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Die Familie und der Sozialstaat im Wandel : Aus der Debatte der CDU in der zweiten Halfte der 70er Jahre

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Academic year: 2021

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Aus der Debatte der CDU in der zweiten Halfte der 70er Jahre

著者(英) Koichi Shirakawa

journal or

publication title

The Social Science(The Social Sciences)

volume 42

number 1

page range 99‑117

year 2012‑05‑31

権利(英) Institute for the Study of Humanities & Social Sciences, Doshisha University

URL http://doi.org/10.14988/pa.2017.0000012793

(2)

Die Familie und der Sozialstaat im Wandel

─ Aus der Debatte der CDU in der zweiten Hälfte der 70er Jahre ─

*)

Koichi Shirakawa

In der westdeutschen Gesellschaft der 70er Jahre hat man gedacht, dass die Familien in eine prekäre Lage geraten waren. Denn die Westdeutschen hatten die Familie wegen nicht nur des Geburtenrückgangs sondern auch der Ehescheidung und sogar der vermehrten Berufstätigkeit der Ehefrau für unstabilisiert gehalten.

Angesichts der sich wandelnden Familienlage mussten die Parteien ihre eigenen Familienbilder umgestalten und Familienpolitik neu entwerfen. Unter den neuen Verhältnissen, d. h. vermehrte Berufstätigkeit der Ehefrauen und zum Teil realisierte Gleichberechtigkeit zwischen Männern und Frauen, wollte die Christlich Demokratische Union (CDU) das alte Familienmodell nicht wieder herstellen, sondern suchte ein neues Modell der Familie. Aber ihr neue Familienbild setzte ebenfalls voraus, dass die Frauen bzw. Mutter zu Hause bleiben. Die CDU hatte die Verbesserung der gesellschaftlich- und wirtschaftlichen Stelle der Mutter verlangt, damit die verheirateten Frauen freiwillig besser der Kindererziehung zu Hause als der außerhäuslichen Berufstätigkeit nachgehen wollten. Wenn die CDU in der liberalisierten westdeutschen Gesellschaft ihr konservative Ziel verfolgen wollte, musste die CDU auch die Reformpläne des traditionellen Sozialversicherungsystems zeigen. Die CDU hatte aber vermieden, die innere Struktur in der Familie zu diskutieren. Und auch wenn die CDU die staatlichen Hilfsmassnahmen für Familie behauptete, konnte der Ansicht der CDU nach die Hilfe die Unabhängigkeit und die Autonomie der Familie bedrohen. In der Debatte kann man eine Unvereinbarkeit der CDU-Politik finden.

1 Einleitung

Es ist berechtigt zu sagen, dass die neuere Geschichte das Zeitalter der Familie war1). In ihren Verfassungen entfalten Staaten im 19. und 20. Jahrhundert oft als eines ihrer Staatsziele den Schutz der Familie. Auch das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland schreibt den besonderen Schutz der Ehe und Familie durch die staatliche

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Ordnung vor. Die westdeutsche Gesellschaft hat sich in den 70er Jahren stark verändert2), und auch die Ehe und Familie, die die staatliche Ordnung schützen soll, haben sich zugleich umgestaltet. In der Zeitschrift Erziehung und Bildung von 1977 schrieb der Erziehungswissenschaftler Manfred Heinemann, “neue, an der

Wirklichkeit entwickelte und in der Alltagswelt erprobte Familientypologien [fehlen]”, so fährt es fort, “ʻLehrbuchfamilieʼ sowie aus der Tradition stammende Vorstellungen helfen aber kaum weiter” 3). Die Familie ist zwar das Objekt der sozialstaatlichen Maßnahmen, aber zugleich gestaltet sich die Familie kontinuierlich um. Zwischen Sozialstaat und Familie besteht also die Wechselwirkung. Diese Wechselwirkung ist der Faktor, der den Sozialstaat verändert.

Es ist wohl geltend, dass die 70er Jahre der Wendepunkt der europäischen Gesellschaft in der Nachkriegszeit waren. Die Veränderungen erstreckten sich auf viele Bereiche, z. B. industrielle Struktur, Beschäftigung und Werte usw., und einige Wandlungen dauern von den 70er Jahren bis zur Gegenwart, wie Konrad H. Jarausch die 70er Jahre als “Vorgeschichte der Probleme der Gegenwart” charakterisiert4). Auch der Wohlfahrtsstaat wurde seit den 70er Jahren erschüttert, hat dann sich reformiert und neue Politikbereiche erworben. Nach den Politologen Peter Bleses, Martin Seeleib-Kaiser und Edgar Rose hat der lange Prozess in den 70er Jahren angefangen, in dem sich der an der Lohnarbeit orientierte Sozialstaat, bzw.

Sozialversicherungsstaat zum familienorientierten Sozialstaat umzubauen begann, und dass der Prozess bis zur Gegenwart andauert5).

In diesem Aufsatz konzentrieren wir unsere Aufmarksamkeit auf die erste Phase des “langen Pozesses”. Bekannt ist, dass das konservative Regime des Wohlfahrtsstaates in den westeuropäischen Ländern unter dem starken Einfluss der katholischen konservativen Parteien gestaltet worden ist6), und dass der westdeutsche Sozialstaat in den 50er und 60er Jahren unter der Christlich Demokratischen Union Deutschlands (CDU) entstanden ist7).

In den 70er Jahren musste die CDU als die Oppositionspartei gegen die sozial- liberale Bundesregierung von SPD/ FDP die neuen Konzepte zur Familienpolitik zeigen. Einer der wichtigsten Punkte der Bundestagsdebatten im Ende der 70er Jahre war meines Erachtens die Zukunft des Sozialstaates, und die Bundestagsparteien

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haben die Sozialstaatspolitik durchaus intensiv debattiert. Die Diskussionen, Äußerungen und Forderungen der Parteien nachgehend, will ich mich mit der Frage beschäftigen, wie die Parteien auf die sich wandelnde Gesellschaft und Familie reagierten, ihre eigenen Familienbilder umgestalteten und Sozialstaatspolitik neu entwarfen. Durch die Erforschung zu den familienpolitischen Vorstellungen der Parteien betrachte ich die Wechselwirkung zwischen Familien und Sozialstaat in den 70er Jahren.

