaccepted,but
onlyin
extremehabitat
¢onditions. Systemsfor
which vegetation units aredefined
only by their distributionare rejected ifthey are no expression of their ecological relationships. Besides units thatare welldefined
by
theirpeculiar
combination of species, thereexistother communities on thesea-shore without a number of characteristic species
for
particularalliances, orders, and classes. Only transgressive character species of these units are available,
Such
"bad"classes and theircontents should beseparated as Proto-classes,Proto-ordersand Proto-alliances.
Above the rank of the class theTeare units ofthe
highest
level,
theclassgroup
and thedivision,
which
do
nothave
any obligatory definition.Incoastal communities(Proto-classes)
vegetation typesseem toexist, geographicallyspread farfrom each other and which are
distinguished
by
no common characteristic species or even subspecies. Theirdistant
relationship canbe
recognizedby
meansofindependent characteristic generaor subspecies. We proposeto name such vegetation types as
class-groups, with the termination "-ea".
Divisionson theother hand should bedifferentiatedfrom
each other by agroup of own characteristic species. The classes of a
division
show an independentsubdivision of orders and alliances, and occur intheirown areas, which may either
be
incloseproximity
orfar
apart.Exarnplesof divisionsdefinedinthisway with the termination "-etales" areIM
GEDENKEN
AN
REINHOLD
Tt)XEN
Ein naturwissenschaftliches
Systern
isteine Ordnung von
Naturgegenstanden
nachkennzeichnenden, diiesenmOglichst
innewohnenden
Merkmalen in
bestimmte
Kategorien,
die
zunachstderVerstandigung derFachkollegen untereinander,
darUber hinaus aber
dem
Verstandnis
der
zuordnenden Gegenstande
dienen.
Denn sich alsnah verwandt, d.h.sich im
System
alsbenachbart
erweisende Gegenstande
haben
sicherlich injeder
Hinsicht auch Eigenschaften,die
einanderniiherstehen, als wenn dieGegenstdnde weniger nah
oder garnicht verwandt sind. Eine solche Ordnung
gibt
alsogleichzeitig
eine qualitativeBeschreibungderEigenschaften
der
Kategorien
oder Einheiten;sie ftthrtzur Erkennung eines "Charakterbildes"
der Einheit,indem
die
Einzelmerkmale innerhalbbestimmter,
je
nach Rangstufeder
Einheitmehr oder weniger enger Grenzen konstantsind.PFLANZENGESELLSCHAFTEN
ALS
VEGETATIONSTYPEN
Vegetationssystematikberuht auf dem
floristisch-soziologischen Prinzip,wie BRAuN-BLANQuET es
(1928)
formuliert
hat. Daran istzwar zunachstnoch gerUtteltworden,
doch
seit einigerZett
gibtes
keine
ernstzunehmendenZweifel
andiesem
Gnmdsatz unserer Arbeitmehr. Wenn auch Struktur
und Okologie grundlegende WesenszUge der
18glg
ts
ue
ve
ij
m
ve
2olt#s2n
ausschlaggebenden Auswirkungen auf dieSystematik
haben. Der von der Synmorphologie beschriebene
Aufoau von Pflanzengesellschaftenistsicherlich
ein kennzeichnendes Merkmal, doch wiederholen
sich
gleiche
Struktureninvielen, systematisch nichtverwandten Pflanzengesellschaften.
Okologische
Faktoren
sind zwar entscheidendftir
die
1triordnung
vDn
Pflanzengesellschaften
im
Raum,
aber siekonnen
nichtdirekt,
sondern nurdurch
mehr oderweniger mUhsame Messung erfasst werden, Vor
allem bleibtdabeiimmer dieFrageunbeantwortet, ob auf diesem Wege dieGesamtheit derstandOrtlichen
Eigenschaftenoder doch wenigstens ihrKern erfasst
wird.
Das
floristisch-soziologische
PrinzipbesagtinKtirzefolgendes:
Pflanzengesellschaften
sind ausGruppen
von
Pflanzensippen
aufgebaut,clie
der
Ausdruck
ihrer standOrtlich-OkologischenVerhaltnisse
sind.DiesePflanzengesellschaftenwerden
durch
solcheSippengruppen
gekennzeichnet;
wir sprechen vonder
Artenkombination.Ein zweites Erkennungsrnerkmal
sind die Charakter- oder Kennarten, diediesen
Einheiten
allseitig mehr oder weniger treu sind.Seit kurzem wird Uber den GUItigkeitsbereich
von
Kennarten
nachgedacht,(zusammenfassend
bei
DiERscHKE
(1992),
einerseits umihre
Anzahl
wom6glich vermehren zuk6nnen,
andererseitsum ihren
GUItigkeitsbereich
zu verbessern. Einegeeignete
M6glichkeit,die
Geltungsbereiche vonKennarten einzuengen, um so dieGesellschaften
scharfer fassenzu kdnnen, scheint mir darin zu
liegen,
ihreGUItigkeit
auf Sigmeten zu begrenzen.Auf induktivemWege kOnnen Pflanzengesellschaften
durch
bestimmte
Sippengruppen
zuhOheren
Einheiten
zusammengefasst werden,So
entstehtein natUrliches System, wie zum ersten Male von
GLAHN
(1965)
herausgestellt hat. Derartgegliederte
undgeordnete
Pflanzengesellschaften
sind ineinem streng naturwissenschaftlichen
Sinne TypEN, wie von GLAHN
(1965)
Uberzeugendnachgewiesen
hat.
"DerVegetationstypus
ist
das
maximalekorrelative
Konzentrat
wiederholt vorkommender Artenverbindungen und bestimmterMerkmalskombinationeneines Standortes"
(von
GLAHN,1965;p,7),Erstaunlicherweisehat schon 1946 der
Schwede ALBERTsoN
O.
253)von der"Aufstellung eines natttrlichenSystems
der
Pflanzengesellschaften,das
sich aufderen
fioristische
Verwandtschaft
'''
grtindet", gesprochen.Aus diesen Pramissen
folgt
aber auch,dass
Vegetationstypennur durchihreTabelleerkannt und
beschrieben
werden k6nnen, dieja
nichts anderesistals ein hochkonzentriertesund wohl geordnetes
Abbild derSippenkombination. Siezeigt neben der
Sippengruppe,
diedieGesellschaftenauch Okologischdirekt
kennzeichnen
(Charakter-
oder Kennarten)andere,
die
die
standOrtlicheDifferenzierung
beschreiben
(Differentialarten
oderTrennarten
der
Untereinheiten), und schlieBlich solche, diedas
Integrathdherer,Okologisch
komplexerer
Eiriheiten
anzeigen
(Verband,
Ordnung, Klasse).Es
isteigentlich eine logischeKonsequenz daraus,
dass
in einer solchen Tabelle nurAufnahmen
verwendet werdenkdnnen,
die
dem
Typus
so weitgehend wie mbglich entsprechen, DieserGrundsatz wirdjedoch
von vielenPflanzensoziologen
nichtbeachtet
odernicht verstanden,
die
folglichmehr oder wenigerviele
Aufnahmen
in eineTabelle
aufnehmen,die
in ihrerArtenzahl
unddamit
auch inden
standOrtlichen Eigenschaften des aufgenommenen Bestandesoder alsInitial-bzw.Degenerationsphasen
vem Typus mehr oder weniger stark abweichen.
Darauf hat R. TUxEN stets sehr deutlich,aber oft
ungehbrt
hingewiesen.
Solche
Abwandlungen
vomTypus
sind oft in anderenZusammenhangen
alssynsystematischen, etwa zur
Beschreibung
vonSukzessionen,interessantund einer entsprechenden
Beachtung wert; sie erschweren
jedoch
die
Erkennung und Beschreibung desTypus, dernur in
seinem Kern wirklich scharf ist,und mttssen darum
(zunachst)
eliminiert werden.ERKENNUNG
UND
BESCHREIBUNG
VON
VEGETATIONSTYPEN
Der
Weg
zur Erkennung und Beurteilung vonVegetationstypen
beginnt
mit derAufnahme vonEinzelbestanden, also
der
Erstellung von vielen,ja
sogar sehr vielen Vegetationsaufnahmen. Diesewerden
in
Rohtabellen
zusammengestellt. Ihre schrittweiseWeiterverarbeitung
ist
inzahlreichenLehrbtichern dargestellt. Auf diesem Wege
kommt Zusammengeh6riges zusammen, Fremdes
rUckt auseinander, Mit
jeder
neuen Fassungder
Tabelle wirddie
Eigenart
der
Gesellschaft
deutlicher.
