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KONTRASTIVE VERBVALENZLEXIKOGRAPHIE (1) Theoretische Voraussetzungen fur ein deutschjapanisches Vorhaben

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KONTRASTIVE VERBVALENZLEXIKOGRAPHIE (1) Theoretische Voraussetzungen fur ein deutschjapanisches Vorhaben

著者(英) Kenichi Hashimoto

journal or

publication title

Doshisha Studies in Language and Culture

volume 4

number 1

page range 253‑286

year 2001‑08‑20

URL http://doi.org/10.14988/pa.2017.0000004363

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KONTRASTIVE VERBVALENZLEXIKOGRAPHIE (1)

–– Theoretische Voraussetzungen für ein deutsch-japanisches Vorhaben ––

Kenichi HASHIMOTO

Keywords:Contrastive Lexicography, Valency, German and Japanese Verbs

0. Zielsetzung

Zweisprachige (Standard)wörterbücher lassen sich bekanntlich aufgrund folgender zwei Kriterien in vier Typen einteilen, nämlich einerseits danach, von wem das Wörterbuch benutzt wird, andererseits danach, zu welchem Zweck es benutzt wird. In Bezug auf das Sprachenpaar Deutsch-Japanisch also, ob das Wörterbuch von einem Deutsch lernenden Japaner oder von einem Japanisch lernenden Deutschen benutzt wird, und ob es zum Zweck der Sprachproduktion oder zum Zweck der Sprachrezeption benutzt wird.

Daher ist es nicht angemessen, von zweisprachiger Lexikographie überhaupt zu reden, ohne diese vier Typen von Wörterbüchern zu berücksichtigen. So bemerkt z.B. Stickel (1984:15) zum Projekt „Deutsch und Japanisch im Kontrast“ Folgendes: „Da die zweisprachige Lexikographie vor allem in der japanischen Germanistik eine reiche

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Doshisha Studies in Language and Culture, 4(1), 2001: 253 – 286.

Doshisha Society for the Study of Language and Culture,

© Kenichi HASHIMOTO

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Tradition hat, bestand für ein zusätzliches lexikographisches Vorhaben kein dringender Bedarf. “Diese Feststellung hat nur eine begrenzte Gültigkeit, und zwar für den Typ B. In diesem Bereich gibt es tatsächlich viele Wörterbücher von verschiedenem Umfang, einige sogar von hoher lexikographischer Qualität. Es fehlt jedoch ein gutes Produktionswörterbuch1für Deutsch lernende Japaner (Typ A), vor allem ein solches, das von fortgeschrittenen Lernern dann zu Rate gezogen werden kann, „wenn sich die Frage nach alternativen Ausdrucksmöglichkeiten einer bestimmten begrifflichen Struktur stellt oder wenn nach Präzisierungsmöglichkeiten gesucht wird“ - Schumacher (1986:4) - . Bisher vorhandene Wörterbücher dieser Art tragen diesen Bedürfnissen zu wenig Rechnung, wohl deshalb, weil sie alle alphabetisch angelegt sind und somit die systematische Bedeutungsverwandtschaft vernachlässigen. So sind zu einem Lemma des Japanischen einfach mehrere bedeutungsäquivalente Ausdrücke des Deutschen nebeneinandergestellt, ohne eine Erklärung, was für eine (inhärente) Bedeutung die einzelnen Ausdrücke an sich haben, in welcher semantischen Beziehung sie zueinander stehen, zu welcher Stilebene sie gehören, in welchen Situationen und Kontexten sie verwendet werden können und in welchen nicht, usw. Es sei als Beispiel dafür ein Artikel zum Verb 貸す(kasu)2 in シンチンゲル/山本/

南原(1980:515)3 genannt:

ka「su貸す leihen*.  [家・車などを]vermieten;  leihen*  (es  ihm).  [土地を]

verpachten  (das Grundstück).  ちょっと鉛筆貸して!Darf  ich  mal  eben  Ihren Bleistift haben? ちょっと千円貸して!Können Sie mir tausend Yen leihen?あの 本は彼に貸してある Das  Buch  habe  ich  ihm  geliehen.貸してやろうかWollen wir’s dir mal geben!/  手〈力〉を貸す helfen*  (ihm).  耳を〜 Gehör schenken (ihm).知恵を〜 einen Tip geben* (ihm). 時を〜 Zeit geben* (ihm).

Hier sind nicht einmal die morphosyntaktischen Informationen komplett, so kann man z.B. nicht wissen, dass auf denjenigen, dem etwas geliehen

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wird, nicht nur mit einer Dativergänzung, sondern auch mit einer Präpositionalphrase mit an Bezug genommen werden kann und dass das Komplement, mit dem auf Entgelt Bezug genommen wird, in Form einer Präpositionalphrase mit für vorkommen kann. Es fehlt auch die Information über Fakultativität der Ergänzungen. Um so weniger kann man von solchen Einträgen ausführliche semantische Informationen erwarten. In der Tat unterlaufen lexikalische Fehler oft auch den fortgeschrittenen Lernern, die die syntaktischen Regeln ziemlich gut beherrschen.

Ein anderes deutsch-japanisches Wörterbuch neueren Datums enthält einen japanisch-deutschen Teil als Anhang, der zum Teil - in Bezug auf wichtigste Wörter - onomasiologisch angelegt ist. Der Artikel 貸す aus 相 良(1996:1705)4 sieht folgendermaßen aus:

かす 貸す

<jm. et.4> leihen* (主に無料で貸す;不動産は目的語にならない):少し お金を貸してくれないかなKannst du mir nicht ein bißchen Geld leihen?★注 意:電話を貸していただけますか Darf ich Ihr Telefon benutzen?

<(jm.)  et.4> ausleihen*  (主に無料で貸す;金銭は目的語にならない):

その図書館は本を貸し出しますDie Bibliothek leiht Bücher aus./  私は彼に自 転車を貸しましたIch habe ihm mein Fahrrad ausgeliehen./ 君の車を貸しても らいたいのだけれどWürdest du mir bitte dein Auto ausleihen?

<jm. et.4> borgen(主に無料でお金や物を貸す;くだけた言葉):数マル ク貸してくれない Kannst du mir ein paar Mark borgen?

<et.4(an jn.)> verleihen* (主に有料で貸す,賃貸する):銀行はお金をお 客に貸しますDie Bank verleiht Geld an Kunden. / あの店は自転車を貸してい ますIn dem Geschäft verleihen sie Fahrräder.

<(jm.) (et.4)> vermieten, <(et.4) (an jn.)> vermieten(主に住居・部屋・土地 または乗り物を有料で貸す,賃貸する):私はこの家を月1000マルクで貸 していますIch vermiete diese Wohnung für 1000 DM im Monat./ 外国人には部 屋を貸さない女性の家主もいますManche Zimmerwirtinnen vermieten nicht an Ausländer./  彼は学生にはかなり安く貸しますEr vermietet an Studenten ziemlich billig.