Die bisherigen Forschungen vertreten die Position, dass nicht nur die SPD sondern auch die CDU in den 70er Jahren kein konkretes Bild der Sozialpolitik gezeigt hätte8). Diese Position ist zutreffend, weil in der CDU große Meinungsunterschiede zur Familienpolitik8) bestanden, und darüber geklagt wurde, dass “innerhalb der Partei keine Einigkeit über das Bild der Familienpolitik der CDU besteht” 10). Die Vorschläge und Pläne, die in den Konferenzen besprochen worden sind, waren oft widerspruchvoll, aber man kann dennoch aus diesen vielartigen Äußerungen und Konzepten einigen Ansätze ablesen, die zur Reform unter der CDU/ FDP-Regierung in der Mitte der 80er Jahre führten.

2 Die Lage der Familie in den 70er Jahren

Die Tabelle 1 zeigt die Entwicklung der Familien11) mit Kindern unter 18 Jahre zwischen 1970 und 1985. Der Anteil der “vollständigen” Familien mit beiden Elternteilen und Kindern hat langsam abgenommen, andererseits hat der Anteil der

Tabelle 1:Vollständige und unvollständige Familie mit Kindern unter unter 18 Jahre von 1970 bis 1985 vollständige Familie unvollständige Familie Zusammen

X 1000 X 1000 X 1000

April 1970 7868 92.3 655 7.7 8523 100.0

April 1972 8165 91.6 706 8.4 8871 100.0

April 1974 8179 91.7 736 8.3 8915 100.0

Mai 1976 7876 91.0 776 9.0 8652 100.0

April 1978 7701 90.3 823 9.7 8524 100.0

April 1980 7540 89.7 868 10.3 8404 100.0

April 1982 7240 88.6 927 11.4 8167 100.0

Juni 1985 6397 87.2 941 12.8 7338 100.0

Quelle:Statistisches Jahrbuch für die Bundesrepublik Deutschland, Jg. 1970-1987.

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“unvollständigen” Familien, in denen Elternteil fehlte, zugenommen.

Es ist bekannt, dass die Geburtenziffer in den 70er Jahren schnell niedriger wurde.

In den 70er Jahren blieb der Anteil der Familien ohne Kinder nach wie vor bei etwa 10 %. Aber die durchschnittliche Kinderzahl pro Familie war zunehmend weniger

geworden, und der Anteil der Familien, die über 4 Kinder hatten, war 1972-77 lediglich 4%. Andererseits war der Anteil der Familien, die ein Kind oder zwei Kinder hatten,

von allen Haushalten insgesamt 73% (Tabelle 2).

Im Zusammenhang hier kommt darauf an, welchen Einfluss der Geburtenrückgang auf die Familien genommen hat. Der Soziologe Max Wingen hat darauf hingewiesen,

Die Analyse von Auswirkungen einer stationären oder rückläufgen Bevölkerung auf die Familienbeziehungen und die sozio-ökonomische Situation des Familienhaushalts erweist sich auch deshalb als so schwierig, weil […] die Veränderung der Größe der Familie wie auch des Familienzyklus zugleich in einem vielfältigen und kaum entwirrbaren Wirkungszusammenhang mit zahlreichen Gegebenheiten im Mikrobereich (der Familie) und im Makrobereich (von Gesellschaft und Wirtschaft) steht12).

Aber hinsichtlich des Strukturwandels der Familie hat Wingen gesagt, dass die Beziehung zwischen Ehegatten deswegen partnerschaftlicher und emotioneller wurde, weil die reduzierte Kinderzahl die Eltern von der Aufgaben der Kinderbetreuung stark entlasten konnte. Die Tendenz, dass die Ehe emotioneller

Tabelle 2  Kinderzahl je 100 Ehen

Quelle: Statistisches Bundesamt (hrsg.), Die Situation der Kinder der Bundesrepublik Deutschland, Stuttgart/

Mainz 1979, S. 25

0% 20% 40% 60% 80% 100%

1900-1904 1926-1930 1951-1955 1972-1977

kein Kind 1 Kind 2 Kinder 3 Kinder 4 und Mehr

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wurde, wurde von der Berufsarbeit der Ehefrauen noch verstärkt. Mit der geringer werdenden Kinderzahl wurde die nachelterliche Phase der Ehe länger, und die Möglichkeit des Auseinanderlebens auch größer. Die Ehescheidungen wurden infolgedessen, so Wingen, nicht selten auch nach langer Ehedauer13).

Andererseits hat die Soziologin Rita Süßmuth aus dem Gesichtspunkt von der Sozialisationsforschung ihre Aufmerksamkeit auf die Einwirkungen gelegt, die die erweiterten Erziehungschancen den Familien gegeben haben. Die 60er- und frühen 70er Jahre waren die beispiellose sozial- und gesellschaftspolitische Hochphase der

Bildungspolitik. Die Bildungsreform und die Verwirklichung der Chancengleichheit durch die Erziehung waren eines der Hauptziele der Bundesregierung, und die Bildungspolitik sollte starker als zuvor beitragen, ungleiche Chancen zu beseitigen und soziale Benachteiligungen abzubauen14). Nach Tabelle 3 stieg von 1960 bis 1978 der Anteil der Jugendlichen, die nach dem schulpflichtigen Alter auf höhrere Schulen oder Universitäten gingen, obwohl die Bildungsreform in den 70er Jahren zunehmend an ihre Priorität verloren hat15). Man kann doch sagen, dass in den 70er Jahren die Zeit, in der die Kinder und Jugendlichen die Schule besuchten, länger als zuvor geworden ist.

Darüber hinaus hat man die Erziehung im Kindergarten für wichtiger als früher gehalten, weil die Früherziehungstheorie aus den USA in die Bundesrepublik eingeführt worden war, und es schon geltend war, dass die bessere Schulbildung den Kindern bessere berufliche Chancen bringen könnte16). Deshalb hat sich die Bildungszeit sowohl vor als auch nach

dem schulpflichtigen Alter erweitert.

Auch die Zeit, in der die Kinder von ihren Eltern abhängig waren, hat sich verlängert, und die länger dauernde Bildungszeit belastete die Eltern finanziell mehr als früher17).

In den 70er Jahren stellte man die Erziehungsfähigkeit der Eltern im wachsenden Maß in Frage. Man dachte,

Tabelle 3 : Der Anteil der Jugendlichen mit Schul- besuch an gleichartiger Bevölkerung

Alter 1960 1970 1978

13 99% 100% 99%

14 72% 94% 99%

15 33% 50% 65%

16 21% 26% 45%

17 14% 16% 24%

18 9% 11% 16%

19 5% 5% 7%

Quelle: Jürgen Zinnecker, Jugend 1981: Porträt einer Generation, in: Jugend ʻ81. Lebensentwürfe, Alltagskulturen, Zukunftbilder, Opladen 1982, S. 113.

