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Über das Verhalten der Gesamtquerschnittareale
der Nervenfasern im Verlauf des Nerven.
Von
Tosikazu AOKI.(青 木 聰 和)
Aus dem II. Anatomischen Institut der Medizinischen Fakultät zu Nagasaki.
(Direktor : Prof. J. T ak a g i.) (Eingegangen am 27. Juli 1942.)
Einleitung.
Das Problem der Zahlen- und Kaliberschwankungen der Nervenfasern im Verlauf des Nerven, die schon am Stammteil des peripheren Nerven vor- zufinden sind, wurde zuerst von Kashiwamura7) (1934) unter der Leitung von Prof. T a k a g i zu den seitherigen eifrigen Untersuchungen unseres In- stituts eingeführt. Kashiwamura' wies bei mehreren Nerven der Maus nach, daß die markhaltigen Nervenfasern in ihrem Verlauf immer eine ziemliche Zahlenzunahme nach der Peripherie hin aufweisen. Die distal- wärtige Zunahme beträgt nach ihm im Verlauf von 1 mm Länge ca. 105 von den sämtlichen Fasern. Die Vermehrung betrifft aber meist die Fasern mit kleineren Kalibern. Doch konnte er damals noch nicht die umgekehrten Verhältnisse bei den dickeren Fasern feststellen, was erst später durch
Komatse (1934) und Odachi8)12) (1936) geschah. Durch die letzteren wurde die Sache in klareres Licht gebracht ; nämlich erfahren die Nerven- fasern in ihrem Verlauf immer wiederholte Aufteilungen und gleichzeitige Verschmälerung derselben. Ein ähnlicher Befund wurde vorher schon von
Eccles und Sherrington3) (1930) berichtet, obzwar die Sache etwas
anders zu bewerten ist. Nämlich handelt es sich bei uns um die fort-
währenden Kaliber- und Zahlenschwankungen im Nervenstamm, weit proxi-
mal vom Endorgan entfernt, während Eccles und Sherrington3) das
Schwergewicht auf den Unterschied zwischen dem Nervenstamm und dem
Eintrittsort ins Endorgan gelegt hatten. Die letzteren bemerkten ferner,
daß die Telodendrienaufzweigungen vor dem Eintritt ins Endorgan hier
vorbereitet sind, während dieselbe Sachlage von den ersteren weit proximaler
im Stammteil des Nerven hinaufgehoben festgestellt wurde. Die zuerst von
Freue (1878) und dann von Gaules' und Lewie (1896), Bühlerl) (1898),
Hardesty6) (1899), Dale (1900) ferner untersuchten sogenannten Distal-
exzesse — die Faserzunahme distal vom Spinalganglion gegenüber den Wurzel-
fasern jenseits des Ganglions wurde auch von Komats0 (1934) bei der
Katze, von Odachi und Kashiwamure (1936) beim Affen genaueren
Untersuchungen unterzogen ; in der Folge kamen sie aber zum Schluß, daß
der von Freud4) so bezeichnete Distalexzeß auch größtenteils von der Auf-
teilung der Fasern abhangig sei, die im allgemeinen in den ganzen peripheren Bahnen nachzuweisen sind.
Das Problem wurde von Mihararo) (1937) bei einigen Hirnnerven, deren Wurzel‑ bzw. Stammgegend, betrachtet, und zu demselben Resultat gelangt.
Bei einigen Nerven wurden aber die Verh ltnisse in umgekehrter Sachlage aufgefunden, n mlich wurde dabei kaum eine distalw rtige Vermehrung:
nachgewiesen, wie Tomonagal5) (1939) beim N. vagus und Otukal3) (1940) beim N. splanchnicus festgestellt haben. Diese Divergenz der Resultate wurde aber durch genauere mikrometrische Untersuchungen von N i s i m o t 014) (1939) und Sasaokal4) (1939) zum selben Sinne versohnt. Die. Ietzteren untersuchten die Variationskurve der s mtlichen Fasern von verschiedenem Kaliber bzw. deren Schwankung im Verlauf des Nerven und gaben an, daB die Zahlenschwankung ‑ Distal‑ oder ProximalexzeB ‑ nichts anderes sei als die Folge der eigentumlichen Formenschwankung der V・ariationskurve oder eine sekundare Nebenerscheinung derselben. Das Prinzip ist einzig, die Folge im Zahlenwert kann jedo h einmal Ab‑, ein anderes Mal Zunahme sein. So drang die Forschung immer genauer und eingehender vorw rts. ; inzwischen blieb aber das Verhalten der gesamten Querschnittareale der Nervenfasern, sozusagen der effektive Querschnitt der Leitungselemente, bis heute noch dahingestellt.
Die vorliegende Arbeit ‑ vergleichen'de Betrachtung der gesamten Quer‑
sch,nittareale der s mtlichen Nervenfasern an den beiden Enden einer ast‑
losen Strecke des Nervenstammes oder der Nerven ste nahm ich vor, um
・diesem Problem n her zu treten.
Werkstoffe und Untersuchungsweisen.
Direkt nach dem T6ten wurde das Tier als Ganzes mit Formalin fixiert (Injektion von 10 4 Formalinl6sung aus A. femoralis bei der Katze, vom Herzen beim Frosch), alsdann die unten genannten Nerven in einer m6glichst langen Strecke ohne Abzweigungen ausgeschnitten, an den Glasstab gebunden, weiter fixiert eine Woche lang in 10 Formalin mit Zusatz von Eisessig 20/"/. Dann 2 Tage gelegen ih I Osmiums ure. Das osmierte Stuck wurde in Paraifin eingebettet und in 6 p dicken Sc.hnitten zubereitet.
