187
Über das Wesen der Verschiedenheit der Erhaltungsmög-
lichkeit der Urodelenlinse als Artcharakter.
Von
Yoshindo IKEDA.(池 田 吉 人)
Mit 4 Tabellen und 3 Textabbildungen.
Aus dem I. Anatomischen Institut der Medizinischen Fakultät zu Nagasaki.
(Eingegangen am 27. Juli, 1942.)
I. Einleitung.
An Hand der Ergebnisse der Untersuchung über die Erhaltungsmög- lichkeit der Linse bei Urodelenlarven haben wir (I keda und Amatatu
1940) uns seinerzeit geäußert, daß die Linse bei den Hynobiuslarven, bei denen die Wolf fsche Linsenregeneration nie mehr zustande kommt, als eine einzige und unersetzliche in Ansehen steht, während die Linse bei den Trituruslarven mehr oder weniger vernachlässigt wird, weil dieselbe immer
wieder, so oft wie erforderlich, durch die dorsale Iris regeneriert werden kann. Denn die Linse der Hynobiuslarven konnte selbst bei der schweren intraokulären Verletzung und auch bei der Homoeoplastik ausnahmslos in eine vollkommene Linse regenerieren, insofern nur noch ihr Epithel dabei
im Auge zurückblieb. Die Trituruslinse konnte dagegen nicht nur bei der Homoeoplastik, sondern auch bei der geringsten Schädigung im eigenen Auge nie wiederhergestellt werden und nicht einmal dem Zugrundegehen entgehen, obgleich sie bald nach der Verwundung zwar Zeichen von Repara- tion auf wies, die ihr jedoch schließlich nicht gelang. Früher oder später mußte sie immer der vom Pupillarrande des Augenbechers aus regenerierten Linse Platz machen.
Aus diesen Tatsachen erhebt sich nun die Frage, ob dieser auffallende Unterschied der Möglichkeit der Linse der zweierlei Arten der Urodelen zur Ausbesserung von Schaden und zur langen Erhaltung im Auge hauptsächlich in den Verschiedenheiten der Eigenschaften der Linse selbst zu suchen ist ?
Oder ob dieser ausschließlich von der Verschiedenheit der Wirkungsstärke des Augenbechers zur Erhaltung der Linse abhängt ? Oder aber könnte der Unterschied der Erhaltungsmöglichkeit , der larvalen Linse zwischen dem Hynobius und dem Triturus auch darauf zurückzuführen sein, daß beim Hynobius die beiden Faktoren, also nicht nur die Fähigkeit der Linse zur Reparation als auch die Wirkung des Augenbechers zur Linsenerhaltung, stärker zugesellt sind als beim Triturus ?
Zur Ermittlung dieser Frage möchte ich die Ergebnisse der folgenden Experimente in Erwägung ziehen.
188 Y. Ikeda :
1) Der homoeoplastische Austausch der Linse bei den Larven des Hynobius nebulosus (H ‑ H) und des Triturus pyrrhogaster (T ‑> T).2) Die xenoplastische Implantat,ion der larvalen Linse vom Triturus pyrrhogaster in das soeben. entlinste Auge der Hynobius nebulosus‑Larven (T ‑> H) und desgleichen im umgekehrten Verhaltnis (H ‑> T).
3) Die Xonoplastik der Linse der Kaulquappe des Rhacophorus schlegelii in das soeben entlinste larvale Auge des Hynobius nebulosus (R ‑> H) und des Triturus pyrrhogaster (R ‑・ T).
Die Beobachtung der implantierten Linse wurde immer an den Serien‑
schnittpr paraten des Wirtskopfes unternommen, denn die genaueren Lebend‑
beobachtungen der meistens in der hinteren Augenkammer des Wirts befind‑
lichen Implantate waren fast ausgeschlossen. Die Wirte wurden zu ver‑
schiedenen Zeiten nach der Implantation mit dem Bouinschen Gemisch fixiert und nach der Entw sserung durch aufsteigenden Alkohol in Benzol eingetaucht und in Paraffin eingebettet, um ihren Kopf quer in 10/1 dicke Serienschnitte zu zerlegen. Zur F rbung der Schnitte wurde eine 5 oder 7 mal verdtunte L6sung von Hansenschem H matoxylin und eine l ige Eosinl6sung gebraucht. Dabei standen mir auch Serienschnittpr parate von einer Anzahl der normalen, im Alter mit den Spendern des Implantats gleichstehenden Tieren (Kaulquappen des Rhacophorus sowie Larven des Hynobius und Triturus) zur Verftigung, die auch abgestuft zu gleicher Zeit mit den Wirten fixiert worden waren. Abgesehen von detarti*・en paar hundert Kontrollexemplaren betragt die gesamte Zahl der untersuchten Wirts‑
augen 750.
Was die Beschreibung der Befunde der einzelnen Experimente anbelangt, m6chte ich sie im Folgenden nur kurz zusammenfassen, denn die einzelnen Experimentsgruppen sind zum Teil schon und werden zum' Teil demn chst von mir und von meinen Schulern haupts chlich von dem Standpunkt der Verfolgung der strukturellen Ver nderungen der Implantate aus mehr oder weniger ausfuhrlich mitgeteilt (s. Ikeda und Amatatu 1940, Omura und
Uno 1942, Fujita und Uno 1942, Uno und Takagi 1943). '
II. Zusamlnenfassende Darstellung der Ergebnisse der Experilnente.
A. Der homoeoplastische Linsenaustausch bei den Larven des Hynobius nebulosus (H ‑> H) und des Triturus pyrrhogaster (T ‑> T).
a) t)ber das Wachstum der homoeoplastisch behandelten Linse der Hynobiustarven (H H).
Zur Zeit der Operation befanden sich die Versuchstiere (Wirte und Spender) in der 5. Woche nach dem Ausschlupfen aus den Eihullen, und der quatoriale Durchmesser ihrer Linse war durchschnittlich 380 // Iang.
Die operierten Wirte wurden zu verschiedenen Zeiten von 7 bis 21 Tagen nach der Operation unter Abteilung in 5 Gruppen fixiert. Bei 33 unter 38
Uber das Wesen der Verschiedenheit der Erhaltungsm6glichkeit usw. 189
untersuchten F llen war die implantierte Linse noch im Wirtsauge wieder‑
zufinden.
Wie die Textabb. I klar ersehen laBt, ist das Wachstum der verpflanzten Linse im allgemeinen einer ziemlich bedeutenden Beeintr chtigung unter‑
worfen, obwohl einige unter den implantierten Linsen doch in einem bei‑
,,*
500
400 380
(L) cl 1 300
q)
; (1) (!2 c'2 q,
)
200
S :I
100
//////'
/// / / l‑・t"w'l"Il
l ̲n,..̲,tll
:E̲ 1 " 1 '
M :
L o N :
1 > 1 'TtF +$d
¥ ' 1 m
j t
' t // r/ I " ' ‑‑ /‑'P/xm E"I +"1 1 1 1 I"'
,i I ̲̲'1 1 f ll
1 t ll 'l!