Aufnahmen
mit zu geringeren oder zuhohen
Artenzahlen
fa!len
immerdeutlicher
Vol.18,No.1 ECO.HABITAT:
JISE
Reserch Dec.2011diefertiggeordnete Tabelle auf dem Papier.Sie
zeigt Charakterarten, Untereinheiten mit ihren
Differentialarten,Charakterartenh6hererEinheiten,
alle mit unterschiedlichen, aber doch Uberwiegend
hohen Stetigkeitswerten.Wtihrend
dieses
ganzen
Ordnungsvorganges
erkenntder
Bearbeiter
immerneue Zusammenhtinge,
denen
erdurch
Umstellungder
Tabellenachgehenkann.
Er denktfortwalirend
mit
-
im
Gegensatz
zu einemComputerprogramm.
So
formt
sich endlich ein umfassendesBild,
die
Abstraktion
auf streng induktivemWege
ist abgeschlossen, esfehlt
nur noch dieNamensgebung.Der zu findende Name wird dieEigenart des im
Kopf entstandenen Gebildes so anschaulich wie
m6glich ausdrUcken. Ein neuer
Vegetationstypus
istentstanden.
Sein
getreuesAbbild
istdie
Tabelle.
Dieses
abstrakteGebilde
istein echtes maximalesKonzentrat
ausArtenverbindung
undStandorteigenschaften.
Doch
ist
dieser
Vegetationstyp
nichtsStarres,
auf Dauer
Stabiles.
Er muss sich inKartierungenbewtihren, wo
jeder
Einzelbestand im Gelandeeingeordnet und mit seinem Namen bzw. seiner
FarbeinderKartedargestelltwerden muss. Gelingt
dasnicht, muss derVegetationstypus mit Hilfevon
neuen Aufnahmen und erneuter Tabellenarbeit
gewissermaBen
verbessert werden.Wahrend
der
vielen
Jahre,
die
der
Verfasser
als aktiverKartierer
gearbeitet
hat,
istso etwas ausgesprochen seltenaufgetreten. Hier liegtein Uberzeugender Beweis fUr die
Qualittit
der Vorarbeiten zur Erkennungder Vegetationstypen, diesich inder Realittitder
Kartierung fastohne Einschrtinkung wiederfinden
lieBen. Darum istauch die Kritik von BERG,
DENGLER, ABDANK & IsERMANN
(2004;
p.30)
nichtnachvollziehbar,
die
behaupten:
"EinSystem,
das
sich
beispielsweise
aufdurch
eigeneKennarten
charakterisierte
Einheiten
beschrankt,
wie etwa die "PflanzengesellschaftenNiedersachsens"
(PREisiNG
et al., 1993ff.)1tisstsich inderPraxis(etwa
einer Vegetationskartierung) kaum anwenden,da
ein erheblicher Teilder
real auftretendenPhytoz6nosen
zukeinem
der
dort
behandelten
Syntaxa
gehOrt."Die
Arbeiten
der
ehemaligenBundesanstalt fUr
Vegetationskartierung,
deren
Tatigkeit im Wesentlichen in
der
Aufnahme
von Vegetationskarten
bestand,
zeigendie
Unsinnigkeit dieserBehauptung. Die Grundlagen
der
zusammenfassenden Darstellung der"Pflanzengesellschaften
Niedersachsens"sind aus
der
Tatigkeitdergenannten Bundesanstalt erwachsen,
Darum lassen sich dievon PREisiNG und seinen
Mitarbeitern
(1993
ff.)dargestelltenVegetationstypenim Geltindeverifizieren und stellen dieVegetation
Niedersachsens
umfassenddar.
"Real auftretendePhytozOnosen,
die
zukeinem
der
dort
behandelten
Syntaxa" gehOren,
gibt
esnicht.Vor
entsprechendeProbleme
stellt auchdie
Aufnahme,
Beschreibung
undKartierung
der
Vegetation
einesbisher
unbekannten, nicht mitden herkOmrnlichen Methoden untersuchten
Gebietes. Alle dieseAufnahmen mUssen in die
bestehenden Vegetationstypen eingeordnet und
eingepasst werden.
Wo
sie nicht widerspruchslosuntergebracht werden k6nnen, muss das Systern
der
Vegetationstypenkorrigiert
werden.Sind
diese
Veranderungen
umfangreich, empfiehlt sichauch einneuer
Narne.
WUrde
der
altebeibehalten,
bliebe
offen,ob mit
dem
gebrauchtenNamen
das
alte oderdas
neue System gemeint ist.SolcheNamenstinderungen
sind also keineswegs grundstitzlich"UberfiUssig" und zu verwerfen.
Die Tabelle, die der Beschreibung eines
Vegetationstypuszugrunde liegt,istalso seine wahre
Typus-Tabelle.
Sie
macht den abstrakten Typus sichtbar undgibt
UberseineEigenschaften
Auskunft,
Durch
den
Einbau
neuerEinzelaufnahmen
oder neuer Tabellen ergibt sich-
und nur so-,
obdie
Neuzugange demselben VegetationstypangehOren.
Darum istfUrden Systematiker eine grUndliche
Kartiererfahrung so wichtig, Kartierung der
realen Vegetation, der potentiellen natUrliehen
Vegetation
und der Sigmeten. Erstdem Kartiererwird voll
bewusst,
dass
seinUmgang
mitVegetation
aufder
abstraktenEbene
ablauft: er "sieht"Vegetationstypen, mit zunehmender
Erfahrung
selbst aus dem
fahrenden
Auto. Der KartierermussinVerbanden und Assoziationen denken, also in
abstrakten Einheiten,nicht inkonkreten Besthriden,
indenen man Aufnahmen macht.
NOMENKLATUR
UND
DER
"CODEDER
PFLANZENSOZIOLOGISCHEN
NOMENKLATUR"
1937
hat
R. TOxEN ineinem ersten groBen Wurfdie
"PflanzengesellschaftenNordwestdeutschlands"
18#lg
th
re
ac
ij
Mve
2011#12AErfahrung, mit wachsendem
Uberblick
auchttberdieVegetation anderer Lander, aber auch
mit
der
raschenZunahme
des
Rohmaterials
des
Systematikers, der
Vegetationsaufnahrnen,
die
zu stets aussagekraftigeren
Tabellen
verarbeitet wurden, hat R.TOxEN nach wenigenJahren
immerwieder erkannt,
dass
seinebisherige
Auifassung
der
Systematik einer bestimmten Gesellschaftsgruppe
nicht mehr
dem
aktueUenWissenstand
entsprach, undhat
ein neues, verbessertesSystem
vorgelegt.DieEinheiteneines solchen Systems mUssen, schon
der
Verstandigung,
aber auchder
Anwendung
wegen, benannt werden. R. TuxEN hat sich zeitlebens
bemUht,
solche Namen so anschaulich wie mOglich zugestalten,
darnit
sichbeim
HOrenoder Lesen schon
gewisse
Vorstellungen Uberdas
Wesen
dieseT
Gesellschaftenentwickelnk6nnen,
Oft
genughat
sichbei
einer systematischenRevision
jedoch
erwiesen,dass
die
ursprUnglichenNamen
der Eigenart der zu benennenden Gesellschaft
nicht mehr gerechtwurden.
Neue
Namen
tratenanihreStelle,Die alten wurden
jedoch
nicht einfachSynonyme; sie wurden als unbrauchbar verworfen
und htittennie wieder hervorgeholtwerden dUrfen,
was aber oft genug geschehen ist.Als
Synonyme
wurden nur solche
Namen
verstanden,die
andereForscher
derselben
Vegetationseinheit
gegebenhatten
undfur
die
schon immer diePriorittitsregel angewendet wurde. Esistalso nicht nur ein vOlliglegitimesVerfahren, das keineswegs nur von R.
TUxEN inder pflanzensoziologischen Systematik
angewandt wurde, sondern das einzig mOgliche,
um zu Fortschrittenzu kommen. Denn auch die
angewandte
Pflanzensoziologie
gewann
immer mehran
Bedeutung,
sodass
Methoden,
Erkenntnisse
und Verstandigungsm6glichkeiten immer auf
dem
neuesten Stand zu sein hatten. Die theoretische
Pflanzensoziologie
musste alsoder
angewandtenimmer einen Schrittvoraus sein; sonst httttees
den Siegeszugderangewandten Richtung unter R.