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dass es nicht ausreichend sei, dass die Eltern ihre eigene Erfahrung direkt ihren Kindern weitergeben. Es sei unentbehrlich, dass die Erfahrung der Eltern durch die Ratschläge von Fachleuten und die “Elternbildung” ergänzt werden solle18). Es lässt sich also zusammengefasst sagen, dass die Schulbildung den Kindern die zukünftige Karriere eröffnen konnte, zugleich aber Eltern und Kinder belastete.

Die 70er Jahre waren wahrscheinlich nicht eine Zeit, in der die Familien sich glücklich gefühlt haben. In Zeitungs- und Zeitschriftsartikeln jener Jahre kann man die Worte “Kinderfeindlichkeit”, “Elternfeindlichkeit” und “Familienfeindlichkeit”

leicht ausfindig machen. Diese Worte zeigen, dass die Familien ungenügend staatlich finanziell unterstützt worden sind, und die Familien mit Kleinkindern wegen ihrer Kinder in ungünstigen Wohnungen wohnen mussten. Jedes Jahr erlitten mehrere tausende Kinder Verkehrsunfälle, und Kinder sind zum Opfer krimineller Handlungen geworden. Die Massenmedien berichteten oft sensationell, dass viele Kinder von ihren eigenen Eltern misshandelt wurden19).

In den 70er Jahren war die Familie in eine neue Lage geraten. Wie Heinemann und Wingen sagten, war den Zeitgenossen noch nicht klar, wie sich die neue Familie in Zukunft weiter entwickeln würde.

3 Die familienpolitischen Forderungen der CDU

3.1  Auffassung von der CDU zur Krise der Familie

Die Familienpolitik in der Bundesrepublik hat sich bis Mitte der 70er Jahre langsam entwickelt20). In den 50er Jahren wurden das Kindergeld und die steuerlichen Kinderfreibeträge eingeführt. 1974 wurden die problemvollen Kinderfreibeträge zum Teil abgeschafft, und das Kindergeld wurde andererseits erweitert; auch das erste Kind konnte nun Leistungen beziehen. Ebenfalls lag der Schwerpunkt der frühen Familienpolitik auf dem finanziellen Lastenausgleich.

Vor dem Hintergrund, dass in den 70er Jahren die Zahl der berufstätigen Frauen zunahm, wurde das “Tagesmutter-projekt” eingerichtet. In diesem Projekt nahmen die unberufstätigen Ehefrauen die Kleinkinder auf und betreuteten sie zeitweilig, während ihre Mütter arbeiteten. Auch die Kindergärten und -horte wurden weiter

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ausgebaut. Durch den 1979 eingeführten Mutterschaftsurlaub konnten sich die berufstätigen Ehefrauen wegen der Geburt ihres Kindes vorübergehend von der Arbeit beurlauben lassen. In den 70er Jahren entwickelte sich also die Dienstleistung neben der finanziellen Leistung21).

Um die Auffassungen der CDU zur Familienpolitik in den 70er Jahren zu analysieren, betrachtet man zuerst das “Grundsatzprogramm der CDU”, das auf dem Parteitag vom Oktober 1978 verabschiedet wurde. Das Paragraph 33 zur “Familie” und

“Familienpolitik” lautet:

Ehe und Familie haben sich als die beständigen Formen menschlichen Zusammenlebens erwiesen. Sie sind das Fundament unserer Gesellschaft und unseres Staates. Sie stehen unter dem besonderen Schutz unserer Verfassungs- ordnung. Weder der Staat noch andere gesellschaftliche Lebensformen können sie ersetzen. Die Familie ist als Lebens- und Erziehungsgemeinschaft der erste und wichtigste Ort individueller Geborgenheit und Sinnvermittlung.

 Unsere Familienpolitik geht von der Ehe als einer Gemeinschaft aus, die auf

Lebenszeit und Partnerschaft angelegt ist. […] 22)

Die CDU beabsichtigte, die Familie zu unterstützen, aber der Grund lag aber nicht nur darin, dass die Familie sozial benachteiligt war. Vielmehr war die Familie das fundamentale Element, auf dem die deutsche Gesellschaft sich aufbaute, und daher sollte man sie unterstüzen. Die stabile Familie war nach Ansicht der CDU die Vorausetzung für den Schutz der sozialen Ordnung in der westdeutschen Gesellschaft23).

Wir werfen dann einen Blick auf das Arbeitspapier des Arbeitskreises Ⅲ beim Kongress “Zukunftschancen für Jugend”, der am 21.- 22. Oktober 1977 von der CDU veranstaltet wurde24).

Die Zukunftschancen unserer Jugend sind in Gefahr, und die Situation der Familie hat dazu beitragen.

Die Jugendlichen sind betroffen vom verschärften Leistungswettbewerb in der Schule, von Engpässen in der beruflichen Ausbildung und an den Hochschulen sowie von Arbeitslosigkeit. Wachsende Zahlen von verhaltensauffälligen Kindern und jugendlichen Straftätern sind unübersehbar. Drogenabhänhigkeit

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und Alkoholismus unter Jugendlichen haben trotz aller Abwehrbemühungen zugenommen.

Viele dieser Schwierigkeiten sind von der Situation der Familie mitverursacht, denn

― die Familien sind heute stärker in ihrem Zusammenhalt gefährdet (das

Verhältnis von Eheschließungen zu Scheidungen betrug 1955−10:1; 1975−3, 5:1)

― allein von Beginn 1970 bis Ende 1974 wurden rund 480000 minderjährige

Kinder von Ehescheidungen betroffen,

― die städtische Kleinfamilie kann ihre Erziehungs- und Sozialisationsaufgabe

immer weniger erfüllt,

― Familie und Hausfrau leisten für die Gesellschaft viel; aber sie gelten in der

Gesellschaft wenig  […]

In diesem Arbeitspapier hat die CDU als Ursache der Schwierigkeiten der Jugendlichen die schuliche Erziehung, das Wohnungsproblem und den harten Leistungsbettbewerb in der Schule und Gesellschaft angegeben. Der CDU nach war aber der entscheidendste Faktor die Familie, wie das Arbeitspapier zeigte, dass

“viele dieser Schwierigkeiten” der Kinder und Jugendlichen “von der Situation der

Familie mitverursacht” waren. Dieses Papier deutete an, dass die Probleme aus der Familie entstanden, die wegen der Berufstätikeit der Mutter oder der Ehescheidungen unstabil geworden war. Darüber hinaus ist es merkwürdig, dass auch die CDU schon die Erziehungs- und Sozialisationskraft der “städtischen Kleinfamilie” in Frage gestellt hat.