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Diese Beschreibungen bieten zwar mehr Informationen an als das erste Beispiel - wie z.B. inhärente Bedeutung der Verben, Markierung der fakultativen Ergänzungen - , sind aber noch nicht so ausführlich, dass die Lerner die richtige Wortauswahl treffen könnten. Diese Unzulänglichkeit ist allerdings zum Teil durch den Charakter dieses Wörterbuchs als Standardwörterbuch bedingt.

Darüber hinaus sind für Japanisch lernende Deutsche keine guten Wörterbücher von größerem Umfang vorhanden, weder Typ C noch Typ D.

Bei der Sprachproduktion werden sie gezwungen, jene deutsch-japanischen Wörterbücher zu Rate zu ziehen, die eigentlich Deutsch lernende Japaner bei der Sprachrezeption benutzen sollen (Typ B). Bei der Sprachrezeption stehen ihnen nur jene japanisch-deutschen Wörterbücher zur Verfügung, die eigentlich für die Sprachproduktion der Japaner erstellt wurden (Typ A).

Diese lexikographischen Lücken müssten also durch Erstellung eines onomasiologisch angelegten kontrastiven Verbvalenzwörterbuchs geschlossen werden. Dabei handelt es sich um ein Produktionswörterbuch, das die Deutsch lernenden Japaner wie die Japanisch lernenden Deutschen befähigen soll, syntaktisch und semantisch korrekte deutsche bzw.

japanische Sätze zu bilden. Im Vordergrund stehen vor allem die fortgeschrittenen Lerner, und zwar wegen seiner onomasiologischen Anlage und ausführlichen semantischen Informationen. Ein alphabetisches Verbregister wird das Wörterbuch aber auch für die (motivierten) Lerner der Grundstufe nützlich machen, denen es eher auf die korrekte Verwendung eines isolierten Lexems ankommt als auf die Auswahl unter mehreren bedeutungsverwandten Lexemen. Für Lehrkräfte wird es als Quelle für Übungsmaterial für ihren Unterricht oder für ihr Lehrwerk dienen. Die vorliegende Studie stellt den ersten Schritt dieses umfangreichen Forschungsvorhabens dar und versucht, theoretische Voraussetzungen für das Vorhaben festzustellen. Im nachfolgenden zweiten Teil dieser Studie soll das neue Projekt VALBU, das m.E. die

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Voraussetzungen am besten erfüllt, besprochen und versucht werden, auf dieser Grundlage einen Probeartikel für Deutsch lernende Japaner zu erarbeiten. Diese unidirektionale Zielgruppenbestimmung geht darauf zurück, dass ich in meiner Lehrtätigkeit ausschließlich mit dieser Lernergruppe zu tun habe.

1. Bisherige Ergebnisse der Valenzlexikographie

Um eine angemessene Methode der Beschreibung in einem kontrastiven Verbvalenzwörterbuch zu erarbeiten, sollen hier bisherige Ergebnisse der Valenzlexikographie vorgestellt und besprochen werden. Es gibt inzwischen zwar zahlreiche einsprachige Valenzwörterbücher fürs Deutsche und einige fürs Japanische, ich beschränke mich aber - mit einer Ausnahme - auf die zweisprachigen Wörterbücher, weil es in dieser Studie um ein deutsch-japanisches Valenzwörterbuch geht.

1.1 Engel/Savin (1983)

Zuerst wird das Valenzlexikon deutsch-rumänisch - Engel/Savin (1983), im Folgenden VLdr - etwas ausführlich besprochen, das nach Schumacher (1995:304) „den derzeit höchsten Stand der kontrastiven Valenzlexikographie repräsentiert“ und auch für das unter 1.2 zu behandelnde deutsch-italienische Valenzlexikon die theoretische Grundlage und das Beschreibungsmodell für den Lexikonteil bietet. Da das VLdr im Wesentlichen auf dem einsprachigen Kleinen Valenzlexikon deutscher Verben - Engel/Schumacher (1978), im Folgenden KVL5 - beruht, weist es gewisse Gemeinsamkeiten mit dieser Vorlage auf, und zwar in Bezug auf die theoretische Grundlage, die Verbauswahl und -anordnung, das Beschreibungsmodell u.a. Die Auswahl der Verben richtet sich nach dem Zertifikat Deutsch als Fremdsprache6, und es sind etwa 460 deutsche Verben verzeichnet - Engel/Savin (1983:9) - . Diese Verben sind im Lexikonteil semasiologisch, daher in einer alphabetischen Reihenfolge

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angeordnet. Die Zielgruppenbestimmung bleibt auch unverändert, allerdings kommen - dadurch bedingt, dass es sich um ein kontrastives Lexikon handelt - zweierlei Gruppen in Frage: Das VLdr wendet sich nämlich „an Rumänen und Deutsche, die sich als Lehrkräfte, Studenten, Lehrwerkautoren mit der jeweiligen Partnersprache beschäftigen, und in gleicher Weise an alle Personen mit gewissen Vorkenntnissen, die eine der beiden Sprachen im Selbststudium oder im Gruppenunterricht erlernen wollen“ - Engel/Savin (1983:8) - .

Engel/Savin (1983:25f.) definieren Valenz als subklassenspezifische Rektion7und stützen sich bei der Unterscheidung zwischen valenzbedingten Ergänzungen und nicht valenzbedingten Angaben auf das Kriterium der Subklassenspezifik bzw. Aspezifik. Und die Ergänzungen werden

„aufgrund ihrer Anaphorisierbarkeit, d.h. ihrer Ersetzbarkeit durch Pronomina bzw. Adverbien mit allgemeinster Bedeutung, sogenannter Anaphern“ in folgende zehn Ergänzungsklassen eingeteilt, die für beide Sprachen in völlig gleicher Weise gelten sollen - Engel/Savin (1983:26ff.) - :

E0: Nominativergänzung: D e r J u n g e öffnete die Tur.

Anapher: Pronomen im Nominativ (er, sie, es) E1: Akkusativergänzung: Der Junge öffnete d i e T ü r .

Anapher: Pronomen im Akkusativ (ihn, sie, es)

E2: Genitivergänzung: Vater entsinnt sich d i e s e s K o l l e g e n . Anapher: Pronomen im Genitiv (seiner, ihrer, dessen, derer usw.) E3: Dativergänzung: Peter zeigt s e i n e m F r e u n d die Stadt.

Anapher: Pronomen im Dativ (ihm, ihr)

E4: Präpositivergänzung: Peter denkt a n s e i n e n S o h n .

Anapher: Pron. mit fester Präp. (mit ihm, an ihn) oder da(r) mit fester Präp.

(damit, daran usw.)

E5: Situativergänzung: Das Unglück ereignete sich v o r d i e s e m H a u s e /... . Anapher: Adverb (da, deshalb usw.)

E6: Direktivergänzung: Der Zug fährt n a c h P a r i s . Anapher: Adverb (hin, her, von hier, von dort usw.)