' ;t"/ I .' ,..t l t :f ' f
il' / /̲/) ll" / /fr : /
ll rl' d' 1' " l
"r '
"'‑ t I /
i'‑t ‑" x t I / i i
1 1 , t I " ¥ Il ' I ' hl i t I l la l t t l fl l ' l /
ll
I t '! ll
ll
'l'
l ll
t Jr l t it llf ' !l Il '
¥ 'I'l
¥ '‑ Ial ,t i¥
1 1
ILt'b̲'1""' ' x
7 Zeitdauer von
10 11 14 18 21 25
der Implantation bis zur Fixierung Abb. 1.
Tage
nahe normalen Tempo haben aufwachsen k6nnen (s. die Kurve des Durch‑
messers der gr6Bten Linse). Die Ver nderung des durchschnittlichen Werts des Linsendurchmessers w hrend der Versuchszeit sowie die individuelle Schwankung resp, die Schwankungsbreite bei einzelnen Fixierungsgruppen (Textabb. 1) stimmen allerdings ziemlich gut mit den strukturellen Verhalt‑
nissen der implant,ierten Linse̲n (Ikeda und Amatatu 1940) tiberein,
190 Y. n(eda :
Was die Kurve beztiglich der durchschnittlichen Gr6Be der verpflanzten Linse anbelangt, ist sie an dem 12. Tag nach der Implantation ein wenig aufgestiegen, um dann wieder einen bedeutenden Absturz aufzuweisen, was im Vergleich mit den histologischen Befunde von lkeda und Amatatu (1940) wohl auf folgende zweierlei Umst nde zurtckzuftihren ist : 1) die‑jenigen Linsen, die bereits am 8. Tage nach der Implantation eine Ver‑
kleinerung aufwiesen, weil ihre alten Fasern wegen der Verwundung bei der Operation bald nach der Verpflanzung ad primum s mtlich durch den Epithelmantel hindurch abgestoBen wurden, sind meistens bis zum 12. Tag nach der Operation durch Neubildung der Fasern schon etwas aufgewachsen ; 2) die ubrigen gesch digt implantierten Linsen haben dagegen ihre alten Fasern noch nicht vollst ndig abgesondert und durch Aufquellung dieser zurbckgebliebenen Fasern an Volum zugenommen.
Der steile Absturz des Kurvenabschnittes von 11 bis 14 Tagen nach der Implantation ist nichts anderes als die Folge davon, daB die Linsen der eben erw hi)ten zweiten Gruppe sich plotzlich verkleinert haben, indem einerseits die schon der Degeneration und somit der Aufquellung anheimgefallenen alten Fasern vollst ndig weggeschaffen wurden und' andererseits das Epithel sich zu einem geschlossenen Linsenblaschen zusammengezogen hat.
Im I,aufe der 3. Woche nach der Operation konnten sich selbst diejenigen Linsen gut ins Wirtsauge einpassen, die sich bis zu dieser Zeit mit ihrer ganzen Kraft der Wiederaufbauung hatten widmen mtissen. Auch das Wachstum der s mtlichen Linsen konnte infolgedessen erst von dieser Zeit ab einen regelm Bigen Verlauf aufweisen, was zur Folge hatte, daB am Ende dieser Woche die durchschnittliche Gr6f3e der implantierten Linse dieselbe zur Zeit der Operation ubertroffen hat, wenn sie auch noch weit hinter der Norm zurbckgeblieben war. Andererseits konnte das Wachstum derjenigen Linsen, die bei der Operation ganz intakt in das Wirtsauge ver‑
pflanzt worden waren und sich dort ohne weiters haben einpassen k6nnen, beinahe normal vonstatten gehen (s. die Kurve der maximalen Gr6Be in der Abb. 1).
b) Uber das wachstumsverm6gen der homoeoplastisch behandelten Linse der Trituruslarven. Experiment (T ‑ T).
Es wurden die Linsen zwischen zwei Augen von verschiedenen Individuen von 10tagigen Trituruslarven durch die Hornhautaufschneidung vertauscht.
Fur die Untersuchung standen mir 113 operierte Augen zur Verftigung, wobei diese Augen in 6 Abstufungen von 7 bis 25 Tagon nach der Operation
fixiert worden waren. Wie wir (Ikeda und Kojima 1939, Ikeda und Amatatu 1940) schon auseinandergesetzt haben, ging die homoeoplastisch verpflanzte Trituruslinse trotz schonender Operation meistens nach kurzerem oder langerem Verweilen im Wirts auge schlieBlich zugrunde und machte der durch die Wirtsiris regenerierten Linse Platz. Infolgedessen setzte sich der Prozentsatz der Zahl der F lle, bei denen die implantierte Linse noch im
Uber das Wese der Verschiedenheit der Erhaltungsm6ghchkeit usw. 191 Wirtsauge wiederzufinden war, zur Zahl der dabei untersuchten Wirtsaugen immer mehr mit der Verlangerung der Aufzuchtdauer der Wirte herab.
Die Zahl derjenigen Linsen, die bei der Operation fast ganz frei von der Verletzung in das Wirtsauge verpflanzt worden waren und dort ohne weiters hatten einheilen k6nnen, machte jedoch unabh ngig von der L nge der Auf‑
zuchtdauer der Wirte durchschnittlich etwa 30 4 der dabei untersuchten Falle aus.
Diese vollkommen ins Wirtsauge eingepaBten Linsen konnten, wie die Kurve des maximalen Werts der Linsengr6Be (Textabb. 1) ersehen laBt, fast normalerweise aufwachsen. Wird jedoch die Wachstumskurve in der Durchschnittsrechnung betrachtet, so verh lt sie sich etwas anders (Textabb.
1) ; denn sie weist w hrend 10 Tage nach der Operation einen bedeutenden Absturz auf, um dann allm hlich wieder aufzusteigen. Dieser Absturz der Kurve der Durchschnittsgr6Be der Linse in den ersteren 10 Tagen weist allerdings darauf hin, daB ‑ worauf wir schon (Ikeda und Kojima 1939, lkeda und A m a t a t u 1940) seinerzeit besonders aufmerksam gemacht haben
‑ ie mehr oder weniger verwundet implantierte Trituruslinse schlieBlich nicht dem Untergang entgehen kann, und zwar damit meistens binnen 10 Tagen und spatestens im Laufe der 2. und 3. Woche nach der Verpflanzung ihr Ende erreicht. Denn beim Verfall verkleinert sich die Trituruslinse durch Zerspringen in kleine Bruchstucke von Faser‑ und Epithelzellmasse (s. minimale r6Be der Linse am 8. und 11. Tag), und der Durchschnittswert der Gr6Be aller, z. B. am ll. Tag nach der Operation im Wirtsauge wieder‑
gefundenen Implantate ist durch Zusammenrechnung derartiger zugrunde‑
gehender Linsen, deren Zahl keineswegs unbeachtet gering ist, dargestellt.
