「牧歌」における「父」 ―ジャン・パウル『フィ
クスライン』について―
著者
嶋崎 順子
雑誌名
東北ドイツ文学研究
巻
58
ページ
15-43
発行年
2017-12-10
URL
http://hdl.handle.net/10097/00127149
1.
1795
kleine sinnliche Freuden
Bd. 4, S. 11 f. 1)
Eine Art Idylle
1) 10
Jean Paul: Sämtliche Werke in 10 Bänden. Hrsg. v. Norbert Miller. München 2000.
6 1 Abteilung I 4 2
18
2 7 2) 1730-88
1756 3)
Gemaelde von stiller Ruhe und sanftem ungestöhrtem Glük 4)
1848 5) Bd. 1, S, 422. 40 15 2)
Johann Wolfgang von Goethe: Werke. Hamburger Ausgabe in 14 Bänden. Hrsg. v. Erich
Trunz. München 1998. Bd. 9. S. 272. 9 1 2
2003 242
3) Renate Böschenstein-Schäfer: Idylle. 2. Auflag. Stuttgart 1977. S. 81.
4) Salomon Gessner: Idyllen. Kritische Ausgabe. Hrsg. v. E. Theodor Voss. Stuttgart 1988 (Reclam). S. 15.
5) Wie war
6)
2.
6) Ralph-Rainer Wuthenow: Gefährdete Idylle. In: Jahrbuch der Jean Paul Gesellschaft. 1. Jahrgang. 1966. S. 79-94.
7)
8)
Bd. 1, S. 453 S. 454 „-lein“
„Schulmeisterlein“
Schon in der Kindheit war er ein wenig kindisch Bd. 1, S. 422
7)
1793 7 25
Jean Pauls Sämtliche Werke. Historisch-kritische Ausgabe. Hrsg. v. Eduard Berend. Abt. 3. Bd. 1. Briefe 1780-1790. Berlin 1956. S. 397.
8) 1791 2 2 17 3 12
2. Abt. , Bd. 1, S. 161
Bd. 1, S. 422 Wutz und Sohn
3.
Bd. 1, S. 459
1
Kusch, Schill couche Gilles
Bd. 4, S. 70 couche“
9)
10) 32 11) gardez la Reine Bd. 1, S. 33
10) Rita Wöbkemeier: Erzählte Krankheit. Medizinische und literarische Phantasien um 1800. Stuttgart 1990. S. 188. 11) 98 2001 1800-1803 1804 1813
Bd. 1, S. 694
Hochbild 12)
12) Max Kommerell: Jean Paul in Weimar. S. 59. In: Ders. Dichterische Welterfahrung. Essays. Hrsg. v. Hans-Georg Gadamer. Frankfurt am Main 1952. S. 53-82.
10
13)
14)
13) Götz Müller: Jean Pauls Ästhetik und Naturphilosophie. Tübingen 1983. S. 157.
14) Vgl. Stefan George: Sämtliche Werke in 18 Bänden. Bd. XVII. Tage und Taten. Aufzeichnungen und Skizzen. Stuttgart 1998. S. 53.
1791 1794 5
4.
32 Bd. 4, S. 97 Bd. 4, S. 97 43 32 1
5.
5. 1.
25 Bd. 4, S. 68
Bd. 4, S. 97
Bd. 4, S. 109
胳
胳
Bd. 4, S. 110
Wehmut ein herrliches Wundwasser
Bd. 4, S. 107
Bd. 4, S. 114
Bd. 4, S. 115
Bd. 4, S. 116
ebd. ebd. ebd. 12 12 12 Bd. 4, S. 116 f. 15) 15)
Er verging aber nicht
1985 93
12
Friedrich de la Motte Fouqué: Undine. Stuttgart 1990. S. 92 Ich habe ihn totgeweint ebd.
Bd. 4, S. 117
5. 2.
Füchslein Fixlein
11 12 Bd. 4, S. 115 ebd. 5. 3. 12 21 Bd. 4, S. 153
Bd. 4, S. 153 f. 16) Turmknauf Bd. 4, S. 156 der Kauz Bd. 4, S. 159 „Kapitel“ Zettelkasten 16)
Rainer Maria Rilke: Die Aufzeichnungen des Malthe Laurids Brigge. Frankfurt am Main 1987. S. 18 f. 66
5 4 15 32 Geburtsschein Bd. 4, S. 173 12 Bd. 4,
S. 181 Hermann Boerhaave, 1668-1738 Bd. 4, S. 182 32 8 Bd. 4, S. 183 ebd. Wahnsinn
17) 18 Bd. 4, S. 101 17) 1795 Einbildungskraft Phantasie
Bd. 4, S. 189 ebd.