TUxENs Leitungnie gegeben.
lm Laufeder
Jahrzehnte
fUhrte
die
Weiterentwicklung solcher "lebendiger" Systeme zu einer standig wachsenden Zahl vonGesellschaftsnamen,
die
als notwendigbetrachtet,
weil richtig, als endgUltig abzulegendringend
empfohlen, weil unbrauchbar,als Synonyme eingeordnet, ttberderenVerwendung
oft keineEinigung zu erzielen war, und schlieBlich
als "UberflUssig" angesehen wurden, weil ihre
zeitweilige Notwendigkeit nicht verstanden wurde.
In dieserSituation, dieverstandlicherweise als
"Inflation"
von
Vegetationseinheiten
empfundenwude, entstand der"Code der
pfianzensoziologischen
Nomenklatur"
(Barkman,
Moravec & Rauschert,1976,
1986),
der
Abhilfezu schaffen versuchte. Dieswird
jedoch
nur gelingen,wenndie
BegrUnder und Verfechter des "Code"verstehen
lernen,
dass
die
geschilderte
Arbeitsweise
der
pfianzensoziologischenSystematik
die
einzig m6glicheist,
die
auch wirin
derNachfolgevon R.TuxEN anwenden, wieauch wir
darin
Uberholt und verbessert werden. Die zweite, vielleicht noch wichtigere Voraussetzung fUreinebessereWirksamkeit sinnvoller Nornenklaturregeln
ist
bisher
von den Anhtingern desCode erst inderzweiten Auflagean versteckter Stelleexpressis verbis akzeptiert wordien, um oftgenug wieder vergessen zu werden:
der
Primat
der
systematischen Forschung.Nomenklatur
kann
helfen,
brauchbare
Namen
zufinden
und sinnvolle zu schtitzen; aber sie wirdniemalseine vorangehende und grundlagenschaifende
systematische Forschung ersetzen k6nnen
(vergl.
auch R. TUxEN, 1979;p.19).Es heiBt zwar im
Code: "Nomenklatur
istkeineWissenschaft.Sieist
ein praktisches Hilfsmittel
'''"
(1986;
p.160).AlsmaBgeblicher
Grund
zurAndenmg
einesbestehenden
Namens
wirddie
sachkundige "Forschung,die
zueiner grUndlicheren
Kenntnis
der
syntaxonomischen Gegebenheitenftihrt",
genannt(1986;
p.161).
Doch
in
derPraxissieht diesanders aus(dazu
vor allemWEBER,1988).Es steht auBer Zweifel,dassderVorrang
der
Synsystematik gegenUber derNomenklatur heute
weitgehend missachtet wird. Die Synsystematik hat auBer ihrerwissenschaftlichen Funktion eine sehr wesentliche praktische
Seite.
Damit sie einVersttindigungsrnittel
der
Forscher
undAnwender
unter- und miteinander seinkann,
ist
zufordern,
dass
dieNamender
Syntaxaklar
und allgemeinverstat'idlichsind. Siesollten auf den ersten Blickerkennen
lassen,
welche Einheitgemeint ist.Das erfordert aber auch,
dass
siejedem
synsystematischen Fortschrittangepasst werden mUssen.Es
kann
also nicht akzeptiert werden, wenn beiAufteilung,
Zusammenlegung
oder Verschiebung niederer oder h6herer EinheitendieursprUnglichenNamen Prioritatbeanspruchen und darum weiter
verwendet werden mUssen, Bei einem solchen
Verfahren istnicht erkennbar, eb
die
altereoderVol,
18,
No.
1
ECO-HABITAT:JISE
ReserchDee.
2011
was besonders fUr den mit
der
Materie
nicht soVertrauten inhOchstem MaBe verwirrend ist.Ein
neuer Narne wird dieseProbleme
jedoch
leichtldsen,Man denke nur an das Beispieldes ehemaligen
Caricetum
inflato-vesicariae,
das inCaricetum rostratae(inflatae)
und Carieetum vesicariae aufgespalten wurde.Wie
wUrde sich einCaricetum
vesicariae oder einCdricetum
rostratae neben einem Cdricetuminflato-vesicariaeausnehmen?Auch
sollten wiederholteEmendationen inyielenFallen
besser
unter HintansetzungderPrlorittitdurchneue, einfache Namen ersetzt werden, dieleichter verstanden werden.
Wozu
sollen auch Namen nUtzen wie etwader
folgende,
den
Regeln
nach sicherkorrekte:
Asteretea
tripoliuinWEsTHoFF et BEEFTiNK1962apud BEEFTiNK 1962em. GEHe et
GEHU-FRANcK
1984,wobei dieemendierenden Autoren schon aus
einem richtigen GefUhlheraus "apud
Beeftink
1962"
kurzerhandweggelassen haben.
Solche
zeilenlangenAutorzitate
sagenhOchstens
einem sehr engenKreisvon
KUsten-Spezialisten
etwas, vermehrenandererseits
keineswegs
die
Transparenz
einesSystems
unddas
Verstandnis
bei
denen,
die
damit arbeiten mUssen.Vielenamhafte Pflanzensoziologen finden sich
nicht oder nur eingeschrtinkt dazu
bereit,
die
VorschriftendesCode zu
befolgen.
MitSicherheit
wird
der
Arbeits-
undZeitaufwand
gescheut,
sichdurch
die
Paragraphen
des
Code
hindurchzuarbeiten,
die
sokompliziert
sind,dass
es eines "SchlUssels zurUberprUfung
der
Namen
vonAssoziationen"
(WEBER,
1988)
bedarf.
DieseAbneigung wird durchdiemerkwtirdige Art
derEntscheidung, welche Namen als "ttberflUssig"
und damit illegitimangesehen werden mUssen,
nur
bestatigt:
"So istbeispielsweise
dasVbronico-Fumarietum
Tx, etJ.
Tx. 1955 eine UberflUssigeBezeichnung
fUr
dasFurnarietum
officinalisTx,
1950,das als
Synonym
erwahnt wird.Das
ohneTabellever6ffentlichte Fletrnarietumofficinalis Tx, 1950
grUndet
sich seinerseits unter anderem aufdieTabe!ledes Mbrcurialetum annuae KRusEM et
VuEGER 1939,das von den Autoren zuntichst nur
provisorischund somit nicht gUltigpubliziertwurde"
(WEBER,
1988;p.387).Die
damals
schon etwas verwickeltenNamensverhaltnisse
sinddurch
dieseAuBerung noch mehr verwirrt worden, Die erste Erwahnungder Assoziationbei LoHMEyER
(1949;
p. 28) lautet"Veronica
agrestis-Fumaria officinalis-Ass.
(Subass.!)
Tx. Mskr.", istalso zweifellos ungUltig, zumal auch eine Tabellefehlt.Dann hat R.TUxENim "Grundriss"
(1950;
p.
123)
die
Gesellschaft
alsPumarietum officinatis
(KRusEM.
et VLIEGER1939)
Tx.
1950
doch
wohl gUltigbeschrieben,
Die
Klammerautoren
haben
1939
eineTabelle
ihrerGesellschaft
gegeben und sie alsMercurialetum
annuae, also dech ebenfalls gUltigbezeichnet.
Warum dieserName entgegen der auch damals
schon beachtetenPriorittitsregelaus sachlichen, eben systematischen GrUnden nicht beibehaltenwerden
konnte, begrUnden R.TuxEN
(1950;
p.123)undJ.
TUxEN
(1955;
p.84)ausfUhrlich.1955 hat
J.
TuxEN(p.
84)
nebendieses
Fumarietum
eine neueAssoziation
gestellt,die
durch
geographischeTrennarten
klar
abgetrennt alsvikariierende
Assoziation
angesehen wurde. Damitbekam
die
bisher
bekannte
AssoziationebenfalIs den Rang einer Gebietsassoziationund wurde sicherlich nichtkorrekt,
aber sinnvoll, Ubrigens vonWEBER
(1988)
unbeanstandet, alsVeronico-Fumarietum
Tx. apud LoHM. 1949bezeichnet
(so
auchJ.
TUxEN1958;
p.21).
Aus
nicht ersichtlichenGrUnden
beschaftigt
sichder
Code
nichtmitden
geographischbedingten
Abwandlungen
vonAssoziationen;
ertatejedoch
gut
daran,
denn
ftir
diese
mUssendoch
auchentsprechende Regeln
fUr
die
Namensgebunggelten.