Resümierend kann man feststellen, dass der CDU nach die Familie in sich die Ursache ihrer Unstablisierung trägt. Wenn die Familie als “das Fundament unserer Gesellschaft und unseres Staates” die Festigkeit verlieren würde, würden nicht nur die Problemerscheinungen der Jugendlichen vorkommen, sondern auch die westdeutsche Gesellschaftsordnung könnte zur Krise führen. Die CDU war der Meinung, dass die Familie wegen ihrer niedriger werdenden Erziehungsfähigkeit die Krise nicht mehr überwinden könnte und man auf irgendeiner Weise den Familien die Hilfe geben müsste.

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3.2  Debatte zur Familienpolitik in der CDU

Zwar liegt es auf der Hand, dass die CDU die Familie schützen wollte, aber es ist an dieser Seite wichtiger zu wissen, welche Politik die CDU zum Schutz der Familie gewählt, unter welchen Bedingungen sie ihre Politik entworfen und der Bevölkerung gezeigt hat.

Ende der 70er Jahre vertraten nur wenige Menschen nachdrücklich die

“Emanzipation” und “Selbstentwicklung”. Die CDU/ CSU griff die konservativer

werdende Atmosphäre und behauptete die “festen Lebensformen”, d. h., “Familie” statt Emanzipation25).

Aufmerksamkeit zu legen ist auf die Debatte in den Fraktionssitzungen der Bundestagsabgeordneten der CDU/ CSU. In den Fraktionssitzungen in 1979 diskutierte sich die Familienpolitik oft in Hinblick auf die Bundestagswahl im nächten Jahr.

In der Fraktionssitzung vom 27. November 1979 präsentierte Heiner Geißler die familienpolitischen Pläne, die im nächsten Wahlkampf durch die CDU behauptet werden sollten. Derzeit war er Generalsekretär der CDU und nahm einen großen Einfluss auf die Sozialpolitik. Bemerkenswert ist, dass die christlich-demokratische Familienpolitik im engen Zusammenhang mit der Wahlpolitik erörtert wurde. Am Anfang der Sitzung sagte Heiner Geißler,

“Die beiden anderen Kommissionen habe ich geleitet. Und diese Themen

“Familienpolitik, [und] Rentenpolitik” entsprechen ja auch zu einem wichtigen

Teil der politischen Zielsetzung, mit der wir uns vom politischen Gegner absetzen wollen, indem wir uns darstellen als “die Steuerentlastungspartei”, zweitens als die “Familien- und Kinderfreundliche Partei”, und dritten als die “Partei der Gleichberechtigung der Frau” und der Partei, die “die leistungsbezogene Rente vertritt”.

Dies ist im übrigen auch bestätigt von der Bürgern. Wir haben auf dem Gebiet der Familienpolitik einen klaren Vorsprung in der Sachkompetenz mit +11%, der höchste Vorsprung in allen Sachthemen” 26)[…].

Nach den Äußerungen von anderen Bundestagsabgeordneten liegt nahe, dass auch das Geburtendefizit die CDU veranlasst hat, sich mit der Familienpolitik

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zu beschäftigen27). Aber in dem Zusammenhang mit der politischen Lage vor der Bundestagswahl musste Geißler sich darum sorgen, dass die schon vorgestellten Pläne als “Bevölkerungspolitik” angesehen würden. Wenn die Familienpolitik der CDU bevölkerungspolitsch klang, galt es als “tödlich” für die CDU, die in der nächsten Bundestagswahl auf die Frauenstimme rechnen musste28).

Unter der Berücksichtigung der nächsten Wahlkampagne wollte Geißler eine eigene Familienpolitik der CDU veröffentlichen, um damit das Thema der Bundesregierung vorwegzunehmen. In der Fraktionssitzung vom 27. November 1979 hat er die

“Einführung eines Erziehungsgeldes”, den “allgemeinen Kinderfreibetrag”, die

“Förderung des Familienwohnungsbaus und der Familienberatung” und die Reform

der Rentenversicherung aufgezeigt. In Bezug auf die Rentenreformpläne erwähnte Geißler die Rechte der Frauen in der Rentenversicherung. Der Grund, warum er diese Vorschläge zum Wahlkampfsthema gemacht hat, ist in den Äußerungen der CDU- Abgeordneten zu finden.

Die Einführung eines Erziehungsgeldes hat die CDU schon seit Mitte der 70er Jahre verlangt29). Die CDU dachte, dass die Ursache der Destabilisierung der Familien die Ehescheidung und die Berufstätigkeit der Ehefrauen und Mütter sei.

Die Bundestagsabgeordnete Erna-Maria Geier30) hat es abgelehnt, die Berufstätigkeit als einzigen Weg zur Frauenemanzipation anzusehen. Vielmehr forderte sie, den Wert der Hausfrau und der Mutter mehr zu achten, sodass Hausarbeit auf gleicher Stufe mit Berufsarbeit gebracht werden sollte31). Die SPD/FDP-Bundesregierung hat zwar den Mutterschaftsurlaub eingeführt, aber nach dem Verständnis der CDU war die Kindererziehung an sich so wertwoll, dass die Zeit für Kindererziehung nicht

“Urlaub” sein, sondern die Erziehungsjahre sowohl “volkswirtschaftlich als auch

rentenrechtlich” anerkannt werden sollten32).

Die CDU beabsichtigte nicht, in die Vergangenheit zurückzurudern. Es galt auch der CDU als unvermeidlich und selbstverständlich, dass mehr verheiratete Frauen sich mit der außerhauslichen Berufsarbeit beschäftigen wollten. Nach den “Leitsätzen zur Familienpolitik” vom 11. Mai 197633) forderte die CDU, dass entweder Vater oder Mutter zu Hause bleiben und ausschließlich die Kindererziehung nachgehen sollte, wenn das Kind geboren ist. Das Ehepaar sollte selbst entscheiden, wer von

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beiden zu Hause bleibt, um sich ums Kind zu kümmern. Kein Abgeordeneter der CDU verweigerte wohl die Berufstätigkeit verheirateter Frauen. Vielmehr forderte auch die CDU die Erwerbstätigkeit verheirateter Frauen durch die Förderung der Teilzeitarbeit. Aber um eine Notwendigkeit zum Doppelverdienen zu vermeiden, war es unerlässlich, das Ehepaar mit Kindern finanziell ausreichend zu unterstützen, sonst würden die berufstätigen beiden Elternteile ihre Kinder zu Hause allein sein lassen. Deswegen verlangte die CDU die Einführung des Erziehungsgeldes.