Die tingierten Markscheiden wurden zuerst mit dem Abbeschen Zeichen‑
apparat auf dem Papier abgezeichnet, an dem fur die einzelnen Mark‑
scheiden deren innerer und ut erer Durchrnesser mit Tastzirkel gemessen wurde. Unten in der Tabelle sind die uBeren Durchmesser als die Faser‑
dicke, die inneren als die Achsenzylinderdicke angegeben.
Eigene Befimde.
Die Daten der Untersuchung stelle ich unten in Tabellenform auf
U ber das Verhalten der Gesamtquerschnittareale der Nervenfasern usw.
183= Abstand i zw. d.
Nerv , unter‑
(Tier) suchten
Punkten (cm)
N. radialis (Katze) : 4 3Hautast
zentral
(z.)
peri pher
( p.)
p.
Muskelast
3p.
N. musculocut. !
(Katze) N. cut. antebr. rad.Ast f. M. biceps : brach.
N. cut. antebr. uln. l (Katze)
N. ulnaris (Katze) l 4,2
p.
1
5,7 p.
p.
N. femoralis (Katze),
Hautast (N. saphenus) !
4,4
4
p.
p.
Anzahl
d.
s mtl.
Fasern
Schwan‑'
kung (%)
4600 4755
+3
2517 2763 1065 1092 512 555 1945 2019 4852 5472 2015
' 2220 Muskelast
N. radialis (Frosch) Hautast '
Muskelast N. VIII
(Frosch)1
p.
. 1
p.
3278 3528
0,6 313
326
0,6 p.
1'75
187
1 ,3 p.
1140 1191
+9
+ 2,5
+8
+ 3,6
J‑ 12
+ 10
+7 +4
+ 6,8
+ 4,4
Gesamt‑
quer‑
schnitts‑
areale (q p) d.
markhalt.
Fasern
874317836802
785783 784212 236483 231165 168258 162369 267845 263124 1117998 1091169 262385 269310 842962 824417 45687 45510 63540 62566 186758 184517I Gesamt‑
quer‑
Schwan‑t schnitts‑
kung
(."/')
‑ .2
‑ .2
‑ .2
‑ .5
‑
‑ .4
+ 2.1
‑ .2
‑l
areale
(q 14) d.
Achsen‑
zylinder 445850 432046 326139 318964 129456 128909 87586 861S5 155341 152870 480017 475217 177619 177264 402485 400071
‑ .7
‑1.2
29328 29158 36096 35984 113037 111229
Schwan‑
kung
( /.)
‑3
‑ ,2
‑ ,3
‑
‑
‑1
‑ ,2
‑ ,6
‑ ,6
‑
‑
(gegen d. Peripherie zu + ,
ab ‑)
Zusammenfassung mit SchluB wort.
Wie in der Tabelle ersichtlich ist, nehmen die Fasern bei allen unter‑
suchten Nerven distalw rts in Zahl an. Der DistaluberschuB pro L ngenein‑
heit des Nervenverlaufes ist beim Muskelast immer viel betr chtlicher als beim Hautast, was schon von Komatsu9) u. a. bemerkt worden ist. Jedenfalls ist im DistaluberschuB keine Ausnahme vorzufinden, inzwischen nehmen die Querschnittsareale immer distalw rts ab. Eine Ausnahrne ist beirn N.
saphenus zu ersehen, wo jedoch das Verhaltnis der Vermehrung nicht mit
184 T. Aoki :
dem der Fasern zu vergleichen ist ; die distalw rtige Zahlenzunahme erreicht bei diesem Nerven betr chtliche Werte, und infolgedessen ist der Abnahme‑
wert nur etwas erh6ht worden. Im allgemeinen betrachtet betragen die Abnahmewerte beim Achsen ylinder etwas weniger als bei den Fasern samt Markscheide. In dieser Hinsicht ist fast keine Ausnahme aufgewiesen. Man kann also die Sache mit Recht so auffassen, daB die Markscheide distalw rts sich verdtunt.
Vor allem hervorzuheben ist der merkwtirdige Umstand, daB die Quer‑
schnittsareale der s mtlichen Fasern distalw rts keine Zunahme erkennen lassen, trotzdem ihre Zahl immer einen DistaluberschuB in betr chtlichem MaB aufweist. Die Abnahme des Gesamtkalibers gegen die Peripherie hin kann teilweise dem m6glichen Ausfallen der Faser wahrend des Verlaufs des Nerven ‑ n mlich dem Vorkommen der mikroskopischen Abzweigung oder dem der interfaszikularen Endigung der Fasern ‑ zugeschrieben werden.
Im Ganzen kann aber diese Annahme schwer eine allgemeine Geltung finden.
Die Abnahmewerte sind bei den einzelnen Fallen nicht gleich, sie weisen unregelm Bige Schwankung auf.
Als SchluB kann man nur soviel behaupten, daB der Gesamtquerschnitt der Nervenfasern oder sozusagen das effektive Kaliber der Nerven w hrend ihres Verlaufes keine merkliche Verzinderung zeigt, trotzdem inzwischen die Faserzahl eine unverleugbare und zwar in betr chtlichem MaB eine fort‑
wzihrende distalw rtige Zunahme aufweist. So teilen sich die Nervenfasern in ihrem Verlauf im Nervenbundel immer mehr und mehr, was aber im Allgemeinen keine Ab‑ oder Zunahme des Gesamtquerschnittes der leitenden Elemente zur Folge hat. Das effektive Kaliber des Nerven bleibt in seinem Verlauf hindurch unver ndert bzw. indekreszent.
Schrifttuln.
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