Die Kurve der Durchschnittsgr6Be der implantierten Linse steigt in der spzitereh Halfte der Versuchsdauer deswegen hinauf, weil in dieser Zeit‑
spanne, je spater die Wirte fixiert wurden, desto weniger die noch zugrunde‑
gehende Linse in Betracht kam. Am Ende der Versuchszeit war schlieBlich keine derartige Linse mehr vorhanden, so daB die dabei beobachteten Linsen lauter aus vollkommenen und somit auch sehr gut aufgewachsenen bestanden.
Bei der GegenUberstellung der durchschnittlichen Wachstumskurven der homoeoplastisch behandelten Linsen des Hynobius (Textabb. 1) und des Triturus (auch Textabb. 1) erscheint die des letzteren uBerlich besser als die des ersteren, was jedoch, wie oben auseinandergesetzt wurde, nicht tat‑
s chlich ist. Bei der Vergleichung des Wachstumsverhaltens der homoeo‑
plastisch behandelten Linse des Hynobius und des Triturus miteinander muB man deshalb selbstverstandlich immer ernstliche Rucksicht auf den be‑
deutenden Unterschied zwischen diesen zweierlei Urodelen hinsichtlich der Reparationsfzihigkeit und der Erhaltungsm6glichkeit der verwundet im‑
plantierten Linse nehmen (Ikeda und Amatatu 1940) ; sonst k6nnte man bei flUchtiger Vergleichung der Ergebnisse der beiden Experimente mit‑
einander den falschen Eindruck erhalten, daB z. B. die verpflanzte Linse beim Triturus tiberhaupt besser als beim Hynobius hatte aufwachsen k6nnen.
192 Y. ikeda :
Jedenfalls haben wir durch die vorliegende Homoeoplastik der larvalen Linse beim Hynobius und Triturus einleuchtend machen konnen, 1) daB selbst die Trituruslinse ebenso wie die Hynobiuslinse im Auge des artgleichen Individuums insofern fast normal aufwachsen kann, als sie vollkommen intakt und in richtiger Orientierung verpflanzt worden ist, und 2) daB die Trituruslinse immerhin selbst bei der geringsten Verwundung sich davon nie auszubessern und schlieBlich nicht einmal dem Zugrundegehen zu ent‑
gehen imstande ist, w hrend die Hynobiuslinse trotz der schweren Verletzung immer fruher oder spater vollst ndig in neuer verjUngter Gestalt wieder‑
erstehen und dann normalerweise fortwachsen kann.
Durch diese zweierlei Experimente ist jedoch die am E・ingang dieser Abhandlung erhobene Frage noch nicht in die Bahn zur L6sung gelenkt.
Die Bedeutung dieser Untersuchungen liegt also vielmehr darin, daB der Unterschied zwischen den beiden Urodelenarten beztiglich der F higkeit zur Linsenerhaltung augenscheinlich bewiesen wird und zur Vergleichung mit den Ergebnissen folgender Experimente dienen kann.
B. Der xonoplastische Austausch der larvalen Linse zwischen dem Hynobius und dem Triturus (T H und H T).
a) ijber das Verhalten der Trituruslinse im Hynobiusa*ge. dessen eigene Linse unmittelbar vor der Xenoplastik exstirpiert
worden ist (T > H).
Es wurde bei diesem Experirnent die Linse der Trituruslarven im Alter von 10 bis 14 Tagen nach dem Ausschlupfen aus den Eihtillen in das soeben entlinste Auge der sich im Ausschlupfen befindlichen Hynobiuslarven im‑
plantiert.
Tabelle 1. Zusammenstellung der Ergebnisse des Experiments (T ‑‑> H) (Xenoplastik der larvalen Trituruslinse in das soeben entlinste
Auge der Larven des Hynobius).
l, Zahl und Pro‑ !
Dauer (Tage) von der O peration
bis zur Fixierung
3 7 10 14 17 21 28
Zahl der unter‑ * suchten Exemplare =
14 14 14 16 18 16 14 Gesamtzahl
Zahl und Pro‑
zentsatz der F lle, bei denen *
das Implantat noch im Wirts‑
auge zurbc k‑ I geblieben war i
1 06
13 ( 3 ) 8 (577 )
8 (57."・.)
4 (25 ) 2 (11 ) 1 (5,6+" )
O ( Ol" ) 1 36
Durchmesser (p) der implantierten Linse
Durch‑
schnitt
1 65 1 23
119
1 OO
55 55
Maximum + Minimum
205 168 165 182 60
99 66 50 40 50
Durchmesser der normalen Kontrollinse (zur Zeit der O peration
'L 200 14)
l
ii
=!
215 23 2 245 260 272 287
,'315
t)ber das Wesen der Verschiedenheit der Erhaltungsmdglichkeit usw. 193 Wie aus der beigegebenen tabellarischen Zusammenstellung des Materials und der Ergebnisse (Tabelle 1) zu ersehen ist, gingen die Trituruslinsen, deren Verpflanzung in das entlinste Hynobiusauge mir ebenso glatt wie bei der Homoeoplastik (T ‑ T) gelang (tats chlich waren die Trituruslinsen 3 Tage nach der Verpflanzung noch in 93 der dabei untersuchten Wirtsaugen zuruckgeblieben), binnen 4 Wochen nach der Operation ausnahmslos voll‑
450 p
400
) 300
(, : :1 272
: (D
S
(D
c'2 CD q) 200
c!) S :I
100
///::/
/'/' ' / /
"/// /
// ̲ / /'
/////Hn'//1/! j,. .. /T D l
f " '
!11 /T ll
'// e/ H‑'T /
‑1"I‑ ' ' lb f /‑: /l /,. Tn/ / /rr / r
/ " ' " . I '/'; / / / f
,, ' l/ ¥ ,F l i 111 ,./"t / /
¥ ̲17rJ' a ¥ t ¥l
¥ ,tb
.,,L
1¥ /f/ H'‑e T
, ¥ ¥¥+... '+¥ L
¥¥ l
¥¥ T‑'a'H
¥ D ¥ 1
l
3 5 7 10 14 17 23 28
Zeitdauer von der Implantation bis zur Fixierung Abb. 2.
35 Tage
standig zugrunde. Bei keinem einzigen Fall konnten sie sich ins Wirtsauge einpassen. Alle von ihnen fielen, wie demn chst von Fujita und Uno aus‑
fuhrlich beschrieben werden wird, der Degeneration und dem Zerfall anheim und verkleinerten sich in einem ziemlich raschen Tempo (s. Textabb. 2).