Was die Rente der verheirateten Frau betraf, war vom Gesichtspunkt der CDU notwendig, auch das Rentensystem für ihre Ziele abzuändern. Bekanntlich ist, dass die deutsche Sozialversicherung auf der Basis der männlichen Berufstätigkeit entworfen gewesen ist, und dieses System die nicht berufstätigen Hausfrauen auf die schlechte Seite stellte.

Die Erziehungszeit, in der die Mutter wegen Geburt und Säuglingspflege ihre Berufsarbeit unterbrechen musste, sollte nach Geißler und Helga Wex34) im Rentenrecht anerkannt werden, und die Männer und Frauen sollten rentenrechtlich gleichrangig behandelt werden35). In der CDU dachte man, dass Mütter mit Kleinkindern zur außerhauslichen Berufsarbeit zu schnell zurückkehren wollten, weil diese sich darum sorgten, ob sie in Zukunft keine Leistung von Altersversicherung beziehen könnten. Die CDU versuchte, eine neue Regelung für verheiratete Frauen, die niemals berufstätig gewesen waren oder ihre Berufstätigkeit unterbrochen hatten, im Sozialversicherungssystem zu schaffen. Mit anderen Worten wollte die CDU das neue Prinzip ins westdeutsche Rentensystem einbauen36).

4 Die Hilfe für die Familie ―Die Grenzen―

I n d e n 7 0e r Ja h r e n h a t m a n d a s Fa m i l i e n r e c h t r e f o r m i e r t . I n 1 9 7 6 wurde der Paragraph 218 des Strafgesetzes neu gestaltet und damit der Schwangerschaftsabbruch, der zeitlang als Verbrechen angesehen worden war, unter Bedingengen gestattet. Die Bestimmung zur Ehescheidung wurde gemässigt.

Darüber hinaus forderten Fachleute die Einschränkung des Elternsrechtes zur Verhinderung von Kindesmisshandlung und die Erweiterung des Kindesrechtes, und

(13)

die entsprechenden Gesetze wurden im Bundestag vorbereitet37).

Eine Serie von diesen Rechtsreformen beurteilte Wex jedoch kritisch, weil ihrer Meinung nach die Reformen die Familie zersprittert und ihre Erziehungskraft benachteiligt hätten38). Aber die CDU setzte nicht mehr auf die alte autoritäre Beziehung zwischen Eltern und Kindern. Sie hat vielmehr eine “Partnerschaft zwischen Eltern und Kindern” entworfen. Die Autorität der Eltern sollte sich “von selbst aus dem partnerschaftlichen Zusammenleben mit den Kindern” und “aus der größeren Reife der Erwachsenen” ergeben39). Die CDU forderte rentenrechtlich und wirtschaftlich die Gleichstellung zwischen Vätern und Müttern, aber die CDU wollte zugleich diejenigen Reformen möglichst vermeinden, die eine Spaltung innerhalb der Familie verursachen könnten.

Allerdings zweifelte man in der CDU, ob Eltern genug Fähigkeit zur Kindererziehung haben. Auch Geier erwähnte die Frustration und den Schulden, die der übermäßige Konsum verursachte40). Die CDU dachte schon wohl, dass Familien aus eigener Kraft in der modernen Gesellschaft nicht überleben könnten.

Die CDU wollte für ihre Wahlkampagne ihre eigene familienpolitische Konzeption zeigen. In der Fraktionssitzung aber kritisierten nicht wenige Abgeordenten der CDU/ CSU die Vorschläge Geißlers. Der Grund lag erstens im Finanzproblem.

In den Sitzungen mahnten Helmut Kohl (Fraktionvorsitzender der CDU/CSU, Bundeskanzler (1982-1998)) und andere Abgeordnete oft vor Äußerungen, die auf die Finanzkraft keine Rücksicht nehmen würden. Nach Berechnungen würde es voraussichtig “12, 6 Milliaden DM” kosten, wenn der Bund die Beiträge von fünf Erziehungsjahre für die Mütter oder Väter übernähme41).

Der zweite Grund war, dass die CDU an der direkten Hilfe für Familien festgehalten hat. Die Bundesregierung hat das Tagesmutter-Projekt eingeführt und den Kindergarten ausgebaut. Die CDU aber hat sich über das Tagesmutter-projekt positiv nicht geäußert, weil diese Einrichtungen nach ihrer Meinung unnötig werden würde, wenn man die Erziehungskraft der Eltern heben könnte. Nach der Ansicht Wexʼ sollten man keine finanziellen Mittel für die “Ersatzorganisationen” wie Kindergärten und Tagesmutter-Projekt leisten. Vielmehr sollte die Hilfe direkt an die Familien gegeben werden, um dadurch ihre Erziehungskraft zu erhöhen42). Durch den Ausbau

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der Erziehungskraft der Familie könnte auch das Drogenproblem gelöst werden, dachten die Abgeordneten der CDU43).

Der dritte Punkt hat mit dem Wesentlichen der christlich-Demokratie zu tun. Die staatliche Hilfe, so die Befrüchtung, würde die Familie vom Staat abhängiger machen.

Auch widersprach die verstärkte Unterstützung dem Ziel der CDU einer Freiheit von Staat und einer Unabhängigkeit der Personen. Der Bundestagsabgeordnete Gottfried Köster44) hat auf die Schäden durch die Unterstützung hingewiesen.

“Ordnungspolitisch torkeln die Vorschläge von Herrn Geißler zwischen

etatistischen, sozialistischen Tendenzen (Zurufe, Unruhe) – ich wollte nur sagen, um es ganz deutlich zu sagen – zu freiheitlichen Aspekten, für die ich dankbar bin.

Wenn wir diesen Weg weitergehen, werden wir eine Familie in Zukunft aus dem Wirtschaftsleben herausreißen, das heißt: Die auf dem Markt der wirtschaftlichen Leistung erbrachten Entlohnungen werden keine Bedeutung mehr haben ― oder nur ganz geringe Bedeutung noch haben – für den Lebensstandard einer Familie.