6.
18)
19) 18
stets fröhlich zu sein Bd. 1, S. 431
ein eingeschrumpftes Kindergärtchen Bd. 4, S. 10
hier (sic) selig zu sein Bd. 4, S. 11
ebd.
18) Friedrich Schiller: Werke und Briefe in 12 Bänden. Bd. 8. Theoretische Schriften. Hrsg. v. Rolf-Peter Janz.
Frankfurt am Main 1992. S. 769. 1988 300
8 20) 20) 4 21 1 19 5 10 2
1768-1823 1809
Bd. 4, S. 10 ebd.
Bd. 4, S. 12
Vater in der Idylle
― Jean Pauls Leben des Quintus Fixlein ―
Junko Shimazaki
Das Leben des Quintus Fixlein erschien am Ende des Jahres 1795 als das dritte Buch Jean Pauls. Dieser kleine Roman, in dem die bescheidenen häuslichen Freuden im alltäglichen Leben eines armen Schulmeisters geschildert werden, hat eine große Gemeinsamkeit mit dem Leben des vergnügten Schulmeisterlein Maria Wutz in Auenthal, das das erste dichterliche Werk Jean Pauls ist und das Eine Art Idylle als Untertitel führt. Die beiden Werke entstanden unter dem Einfluss des Idylleneifers, der in der letzten Hälfte des 18. Jahrhunderts von Salomon Gessner verursacht wurde.
Gessner bezeichnet Idyllen als „Gemaelde von stiller Ruhe und sanftem ungestöhrtem Glük“. Zwar scheinen Jean Pauls Idyllen auf den ersten Blick dieser Definition von Gessner zu folgen, doch bei der genauerer Lektüre stellt sich heraus, dass das Glück seiner idyllischen Helden in ständiger Bedrohung steht. Während das vergnügte Leben von Wutz dadurch erschüttert wird, dass die ihn umgebende harte Wirklichkeit in sein Leben einbricht, stellt sich „der vorausgesagte Tod“ Fixlein in den Weg zum Glück. Wie hängt das Glück in diesen Idyllen mit der Bedrohung, der es ausgesetzt ist, zusammen? In der vorliegenden Arbeit wird dieser Zusammenhang in Fixlein erklärt, indem sie ihre Aufmerksamkeit auf die Verbindung dieses Werkes mit dem ihm vorangehenden Roman Hesperus richtet. „Der vorausgesagte Tod“, der in Geschichte von Fixlein eine große Rolle spielt, ist ein Motiv, das aus Hesperus in die Idylle übernommen wurde. Ihre enge Beziehung mit dem Roman lässt das Vaterproblem zur Erscheinung kommen. Unter diesem Gesichtspunkt kann Fixlein als die Geschichte der Überwindung des Vaters gelesen werden und das Glück des Helden verbindet sich damit.
Das Dorf, in dem sich hauptsächlich die Geschichte von Fixlein abspielt, heißt Hukerum und ist seine Heimat. Das idyllische Glück steht auch hier wie in Wutz in Beziehung mit dem der Kindheit und bei Jean Paul stellt sich der idyllische Raum als ein vom Vater
geschützter Raum dar. Aber der Vater, der seine Kinder vor aller Gefahr beschützt, zeigt sich zugleich als tyrannischer Herrscher, der sie dazu zwingt, seiner Willkür unterworfen zu sein.
Am Anfang der Geschichte ist Fixlein der verdoppelten Bedrohung des Vaters ausgesetzt. Eine rührt von seinem adligen Paten her, den er wegen seiner unbewussten Widerstandsgebärde erzürnt hat. Dadurch verliert er die finanzielle Unterstützung seines Paten. Aber die andere, viel größere Gefahr kommt von seinem toten Vater, wobei es sich um ein Verhängnis in seiner Familie handelt. Denn der Vater starb ebenso am Kantatensonntag im Alter von 32 Jahren wie seine männlichen Vorfahren. Bei Fixlein wird diese Gefahr von seiner Mutter, die sein Geburtsjahr vergessen haben will, vorläufig abgewehrt.