Bei der Xenoplastik darf man selbstverst ndlich nicht die wechselseitige Giftwirkung zwischen dem Implantat und dem Wirt auBer acht lassen, so daB auch ein derartig rascher Verfall der Trituruslinse im Hynobiusauge
194 Y. Ikeda :
zum Teil wohl auf die Giftwirkung des Wirts auf das Implantat zurtick‑
zuftihren ist. Wie wir aber unten sowohl bei der Xenoplastik der Linse in dem umgekehrten Verhaltnis, also bei der Implantation der Hynobiuslinse in das Triturusauge (H ‑> T), als auch bei der Xenoplastik der Rhacophorus‑
linse in das Hynobius‑ (R ‑> H) resp. Triturusauge (R ‑> T) verstehen werden, handelt es sich bei dieser Giftwirkung sehr wahrscheinlich nicht um eine wesentliche Ursache ftir den raschen Verfall der Trituruslinse im Hyno‑
biusauge.
Die Ursache dafur liegt, wie durch Vergleichung der Ergebnisse der verschiedenen, in dieser Abhandlung in Erw gung gezogenen Experimente miteinander klar herausgestellt wird, wohl vielrnehr in den wesentlicheh Eigenschaften der Trituruslinse selbst.
b) t ber die groBe M6glichkeit der Hynobiushns zur Erhattung und zum Autwachsen selbst rm Tnturusauge. Experiment (H ‑> T).
Die Wirte, also die Trituruslarven, stammten aus den Eiern, die im Laboratorium meines Institutes durch subkutane Injektion des menschlichen Schwangerenharns schon am Anfan*cr des Jahres gelegt worden waren, be‑
fanden si.ch zur Zeit der Operation im Alter von etwa 45 Tagen nach dem Ausschlupfen aus den Eihtillen. Die Spender, also die H ,nobiuslarven, waren zur Ze*it d̲p*r Operation 18‑20 Tage alt. 128 Wirtsaugen wurden abgestuft zu verschiedenen Zeiten nach der Operation in Bouinschem Gernisch fixiert und in 10// dicke Serienschnitte zerlegt.
Wurden die noch im Wirtsauge konstatierten Hynobiuslins *en einerseits hinsichtlich ihrer Umst nde ‑ also je nachdern, ob sie sich in einem voll‑
kommenen (a) oder in einem ziernlich gut erhaltenen, aber nicht ganz voll‑
kommenen Zustand (b) befanden, oder ob sie offenbar bei der Implantation Schaden erlitten hatten und auf dem Wege der Reparation waren (c) ‑‑ in dreierlei Gruppen unterschieden und andererseits der Messung ihres Durch‑
messers unterzogen, so sind diesbeztigliche Zahlenverhaltnisse in Rticksicht auf die Fixierungszeiten in Tabelle 2 zusammenzustellen. Bequemlichkeits‑
halber zum Vergleich der zeitlichen Anderung der Gr6lie dieser Hynobius‑
linsen in den Triturusaugen (H ‑ T) mit derselben der Trituruslinsen in den Hynobiusaugen (T ‑‑> H) sind die beiden mit Kurven auf einer Abbildung gezeichnet (Textabb. 2).
Diese Zusammenstellungen fuhren den Augen vor, 1) daB der Prozent‑
satz der noch im Triturusauge bestehenden Hynobiuslinse keiner bedeutenden Schwankung unterliegt, und 2) daB auBerdem das Verhaltnis der Linsenzahl der a‑Gruppe zur Zahl der uberhaupt im Wirtsauge bestehenden Implantate mit der Verlangerung der Zeitdauer von der Operation bis zur Fixierung im groBen und ganzen immer hoher wird, und das Verhaltnis der Linsenzahl der c‑Gruppe im Gegenteil al]m hlich absinkt, was allerdings' irn Vergleich mit den Ergebnissen des Experiments (T ‑ > H) einen schroffen Gegensatz
darstellt.
Tabelle
Uber das Wesen der Verschiedenheit der Erhaltung"sm6glichkeit usw. 195 2. Zusammenstellung der Ergebnisse des Experiments (H ‑ T)
(Xenoplastik der larvalen Hynobiuslinse in das soeben entlinste Auge der Trituruslarve).
Dauer (Tage) : von der Operation
bis zur Fixierung,
Zahl der unter‑
suchten Exem‑
plare
3 5 7 10 14 17 23 28 35
10 10 14 14 14 14 26 14 12 Gesamt‑
zahl 128
Zahl und
Prozentsatz f f der Falle, !, bei denen I die implan‑ Il tierte Linse =i
noch im ' Wirtsauge
wiederzu‑
finden war !
Zustand der implan‑ jj Durchmesser der Lmse (l/) tierten Linse =
voll‑
kommen
a b verletzt i
ziem‑ und in Durch‑
lich der Ver‑ schnitt
gut besse‑
rung 10
9 13 11 13 14 24 14 10
(100 ) (90 .) (93 ) '=
(79 '") (93 ;) : (100 )
(92."・.)
(100 ) '
(83.・・"')
2 3 5
6 9 18 13 10
o 2 3 5 6 4 3
o 8 4
""
1 1 3 O O
:; 249 240
24 1
ii 254 . 255
,,
j 289
!! .288
! 535 , 380
, , ontroll
, (zur̲ Zeit
Maxi‑ Mini‑ i, der
mum mum j Opera‑
ff tion‑
l, 272 p)
280 272 300 298 289
*"I5
357
3 74
408
221 i i 290 204 = = 300 170 :l 310 170 = 320 206 i 335 187 ,i 345 1 70 * 3 70
221 I 390
351 . = 425 118 (92 )
Diese Umst nde weisen unzweideutig darauf hin, daB die Linse der Hynobiuslarven selbst im Triturusauge fast so regelm Big und gut wie bei ihrer Homoeoplastik vollst ndig einheimisch werden kann, und zwar ganz unabhangig davon, ob sie bei der Operation ganz intakt verpflanzt wurde oder ob sie dabei eine geringfugige Verletzung erfuhr.
Es unterliegt auch keinem Zweifel, daB die larvale Hynobiuslinse auch selbst im Triturusauge ebenso gut wie bei der Homoeoplastik nach der Ausbesserung des Schadens sehr regelm Big, und zwar mit einer sogar ein wenig gr6Beren Geschwindigkeit als normal aufwachsen kann, obgleich das durch Operation verz6gerte Wachstum .nicht so rasch nachzuholen ist.
Sehr bemerkenswert ist dabei, daB die durchschnittliche Wachstumskurve dieser Hynobiuslinse im Triturusauge, geschweige also ihr bestes Wachstum, in der sphteren Periode der Versuchszeit diejeriige Wachstumskurve uber‑
trifft, welche die dem Wirt eigene Linse hatte aufweisen k6nnen '(Textabb.