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E7: Nominalergänzung: Unser Nachbar heißt F r a n z . Anapher: so, es, (ein) solch-

E8: Adjektivalergänzung: Maria war k r a n k . Anapher: so, es

E9: Verbativergänzung: Die Mutter läßt d a s K i n d i n s K i n o g e h e n . Anapher: es geschehen, es sein; daß es geschieht, daß es so ist

Dass im VLdr zwei Sprachen beschrieben sind, hat allerdings eine andere Anordnung der Daten als im KVL zur Folge, nämlich eine spiegelbildliche.

Das heißt, auf jeder Seite sind links die deutschen, rechts die rumänischen Verben beschrieben. Beide Teile bestehen jeweils aus vier Spalten: 1) das Verb als Lemma, zusammen mit den wichtigsten Informationen, wie z.B.

Stammformen, zugehörige Präpositionen u.a.; 2) Satzbauplan; 3) semantische Restriktionen für die Ergänzungen; 4) Beispielsätze. Und nicht die Verben, sondern die Beispielsätze beider Sprachen stehen direkt nebeneinander, was angemessen ist, weil Engel/Savin (1983:21) meinen,

„daß volle Übersetzungsäquivalenz nur in den jeweiligen B e i s p i e l - sätzen vorliegt“.

Änderungen gegenüber dem KVL betreffen auch einige Kodierungen der Satzbaupläne, worauf ich gleich unten zurückkomme. Darüber hinaus enthält das VLdr keine Informationen über die (deutschen) Funktionsverbgefüge und die Passivfähigkeit der Verben. Statt dessen wurde im VLdr eine semantische Komponente neu hinzugefügt.

Engel/Savin (1983:50f.) fassen die Verbbedeutung folgendermaßen auf und geben zu den einzelnen Verben die kategoriellen Bedeutungen an, weil sie die Meinung vertreten, „daß eine Analyse auf der Grundlage der Selektionsbeschränkungen für ein kontrastives Verbvalenzlexikon am geeignetesten ist“:

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Die Einbeziehung der semantischen Restriktionen ist besonders in einem kontrastiven Lexikon unentbehrlich, damit Interferenzfehler8folgender Art vermieden werden können:

Auf den Wellen schwimmt ein Boot.

⇒ *波間にボートが泳いでいる。 (richtig: 波間にボートが漂っている。)

Der Fehler ist auf folgende Tatsache zurückzuführen: Das deutsche Verb schwimmen lässt für seine Subjektstelle sowohl Lebewesen als auch unbelebte Gegenstände zu. Das japanische Übersetzungsäquivalent 泳ぐ (oyogu) hingegen, das in allen deutsch-japanischen Wörterbüchern als erstes angegeben ist, nimmt nur ein belebtes Subjekt, und für andere Gegenstände, die auf Wasser treiben, benutzt man andere Verben wie 漂う (tadayou) oder 浮く (uku).

Als Beispiel sei der Artikel vermieten aus Engel/Savin (1983:386f.)9 genannt:

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Im Folgenden werden einige Kritikpunkte zum VLdr angeführt, erstens in Bezug auf die theoretische Grundlage, dann auf die semantische Beschreibung und schließlich auf die Lexikoneinträge.

Die Gegenüberstellung der deutschen und der rumänischen Ergänzungsklassen, die hier aus Platzgründen nicht abgebildet werden konnte, kann zu dem Missverständnis führen, dass bei den nebeneinandergestellten Ergänzungsklassen an sich eine direkte Entsprechung vorläge, obwohl in einer anderen Tabelle gezeigt wird, dass beispielsweise die deutsche E1 der E1, der E3, der E4, der E5, der E6, der E7, der E8 und der E9 im Rumänischen entspricht (!) - Engel/Savin (1983:27, 38ff.) - .

Bei der Zuordnung der so genannten Adverbial- bzw. der Artbestimmungen zu den Ergänzungen spielt ein anderes Kriterium als Subklassenspezifik, nämlich Obligatorik, eine entscheidende Rolle. Anders als im KVL gibt es also „keine fakultativen E5 bzw. E8 mehr; sofern diese Elemente fakultativ sind, wurden sie durchgehend als Angaben gewertet“ - Engel/Savin (1983:55, auch 35f.) - . Das heißt, als Situativ- bzw.

Adjektivalergänzungen gelten nur obligatorische Elemente. Diese Einschränkung bringt aber einen Widerspruch im Lexikonteil mit sich. So wird z.B. die E5 von „ankommen 2“ per definitionem als obligatorisch eingestuft. In der Tat lässt sie sich jedoch ohne weiteres weglassen, wie das folgende Beispiel zeigt:

Der Zug kam planmäßig an.

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Zum Vergleich sei auch der betreffende Artikel aus Engel/Schumacher (1978:286)10 genannt:

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Deswegen mussten Engel/Savin (1983:88) folgende Anmerkung machen:

„5 kann fehlen, wenn es vom Kontext her zu verstehen ist“. Ein solches weglassbares Element ist eben eine fakultative Ergänzung, aber keine obligatorische.

Die Anaphorisierbarkeit als Kriterium für die Subklassifizierung der Ergänzungen wird nicht konsequent angewendet, und manchmal werden andere Kriterien mit einbezogen. So sind z.B. die Nominalergänzung und die Adjektivalergänzung als verschiedene Klassen eingestuft, obwohl für beide Ergänzungen (fast) dieselben Anaphern gelten, nämlich so, es, (ein) solch-, wobei die letztgenannte bei der Adjektivalergänzung nicht in Frage kommt. Hier tritt wohl das Kriterium der Wortklassenzugehörigkeit der jeweiligen Ergänzungen dazu. Bei der Unterscheidung zwischen der Situativ- und der Direktivergänzung scheinen semantischer Gegensatz - statisch vs. dynamisch - und ausdruckssyntaktische Unterschiede - unterschiedliche Präpositionen, unterschiedliche Kasus bei derselben Präposition - eine größere Rolle zu spielen als (Un)gleichheit der Anaphern.

Es ist eigentlich schwer festzustellen, dass es sich bei verschiedenen Wörtern um dieselbe Anapherklasse handelt. Mit was für einem Argument kann man behaupten, dass einerseits da und hin zu verschiedenen Anapherklassen gehören, dass andererseits bei hin und von hier dieselbe Anapherklasse vorliegt? Sollte man bei der Nominalergänzung und der Adjektivalergänzung doch von Gleichheit der Anaphern sprechen, wenn man die morphologisch so unterschiedlichen Elemente wie hin und von hier zu ein und derselben Anapherklasse zusammenfasst?

Zu den Adjektivalergänzungen gehört nach Engel/Savin (1983:56) auch eine Mengenbestimmung - z.B. Quantität, Ausmaß usw. - . Diese Bestimmung lässt sich aber nicht durch die Wörter wie so und es anaphorisieren, die eigentlich für die Adjektivalergänzungen zutreffend sind.

Die Frau hat (um) drei Kilogramm abgenommen.