EinVleronico-F2tmarietum
Tx. etJ.
Tx. 1955(vergL
obigesZitat
vonWEBER)
istjedenfalls
vondiesen
beiden
Autoren nie verOffentlicht worden, strenggenommen auch kein
Fumarietum
oMcinalis Tx.1950.
Es wirkt besonders peinlich,wenn dieVtiterder
Syntaxonomie, allen voran R.TUxEN posthum dafUr
gescholtenwerden, dasssie so viele nomina superflua
in
die
Welt
gesetzthaben,dass
siedie
Vorschriften
des
Code,
der
ja
nochgar
nicht existierte, nichtbefolgt
haben.
Dieses
Verhalten
vonR.
TOxEN
und anderen Gleichgesinntenist,von denKritikernnicht verstanden oder thbersehen,aus der historischenEntwicklung unserer Wissenschaft zu verstehen,
wo
die
Synsystematik
erst aufgebaut undbis
heute
sttindig verbessert werden und dem Zustrom neuerErkenntnisse angepasst werden musste, ein vOllig
normaler Vorgang wie in
jeder
anderenWissenschaft,
aber eben nicht konform mit den Vorstellungen des Code,18gl-
ck
ue
va
ij
ff
fi
2011ff
12n
(1943),
wurden von vielen als ungUltig angesehen, weil sie nicht den VorschriftendesCode(BARKMAN
et al., 1976,1986)entsprachen, dernoch garnicht existierte. Siemussten durch HinzufUgung eines oder mehrerer
jUngerer
Autoren validiert werden,diean derSchaffungderursprttnglichen Namen ganz
unbeteihgt waren.
Ein
UberzeugenderBeweis,
wiedie
konsequente
Befolgung
der
Nomenklaturregeln,
ohne eine einzigeTabelleals Beleg und zur
UberprUfung
vorzulegen,clie
Vegetationssystematik
ruinieren kann, istder
"Fall"
des Koelerion albescentis. Dieser auf
die
mitteleuropaischen
KUsten,
wiejedermann
weiB,beschrankte Verband istseit fastsechs
Jahrzehnten
inseinern Umfang stabil und allseits anerkannt.
Es begann 1974,als KoRNEcK innerhalb seines
neuen Verbandes
Siteno
eonicae-Cerastionsernidecandri eine jilestuco-Sedetalia-Assoziation
aus derUmgebung von Mainz und Darmstadt, das
Bromo tectorum-Phleetuin arenarii, beschrieb,in
dernPhleum arenarium Kennart
ist.
AuBer
dieser
Art
enthalt seine Tabelle der Gesellschaft keine einzigeder
zahlreichen Kennartendes
Koeterion.
Gleichwohl
stellt KoRNEcK, ohne das durch eineTabelle zu belegen, fest:"Das
Bromo
tectorum-Phteetum
arenarii desMainzer Beckens unddas
Erodio gtutinosi-Phleetam arenarii BoERBooM
1960
(Tortulo-Phleetum
arenarii(Br.-Bl.
et DeLEEuw 1936)Tx. 1937p.p,).der DUnen langs
der
AtlantikkUste
'''
sindvikariierendeAssoziationen"
(p.
48).
Darum
nirrimt erdas
Erodio-Phleetum
ausdem
Koelerion
heraus
und stellt es zumSiteno-Cerastion.
Wiederum
ohne einen Tabellenbeleg erkltirenGuTERMANN
&
MuciNA
(1993)
das
Sileno-Cerastion
KoRNEcK
1974
fUr
ein syntaxonomisches Synonymdes
Koelerion.
Da die namengebende Art desVerbandes korrekterweisenicht Koeleriaalbescens
DC, sondern
die
von ihTverschiedeneK.
arenaria(Dumort.)
Ujh.
ist,
muss wohl zuRecht
der
Verbandsname inKoelerion arenariae getindert
werden. Diese einfache Namenskorrektur wird
jedoch
mit massiven Verschiebungen des Inhalts verbunden, so dassdasKoelerionjetzt
auBer denKttstengesellschaftenmit Koeleria arenaria auch
ungarische und
ita]ienische
Festuco-Sedetalia-Gesellschaften
umiasst.Eine
solch schwerwiegendeVeranderung
des Inhalts einesVerbandes
mussgrundsatzlichdurch eine Ubersichtstabellebelegt
sein. Der bloBeAugenschein lehrt
jedoch
schon, dassdieKUsten- und dieBinnenlandschaften unterhalb
derEbene derOrdnungskennarten au13er
dem
sehrbegrenztenVorkommen von Phleum arenarium keine
einzige Art gemeinsam haben. Diese Korrektur von GurERMANN & MuciNA
(1993)
istdaher unberechtigt und zu verwerfen.DIE
NOMENKLATORISCHE
TYPUSAUFNAHME
DieIdee
des
Code
(1986)
wurde unter dem Zwang derzunehrnenden t`Irtflation"
der
Pfianzengesellschaftengeboren.Er stellt einen achtenswerten
Versuch
dar,
dasDurcheinander inder Narnensgebung und
die
ausufernde Zahl
der
Namen zubegrenzen.
Zu
diesem
Zweck hatman aus derSippentaxonomiedenBeghffdes
nomenklatorischen Typus Ubernommen, derdefiniert istals"daajenige
Element desSyntaxons,mitdem der
Name des Syntaxons dauernd verbunden bleibt.Ein
Element im Sinne diesesCode istbeiAssoziationen
und
Subassoziationen
eineVegetationsaufnahme,
beiSyntaxa hOherer Rangstufe ein Syntaxon der
nachstuntergeordneten Hauptrangstufe"
(Definition
IILCode 1986,p.162).Der nomenklatorische Typus
wird auch als "Typus desNamens eines Syntaxon"
umschrieben.
NatUrlich wissen die Verfasser des Code, dass
Pflanzengesellschaftennur durch Tabellen definiert
werden kOnnen. In
der
Argumentation imVorwort
des
Code
zur BegrUndungder
()berlegenheit
einerTypusaufnahme
gegenUber einerTypustabelle
fallen
jedoch
einigeUngereimtheiten
auf.Die
Autoren
fragen,
wie viele Aufnahmen mandenn
fUr
eine Typustabellefordern
solle(1986;
p.
160).
SiehaltendieseAnzahl
fUr
"v611igarbitrar". Doch
istdieAntwort auf dieseFrage langst bekannt:
Eine Typustabelle rnuss einen der "notwendigen
Aufnahmezahl"
entsprechendenUmfang
haben,diemit
Hilfe
der
Gesamtartenzahl
1
Aufnahmezahlkurve
definiert
wird(R.
TOxEN, 1977a,b).Auch habendieAutoren Schwierigkeiten mit Samrneltabellen,
deren Aufnahmezahl angeblich nicht "zu
kontrollieren"sei
(Code
1986;p.160).SieUbersehendabei,dass
(fast)
jede
Sammeltabelle dieZahlder
verwendeten
Aufnahme
ausdrUcklich angibt.Der
angeblich rein nomenkIatorischen
Verwendbarkeit
der Typusaufnahme, der zitierten Definition
entsprechend, wird jm Vorwort widersprochen, wo sich dieAutoren einig sind, "nur eine Aufnahrne ftir
VoL 18,No.1 ECO-HABITAT:
JISE
Reserch Dec.2011die
ausreichendeOriginaldiagnose
zufordern"
(1986;
p. 160).Einer
der
Autorendes
Code(RAuscHERT,
1972)vertrat mit guten Grttnden dieMeinung, dass
eine
Stetigkeitstabelle
einbesserer
Typus als eineEinzelaufnahme sei. SeineMitverfasser
haben
seineAnsicht stillschweigend
(d.
h.nicht) zur Kenntnisgenommen.
KUrzlich hat HoHBoHM
(1994)
zumnomenklatorischen Typus Stellung
genommen:
"Den
Wert des nomenklatorischen Typus, der
bereits
in
der
Sippentaxonomie
aus praktischenund erkenntnistheoretischen
GrUnden
mehr alsfragwiirdig
ist,
gilt
es'''.
ftr
das
inzwischen
immer
weiter akzeptierte syntaxonomische
System
(vergl.
WEBER,
1988:
383
ff.,
BARKMAN
et al,,1986:
145
ff.)
hoffentlich
noch rechtzeitig zuhinterfragen"
oroHBoHM
1994,p.12).