2). Der Durchmesser der Linse des Wirts war zur Zeit der Exstirpation hochstens 200 /1, durchschnittlich etwa 170p. Diese h6chste Linsengr6Be stimmt gerade mit der durchschnittlichen Gr6Be des Implantats ftir das Experiment (T‑‑> H) uberein, so daf. in Textabb. 2 die Wachstumskurve der normalen Kontrollinse fhr den Triturus den beiden Experimenten ge‑
meinsam ist. Denn das Wachstum der Wirte fur das Experiment (H ‑> T) ging wegen der Zuchtung in der kalten Jahreszeit im Verh ltnis zu ihrem
Alter sehr langsam vor sich, so daf auch ihre Linse verhaltnismziBig klein und meistens kaum so groB war, wie die Linse der viel jtingeren Triturus‑
larven, die in warmer Jahreszeit gezbchtet und als Linsenspender ftir das Experiment (T H) gebraucht wurden.
Das Auftreten der W o I f fschen Linsenregeneration durch das Wirtsauge wurde bei diesem Exberiment (H ‑‑> T) insgesamt nur in 12 Fallen kon‑
statiert. In der H lfte der Zahl dieser Faile war das Implantat noch im degenerierenden Zustand im Wirtsauge urtickgeblieben und bei den tibrigen Fallen wurde dasselbe uberhaupt vermiBt.
C) Die Xenoplastik der Linse der Kaulquappen von Rhacophorus schlegelii in das soeben entlinste larvale Auge des Hynobius nebulosus
(R > H) und des Triturus pyrrhogaster (R ‑ T).
a) Uber die Erhattungsm6glichkeit der Rhacophorushnse im Hynobiusauge.
Experiment (R > n).
Die Kaulquappen waren zur Zeit der Entnahme ihrer Linse im Alter von 10 Tagen nach dem Ausschlupfen aus den Eihullen, und die Hynobius‑
larven waren dabei 9̲O Tage alt. Die Serienschnittpr para,te von 162 Wirts‑
augen, die zu verschiedenen Zeiten von I bis 25 Tagen nach der Operation fixiert worden waren, standen zur mikroskopischen Untersuchung zur Ver‑
f ugung.
Wie aus der beigegebenen tabellarischen Zusammenstellung der Ergeb‑
nisse (Tabelle 3) verst ndlich ist, war die implantierte .Rhacophoruslinse in der gr6Bten Zahl der gesamten Operationsfalle (uber 98 ), und zwar in der Mehr‑
zahl der Fixierungsgruppen sogar in 100 noch im Wirtsauge wiederzufinden.
Was die Gr6Be der implantierten Linse anbelangt (Textabb. 3), nahm sie aber im allgemeinen mit der Zeit der Aufzuchtdauer der Wirte allm h‑
lich ab ; der Durchmesser des Implantats macht somit am Ende der Ver‑
suchszeit nur noch die H lfte der L nge, die das Implantat zur Zeit der Operation aufwies, und etwa ein Drittel (30 ) des Durchmessers der gleich‑
altrigen normal aufgewachsenen Kontrollinse aus.
Wie es bei den ubrigen Experimenten der vorliegenden Untersuchung der Fall ist, geht auch bei der Rhacophoruslinse im Hv̲ nobiusauge diese Reduktion ihrer Gr6Be immer mit den Ver nderungen ihrer Struktur Hand in Hand vor sich. Ihre Fasern verfielen also schon am Tagc auf der Implantation in Aufquellun und in Unordnung, wodurch die einzelne Linse eine erhebliche Volumzunahme aufwies (s. maximalen Durchmesser in der Tabelle 3). Die degenerierten Fasern 16sten sich dann unter der Mitwirkung der durch den Epithelmantel der Linse hineingekommenen Wanderzellen des Wirts flieBend auf und traten entweder durch Lucken zwischen den Epithel‑
zellen oder durch den hinteren Linsenpol hindurch heraus (3‑5 Tage nach der Operation), was zur Folge hatte, daf. der Epithelmantel sich zu einer vollkommen geschlossenen Epithelkugel zusammenzog und in der Mehrzahl der F lle auch noch verkruppelte Faserreste im Inneren enthielt.
Uber das Wesen der Verschiedenheit der Erhaltungsmbghchkeit usw. 197 Andererseits differenzierten sich neue Fasern aus Zellen des Epithel‑
mantels (7 Tage n. d. Op.), wobei sich dieselben jedoch gew6hnlich nicht in der normalen regelm Bigen Anordnung aufstellten, sondern meistens mit den alten Faserresten durcheinander gemischt waren. Diese neugebildeten Fasern konnten aber nicht lange fortbestehen und gingen schlieBlich mit den bereits in Unordnung geratenen alten Fasern zusammen wieder zugrunde (gegen 10‑14 Tage n. d. Op.), wodurch die implantierte Linse sich zum zweiten Mal st,ufenweise verkleinern muBte. Der zurtckgebliebene Epithelmantel schloB sich dann wieder in eine geschlossene Epithelkugel zusammen und
350
300
) 220
h:I
205
q) q)
u 2 q,
::
)
s
i 100
ll ll
//"
̲̲ /// // Rn
///
'̲1'
¥¥/¥¥¥¥
¥ R‑II l) '
'¥ ;<
R T J)
123
Zeitdauer 5
von 7 der
10 14
Im plantation Abb. 3.
bis 17
zur 21 Fixierung
25 'l'age
regenerierte neue Fasern im Inneren. Auch diese Fasern konnten schlieBlich nicht der' Degeneration entgehen ; die stufenweise Verkleinerung des Im‑
plantats kam dadurch wiederum zustande.
Bemerkenswert ist allerdings, daB die Rhacophoruslinse im Hynobius‑
auge eine ziemlich hohe Fzihigkeit zur Neubildung der Fasern aufgewiesen hat, und daf sie deshalb uber 25 Tage nach der Implantation dem voll‑
st ndigen Untergang entkommen konnte, obgleich ihre alten mitverpflanzten sowie neugebildeten Fasern nicht lange fortzubestehen imstande waren, und sich als ganzes jedesmal, wenn ihre Fasern vernichtet wurden, stufenweise reduzieren muBte.
1 98 Y. Ikeda :
Tabelle 3. Zusammenstellung der Ergebnisse des Experiments (R ‑‑> H) (Xenoplastik der Rhacophoruslinse in das entlinste Hynobiusauge).