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* Die Frau hat so/es abgenommen.

In seinen späteren Arbeiten ordnet Engel (1994:162) diese Bestimmung zu einer neuen, selbständigen Ergänzungsklasse zu, nämlich zu der Expansivergänzung, deren Anaphern solange, soviel, soweit usw. sind.

Diese Lösung scheint auch nicht so glücklich zu sein, weil man eben dadurch um eine eigentlich unnötige Klasse mehr hat. Die Mengenbestimmung ist m.E. ohne weiteres als eine Unterklasse der unter 3 zu behandelnden Adverbialergänzung aufzufassen.

Was die semantische Komponente angeht, so ist zu kritisieren, dass die inhärenten und die relationalen Bedeutungen nicht angegeben sind. Den Verzicht auf die ersteren wollen Engel/Savin (1983:51) damit begründen, dass diese in anderen zweisprachigen Wörterbüchern ausführlich angegeben und umschrieben seien. Man kann beim Sprachenpaar Deutsch-Japanisch jedoch nicht immer erwarten, dass die inhärenten Bedeutungen so ausführlich beschrieben sind, dass die (fortgeschrittenen) Lerner ohne weiteres feinere Bedeutungsunterschiede richtig erkennen könnten. Dieses Problem wird unten bei der Besprechung von Bianco (1996) noch einmal ausführlich erörtert.

Auf die Angabe der relationalen Bedeutungen verzichten Engel/Savin (1983:49f.) mit dem folgenden Argument: „die ,Aktanten’ eines Geschehens sind weitgehend universell – bei kaufen gibt es einen Käufer, einen Verkäufer, die gekaufte Ware, das Entgelt usw.“. Wie viele und welche Aktanten (Rollen) an einem Geschehen teilhaben, ist zwar universell, es ist aber einzelsprachlich verschieden, mit welchem Satzglied auf die jeweiligen Rollen Bezug genommen wird. Beim Helfen z.B. wird im Deutschen der Adressat, dem geholfen wird, als (Dativ-)Objekt kodiert, und die Handlung, bei der geholfen wird, als Präpositionalphrase mit bei. Im Japanischen hingegen kann als (direktes) Objekt nicht nur der Adressat, sondern auch die Handlung vorkommen. Im letzteren Fall wird der Adressat

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in Form eines Attributes zu der Nominalphrase realisiert, die die betreffende Handlung ausdrückt. Dieser Unterschied verursacht häufig bei den Deutsch lernenden Japanern folgenden Interferenzfehler, wo das (Dativ-)Objekt nicht die Person, sondern die Handlung darstellt:

私は父の 仕事を手伝った。

⇒ *Ich habe der Arbeit meines Vaters geholfen.

(richtig: Ich habe meinem Vater bei der Arbeit geholfen.)

Deshalb ist es gerade in einem kontrastiven Wörterbuch doch wichtig anzugeben, mit welchem Satzglied auf welche Rolle Bezug genommen wird.

Zum Schluss zwei kleinere Bemerkungen. Im oben genannten Artikel VERMIETEN kommt als eine rumänische Entsprechung das Verbgefüge a da cu chirie vor. Theoretisch nicht haltbar ist, dass das Element cu chirie als obligatorische Präpositivergänzung beschrieben ist. Es stellt eigentlich - wie die nicht kommutierbaren Pronomina es, sich u.a. - einen Teil des Verbalkomplexes dar und gehört nicht zum Satzbauplan.

Ob ein Verb passivfähig ist oder nicht, hängt mit der (inhärenten) Bedeutung des Verbs zusammen, ist somit eine valenzbedingte Angelegenheit und sollte in einem kontrastiven Valenzwörterbuch angegeben werden, zumal die Erscheinungen der Genera verbi von Sprache zu Sprache sehr verschieden sind.

1.2 Bianco (1996)

Das Valenzlexikon Deutsch-Italienisch - Bianco (1996), im Folgenden VLdi - ist in seiner gesamten Konzeption, also in der Zielsetzung, der theoretischen Grundlage, dem syntaktischen und semantischen Beschreibungsmodell des Lexikonteils usw., fast identisch mit dem VLdr.11 Das VLdi soll nämlich ein Nachschlagewerk zum Zweck der Sprachproduktion, also ein Produktionswörterbuch sein. Es enthält 427

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Verben, die in der Wortliste des Zertifikats Deutsch als Fremdsprache stehen, und spricht italienische Germanistikstudierende wie deutsche Romanistikstudierende der Grund- und Mittelstufe und auch Autoren von deutschen Lehrwerken an - Bianco (1996:16, 94) - . Die Anordnung der Verben im Lexikonteil erfolgt nach semasiologisch-alphabetischem Kriterium.

Dem VLdi liegen zwei Valenzkonzepte zugrunde - Bianco (1996:16, 19) - . Einerseits wird ein semantisch fundierter Valenzbegriff herangezogen:

„Durch die Bedeutung des Verbs wird seine gesamte syntaktische Umgebung bestimmt, d.h. die Art und die Anzahl der Ergänzungen, die zur Erzeugung korrekter Sätze notwendig sind.“ Andererseits heißt es: „Die Valenz ist ein Sonderfall von Rektion, eine subklassenspezifische Rektion“.

Dementsprechend definiert Bianco (1996:19f.) Ergänzungen als für eine Verbsubklasse spezifische Wortgruppen, Angaben dagegen als Wortgruppen, „die (...) nicht subklassenspezifisch sind und mit allen Verben vorkommen können“. Die Ergänzungen werden weiter klassifiziert, mit Hilfe des Kriteriums der Anaphorisierung und eines Fragetests12. Beide Tests kommen komplementär zur Anwendung, weil im Italienischen einerseits einige Pronomina Anaphern für zwei Ergänzungsklassen sein können - z.B. mi, ti u.a. für ein direktes Objekt und für ein präpositionales Komplement mit a - , und weil andererseits ein und dasselbe Interrogativpronomen für das Subjekt wie für das Objekt stehen kann - chi für den Nominativ (‘wer’) und für den Akkusativ (‘wen’) - . Bianco (1996:23) betont dabei ausdrücklich, „daß alle Ergänzungen anhand der Anaphorisierung und des Fragetests - also nicht mit semantischen Kriterien - ermittelt und definiert wurden“. Nach der Beschreibung der einzelnen Ergänzungsklassen, die weit mehr als die Hälfte der ganzen Einleitung ausmacht, gelangt Bianco (1996:68f.) zu einer folgenden Gegenüberstellung13:

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Über diese syntaktischen Charakterisierungen hinaus werden im Lexikonteil auch semantische Restriktionen der Ergänzungen angegeben, deren Kategorien vom VLdr übernommen wurden. Im VLdi sind allerdings die Daten im Lexikonteil anders angeordnet als im VLdr. Es sind zwar links die deutschen, rechts die italienischen Verben beschrieben - wie im VLdr - . Direkt einander gegenübergestellt sind aber nicht nur die Beispiele, die „die einzigen wirklichen Äquivalenzen“ liefern - Bianco (1996:13) - , sondern auch die anderen Einträge, nämlich Satzbauplan, semantische Restriktionen und Beispiele, und zwar in einer senkrechten Spalte.