R.
TuxEN
(1979;
p.18
und inScHwABE-BRAuN
& TvxEN, 1981;p.3-4)hat sich entschieden gegendie
Verwendung
einer Einzelaufnahme als Typusgewandt und eine Tabelle an ihrer
Stelle
gefordert.DiERssEN hatsich dem angeschlossen
(1990;
p.72),Hat doch ein VegetationstypauBer analytischen eine
ganze
Reihe wesentlicher synthetischer Merkmale,die
nurin
einerTabelle
deutlich
werden.Diese
Kritikist
bis
heute
nicht ausdiskutiert, sonderneinfach totgeschwiegen worden.
Nach
wie vorsind
die
Anhtinger
des
Code davon Uberzeugt, dass ein solcher nornenklatorischer Typus auchin der Synsystematik notwendig ist."Einen
konkreten Vegetationsbestand kann rnan nicht
im Herbar ocler auf andere Weise konservieren,
Daher kann nur dessen Vegetationsaufnahme als
nomenklatorischer
Typus
dienen.
Jeder
erfahreneVegetationskundler
solltedann
in
der
Lage
sein zu entscheiden, ob ein anderekonkreter
Bestand
diesem
Typus
(Namen)
zuzuordnen istoder nicht.Wir
arbeiten inder
Landschaft
primar
ja
nicht mit abstrakten Typusbegriffen, sondern mit realen Pflanzenbestanden"(WEBER
am 23.4.1992brieflichan den Verfasser).
Es rnuss ernsthaft bezweifelt werden, ob ein normaler "erfahrener
Vegetationskundler"
immer inder
Lage
ist,allein von zwei Aufnahmen, vondenen
eine willkttrlich ausgewahlt werden kann(Lectotypus),
zu entscheiden, ob sie ein undderselbenAssoziationangeh6ren. Eine Assoziation
umfasst immerhin Gebietsassoziatonenund Rassen,
Subassoziationen
und Varianten,HOhenformen undPhasen,
die
allein ineiner(Typus-)Tabelle
erfasst sind. Der Nachweis,dass
eine solcheFeststellung
der
ZugehOrigkeiteiner neuen Aufnahme
grundstitzlich
m6glich sei, steht wohl noch aus.
Die
klassische
und immer noch erfolgreiche
Meihode
ist
nach wievor der Einbau einer solchen
Aufnahrne
ineineTypustabelle,wobei eindeutig sichtbar wird, ob sie
diesem Syntaxon angehbrt oder nicht
(s.
RAuscHERT1972).
Heute werden groBraurnigeVegetationsUbersichten
ohne
Ubersichtstabellen,
aber mit Angabe des nomenklatorischenTypus
erstellt,z.B.THEuRILLAT
etal.
(1995).
ScHwABE-KRATocHwlL
(in:
THEuRILLAT
etal.
(1995)
bemerkt
dazu:
"I hope he"(Theurillat)
"willgive
us synthetic tables''',Afterwards
thesystem canbe
discussed
and modified"(!).
DOMINANZGESELLSCHAFTEN
Noch heute besteht eine tief verwurzelte
Abneigung gegen Dominanzgesellschaften, die
letztendlich auf BRAuN-BLANQuET zurUckgeht,
der sich noch in der dritten Auflage seiner
"Pflanzensoziologie"
(1964)
eher gegen dieAufstellung
vonPflanzengesellschaften
mit einerdominanten Kennart ausgesprochen
hat.
Andererseits
istes
BRAuN-BLANQuET
selbst,der
die
Dominanz
als wesentliches Kriterium zur Treuebestimmung vonKennarten, von SzAFER & PAwLowsKi stammend,
anerkannt und allgemein eingeftihrt hat.Sicherkann
nicht
jede
Dominante zugleich Kennart einer von ihrbeherrschten Gesellschaftsein. Aber niemand st6rt
sich an "Zostereten", "Salicornieten", "Spartineten";
jeder
erkennt stillschweigend an,dass
das
Puccinellieturn
maritimae unddas
Hicilimionetum
portulacoidis nach
der
Dominanz
ihrer namengebenden Kennarten getrenntwerden, um nurBeispieleaus dem Bereich
der
KUstengesellschaftenzu nennen. Hierliegteine allgemeineGesetzmti13igkeit
(2.
Bioz6notischesGrundprinzip THIENEMANNs) vor,dieinKUrze folgendes besagt:
je
schwieriger dieallgemeinen Lebensumstande fUreine pflanzliche Besiedlungwerden,
desto
htiufiger
wird auf solchenExtremstandorten dieStrategiederDominanz einer
Einzelartangewandt, diezugleich Kennart dieser
Gesellschaft
wird.Das
gilt
auchfttr
Binnenland-Standorte
wie etwa fUrHochmoore, wo immer nochbestrittenwird, dassSphagnen Assoziationskennarten
18#lg
s
mawa
gm
fi
2011fi
12n
voTgebracht,
dass
Polykormone
keine
Kennarten
seinkOnnen
-
was istdann
mit so vielen Assoziationendes
Magnocaricion
-
oder solche Einheiten seienSynusien,
die
ja
garkeinen
PlatzinderHierarchie vonVegetationstypenhaben.GEOGRAPHISCH
GEPRAGTE
SYSTEME
Die meisten Vegetationstypen zeigen eine mehr
oder weniger deutliche
Variabilitat
in
geographischer
Hinsicht,
die
vomGroBklima
und ihrervegetations-geschichtlichen
Vergangenheit,
nichtjedoch
vonstandOrtlich-6kologischen
Merkmalen
gesteuert
wird.Das
muss sich auchin
der
Fassung
solcherEinheiten
niederschlagen. Die geographischbedingten
Abweichungen vom Normaltypus in
der
vertikalenRichtung,dieHOhenforrnen,werden seit langem zu
Recht als durch eigene Trennarten gekennzeichnete
Variationen der Assoziationen verstanden. Die
verschiedenen Ausbildungen
'eines
Vegetationstypusin horizontaler Richtung werden von vielen
Pflanzensoziologen als
Gebietsassoziationen
undRassen,
jedenfalls
und ebenfalls zuRecht
aufAssoziationsniveaueingeordnet
MATuszKIEwicz
(1962,
1981),
R,
TUxEN&
KAwAMuRA(1975).
Seit
Jahrzehnten
hat sich eingebUrgert, imGrunde choroiogische Einheiten auch auf
Verbands-,
ja
Ordnungsebene einzuordnen.BRAuN-BLANQuET
(1950)
selbst hat zwischen Klassen,dieinihrerUntergliederung klimatische Faktoren
wiederspiegeln, und solchen,
die
deren
Unterteilung
allein von Standortseigenschaften
beclingt
ist, unterschieden. Eingutes
Beispieleinesgeographisch
gepragten Systems istdieAufgliederung, besser
Einteilung der
Oxycocco-Sphagnetea,
wie siezuletzt von
R.
TUxEN,
MiyAwAKi
&
FuJiwARix
(1972),
ahnlich auch von DiERssENB. & K. DiERssEN
(1984),
DiERssEN,K.
(1975,
1982)gehandhabt wurde. EineGesellschaftsgruppemitRubus chamaemorus, Betula
nana, Oxcrcoccusmicrocarpus,
Sphagnum
fuscum,
Empetrum nigrum und anderen borealenArten,als
Ordnung
SPhagnetatia
fttscibenannt,lasstsich leicht einer artenarmeren Einheit mit Erica tetralix und wenigen anderen atlantischenArten,
der
Ordnung
Ericetaliatetralicis, gegenUberstellen.Doch fUr
einen urnfangreichen Rest von Gesellschaften
gibt
es keine Kennarten, allenfalls einen schwachen
Schwerpunkt von Eriophorum vaginatuni: diese
dritteOrdnung, die
Sphagnetalia
papitlosi, isttatsachlich vollstandig
kennartenlos.
So
erhaltman
drei
Einheiten,deren
chorologischeEigenart
und Eigenstandigkeit,durch ihreunterschiedliche
Entwicklung seit derletztenVereisung bedmgt, sehr
gut zu kennzeichnen ist,aber eben nur
diese.