Dauer (Tage) von der O peration
bis zur Fixierung
1 2 3 5 7 10 14 17 21 25 Gesamt‑
zahl
Zahl der unter‑
suchten Exem plare
16 16 16 16 18 18 18 14 16 14 162
Zahl und Pro‑
zentsatz der Faile, bei denen die implantierte
Rhacophorus‑
linse noch im Hynobiusauge
zurtick‑
geblieben war
16 (100 ;)
16 (100 ) 16 (100 ) 16 (100 ) 16 (89 ) 18 (100 ) 18 (100 ) 14 (100." )
15 (92 ;) 14 (100 )
159 (98."+)
j Durchmesser (//) der implantierten Linse
Durch‑ : : Maximum
schnitt , I " Mmunum 1
Durchmesser der Kon‑
trollinse j (zur Zeit der
Operation ‑ 205 p)
= 205 ' 238 l
1 96 i 231
i 166 = 205 [
1 72 * 198 !
1 45 198 1 61 198
122 = 182
104 155
105 ' 182
1 02 149
165 158 6G 125 50 100 66
,'9
66
53‑
210 215 220 230 245 27O 290 3O5 325 343
b) tJber das verhalten der Rhacophoruslinse im Triturusauge.
Experiment (R T).
Die Linse der Rhacophorus‑kaulquappen, deren Alter zwischen 12 und 14 Tagen nach dem Ausschltipfen aus den Eihullen war, wurde in das so‑
eben entlinste Auge von 1‑monatigen Trituruslarven implantiert. Die in Zahlen ausdrtckbaren Ergebnisse der Untersuchung an 201 Wirtsaugen sind in der beigegebenen Tabelle (4) zusammengestellt. Ein Uberblick uber den Verlauf der Reduktion der Linsengr6Be und dessen Vergleich mit demselben beim Experiment (R‑H) ist in der Textabb. 3 erteilt.
Bei der Betrachtung der Ergebnisse muB man besondere Aufmerksam‑
keit darauf richten, daB die Zahl der Falle, bei denen die implantierte Linse noch im Wirtsauge zurtickgeblieben war, mit der Verlangerung der Auf‑
zuchtdauer in einem auffallend steilen Gefalle abgenommen hat, und somit schon 17 Tage nach der Implantation keine implantierte Linse im Wirtsauge vorhanden war. Da das Implantat bei den zwei frtiheren Fixierungsgruppen von I und 3 Tagen nach der Operation in 100 4 der Untersuchungsfalle noch im Wirtsauge wiederzufinden war, ist diese steile Abnahme der Zahl des Implantats offenbar auf dessen Zugrundegehen im Wirtsauge zurbck‑
zufilhren. Abgesehen von derartig auffallender Verschwindungsgeschwindig‑
keit unterscheidet sich der Verlauf der Gr6Ben‑ sowie der Strukturver‑
anderung der implantierten Linse im Wesentlichen nicht von dem, was die
( bcr das Wesen der Verschiedenheit dcr Erhaltungsm6glichkeit usw. 199 Tabelle 4. Zusammenstellung der Ergebnisse des Experiments (R‑‑> T)
(Xenoplastik der Rhacophoruslinse in das entlinste Triturusauge).
Dauer (Tage) von der O peration
bis zur Fixierung
1 3 5 7 10 14 17 21 25 30 35 Gesamt‑
zahl
Zahl der unter‑
suchten Exemplare
14 14 16 19 20 24 20 20 2O 20 14 201
Zahl und Pro‑
zentsatz der F lle, bei denen die implantierte
Rhaco phorus‑
linse noch im Triturusauge
zurtck‑
geblieben war
14 (100."'.) 14 (100;" ) 13 (81."/.) 14 (74.".) 9 (45.'.') 2 (8 "'. ) O (O."'.') O O O O
1 Durchmesser (//) der implantierten
l Linse
i Maximum I Minimum
! Durch‑ l
; schnitt , l
l
255 ! i 216 267
157 1 , 85 255
! 1 26 ' = 85 170
f 80 i' 68 120
[ 44 i i 3 4 45 i { 2 5 56 65
l I i l l ‑ I ‑ j
i ‑ I ‑
Durchmesser der Kon‑
trollinse (zur Zeit der Operation ‑
225 / )
230 245 256 270 290 310 320 340
410
Rhacophoruslinse im Hynobiusauge aufgewiesen hat.
Uber den EinfluB der Rhacophoruslinse auf die Wolffsche Linsen‑
regeneration im Wirtsauge werden wir bei einer anderen Gelegenheit be‑
sonders zu sprechen kommen. Es sei hier nur kurz gesagt, daB die Wolff‑
sche Linsenregeneration im Wirtsauge immer mehr oder weniger dureh die implantierte Linse insofern beeintr chtigt wurde, als die letztere noch an der Stelle der primziren Wirtslinse liegengeblieben war.
III. Besprechung der Ergebnisse.
Wie im Beginn dieser Abhandlung erw hnt wurde, Iiegt der Zweck der vorliegenden Untersuchung nicht nur darin, daB die F higkeit der Linse der verschiedenen Amphibienarten zur Erhaltung und zum Wachstum sowohl im arteigenen als auch irn artfremden Augen miteinander verglichen wird, sondern auch darin, daB der Unterschied der Wirkung des Augenbechers auf die darin verpflanzte Linse, z. B. bei den zweierlei Urodelenarten ver‑
mittelst der Rhacophoruslinse, augenscheinlich gemacht wird.
. Sowohl durch die Homoeoplastik als auch durch die intraokulare Ver‑
letzung der larvalen Linse des Hynobius und Triturus haben wir (Ikeda und Amatatu 1940) schon einleuchtend gemacht, daf die Erhaltungs‑
200 Y. Ikeda :
m6glichkeit der Linse bei diesen zwei Tierarten so wesentlich verschieden zutage kommt, wie die F higkeit zur Wolffs hen Linsenregeneration zwischen ihnen verschieden ist, und zwar daf3 diese beiden Faktoren dabei in ganz umgekehrtem Verhaltnis zu einander stehen.
Werden diese Umst nde von der Seite des Augenbechers betrachtet, so erhalt man auch mit lkeda und Arnatatu (1940) den Eindruck, als ob das larvale Hynobiusauge, dessen Linse weder corneoepidermal noch irido‑
epithelial re enerieren kann, mit der verpflanzten oder verwundeten Linse als eine einzige und unersetzliche recht vorsichtig umgeht, w hrend das Auge der Trituruslarve dieselbe in Anrechnung seiner hohen F higkeit zur WQlffschen Linsenregeneration mehr oder weniger nachlassig behandelt.
Dieses gegenseitige Verhalten der Erhaltungsrn6glichkeit und der Re‑
generationsfabigkeit der Linse ist auch unter den einzelnen Individuen der Trituruslarven klar zu bemerken, denn z. B. bei dem Experiment (T‑> T) unterblieb die Wolffsche Linsenregeneration solange vollstandig, als die verpflanzte Linse noch ann hernd normal erhalten war. Die verpflanzte Linse konnte ja fast ganz normal aufwachsen, wenn das Wirtsauge schlief3‑
lich keine neue Linse mehr regeneriert hat. Wenn dagegen die implantier̲te Linse mehr oder weniger geschadigt und nicht lange zu erhalten war, so trat im Wirtsaugo schon, ehe das Implantat vollst ndig zugrunde ging, die Wolffsche Linsenregeneration auf ; und die Degeneration der implantierten Linse schritt dann ohne weiters fort.