Das heißt: Ein Familienvater, der 100 Mark mehr Leistung erhält durch mehr Leistung in seinem Beruf, wird diese 100 Mark nur zu einem ganz geringen Anteil verwenden können für die Steigerung des Lebenstandards seiner Familie. Es gibt Ausrechnungen, daß das nur 10 oder 20 % sind. Das soll heißen: Wenn jemand 100 Mark mehr Leistung anbietet durch Überstunden, bedeutet das für einen

Familienvater eine de-facto-Verbesserung seiner Situation um 10 bis 20 Mark für diese 100 Mark. Das ist auf die Dauer eine Situation, die unerträglich ist.

 Auch Familienväter müssen in der Lage sein, sich wirtschaftlich zu betätigen,

und zwar vernünftig zu betätigen, so daß es sich lohnt, im Beruf oder in der Arbeit durch mehr Leistung auch die Lage der eigenen Familie zu bessern”45).

Nach Köster sollte der Familienvater die Rolle als Breadwinner seiner Familie in der Marktwirtschaft übernehmen, und die Rolle sollte durch die übermäßige staatliche Leistung nicht beschädigt werden. Wegen starker Meinungsverschiedenheiten hat die CDU wahrscheinlich wenigen Gestaltungsraum besessen, um den Westdeutschen eine neue Konzeption von Familienpolitik anzubieten. In der Sitzung vom 27. November 1979 hat man den zum Teil korrigierten Vorschläge Geißlers zugestimmt.

(15)

5 Schluss

Die christlich-demokratische Auffassung zur Familienpolitik schwankte in den 70er Jahren. Nach der Ergebnisse der Meinungsforschung war ein großer Teil der

Westdeutschen mit den sozialen Leistungen zufrieden. Zugleich hoffte man eher auf eine begrenzte soziale Absicherung und Institutionalisierung als auf das parfekte Sozialsystem, das alle Menschen für jeden Notfall voll sichern könnte46). Auch die Antworten auf die Frage, “Wie soll der deutsche Sozialstaat in Zukunft sein?”, unterschieden sich.

Zusammenfassend lässt sich feststellen: Die Familie gestaltete sich in den 70er Jahren stark um. Die unvollständige Familie, in der ein Elternteil fehlte, wurde langsam zur normalen Erscheinung. Die Familie entfernte sich vom Familienmodell, das der Sozialversicherung und auch der Sozialordnung zugrund lag.

Von den obengenannten Debatten kann man ablesen, dass die CDU die alte Modell- Familie nicht wieder herstellen wollte. Unter den neuen Verhältnissen, das heißt vermehrte Berufstätigkeit der Ehefrauen, die realisierte Gleichberechtigkeit zwischen Männern und Frauen und die angenommene niedriger werdende Erziehungskraft der Eltern, suchte die CDU ein neues Modell der Familie.

Während die CDU die Verbesserung der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Position der verheirateten Frauen verlangte, setzte ihr Familienbild ebenfalls voraus, dass die Frauen bzw. Mütter zu Hause bleiben, und in dieser Hinsicht war die CDU noch im Schatten des alten Familienmodells. Wenn die CDU aber in der liberalisierten westdeutschen Gesellschaft ihr konservative Ziel, d. h. die Verzicht der Mütter auf Berufsarbeit, verfolgen wollte, musste die CDU paradoxerweise den Frauen eine grossere Wahlfreiheit anbieten und auch die Reformpläne des traditionellen Sozialversicherungsystems zeigen.

Die CDU hatte vermieden, die innere Struktur und Verhältnisse in der Familie zu diskutieren, obwohl die CDU die Familie für einen wichtigsten Platz der Sozialisation von Kindern gehalten hat.

Am Ende der 70er Jahre führte die verstärkerte staatliche Hilfe unvermeidlich zum Finanzproblem. Und die staatlichen Maßnahmen, die die CDU forderte, könnte

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der Auffassung der CDU nach Unabhängigkeit und Autonomie der Familie bedrohen, obwohl die Hilfe zur Familie unentbehrlich ware. In der innerparteilichen Debatte kann man infolgedessen eine Unvereinbarkeit der christlich demokratischen Politik zur Zukunft des Sozialstaates finden.

Anmerkungen

*) Diese Abhandlung beruht auf dem Bericht, das ich am 15. Mai 2011 im kleinen Symposium “Familie und Sozialstaat in Deutschland im 20. Jahrhundert” in der 61.

Tagung der abendländischen Geschichte in Japan (Nihon-Seiyoshi-Gakkai Dai-61- kai-Taikai) und am 8. September 2011 in der Workshop “Japanische Perspektiven auf den deutschen Sozialstaat im ʻlangenʼ 20. Jahrhundert” im Max Plank Institut für Sozialrecht und Sozialpolitik (München) erstattet habe. Ich bedanke mich bei Prof. Dr.

Osamu Kawagoe (Doshisha-Universität, Kyoto) für seine freundliche Unterstützung und Hinweise. Bei der Untersuchung in Deutschland wurde ich von der Grand – in –Aid for scientific Research (KAKENHI) (Forschungsthema: Die westdeutsche

“Sozialstaatlichkeit” aus den historischen Perspektiven: Familie zwischen Inkulsive und Exklusive (Leitung: Prof. Dr. Kawagoe)) finanziell großzügig unterstützt.

1) Nishikawa, Yuko (2000), Kindai-kokka to Kazoku-Moderu (Der moderne Staat und das Familienmodell), Yoshikawa-Kobunkan, S.1.(japanisch)

2) Winfried Süß (2007) “Der bedrängte Wohlfahrtsstaat. Deutsche und europäische Perspektiven auf die Sozialpolitik der 1970er-Jahre”, Archiv für Sozialgeschichte, Bd.

47, S. 105-110, 125; Anselm Doering-Manteuffel/ Lutz Raphael (2008) Nach dem Boom.

Perspektiven auf die Zeitgeschichte seit 1970, Vandenhoeck & Ruprecht, S. 9-11.

3) Manfred Heinemann (1977) “Die Familie. Sozialisation und Leistung wiederentdeckt?”, Bildung und Erziehung , Jg. 30, S. 258.

4) Konrad H. Jarausch (2008) “Verkannter Strukturwandel. Die siebziger Jahre als Vorgeschichte der Probleme der Gegenwart”, Konrad H. Jarausch (hrsg.), Das Ende der Zuversicht? Die siebziger Jahre als Geschichte, Vandenhoeck & Ruprecht, S. 9.