Eine
andere, dem Wasserhaushalt der Gesellschaften
entsprechende Gliederung
fUhrt
zur Unterscheidungeiner Gruppe der bultbildenden und einer der
schlenkenbildenden Gesellschaften,die
jeweils
einegrOBere
Zahl
vonKennarten
aufweisen(TUxEN,
J.
mskr.).An
einem anderenFall
wirdder
Bruch
besonders
deutlich,
wenn nljrnlich nebendie
"edaphisch-(lokal)klimatisch
bedingten"
Buchenwaldverbande
oder vielleicht
besser
-unterverbande
Luzulo-Fagenion,
Aceri-Fagenion,
Galio
rotundifotii-Fagenion und
Cephatanthero-Fagenion
"diegeographisch
gegliedertenUnterverbtinde"Loniceroalpigenae-Fagenion, Seilto-Fagenion, Dentario
glandulosae-thgenion und
Galio
odorati-thgenionals gleichberechtigt gestelltwerden
(MULLER
inOBERDoRFER,
1992).Auch DiERscHKE(1992),
haltdie
Ebene
des
Unterverbandes
fUr
die
richtige,geographisch
bedingte
Unterschiede
derFagion-Gesellschaftenzu
fassen.
Ernenntdieses
Verfahren
"induktiv-deduktiv",
Doch solche "geographischen Systerne" oder
Systemausschnitte k6nnen
keine
echten Typen,also maximale, sondern nur einseitige
korrelative
Konzentrate darstellenund sind folglichauch als
nicht-natUrliche
Systeme
abzulehnen.ZUR
WELTWEITEN
GOLTIGKEIT
PFLANZENSOZIOLOGISCHER
SYSTEME
Versuche,
die
GUItigkeit
pilanzensoziologischerSysteme Uber
die
ganze nOrdlicheHalbkugel
auszudehnen, sind schon
frtth
unternommenworden, So haben BRAuN-BLANQuET
SIsslNGH
& VLIEGER.
(1939)
neben eine europtiische einenordamerikanische Ordnung
der
Vaccinio-Piceetea gestellt.Spater waren es die immer
intensiverenKontakte zu
bedeutenden
japanischen
Vegetationskundlern,
die
zuVergleichen
europaischer und
japanischer
Vegetation mit derFolge kontinentUbergreifender Systeme fUhrten.
Wenn diesezunachst auf zwei Kontinente, oder
doch auf Teile von Kontinenten
beschrankten
Vol.18,No.1 ECO-HABITAT:JISE Reserch Dec.2011
erweitert werden kormten,ergab dasbeeindruckende, weltweite Ubersichtenauf Klassenebene
(z.B.
OHBA, 1974).Da ist zunachst der
Versuch,
Lemnetea-Gesellschaften
ausJapan
undEuropa
mitAusblicken
auf andere Kontinentezu einerKlasse
zu vereinigen,den
MIyAwAKi
&
J.
TVxEN
(1960)
unternahmen. 1966erkannteR.
TUxEN
die
KIassederHbnkengo-Elumetea,
die
Gesellschaften
vonJapan,
Ostkanadaund
Nordeuropa
umfasst.1969
ordneteMiyAwAKi
&
OHBA
die
japanischen
KUstengesellschaften
den
ausMitteleuropa
bekannten
KlassenZosteretea
marinaqRuppietea
maritimae,Cakiletea
maritimae,Asteretea
tripolium und Phragmitetea zu, wobeiim Falle der ersten beiden Klassen auch heute
nichts einzuwenden ware. 1972stellten
R.
TUxEN,
MiyAwAKi
&
FuJiwARA ihreZusarnmenfassung
der
europtiischen, nordamerikanischen und
japanischen
Hochmoorgesellschaften
in
die
Klasse
Oxycoeco-Sphagnetea
vor,in
der
"nur"der
osteuropaisch-sibirische Bereichund riesige Teilevon Nordamerika unerforscht und unberUcksichtigt blieben. 1974 ergtinzte Oi{BAseine Untersuchung deralpinenKalk-Urwiesen
Japans
Uber dieganze
Nordhalbkugelund kam so zu
der
Klasseder
Caricirupestris-Kobresietea bettardii.
1981
ordneteJ.
TUxEN
ausPrioritatsgrUnden
die
europaischenWindheiden
in
die
in
Japan
aufgestellteKlasse
Loiseleurio-Cetrarietea
Suz.-ToK.
etUMEzu
1964
ein. DenjUngsten
Versuch,eine auf derganzen Nordhalbkugel geltendeKlasse
derSalzwiesen,diePlantagini-7}'iglochineteaGEHo
et R.Tx. 1981cl.nova zu begrUnden, unternahmen GEHu,
J.-M,
& GEHu-FRANcK 1992b.Sobaldinsolche Systeme Daten aus bishernicht
untersuchten Gebieten eingefUhrt werden,
die
nichtmit
den
Methoden
vonBRAuN-BLANQuET
undR.
TexEN erhoben sind, wie etwa qualitative
Vegeta-tionsbeschreibungen und vage Artenlisten,ergibt
sich ein wesentlicher Unsicherheitsfaktor.Inseinem
"Grundriss"
hat R.TvxEN
(1950)
inErmangelungechter
Aufnahmen
noch weitgehend mit solchenDaten
gearbeitet.
Dochhaben
sichdie
mehr oderweniger nach solchen
Quellen
beschriebenen
Gesellschaften
kaum
bestatigen
lassen.
Solche
Systerne
sind nicht, wie es unerltisslich ist,induktiv erarbeitet. DieserEinwand betrifftdieAusweitung derCarici-Kobresietea
auf Sibirien,Europa undNordarnerika. Die in Nordeuropa verbreiteten,
aber nicht
htaufigen
Gesellschaften
dieser
alpinen Urwiesen sind bisherkaum mit mitteleuropaischenMethoden untersucht worden. Doch istsoviel schon
deutlich,
dass
die
Vorstellung
OHBAs
von europaischverbreiteten Ordnungen und Verbanden derKlasse
nicht
der
Wirklichkeit
entsprechen.OBERDoRFER
(1978)
undGRABHERR
(1992)
schlieBen sichden
Auffassungen
vonOHBA
ebenfalls nurbedingt
an,Dennoch
mUssen wirdie
Carici-Kobresietea
in
ihrer
Ausweitung
bis
Europa
alsWegbereiter
unserer Vorstellungvonder
Division(s.
p,21)
anerkennen.Wenn immer neue Gesellschaften aus bisher
unerforschten Gebieten einem System buchstablich angehangt werden. fUhrtdas letztlichdazu,dassdie
floristischeAhnlichkeit der Gesellschaftenimmer
geringer
wird,bis
im Extremiall keine einzigeSippe
mehr mitdenen
der
Ausgangsgesellschaft
Ubereinstimmt.
Als
einBeispiel
fttr
diesen
Fall
haben
sich
die
Hbnkenyo-Etymetea
erwiesen(Tab.
1),
Es ist,als ob ein Ring zusammengebogen werden soll, dernicht schlieBen kann, weil diebeidenTeiledes Verschlusses nicht zueinander passen. Wenn
also ineinem bislangnicht auf diekorrekteWeise untersuchten Gebiet, das gleichwohl von einem solchen "additiven" System erfasst ist,diesmit dem
Ergebnis nachgeholt wird,
dass
zusatzlich auch eineandere
Gliederung
in
eigensttindigeOrdnungen
undVerbande
besteht,
bleibt
nurdie
MOglichkeit,eine neue Klassezu schaffen,Ihren Vorschlag der KIasse der
Plantagini-Tabelle 1.Kennsippen
der
inden
Hbnkenyo-Etumetea R.Tx.1966vereinigtenGesellschaftenvon Nordeuropa und Nordjapan
N-Europa N-Japan
Elymus arenarius ssp. arenarius
Hbncbeayapeploidesssp.peploides Mertensia maritima
Lath.yrusjoponicusssp.nTaritirnus
dazuweitere, inJapanfehlendeArten
Elyrnus arenarius ssp. mollis
Hbncherryapoploidesssp, mojor
Mlertensiaasiatica
LatdyrusJ'aponicusssp.japonicus dazuandere, inEuropa fehlendeArten.