Als Beispiel sei der Artikel vermieten aus Bianco (1996:785ff.)14 genannt:

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Im Folgenden sollen kritische Bemerkungen über das VLdi gemacht werden, und zwar zuerst über seine theoretische Grundlage, dann über die konkreten Beschreibungen im Lexikonteil.

Die beiden Valenzkonzepte, die dem VLdi zugrunde liegen, nämlich Subklassenspezifik und ein semantisch fundierter Begriff, sind nicht identisch, somit nicht immer miteinander verträglich. Dies lässt sich an zwei Beispielen erkennen. Erstens ist das Subjekt mit beliebigen Verben kompatibel, daher nicht subklassenspezifisch15 und wäre nach diesem Kriterium als Angabe einzustufen. Nach dem semantischen Kriterium hingegen wird das Subjekt als Ergänzung betrachtet, weil es durch die Bedeutung eines Verbs impliziert ist. Ein weiteres Beispiel ist das Verb ankommen/2 im Sinne von ‘einen Ort erreichen’. Dieses Verb wird in seiner prototypischen Verwendung mit einer (nicht direktionalen, sondern situativen) Lokalbestimmung verbunden, die ihrerseits mit beliebigen Verben kompatibel und daher nicht subklassenspezifisch ist. Sie ist auch

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nicht obligatorisch16. Dementsprechend schreibt Bianco (1996:226, auch 99) diesem Verb den Satzbauplan <0> zu, das heißt, das Verb verlange nur das Subjekt, aber keine Lokalbestimmung. Nach dem semantischen Begriff wird jedoch die Lokalbestimmung als Ergänzung betrachtet, weil sie durch die Bedeutung des Verbs impliziert ist.

In Bianco (1996:23ff.) „werden die elf Ergänzungstypen und die italienischen Entsprechungen aufgelistet“. Diese Klassifizierungen und Erläuterungen der Ergänzungen bereiten mehrere, zum Teil grundsätzliche Probleme. Nicht akzeptabel ist zum Beispiel, dass die deutsche E2

(Genitivergänzung) der italienischen CV2 (‘Präpositivergänzung mit di’) entspreche, die E3(Dativergänzung) der CV3(‘Präpositivergänzung mit a’) entspreche. Wann könnte man eigentlich von Entsprechung der Ergänzungsklassen sprechen? Auch wenn man für beide Sprachen mit derselben Methode wie die Anaphorisierbarkeit arbeitet, sollte man doch zuerst festgestellt haben, dass die betreffenden Anaphern beider Sprachen tatsächlich einander entsprechen. (Aber wie?) Auch wenn beide Sprachen beispielsweise eine Kategorie wie „(in)direktes Objekt“ kennen, ist es doch voreilig, die Kategorie in der einen Sprache von vornherein mit der in der anderen gleichzusetzen. Ich nehme an, dass man im Prinzip keine Entsprechung der Ergänzungsklassen selbst voraussetzen kann.17

In diesem Zusammenhang ergibt sich auch die Frage, welche Sonderstellung den Präpositionen di und a zukommt, die nicht zu der CV4

(‘Präpositivergänzung’) gehören, sondern die eigenen Klassen CV2 und CV3bilden.18

Die Direktivergänzung im Beispiel 134 „Er nahm einen Teller (aus dem Schrank)“ ist nicht fakultativ, wie es in Bianco (1996:49) heißt, sondern obligatorisch.19 Beim Eliminierungstest handelt es sich um Grammatikalität des Satzes und Konstanz der Verbbedeutung. Dieses Element kann zwar weggelassen werden, dann ändert sich aber die Bedeutung des Verbs. Die Variante mit der Direktivergänzung hat nämlich die Bedeutung

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‘herausnehmen’, die ohne dieses Element hingegen ‘in die Hand nehmen’.

Schließlich ist die CV9 (‘Verbativergänzung’) im Italienischen zu bezweifeln. Bianco (1996:62) gibt selbst zu: „Die Engelsche Verbativergänzung scheint in der italienischen Grammatik keine genaue Entsprechung zu haben.“ Trotzdem versucht sie, „auch für das Italienische eine Ergänzungsklasse auszumachen, die denselben Definitionskriterien wie die E9 genügt, nämlich der obligatorischen und subklassenspezifischen Realisierung als Nebensatz“. Es gibt jedoch problematische Fälle wie Frage-Nebensätze, da „kann man weder den Fragetest noch die Anapher anwenden“ - Bianco (1996:64) - , wobei sie - wie oben erwähnt - betont, dass die Ergänzungen allein mittels der beiden Ermittlungstests identifiziert werden sollen.

Was die Ergänzungsklassen im großen Ganzen betrifft, so hat man den Eindruck, dass im VLdi mit unnötiger Mühe versucht wird, sich an das Engelsche Modell anzuschließen.

Nun wird die semantische Komponente des VLdi behandelt. Bei einem semantisch fundierten Valenzbegriff sollte man mehrere Subartikel eines Lexems gerade dann unterscheiden, wenn eine eindeutige Bedeutungsdifferenz vorliegt und sich diese Differenz in der unterschiedlichen syntaktischen Valenz widerspiegelt. Zwischen den oben genannten Subartikeln vermieten/1 und vermieten/2 gibt es zwar Unterschiede der syntaktischen Valenz und der semantischen Restriktionen der E3/E4 - siehe NB - , man kann aber keine distinktive Differenz der Verbbedeutung selbst feststellen. Deswegen ist es hier angebracht, das Verb in einem Artikel zu beschreiben20. Dieses Verfahren ist nicht nur theoretisch gerechtfertigt, sondern es bringt auch einen praktischen Vorteil mit sich, dass man dadurch die verdoppelte Eintragung derselben Informationen über die italienischen Entsprechungen vermeiden kann.

Nach Bianco (1996:290, 457) soll das deutsche Verb begrüßen dem

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italienischen salutare entsprechen, das grüßen/1 dem salutare/1, und das grüßen/2 dem salutare/2.21 Für Deutsch lernende Italiener muss aber sehr schwer zu erkennen sein, in welcher Situation das Verb begrüßen benutzt werden soll, in welcher anderen das grüßen/1 und in welcher wiederum anderen das grüßen/2, und zwar deshalb, weil im VLdi keine inhärenten Bedeutungen der Verben angegeben sind. Das Gleiche gilt auch für Italienisch lernende Deutsche. So werden z.B. beim Verb machen 12 Varianten unterschieden, ohne Bedeutungsunterschiede zu erklären.