5) Peter Bleses/ Martin Seeleib-Kaiser (1999) “Zum Wandel wohlfahrtsstaatlicher Sicherung in der Bundesrepublik Deutschland: Zwischen Lohnarbeit und Familie”, Zeitschrift für Soziologie Jg. 28, S. 114-115; Peter Bleses/ Edgar Rose (1998) “Der Umbau hat längst begonnen: Deutungswandel in der Arbeitsmarkt- und Familienpolitik”, Zeitschrift für Sozialreform, Jg. 44 , S. 572.

6) Gøsta Esping-Andersen (1990) The Three Worlds of Welfare Capitalism, Polity Press.

7) Zur Rentenreform in 50er Jahren, Hans Günter Hockerts (1980) Sozialpolitische

(17)

E n t s c h e i d u n g e n i m N a c h k r i e g s d e u t s c h l a n d . A l l i i e r t e u n d d e u t s c h e Sozialversicherungspolitik 1945 bis 1957, Klett-Cotta.

8) Wi n f r i e d S ü ß (2 0 0 8) “D e r k e y n e s i a n i s c h e T r a u m u n d s e i n l a n g e s E n d e.

Sozioökonomischer Wandel und Sozialpolitik in den siebziger Jahren”, Jarausch (hrsg.), Das Ende der Zuversicht?, S. 126; Frank Bösch (2008) “Die Krise als Chance. Die Neuformierung der Christdemokraten in den siebziger Jahren”, Jarausch (hrsg.) Das Ende der Zuversicht?, S. 305.

9) Unter “Familienpolitik” ist die Politik zu verstehen, die auf die Familie mit den Kindern durch Gesetze, finanzielle Beihilfe und Informationen Einfluss nehmen will. In der Familienpolitik spiegeln sich die Familienbilder der Akteure ausdrücklich wider, die eine Familienpolitik verfolgen. Ursula Münch (1990) Familienpolitik in der BRD.

Maßnahmen, Defizite, Organisation familienpolitischer Staatstätigkeit, Lambertus, S.

13.

10) Protokoll der Sitzung der Arbeitsgruppe Familienpolitik am 21. Sept. 1979 (Wort von Roswitha Verhülsdonk (Mitglied des Bundestages, im folgenden: MdB)), Archiv für Christlich-Demokratische Politik (ACDP), 07-001-8730. Verhülsdonk war derzeit die Leiterin der Arbeitsgruppe zur Familienpolitik in CDU.

11) In diesem Aufsatz verstehe ich unter Familie eine Familie, die sich aus Eltern, ggf. ein fehlendes Eltenteil, und minderjährigen Kindern zusammensetzt.

12) Max Wingen (1977) “Zur Veränderung der demographischen Rahmenbedingungen familialer Sozialisation”, Bildung und Erziehung, Jg. 30, S. 281.

13) Wingen (1977) “Zur Veränderung der demographischen Rahmenbedingungen familialer Sozialisation”, S. 282.

14) Zu der Bildungspolitik und ihren Folgen in den 70er Jahren, Wilfried Rudloff (2007)

“Bildungspoitik als Gesellschaftspolitik. Bundesrepublik in den 1960er- und 1970er- Jahren im Internationalen Vergleich”, Archiv für Sozialgeschichte, Bd. 47, S. 237-268, hier, S. 239, 242.

15) Wilfried Rudloff (2010), “Ungleiche Bildungschancen als sozialpolitische Herausforderung, Hans Günter Hockerts/ Wilfried Süß (hrsg.), Soziale Ungleichheit im Sozialstaat. Die Bundesrepublik Deutschland und Großbritannien im Vergleich, Oldenbourg, S.43-64, hier, S. 57.

16) Christiane Kuller (2004) Familienpolitik im föderativen Sozialstaat. Die Formierung eines Politikfeldes in der Bundesrepublik 1949-1975, Oldenbourg, S. 294; Helmut Fend (1988) Sozialgeschichte des Aufwachsens. Bedingungen des Aufwachsens und Jugendgestalten im 20. Jahrhundert, Suhrkamp, S. 136, 140, 144, 146, 149.

17) “Die Lage der Familien in der Bundesrepublik Deutschland. Dritter Familienbericht”

(1979), Verhandlungen des deutschen Bundestages. Drucksache, 8/ 3121, S. 93-94.

(18)

18) Rita Süßmuth (1977) “Eltern als Erzieher”, Bildung und Erziehung, Jg. 30, S. 263-264.

19) Zum Beispiel, Franz Pöggler (1979) “Politik für Kinder. Zwölf Forderungen an den Staat”, Politische Meinung, Jg. 24, S. 7-17; Ferdinand Ranft (1979) “Unser Land ist elternfeindlich. Weil die Eltern diskriminiert werden, gibt es weniger Babys”, Die Zeit, (9. März), S.77; “Kinder unerwünscht” (1979), Die Zeit (5. Januar). Zur Kindesmisshandlung, Reinhart Wolff (1975), “Kindesmisshandlungen und ihre Ursachen”, Heinrich Bast u.a. , Gewalt gegen Kinder. Kindesmißhandlungen und ihre Ursachen, Rowohlt, S. 24. Zur Problemerscheinung der Jugendlichen und den Reaktionen der Parteien in den 70er Jahren, Koichi Shirakawa (2008) “Die Jugendlichen und der westdeutsche Sozialstaat in der zweiten Hälfte der 1970er Jahre ―Lage und Zukunft der Jugendlichen in den Debatten im Bundestag−”, Osamu Kawagoe/

Hidetaka Tsuji (Hrsg.) Leben im dutschen Sozialstaat zwischen den 1880er und den 1970er Jahren, Hosei University Press, S. 279-307 (japanisch).

20) Kuller, Familienpolitik, S. 4.

21) Zum Modellprojekt “Tagesmutter” und dem “Mutterschaftsurlaub”, Ursula Münch/

Walter Hornstein (2008) “Familien-, Jugend- und Altenpolitik”, Geyer, Martin H.

(hrsg.) 1974-1982. Bundesrepublik Deutschland. Neue Herausforderungen, wachsende Unsicherheiten (Geschichte der Sozialpolitik in Deutschland seit 1945. Bd. 6), Nomos, S.

652-658.

22) 28. Bundesparteitag der Christlich Demokratischen Union Deutschlands. Niederschrift.

Ludwigshafen, 23. -25. Oktober 1978 (1978), Union Betriebs, Anhang S. 10.

Unterstreichung von Shirakawa.

23) cf. Verhandlungen des deutschen Bundestages. Stenographische Berichte [im folgenden:VdDBT ] (7. Wahlperiode), 22. Mai 1975, S. 12127 (Wort von Stommel) und VdDBT (8. Wahlperiode (Bd. 113)), 24. Januar 1980, S. 15827 (Wort von Helga Wex).