18#le
ts
wawa
ig
lf
ve
2011#12nTrigtochinetea sttttzten GEHu & GEHu-FRANcK
(1992b)
mit der Verwendung von KollektivartenimLINNEschen Sinne.Dieses Vorgehen erscheint
wenig f6rderlich,istwohl eher ein Rttckschritt,
werden
doch
damit
auBerdem hervorragendeMOglichkeiten
fUr
vegetationsgeschichtlicheForschungen verbaut. Gerade das Gemisch von
Speziesund Sippen niederenRanges wie Subspezies
und Varietaten als Kennarten kennzeichnet z. B.
das
Koelerion arenariae hervorragend. Derartcharakterisierte Vegetationstypen
lassen
RUckschliisse
zu aufdie
eiszeitlichenRUckzugsgebiete
unddie
erneute Nordwanderung etwa
der
Gesellschaften
derKlasse der
Honkenyo-Elutnetea,
die
bei
einerAufteilunginmehrere Teilklassendieseerheblich
stutzen und zustitzlich kennzeichnenk6nnen.
Es istund bleibtdaher eine unsichere Sache,
Klassen,dieinLandern wie Europa und
Japan
gutuntersucht sind,Uber grOBere LUcken auszuweiten
oder gar
diese
unbekanntenRaume
mit
unbrauchbarenDaten
zu UberbrUcken.Wir
sindkeineswegs
verpflichtet, schonheute
alleVegetationstypen
inweltumspamiende
Klassen
zufassen.
PROTOKLASSEN
Unterden PfianzengesellschaftenderMeeresktsten
sind eine ganze Reihe,dieseit
jeher
systematischeSchwierigkeiten
bereitet
haben.
Am
deutlichsten
wurde dasProblem beiden
Spartinetea
empfunden, DieseKlassewird ausschlieBlich ausganz
wenigenSpartina-Sippen
aufgebaut,die
alsKennarten der vonihnen
dominierten
Assoziationen
gelten
mUssen,Kennarten eines
diesen
Ubergeordneten Verbandesgibtes nicht.R.TUxEN
(in
PiGNAT'ri,1968)
hat
darum
versucht, dieGattung Spartinazur CharakterisierungderKlasseheranzuziehenund diehOheren Einheiten
mit
CoNARD
als Coeno-Spartinetea,Coeno-thartinetalia
und Ceeno-Spartinion benannt(vergl.
auch OHBA & SuGAwARA, 1981).
FttrdieKlassederSaticornieteagiltdasselbe.Eine
gr6Bere Zahlvon
Salicornia-Sippen
formen
ebensoviele Salicornietenmit
je
einer dominanten Kennart,die deutlich verschiedene Standorte besiedeln.
Man hatversucht, dieseAssoziationeninVerbande zusamrnenzufassen
(TuxEN,
R.,1974,GEHu,
1992a,
vergl. auch
TUxEN,
R.
in PiGNATTi, 1968).DochkOnnen
diese
Verbande
nurdurch
UbergreifendeAssoziationskennartencharakterisiert werden; alle
Assoziationen
einesVerbandes
mit hoher Stetigkeit zusammenfassendeSippen
gibtes nicht(vergl.
OHBA & SuGAwARA, 1981).
Diese
Assoziationen
und nurdiese
sind echteVegetationstypen, weil sie maximale, wenn auch
einfache korrelative Konzentrate
darstellen.
Siekennzeichnen bestimmte Standorte.
Die
zugehOrigenVerbtinde,dieOrdnung und
die
Klassesindkeine
echten Vegetationstypen, weil eben
der
eine"Partner"
derKorrelation
fehlt,
die
charakterisierende Artenverbindung.Solche
Klassen
sollten gesonderte Behandlung auBerhalbder
ttbrigen,gut
gekennzeichneten
Klassen erfahren.Schon
PIGNATTI
et alOBERDoRFER,ScHAMINEE(1994)
haben
erstmals zwischen "guten" und"schlechten"
Klassen unterschieden. Dieseletzteren
sollten
durch
den
Zusatz "Proto-"herausgehoben
werden, ebenso wie
ihre
Ordnungen
undVerbande.
Wir kOnnen alsoden "Eu-Klassen"
die
Proto-Zostereteq
Proto-Elpartinetea,
Proto-Salicornieteq Proto-RmppieteqPrototBotboschoeneteq
Proto-Etymetea,
voranstellen, diealle eine Proto-Ordnung und einen
Proto-Verband umiassen, wie
die
Plr'oto-Zosteretalia
und das
Proto-Zosterion.
Vielleichtistes sinnvoll,die
Lemnetea hierals P)'oto-LeinneteaanzuschlieBen und als solche zu behandelnJProto-Klassenkdnnen weltumspannend verbreitet
sein. Es istbekannt, dassProto-Salicornietea und
Proto-Rtrppieteaauch in
Japan
(MiyAwAKi
&OHBA,
1969),
Proto-Zosteretea
auchin
Nordamerika
(OHBA
&
SUGAwARA,
1981)
vorkommen.Innerhalb
der
Proto-Verbande,
deren
esje
Klasse
nur einen gibt,werden eine mehr oder weniger
groBe Anzahl von Assoziationen unterschieden,
diealle gUltigbeschriebensind. Siesind von dieser
Neufassung nicht betroffenund bleibenanerkannt.
Die Zahl derAssoziationenschwankt zwischen zwei
und
vielen
(Proto-Elynzion
und vor allemProto-Saticornion).
Die
jeweiligen
Kennarten,
die
sichsippensystematisch sehr nah stehen, sind zugleich
Dominante von mehr oder weniger einartigen
Assoziationen. Einzige Ausnahme dieser Regel
stellen das Proto-Elyntion dar,die trockensten
GesellschaftenderProto-Klassen.
Seine
Kennarten
VoL 18,No.1 ECO.HABITAT:JISE Reserch
Dee.
2el1
Pflanzenfamilien.
Drei dieserKIassen bedUrfen einer Neufassung,
dieindiesemRahmen nicht
gegeben
werden kann,Die Assoziationen derProto-Ruppietea umfassen
nurmehr
das
Ruppietum rnaritimae unddas
Ruppietum
spiralis, wahrenddie
vonJ.
TUxEN
(1960)
als "Ruppietea rnariti,nae"beschriebene
Unterwasserrasen
eindeutigePotametea-Gesellschaften
sind.Diese
Klasseder
Ruppietea ist mit Recht mehrfach kritisiertworden; sie existiert nicht, wohl aber dieProto-Rtrppietea,
dieohnejedes
nomenklatorische Problem von derzu streichendenKlasse
Rtrppieta
maritimaeJ. Tx, 1960zu trennen ist,Die
Proto-Botboschoenetea
sollten allein dieReinbestande
vonBolboschoenus
maritimus ssp, compactus undSchoenoplectus
tabernaemontanusumfassen, die frUher in der Klasse der
BolboschoeneteaR.Tx. et HuLBuscH 1971zusammen
mit GesellschaftendesPhragmitions
gefasst
waren.Auch
diese
Klasse
ist
aufzugeben.Die
Unterordnung
des
Bolbosehoenion
maritimaeDahl
unterdie
Asteretea
tripolium istwegendes
allzu geringen AuftretensderKennarten derSalzwiesenabzulehnen.Die Neubearbeitung derProto-Botboschoenetealiegt
inzwischenvor
C[.
TUxEN mskr.).Die Honckenyo-Eluntetea von R. TuxEN
(1966),
die ursprUnglich nur dieElymus-Gesellschaften
umfassten, sind im Laufe
der
Jahre
erheblich erweitert worden, wobei sichherausgesellt
hat,
dass
die
Klasse
eine eindeutigeProto-Klasse
darstellt
(J,
ToxEN mskr.)
.
Die in Frankreich neuerdings vertretene
Auffassung,dassdie
Ammqphitetea
denHbnckenuo-Etymetea unterstellt werden sollten, hatvieles fUr
sich. Wir schlieBen uns dieserAuffassungan.