Andererseits, solange die implantierte Linse jedoch irgendwo und ‑wie im Wirtsauge noch wiederzufinden war, blieb die Wolffsche Linsenregenera‑
tion immer mehr oder weniger hinter der normalen, also bei dem voll‑
standigen Fehlen der Linse zustandekommenden Regeneration zuruck. Nach der Annahme Mikamis (1940) soll die Wolffsche Linsenregeneration aus‑
schlief3lich nur bei denjenigen Fallen unterbleiben, bei denen die implantierte Linse einen Druck auf die Innenffache des dorsalen Pupillarrandes der lris austibt. Nach ihm kann das vollst ndige Unterbleiben der Wolffschen Linsenregeneration auch durch die Druckausubung vermittelst des Fremd‑
k6rpers auf diese Stelle vollzogen werden. Er wollte somit die Spemann‑
Wachssche Hypothese tiber die unterdrbckende Wirkung der Linse auf die W o I f fsche Linsenregeneration vollst ndig ablehnen und erlaubte sich beherzt,
von den Ergebnissen der Experimente von lkeda und Kojima (1939) zu‑
sammen mit denselben von Wachs (1914), von Sato (1935), von Kesselyak (1936) u. a. m. abzusehen. Seit lange her bekannt ist die Tatsache, daB ver‑
schiedene mechanische Hindernisse, wie z. B. der Druck auf den dorsalen Pupillarrand der lris oder die Bildung einer mesenchymalen Membran zwischen der Linsenbildungsstatte und der Retina oder Sch digungen des lrisepithels durch grobe Exstirpation der Linse usw., die Bildung der Linse abhalten k6nnen. Es ist immerhin auch nicht zu leuguen, daB beim Be‑
stehen einer vollstandigen Linse in der normalen Lage auBer diesen mechani‑
schen Hindernissen noch ein Faktor oder Faktorenkomplex ftr das voll‑
standige Ausbleiben der Bildung einer zweiten Linse im Spiel ist. Da ich
t ber das Weson der verschieder*he t der Erhaltungsm6ghchl{eit, us v. 201
demn chst bei anderer Gelegenheit zur Besprechung dieser grundlegenden Frage tiber den Mechanismus der Wolffschen I̲insenregeneration kommen werde, m6chte ich nun auf die Hauptsache der vorliegenden Untersuchung zurtckkommen.
Die vorliegende Untersuchung tiber das Wachstumsverhalten der homoeo‑
plastisch behandelten Linse (H‑> H und T ‑> T) konnte allerdings die zuerst
von lkeda und Amatatu (1940) zum Ausdruck gebrachte Auffassung beztiglich der wechselseitigen Verhaltnisse der F higkeiten zur Linsen‑
erhaltung und ‑regeneration auf eine noch festere Basis stellen. Die daraus erhobene Fra e ‑‑‑ ob die grof e M6glichkeit der larvalen Hynobiuslinse zur Ausbesserung von Schaden und zur Einpassung in das Wirtsauge nur in dem arteigenen Augenbecher aufzuweisen ist, oder ob sie auch noch bei der Xenoplastik, und zwar selbst im Triturusauge, das selbst auf die arteigene Linse keineswegs allzLl gunstig zu wirken scheint, in gleicher Weise zur Erscheinung kommen kann ‑ ist nun durch das Experiment (H‑‑> T) ein‑
leuchtend beantwortet. Es unterliegt also keinem Zweifel, dai diese in Rede stehende, grofie M6glichkeit der Hynobiuslinse tats chlich der letzteren selbst zuteil worden ist.
Wie aus den Ergebnissen der Experimente (T ‑> T) und (T ‑> H) hervor‑
geht, Iiegt die Ursache der auffallend mangelhaften F higkeit der larvalen Trituruslinse zur Ausbesserung von Schaden auch sehr wahrscheinlich in der Linse selbst vor. Jedoch genau genommen, sind die Frage noch offen, 1) w re das baldige Zugrundegehen der larvalen Trituruslinse im arteigenen Auge nicht die Folge von der Wirkung des Triturusauges zur Ausr umung der gesch digten Linse, die eventuell der regelrechten Wolffschen Linsen‑
regeneration im Wege stehen k6nnte, oder 2) ob das vollstandige Ver‑
schwinden derselben im Hynobiusaug nicht auf die Giftwirkung wegen der Xenoplastik zuruckzufithren ist, wenn auch das Hynobiusauge selbst sich immer auf Linsen jeder Tierart zu deren Erhaltung und Ausbesserung von Schaden gtustig zu wirken rtistet ?
N here Auskunft tiber die Frage wurde nun durch die Vergleichung der Ergebnisse der Experimente (R ‑‑> H) und (R‑), T) erteilt. Denn die Rhacophoruslinse konnte sich im Hynobiusauge unvergleichlich besser von Schaden ausbessern und viel langer erhalten als im Triturusauge. Infolge‑
dessen ist die wechselseitige Giftwirkung zwischen dem Implantat und dem Wirt selbst bei der Xenoplastik von nicht so groBer Bedeutung, daB das Implantat ausschlieBlich dadurch besonders rasch zugrundezugehen ge‑
zwungen wird.
Die Annahme liegt also nahe, daB das Hynobiusauge unvergleichlich gtustigere Bedingungen ftir die Reparatur und Erhaltung sowohl der arteigenen a;Is auch der artfremden Linse darbietet als das Triturusauge.
Die von mir seinerzeit mit A matatu ge uBerte Auffassung ‑ daB die Linse bei den Hynobiuslarven, bei denen nie mehr die Wolffsche Linsen‑
regeneration zustande kommt, als eine einzige und unersetzliche in Ansehen steht, wzihrend dieselbe bei den Trituruslarven mehr oder weniger nachl ssig
202 Y. Ikeda :
behandelt wird, weil bei den letzteren die Linse immer wieder, so oft wie erforderlich, durch die dorsale lris regeneriert werden kann = ist durch die vorliegende Unf.ersuchung experimentell bestatigt.
Der Unterschied der Erhaltungsm6glichkeit der Linse bei zweierlei Urodelenarten (Hynobius und Triturus) ist also nichts anderes als die Folge der Zusammenarbeit der beiden Faktoren, wobei die Hauptrolle unfehlbar von den Eigenschaften der Linse selbst und die unterstutzende, aber keines‑
wegs minderwertige Rolle von dem Augenbecher gespielt ist.