24) Arbeitspapier für Arbeitskreis Ⅲ “Familie−entscheidend für die Zukunft unser Jugend” des CDU-Kongresses “Zukunftschancen der Jugend”, S. 1, ACDP, 07-001-8732.

Unterstreichung von Shirakawa.

25) Ralf Zundel (1979) “Der Rückzug in die Familie” Die Zeit (26.Januar), S. 1.

26) Protokoll der Fraktionssitzung der CDU/ CSU [im folgenden: Protokoll] (27. 11. 1979), S. 18. Unterstreichung im Original. Und auch Protokoll (13. 03. 1979), S. 14, 17 (Wort von Karl Becker (MdB) und Anton Stark (MdB)), ACDP.

27) Z. B. Protokoll (19. 09. 1978), S. 22 (Wort von Anton Stark), ACDP.

28) In der Sitzung sagte Karl Becker (MdB, Frankfurt (M)), “Heute heißt es allgemein draußen, daß wir schon wieder in die Richtung auf die drei Kʼs [― Kinder, Küche, Kinder] kommen. Und das ist für uns tödlich”, Protokoll (27. 11. 1979), S. 47, ACDP.

29) VdDBT, (7. Wahlperiode), den 22. 05. 1975, S. 1210 (Wort von Helga Wex). Diese

(19)

Geldleistung sollte der CDU nach den Müttern gegeben werden, die unter Verzicht auf Erwerbsarbeit der Erziehung ihrer Kinder widmen. Unter der CDU/FDP-Regierung wurde das Bundeserziehungsgesetz in 1986 festgesetzt. Münch (1990) Familienpolitik, S.

53.

30) Geier, die seit 1976 MdB war, war derzeit ordendentliches Mitglied des Ausschusses für Jugend, Familie und Gesellschaft in 8. Wahlperiode.

31) VdDBT, (8. Wahlperiode (Bd. 103)) den 11. 11. 1977, S. 4326. cf. “Frauen und Gesellschaft” (1975) 23. Bundesparteitag der Christlich Demokratischen Union Deutschlands. Niederschrift. Mannheim, 23.-25. Juni 1975, Union Betriebs, S. 277-314, insbesondere Vortrag von Wex, S. 277-286.

32) Protokoll (27. 11. 1979), S. 53 (Wort von Wex) und S. 56 (Wort von Geißler), ACDP.

33) Leitsätze zur Familienpolitik (11. Mai 1975), ACDP, 07-001:8725.

34) Wex war MdB 1967-69, 1972-86, stellvertretende Fraktionsvorsitzernde 1972-1986, Bundesvorsitzende CDU Frauenvereinigung 1971-1986. Sie war Expertin der Franen- und Familienpolitik.

35) VdDBT (8. Wahlperiode (Bd.113)), 24. Januar 1980, S. 15828, (Wort von Wex).

36) Es gab zu jener Zeit wohl verschiedene Debatten zum Versuch, die Kinderzahl oder die Kindererziehung der Eltern ins Rentensystem einzubauen. Das ehemalige MdB Thomas Ruf (CDU) schrieb z. B., “Ob übrigens das generative Verhalten durch die Gestaltung der Beitragssätze zur Rentenversicherung beeinflusst werden kann, ist sehr zweifelhaft”, und urteilte darüber hinaus wegen der finanziellen Schwierigkeiten diesen Reformversuch der Rentenversicherung negativ. Th[omas]. Ruf, Der Generationsvertrag und die Leistungen für Familie (24. Sept. 1979), S. 16-17, ACDP, 07-001-8735.

37) Münch/ Hornstein, “Familien-, Jugend- und Altenpolitik”, S. 642, 646-652.

38) cf. VdDBT (8. Wahlperiode (Bd. 104)), 26. Januar 1978, S. 5438.

39) Leitsätze zur Familienpolitik, S. 9.

40) VdDBT (8.Wahlperiode (Bd. 113)), 24. Januar 1980, S. 15869 (Wort von Geier). Zu Konsum und Schulden, “Wirtschaftliche Situation von Familien und deren sozialen Auswirkungen”, Verhandlungen des deutschen Bundestages, Drucksache, 12/ 6224 (24.

11. 1993), S. 25.

41) Protokoll (27. 11. 1979), S. 32f (Wort von Heinrich Franke (MdB)), ACDP.

42) VdDBT (8. Wahlperiode (Bd. 113)), 24. Januar 1980, S. 15854, 15855 (Wort von Burger).

43) VdDBT (8. Wahlperiode (Bd. 113)), 24. Januar 1980, S. 15830 (Wort von Wex).

44) Köster, der seit 1972 MdB war, engagierte sich derzeit als ordentliches Mitglied im Ausschuss für Jugend, Familie und Gesundheit.

45) Protokoll (27. 11. 1979), S. 37, ACDP.

46) Allensbacher Jahrbuch der Demoskopie 1978-1983, Bd. 8 (1983), S. 225; Der

(20)

Bundesminister für Arbeit und Soziale Ordnung (Hrsg.) (1980) Bürger und Sozialstaat.

Zusammenfassender Kommentar, Bonn, S.41. Zu den Beziehungen zwischen den öffentlichen Meinungen zum Sozialstaat und der Politik der Parteien in der Mitte der 70er Jahre, Koichi Shirakawa (2010) “Der westdeutsche Sozialstaat im Lernprozess−

Debatten zwischen CDU/ CSU und SPD in den 1970er Jahren−”, Journal of Modern and Contemporary History (GENDAISHI KENKYU) (japanisch), Vol. 55, S. 23-37.

Ich bedanke mich herzlich bei Herrn Stephan Mertens für seine sprachliche Hinweise bei dieser Aufsatzschreibung.

(21)

Tabelle 1:Vollständige und unvollständige Familie mit Kindern unter unter 18 Jahre von 1970 bis 1985 vollständige Familie unvollständige Familie  Zusammen
Tabelle 2  Kinderzahl je 100 Ehen
Tabelle 3 : Der Anteil der Jugendlichen mit Schul- Tabelle 3 : Der Anteil der Jugendlichen mit Schul-besuch an gleichartiger Bevölkerung Alter 1960 1970 1978 13 99% 100% 99% 14 72% 94% 99% 15 33% 50% 65% 16 21% 26% 45% 17 14% 16% 24% 18 9% 11% 16% 19 5% 5%

参照

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