Informationen über die morphosyntaktischen Formen und die semantischen Restriktionen der Ergänzungen sind natürlich notwendig, um ein bestimmtes Verb richtig verwenden zu können. Es muss jedoch vorher die Auswahl des zu verwendenden passenden Verbs unter mehreren bedeutungsverwandten Verben getroffen worden sein. Dazu sind eben die Angaben über die inhärenten Bedeutungen der Verben unentbehrlich. Sie aus den Beispielsätzen und den syntaktisch-semantischen Beschreibungen der Ergänzungen zu erschließen, sollte man den Linguisten überlassen, aber nicht den Lernern. Außerdem sei angemerkt, dass dem folgenden Fehler, der einen Anlass zum Verfassen des VLdi darstellen soll - Bianco (1996:15) - , erst aufgrund der Informationen über die inhärenten Bedeutungen abzuhelfen ist.

Mamma, hai buttato la pasta?

⇒*Mutter, hast du die Nudeln ins kochende Wasser geworfen? (richtig:

hineingetan/-gegeben)

Bianco (1996:97) bemerkt, dass bei einigen italienischen Verben „auch der Mangel paralleler Ergänzungen im Vergleich zu den entsprechenden deutschen Verben“ aufgetaucht ist. Dies lässt sich wohl auf einen unterschiedlichen Lexikalisierungsprozess desselben Begriffs in beiden Sprachen zurückführen, das heißt, es gibt Unterschiede, welche (semantischen) Elemente des betreffenden Begriffs als Verblexem, welche Elemente als dessen Umgebungen lexikalisiert werden. Auch dies spricht

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für die Einbeziehung der inhärenten Bedeutungen.

Zum Schluss eine Bemerkung zu den Beschreibungen im Lexikonteil und noch eine allgemeine. Das VLdi enthält - ebenso wie seine Vorlage VLdr - keine Informationen zur Passivierung, zur Nominalisierung und zu den Funktionsverbgefügen, was gerade in einem kontrastiven Wörterbuch zu vermissen ist.

Gegen die Bemerkung von Bianco (1996:70) „Unter sprachdidaktischem Gesichtspunkt spielen die Informationen über die Ergänzungen eines Verbs eine entscheidende Rolle“ ist nichts einzuwenden. Es ist nur eine ergänzende Bemerkung zu machen: In kommunikativer Hinsicht kann manchmal eine Angabe wichtiger sein als Ergänzungen, so dass es durchaus überlegenswert wäre, auch die Informationen über die Angaben eines Verbs in die Lexikoneinträge aufzunehmen. Auf diesen Punkt komme ich im zweiten Teil dieses Beitrags22 zurück.

1.3 Sommerfeldt/Schreiber (1996)

Das einsprachige Wörterbuch der Valenz etymologisch verwandter Wörter - Sommerfeldt/Schreiber (1996) - soll deshalb hier behandelt werden, weil es eine begrifflich-onomasiogische Anlage mit Wortfeldern23 hat und damit für mein deutsch-japanisches Vorhaben von Nutzen sein kann.

Sommerfeldt/Schreiber (1996:III) bemerken zur Zielgruppe des Wörterbuchs: „Es soll primär dem Deutsch Lernenden helfen, seinen Wortschatz zu erweitern, soll jedoch nicht unmittelbares Selbststudienmaterial, sondern Nachschlagewerk sein.“ Über die typische Benutzungssituation des Wörterbuchs wird nichts gesagt, es soll wahrscheinlich - wie die vergleichbaren Valenzlexika - am besten zum Zweck der Sprachproduktion eingesetzt werden.

Dieses Wörterbuch unterscheidet sich aber von den anderen Valenzlexika

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darin, dass es nicht nur Verben, sondern auch etymologisch verwandte Adjektive und Substantive beschreibt, und dementsprechend auch in der großen Anzahl der aufgenommenen Wörter - mehr als 1400 Wörter - . Diese Informationen sind sehr nützlich, weil manchmal von einem Verb mehrere unterschiedliche Nominalisierungen mit unterschiedlichen Bedeutungen bzw. Verwendungsweisen möglich sind. Aus diesen Besonderheiten (onomasiologische Anlage und Aufnahme etymologisch verwandter Wörter) geht hervor, dass primär die fortgeschrittenen Lerner in Frage kommen werden, weil es gerade bei dieser Lernergruppe um die Auswahl eines treffenden Ausdrucks aus der Fülle der bedeutungsverwandten Ausdrücke und um die Entscheidung für Nominal- oder Verbalstil je nach den Textsorten geht.

Die Auswahl der Wortfelder und der dazu gehörenden Wörter erfolgt nach folgenden Prinzipien - Sommerfeldt/Schreiber (1996:VI) - : a) „Es sollen Felder unterschiedlicher Sachbereiche vorgeführt werden“, b)

„Primär wurden Felder mit mehrwertigen Valenzträgern - besonders mit dreiwertigen - ausgewählt“ und c) „Nicht nur Wörter unterschiedlicher Wortarten gehören zu einem Wortfeld, sondern auch Wörter mit unterschiedlicher Wortbildung“.

Sommerfeldt/Schreiber (1996:1) gehen von einer semantischen Valenztheorie aus. Für sie ist also „die Bedeutung dominant, die syntaktische Struktur sekundär“. Das heißt mit den Worten von Helbig (1992:13), die sie zitieren: „daß die Valenzbeziehungen insgesamt das Ergebnis einer Syntaktifizierung von semantischen Beziehungen zwischen elementaren semantischen Einheiten (Prädikaten und Argumenten) sind“.

Unter der semantischen Valenz verstehen Sommerfeldt/Schreiber (1996:2) einerseits die Bedeutungsstruktur des Valenzträgers selbst, also dessen inhärente Bedeutung, und andererseits die funktionelle und denotative Charakteristik der Valenzpartner, nämlich Tiefenkasus bzw.

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semantische Restriktionen. Zur Beschreibung der Bedeutungsstruktur des Valenzträgers verwenden sie Seme oder Paraphrasen, aufgrund deren eine Unterteilung in die Wortfelder vorgenommen wird.24 Sie verzichten dabei auf ein endliches Inventar von Semen, Tiefenkasus und semantischen Restriktionen25, das die jeweiligen semantischen Elemente als solche kenntlich macht, weil noch „keine praktikablen und für die Linguistik akzeptablen Methoden und Inventarien“ vorhanden sind - Sommerfeldt/Schreiber (1996:9) - .

Bei der Beschreibung der syntaktischen Umgebungen von Valenzträgern legen Sommerfeldt/Schreiber keine Ergänzungsklassen - wie in VLdr und VLdi - fest2 6, sondern sie kommen lediglich mit den formalen Charakterisierungen wie „Substantiv im Nominativ“, „Substantiv mit Präposition“ usw. aus. Dies lässt sich durch die Tatsache rechtfertigen, dass für die Benutzer eines solchen Wörterbuchs wichtig ist zu wissen, dass das Verb verbringen z.B. mit einem akkusativischen Element verbunden werden kann, aber nicht, ob das akkusativische Element als Objekt oder als Adverbialbestimmung angesehen werden soll. Darüber hinaus unterscheiden Sommerfeldt/Schreiber (1996:4, 14) auch nicht zwischen obligatorischen und fakultativen Ergänzungen. Dieses Verfahren ist wohl durch folgenden Befund zu ergänzen: Es gibt „Fälle, in denen - in der Regel - der eine oder andere Valenzpartner nicht realisiert wird. Dafür kann man keine auf alle Situationen und Intentionen zutreffenden Regeln aufstellen“ - Sommerfeldt/Schreiber (1996:3) - .