IV. SchluSfolgerung
1. Die Linse der Hynobiuslarven vermag sich nicht nur in eigenem und artgleichem Augenbecher, sondern auch in artfremden Urodelenaugen, wie z. B. im Auge von Triturus, vollst ndig von Schaden auszubessern und fortzuwachsen, wobei die Fasern, falls sie, wenn auch nur zum Teil, etwas.
Schaden erlitten haben, s mtlich nicht dem Untergang entgehen und daftir vom Linsenepithel aus neugebildet werden.
2. Die Linse der Trituruslarven kann dagegen selbst in dem artgleichen Auge nicht fortbestehen, insofern sie nicht ganz intakt und in richtiger Orientierung verpflanzt worden ist. Sie kann also nur fortwachsen, wenn sie s'ich in vollst ndig intaktem Zustand und in richtiger Orientierung in dem eigenen oder artgleichen Auge befindet.
3. Das Auge der Hynobiuslarven bewirkt bei der Linse ganz unab‑
h ngig von deren Herkunft insofern die Ausftihrung der Ausbesserung des Schadens, als die betreffende Linse die F higkeit dazu innehat.
Da die Trituruslinse diese F higkeit nicht mehr beibehait, kann sie im Hynobiusauge trotz der Gew hrleistung seitens des letzteren uberhaupt nicht lange bestehen, w hrend die Rhacophoruslinse eine Zeit lang im Hynobius‑
auge fortbestehen kann, da ihrem Epithel eine ziemlich hohe Potenz zur Faserneubildung zuteil geworden ist.
4. Das Auge der Trituruslarven, die bekannterweise eine auffallend hohe F higkeit zur W olffschen Linsenregeneration aufweist, hat dementsprechend eine Neigung, nicht nur die artfremde, sondern auch die mehr oder weniger geschadigte eigene oder artgleiche Linse unsorgfziltig zu behandeln. Trotz‑
dem erlaubt sich die larvale Hynobiuslinse selbst in einem derartigen Triturus‑
aug fortzubestehen und sogar fast normalerweise fortzuwachsen.
5. Aller Uberlegung nach ist die auffallende hohe M6glichkeit der Er‑
haltung der Linse im Auge bei Hynobiuslarven die Folge der Zusammen‑
arbeit der F higkeit des Linsenepithels, die Fasern immer wieder, so oft erforderlich, zu regenerieren, und der diese Linsenpotenz bewerkstelligenden
Wirkung des Augenbechers. ' Dabei spielt diese F higkeit des Linsenepithels, wie die Potenz des lris‑
epithels bei der Wolffschen Linsenregeneration, die Hauptrolle.
6. Die Hauptursache ftir die grundsatzliche Verschieden'neit zwischen dem Hynobius und dern Triturus beztiglich der F higkeit zur Wolffschen
Uber das Wesen der Verschiedenheit der Erhaltungsm6glichkeit usw. 20g Linsenregeneration besteht also darin, daJ3 der Hynobius dem Linsenepithel die Regeneration der Linse anvertraut, so daB er daftr nicht mehr die lris, wie es beim Triturus der Fall ist, in Anspruch zu nehmen braucht.
Erwahnte Literatur.
1) A m a n o, U. und J. S a t o : tfber die xenoplastische Implantation der larvalen lris des Triturus pyrrhogaster in das entlinste Auge der Larven des Hynobius nebulosus‑
Jap. J. med. Sci. (Anat.) Vol. VIII, No. l, 1940.
2) A m a t a t u, H. und T. F u j i t a : tiber die Beziehungen der Wirkung des Retinafaktors zur W o I f fschen Linsenregeneration mit der Zeitdauer nach der Linsenentfernung.
Acta Medica Nagasakiensia Vol II, Fasc. 2, 1941.
3) F u j i t a. T. und M. U n o : Uber die wechselseitige Beziehung zwischen der Erhaltungs‑
und Wachstumsfahigkeit der Linse und der F higkeit des Auges zur W o I f fschen Regeneration bei Urodelenlarven. Nagasaki lgk. Z. 20, 1942.
4) I k e d a, Y. : Experimentelle Erzeugung der Linse aus dem heterotop implantierten Epithel der ausdifferenzierten Hynobiuslinse. Arb. anat. Inst. Sendai XVI, 1934.
: Beitrag zur Analyse der W o I f fschen Linsenregeneration durch xenoplastische
5)
Implantation der lris in das entlinste Auge bei Triturus und Hynobius. Arb. anat.
Inst. Sendai XVI, 1934.
6) : Zur Frage der Linsenpotenz der Hornhaut in spatembryonalen und larvalen Stadien bei einer Art von Hynobius. Arb. anat. Inst. Sendai XXII, 1939.
: Zur Entwicklungsmechanik beztiglich der Augenlinse. Nippon Gakujitu Kyokai
7)
Hokoku 14 (2), 1939.
8) I k e d a, Y. und H. A m atatu : t ber den Unterschied der Erhaltungsm6glichkeit der Linse bei zwei Urodelenarten, die sich beztiglich der F higkeit zur W o I f fschen Linsenregeneration voneinander wesentlich verschieden verhalten. Jap. J. med. Sci.
(Anat.) Vol. VIII, No. 3, 1940.
9) I keda, Y. und T. K o j i m a : Zur Frage der paralysierenden Wirkung der Linse auf die ausl6senden Faktoren ftir die W o I f fsche Linsenregeneration. Jap. J. med. Sci.
(Anat.) Vol. VIII. No. l, 1939.
10) K e s s e I y a k, A. : Die Ausl6sungsfaktoren der W o I f fschen Linsenregeneration. R o u x' Arch. 134, 1936.
ll) M i k a m i. Y. : Experimental analysis of the W o I ffian lens‑regeneration in adult newt, Triturus pyrrhogaster. Jap. J. Zool. Vol. IX, No. 2, 1941.
12) : Supplementary note on the so‑called lens‑effect. Dobutugaku Z. 53, No. 5, 1941.
13) m ura. Y. und M. Uno: Uber die Wachstumsfahigkeit der homoeoplastisch be‑
handelten Linse der Larven von Hynobius nebulosus und von Triturus pyrrhogaster.
Nagasaki lgk. Z. 20, 1942.
14) S a t o, T. : Beitr ge zur Analyse der W olffschen Linsenregeneration. 1‑III. Roux' Arch. 122 (1930), 130 (1933), 133 (1935).
15) U n o, M. und N. T a kagi : Uber das verschiedene Verhalten der Rhacophoruslinse im Hynobius‑ und Triturusauge. Nagasaki lgk. Z. 21, 1943.
16) W a c h s, H. : Neue Versuche zur W o I ffschen Linsenregeneration. Arch. Entw. 39, 1914.
L7) : Zur Entwicklungsphysiologie des Auges der Wirbeltiere. Naturwiss. 7, 1919.
18) : Restitution des Auges nach Exstirpation von Retina und Linse bei Triton. Arch.
Entw. 46, 1920.