KLASSEN,
KLASSENGRUPPEN
UND
DIVISIONEN
Hatte ein BRAuN-BLANQuET zufa11ig nicht in
den
Alpen, sondern inNordeuropa
etwa inOslo
mit der Erforschung der heimischen Vegeration
begonnen, hatte man spater vielleicht viele
Pflanzengesellschaften der Alpen denen des
Nordens angehtingt, Diese Fiktion zeigt deutlich
dass es doch angebracht wtire, diePflanzendecke
dernordischen Ltindervon Nord-Schottland Uber
Norwegen, Schweden bisFinnland an Ort und Stelle
ebenso intensiv wie mitteleuroptiische Landschaften
und mit
denselben
Methoden zu studieren. Dasbeginnt rnit dem Aufnahmeverfahren, Bei vielen
artenreicheren Gesellschaften des Nordens sind
die
vonden
skandinavischen Forscherngewahlten
Probefltichen-Gr6Ben zu
klein,
um ihrMinimum-Areal
abzudecken.Solche
"Aufriahmen"" sind strenggenommen
fUr
synsystematischeZwecke
kaum
geeignet.Andererseitsist
die
Zahl
der
verfUgbaren,nach mitteleuroptiischern
Standard
gewonnenen
Aufnahmen aus diesen riesigen Landstrichen
immer noch sehr gering. Sie wurden meist an
verschiedenen, oft floristischinteressantenPunkten
derExkursionsrouten gewonnen,
kaum
jemals
mehroder weniger flachendeckend inetwas grOBeren
Gebieten,
sodass
eineKartierung
der
gefundenenVegetationstypen
mdglich ware. Gerade eine solchefitichenhafteDarstellungder Pfianzengesellschaften
eines begrenzten Gebietes beweist aber die
Qualitat
unddie
Brauchbarkeit der aufgestelltenVegetationstypen,
weiljeder
Einzelbestand
in
das
Kartierschema
passenrnuss, wie erfahreneKartierer
aus eigenerAnschauung
wissen.Ehe
einebegrimdete
und damit auch
fUr
eine Kartierung nutzbareUbersicht dernordischen Pflanzengesellschaften
auch als Grundlage fur denkbare Anwendungen
aufgestellt werden kann, mUsste also dieAnzahl der wirklich brauchbaren Aufnahmen erheblich
vermehrt werden.
Wenn
zugleich mit derOrdnungdieses
MateTials ingut
redigiertenTabellen
auch
die
Lage
jedes
Aufnahrneortes
in
Karten
festgehalten
wird, erleichtertdas
die
Abgrenzungvon Gebietsassoziationen und Rassen ungemein.
So ergeben sich schlieBlich auch dieAreale von
Verbljnden,Ordnungen und Klassen dieauf diesem
Wege wirklich "induktiv-synthetisch"
(WILMANNs,
1984)erkannt worden sind. Es spricht alles dafUr,
dass
solchePflanzengesellschaften
bis
zur Rangstufeder
Klasse
bestehen.
Die
Areale
dieser
nordischenKlassen
sind geschlossen vonclen
zugehOrigenGesellschaften
besiedelt,
d.h.
Uberalldort,
wo ihreStanclortsansprUche
erfUllt sind.Nordische
undmitteleuroptiische Klassen sind entweder durch mehr oder weniger breiteLeerzonen deutlichvorn mitteleuropliischen Gegenstttck,dem siebishermeist unberechtigterweise untergeordnet wurden, getrennt
oder siesind
durch
eine Kontaktzone verbunden,wo dieBestande beiderKlassen inselartigaufgelOst neben- und durcheinanderliegen.
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bildenauch enge Kontaktzonen inderVertikalen
aus. Die auf dem Flachland und dem niederen
Bergland derarktischen und nordborealen Inseln
des
(ndrdlichen>
Eismeeres
angesiedelteTeilklasse
schiebt sich auf den
h6chsten
Erhebungender
schottischen
Highlands
ttberdie
andere planarundkollin,
euatlantisch verbreiteteNasse
Westeuropas
(TuxEN,
J,
mskr.).Verbtinde und
Ordnungen
in vikariierendenHochmoor-Klassen unterscheiden sich oft
weitgehend in ihren Kennarten. Vor allem die
Schlenkeneinheiten zeigen durchaus selbsttindige
Charakterartengarnituren.Diesernasse Flttgelder
Hochmoor-Klassen kann auch vollstandig fehlen,
so dasseine dereuroptiischen Klassen,diegenannte
der
nOrdlichen Inseln undder
montanen StufeSchottlands, nur aus Bultgesellschaften besteht
(TVxEN,
J.
mskr.).
Das
floristische
Inventar
solcherboreal
verbreiteter Klassen istvon
dem
der
entsprechenden mitteleuroptiischenstetscteutlich
verschieden:Neben
einer mehr oder weniger groBen ZahlgemeinsamerArten ist
jede
nordische Klassedurch eine grOBereGruppe von ihreigenen Arten gekennzeichnet,wie
umgekehrt auch
jede
mitteleuroptiische. Auch dieUntergliederung,wohlgemerkt auf diesem
induktiv-synthetischen
Wege
gefunden,
in
Ordnungen
undVerbande istvon
der
der
mitteleuroptiischenKlassendeutlichverschieden, wodurch ihreSelbststtindigkeit
besondersunterstrichen wird.
Viele dermitteleuropaischen Hochgebirgsklassen
sollen nordeuropaische, durch breiteAreallUcken
getrennteEntsprechungen haben, dieden alpiden
Klassen unterstellt wurden. Das giltfUr die
Asplenietea rupestris, fUrdiees kaum Aufnahmen
aus
dem
Norden
gibt.Die sogenannten Thtaspietea rotundifolii-Gesellschaftendes
Nordens,
lassen
sich anderen,
induktiv-synthetisch
gefassten
einheirnischen
Vegetationstypen
wesentlichbesser
zuordnen. Thtaspietea-Gesellschaften, derenKennarten nOrdlich derrnitteleuropaischen Gebirge
nicht oder nur sehr sporadisch vorkommen, existieren imNorden nieht,
DieKlassenderalpidenSaliceteaherbaceaeund der
Carici-Kobresietahaben eindeutige Entsprechungen
im
Norden,
diezwar weitverbreitet sind, aber nur wenig Flache einnehmen. Die skandinavischenGesellschaftensind seit
den
klassischen
ArbeitenGJAEREvoLLs
undNoRDHAGENs
nie wiedermit nordischen Metheden und nur selten mit
mitteleuropaischen untersucht worden. Siesind von den mitteleuropaischen inihrenArtenverbindungen
sehr verschieden. Auch deutetsich eine von den
mitteleuroptiischen Klassen abweichende Gliederung
in
Verbande
undOrdnungen
an.Die
Klasse
der
Loiseleurio-Vdccinetea
vereinigtschneeschutzbedUrftige
Gesellschaften
der
Vaccinio-Piceetea
mitWindheiden,
denen es anwinterlichem
Schneeschutz
mangelt,(TUxEN
J.,
1981).Diese
letzteren
sind imNorden
Europas
aufviele
Quadratkilometer
groBen Flachen verbreitet, inden mitteleuroptiischen Gebirgen auf nurkleine
Windecken beschranlct.Auch dieschneegeschUtztenVaccinio-Piceetea-Gesellschaften sind in
skandinavischen Fjellsehr gut studiert worden.
Eine Vereinigung dieserGesellschaftsgruppenindie
KlassederLoiseleurio-Vdceinieteaistzu mindestens
in
Nordeuropa
nicht zurechtfertigen, wie schonNoRDHAGEN
undDu
RiETz
deutlich
bewusst
war,FUr
die
Windheiden
hat
J.
TuxEN
(1981)
eine eigeneKlassegefordert,
die
ihren
Schwerpunkt
eindeutigim
Norden hat,DieWindecken-Gesellschaften
der
Alpen
und Pyrentiensind denen dessubalpinen Nordens so
tihnlich,dasssie diesenwohl angeschlossen werden kOrmen.
Die Ho¢hstaudenflurenderMulgedio-Aeonitetea
des
hOheren
mitteleuropaischen Berglandes sindfloristisch
vomAconition
septentrionalisder
nordischen
Forscher
durch
eine sehrgroBe
Zahl
von
Kennarten
unterschieden,die
im
Norden
fehlen,
wie umgekehrt auchdas
Aconition von den alpiden Vegetationstypen. Vor allem trennt einganzlichabweichender Aufoau aus Verbanden und
Ordnungen dienordische Gesellschaftsgruppe von
dermitteleuropaischen.
Die Mulgedio-Aconitetea sind in
drei
gutgekennzeichnete
Ordnungen
geschieden, die sehrunterschiedliche
Standorte
besiedeln.
Von diesenfehlen Entsprechungen der Calamagrostietalia
und derRumicetatia alpini inSkandinavien
ganz.
Den AdenostyletatiaalmlicheGesellschaften
haben
hiereine deutlichandere
Gliederung
aufzuweisen. Dazu kommen eineGruppe
der
schneetalchennahenFarngesellschaftenund m6glicherweise
das
Vleronieo-Peion gtaucae NoRDH. 1943,