Im Wörterbuchteil erfolgt die Beschreibung eines Wortfeldes in drei Abschnitten: Zuerst wird ein Überblick über das jeweilige Wortfeld gegeben, dann eine nach den relevanten Semen gegliederte Liste der zu dem Feld gehörenden Wörter. Anschließend werden die einzelnen Wörter beschrieben, wobei sie innerhalb des Feldes alphabetisch geordnet sind und mit den jeweils zusammenhängenden Wörtern einen Artikel ausmachen.

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Die Einträge in den einzelnen Artikeln richten sich nach dem 6-Stufen- Modell von Helbig (1992:153ff.)27, sind aber aus didaktischen Gründen wesentlich vereinfacht. Jeder Artikel enthält folgende Daten: die etymologisch und semantisch zusammengehörenden Wörter, Valenzstruktur in Form von Beispielsätzen, in denen alle Valenzpartner realisiert sind, Seme, Tiefenkasus und semantische Restriktionen, Beispielsätze und mögliche Anmerkungen.

Zur Demonstration sei hier ein Artikel aus Sommerfeldt/Schreiber (1996:84)28genannt:

Im Folgenden soll Kritik über dieses Wörterbuch geübt werden. Was die theoretische Grundlage betrifft, so findet man keine Definition über Ergänzungen und Angaben. Da die Autoren von einer semantischen Valenztheorie ausgehen, kann man vermuten, dass es sich bei der Ergänzung um ein solches Element handeln soll, das durch die Bedeutung eines Valenzträgers impliziert ist und somit in der Sembeschreibung vorkommt. Diese Vermutung erweist sich jedoch als falsch, wenn man anhand des oben genannten Artikels von vermieten u.a. feststellt, was dort als Ergänzung gilt. Obwohl in der Beschreibung von Semen solche wie

‘zeitlich begrenzt’ und ‘gegen Entgelt (Miete)’ vorkommen, werden die Elemente für Entgelt und für Dauer der Vermietung nicht als Ergänzungen eingestuft, man bekommt auch keine Informationen über deren mögliche

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syntaktische Realisierungsformen.

Der Verzicht auf die Unterscheidung zwischen den obligatorischen und fakultativen Ergänzungen bringt ein praktisches Problem mit sich. Die Benutzer können dabei entweder von einer folgenden Übergeneralisierung ausgehen, dass alle Ergänzungen realisiert werden müssten, oder die in ihrer Muttersprache (in der Ausgangssprache) gültigen Regeln der Ellipse aufs Deutsche anwenden. Im ersteren Fall entsteht ein zwar grammatisch völlig korrekter, aber stilistisch problematischer Satz. Im letzteren Fall ergibt sich ein Interferenzfehler. Ein solcher Fehler wird besonders häufig den Lernern mit Japanisch als Muttersprache (Ausgangssprache) unterlaufen, weil im Japanischen grundsätzlich alles weggelassen werden kann, was bekannt oder aus dem Kontext erschließbar ist.

Die Frage nach einer in allen Fällen befriedigenden Unterscheidung zwischen den obligatorischen und fakultativen Ergänzungen ist zwar noch nicht endgültig gelöst. Eine angemessene Methode zu der Unterscheidung, auch wenn nicht in einer strikten Dichotomie, sondern vielleicht in gradueller Skala, sollte man jedoch anstreben.

Im Überblick über das Feld des Besitzwechsels bemerken Sommerfeldt/Schreiber (1996:61): „Die Eingruppierung erfolgt nach den Simplizia. Ableitungen und Zusammensetzungen werden bei den Simplizia genannt, auch wenn sie sachlich in eine andere Gruppe gehören.“ Es seien als Beispiele einige Lemmata genannt - Sommerfeldt/Schreiber (1996: 66, 69, 71) - :

borgen1/ ausborgen1/ verborgen - Verborgen / Verborgerei

geben / abgeben / übergeben / weggeben / züruckgeben - Abgabe / Rückgabe / Übergabe

leihen1/ ausleihen1/ verleihen - Ausleihen / Ausleihe / Verleihen / Verleih

Innerhalb der Artikel dieser Lemmata werden die einzelnen Wörter nicht weiter aufgrund ihrer unterschiedlichen inhärenten Bedeutungen

275

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subklassifiziert, so dass man den Beschreibungen nicht entnehmen kann, wann man leihen gebrauchen soll und wann ausleihen oder verleihen. Und da die maßgeblichen Simplizia innerhalb des Wortfeldes alphabetisch geordnet sind, lassen sich die Bedeutungsgemeinsamkeiten bzw.

-unterschiede zwischen denjenigen Wörtern schwer erkennen, die etymologisch nicht verwandt sind und deswegen nicht zu ein und demselben Artikel gehören, aber semantisch durchaus verwandt sind, wie z.B. zwischen borgen1, geben, leihen1, vermieten usw. Dass bei diesen Verben das geben als Hyperonym von den drei anderen fungieren kann, ist auch nirgendwo erklärt.

Außerdem muss das Fehlen der Verben wie kaufen, verlieren u.a. im Feld des Besitzwechsels, die ja einwandfrei zum Grundwortschatz gehören, als gewichtiger Mangel bezeichnet werden, trotz der Bemerkung von Sommerfeldt/Schreiber (1996:IV), „Vollständigkeit in bezug auf das Abdecken ganzer Systembereiche wurde ebenso wenig angestrebt wie das Erfassen aller möglichen Feldelemente“.

Insgesamt stellt sich heraus, dass die Beschreibungen von Sommerfeldt/Schreiber ihrem eigenen Postulat zur Erkennung der Wortschatzstruktur29wenig entgegenkommen.

Zum Schluss ein Kommentar zum Beispielsatz. Sommerfeldt/Schreiber (1996:3, 14) nehmen in Kauf, dass zur Veranschaulichung der Valenzstruktur auch jene Beispielsätze gebracht werden, „in denen alle Valenzpartner realisiert sind“, die allerdings „kaum bzw. nur unter bestimmten Bedingungen in der Realität vorkommen“. Woher sollten die Benutzer dann wissen, dass sie es sozusagen mit einem redundanten, wenig gebräuchlichen Satz zu tun haben oder welche Ergänzung dabei gemeint ist? Wie könnten sie einen solchen Satz erkennen und ihn vermeiden? In solchen Fällen wäre mindestens eine entsprechende Anmerkung angebracht.