In Fixlein wird erzählt, wie sich dieser vorläufige Ausweichungszustand in die endgültige Überwindung der Bedrohung ändert. Pararell dazu entkommt Fixlein seinen ärmlichen Lebensverhältnissen, in die ihn die Zwietracht mit seinem Paten stieß. In den beiden Prozessen spielen die Mütter und die Täuschung eine wichtige Rolle. Die Frau seines Paten hilft ihm aus seiner finanziellen Not heraus und die Namenverwechselung mit einem Schulkollegen bringt ihm die ersehnte Pfarrerstelle, die es ihm ermöglicht, eine Familie zu gründen. Der Todesgefahr ist er zweimal ausgesetzt. Die erste Todesprobe am Kantatensonntag besteht er mit Thiennette, die seine spätere Frau ist und die Mutter seines Kind wird. Seine Tat, sie aus der Lebensgefahr zu retten, und seine durch ein Missverständnis veranlasste Liebeserklärung verhelfen ihm zur Überwindung seiner eigenen Todesangst. Bei der letzten Todesprobe, bei der es sich um seine wahre Lebenskrise handelt, zeigen sich seine Mutter und der fiktive Erzähler dieser Geschichte als Retter. Der Erzähler täuscht Fixlein vor, ein achtjähriges Kind zu sein. Fixlein litt als Kind an einer schweren Krankheit, aber es gelang ihm, sie zu überstehen. Der Erzähler rettet ihn dadurch aus der gegenwärtigen Todesgefahr, dass er ihn an die damalige Genesung von der Sterbenskrankheit erinnert. Man darf es nicht übersehen, dass die Mutter dabei eine entscheidende Rolle spielt, obwohl sie hinter dem Erzähler unauffällig ist. Ohne ihre Bestätigungen bliebe die Kur des Erzählers wirkungslos und überhaupt veranlasst sein großes Mitleid mit ihr und Thiennette ihn zu der Kur. Er tritt in der Geschichte als Mitarbeiter der Mütter auf. Er und die dichterische Phantasie, die von ihm repräsentiert wird, stehen als Lebenskraft den Müttern zur Seite. Die Mütter retten Fixlein aus der Existenzkrise, in die ihn die Väter stießen, und bringen ihn ins Leben zurück.
Das Motiv des „vorausgesagten Todes“ kommt in Hesperus in Beziehung mit Emanuel vor. Emanuel, der der Lehrer von Viktor, dem Helden dieses Romans, ist, glaubt fest an seinen vorausgesagten Tod. Sein Glauben besteht wie bei Fixlein darin, dass seine meisten männlichen Verwandten an demselben Tag in demselben Alter starben. Emanuel, der einen geistigen Vater für Viktor abgibt, benimmt sich gegenüber dem himmlichen Vater wie ein gehorsames Kind. Im Gegensatz zu ihm zeigt sich Lord Horion, der der Vater von Viktor ist, als ein widerspenstiges Kind, das dem himmlischen Vater widersteht. Er widersetzt sich dem Vater, um die Selbständigkeit und die Freiheit der Menschen zu erringen. Dabei kümmert er sich nicht darum, andere Mitmenschen zu bloßen Mitteln zu seinem Zweck zu machen. So gerät er in Egoismus, wie Emanuel in seiner Gleichgütigkeit gegen alles Irdische auch egoistisch ist. Im Mittelpunkt des Romans stehen innere Konflikte von Viktor, der zwischen den beiden Vätern leidet und seinen Weg sucht, und Jean Paul kritisiert die beiden Väter, die zugleich als Kinder charakterisiert werden, indem er die Leiden von Viktor darstellt. Der Roman endet mit dem Tod der Väter und die Konflikte von Viktor bleiben ungelöst.
Dort, wo Hesperus endet, beginnt Fixlein. Die Idylle bejaht den Schwebezustand, in dem Viktor verharrt. Fixlein überwindet die Herrschaft des Vaters, die ihn als „der vorausgesagte Tod“ unterdrückt. Dabei handelt es sich nicht darum, den Vater zu überwältigen und seine Stelle zu usurpieren, wie der Lord Horion tut. Sondern es handelt sich darum, durch Täuschungen seine Herrschaft zu untergraben. Der Tod ist die Einschränkung, die ein Mensch nie überschreiten kann, so lange er ein Mensch ist. Seine Freiheit und Würde drücken sich darin aus, dass er in dieser begrenzten Zeit glücklich wird. Jean Paul zeigt in Fixlein die Möglichkeit auf, dass der Mensch als Kind, also als Mensch, seine Freiheit erhalten kann, ohne sich dem Vater zu unterwerfen. Die dichterische Phantasie, die Täuschungen hervorbringt, ist das menschliche Vermögen, vermittelst dessen der Mensch seine Freiheit gewinnt und das die menschliche Freiheit selbst bildet. Die Bejahung kleiner Freuden im alltäglichen Leben ist nichts anderes als Jean Pauls Lobgesang auf das Leben und die Menschheit.