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2. Voraussetzungen für kontrastive Verbvalenzlexikographie

Durch die im ersten Kapitel gemachte kritische Auseinandersetzung mit den bisher erschienenen zweisprachigen Valenzwörterbüchern lassen sich wichtige Voraussetzungen für das deutsch-japanische Vorhaben und zugleich für kontrastive Verbvalenzlexikographie überhaupt feststellen, die hier zusammengestellt werden sollen.

1) Bei der Festlegung der Valenz sollten nicht mehrere Definitionen zugrunde gelegt werden, die miteinander unverträglich sind, sondern man sollte von einer einheitlichen Definition ausgehen.

2) Man sollte alles, was der Definition des Valenzbegriffs gemäß als Ergänzung aufzufassen ist, - und nur das - als Ergänzung einstufen.

3) Von den Ergänzungen sollte man die Auskunft über ihre Obligatheit/Fakultativität geben.

4) Bei der Klassifizierung der Ergänzungen sollte man diejenigen Kriterien, die der Theorie gemäß angewendet werden sollen, konsequent und einheitlich anwenden, aber nicht ad hoc nur für bestimmte Klassen andere Kriterien mit einbeziehen.

5) Bei den Ergänzungsklassen von Engel und im Projekt VALBU - siehe Kapitel 3 - handelt es sich um ein Modell, das zur Beschreibung des Deutschen erstellt wurde. Man sollte das Modell nicht unbedenklich und mit unnötiger Mühe auf andere Sprachen, insbesondere nicht auf nicht-indoeuropäische, anwenden. Stattdessen sollte ein eigenes Modell erstellt werden, das zur Beschreibung der betreffenden Sprache geeignet ist.

6) Man sollte nicht von vornherein davon ausgehen, dass die Ergänzungsklassen der zu kontrastierenden beiden Sprachen an sich einander entsprächen, obwohl eine solche Tendenz sicherlich besteht, dass beispielsweise die Rolle, die in einem deutschen Satz als Akkusativergänzung kodiert wird, in einem entsprechenden

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japanischen Satz meistens im o-Kasus vorkommt.

7) Bei der semantischen Beschreibung sollten alle drei Bedeutungsarten, nämlich die inhärente, die relationale und die kategorielle Bedeutung, berücksichtigt werden.

8) Die inhärenten Bedeutungen sollten aufgrund einer gründlichen semantischen Analyse30 so deutlich beschrieben sein, dass die Benutzer ohne weiteres die Beziehungen der bedeutungsverwandten Verben erkennen können.

9) Das geplante Wörterbuch sollte auch jene Verwendungsbedingungen beschreiben, die zwar über Valenzeigenschaften hinausgehen, aber für den richtigen Gebrauch der Verben relevant sind - so z.B. die über verschiedene Passivkonstruktionen, Funktionsverbgefüge, Wortbildung usw. - , damit die Benutzer nicht gezwungen werden, in einem Standardwörterbuch nachzuschlagen.

Anmerkungen

1 Ein Produktionswörterbuch „bietet Regeln und Muster an, nach denen syntaktisch und semantisch korrekte deutsche Sätze gebildet werden können“ - Schumacher (1990:129) - . Eigentlich sollte der gebildete Satz auch im Hinblick auf den Kontext, wo der Satz vorkommt, korrekt sein. Gemeint sind z.B. die Thema-Rhema- Gliederung, verschiedene Modalitätsausdrücke usw. Solche Informationen gehören aber nicht zur Lexik einzelner Verben, sondern eher zur (Text)grammatik.

2 Sämtliche japanische Ausdrücke werden nach dem in Japan amtlichen Transkriptionssystem (kunrei siki) notiert, außer den Eigennamen, für die eine andere Schreibweise (Hepburn) benutzt wird, weil diese Transkription bei Eigennamen üblicher ist.

3 Das Sternchen in diesem Wörterbuchartikel zeigt ein starkes Verb an.

4 Das Sternchen in diesem Artikel zeigt ein starkes Verb an, die runden Klammern im Eintrag des Satzbauplans Weglassbarkeit des betreffenden Gliedes. Außerdem kommen folgende Abkürzungen vor: et.4= etwas im Akkusativ; jm. = jemandem; jn.

= jemanden.

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5 KVL ist ein einsprachiges Nachschlagewerk, in dem die deutschen Verben des Grundwortschatzes nach einem alphabetisch-semasiologischen Prinzip angeordnet sind und in Bezug auf ihre syntaktische Valenz beschrieben sind.

6 Zertifikat (11972).

7 Es ist bekannt, „daß nicht alle Elemente einer und derselben Wortklasse einheitliche Rektion haben“. So gibt es z.B. einerseits die Verben, die mit einem Akkusativobjekt verbunden werden kann, aber kein Präpositionalobjekt zulässt, andererseits diejenigen, die nur ein Präpositionalobjekt nehmen kann. „Solche auf Teile von Wortklassen beschränkte Rektion“ nennt Engel (1994:95f.) subklassenspezifische Rektion.

8 Interferenzfehler unterlaufen besonders dann, wenn ein Ausdruck der Ausgangssprache eine größere Verwendungsbreite hat als seine Entsprechung der Zielsprache, und die Regularität der Ausgangssprache einfach auf die Zielsprache übertragen wird.

9 Die Angabe der Satzbaupläne erfolgt in Anlehnung an der oben aufgelisteten zehn Ergänzungsklassen, wobei die runden Klammern (auch in den Beispielen) Fakultativität der betreffenden Ergänzung zeigen. Die eckigen Klammern in den Beispielsätzen zeigen, dass es sich um Angaben handelt. Es werden weitere folgende Abkürzungen und Symbole verwendet: HUM = ‘menschlich’; INST = ‘menschliche Institution’; OBJ = ‘materiell, unbelebt, zählbar’; A = ‘Akkusativ’; / = ‘oder’; ! =

‘Unterschied des Rumänischen gegenüber dem Deutschen’; ø = ‘keine Entsprechung’; →= ‘entspricht’.

10 Die Angabe der Satzbaupläne (SBP) erfolgt gleichermaßen wie im VLdr. Siehe hierzu die Anmerkung 9. Außerdem kommen folgende Symbole vor: v = disjunkte Ergänzungsklassen; P1 = volles Passiv möglich.

11 Für die theoretische Grundlage werden auch Engel (1991) und Engel (1994) herangezogen.

12 Damit ist die Substitution des betreffenden Satzgliedes durch ein Interrogativpronomen gemeint.

13 Die Tabelle ist aus Platzgründen etwas gekürzt. Die Abkürzungen „Num“ und

„N-um“ bezeichnen jeweils „persönliches Nomen“ bzw. „nicht-persönliches Nomen“.

14 Zu den Satzbauplänen wie „01(3)“ vgl. die oben genannte Tabelle der Ergänzungsklassen. Die runden Klammern zeigen Fakultativität der betreffenden Ergänzung, und die eckigen zeigen, dass es sich dabei um Angaben handelt. Im Folgenden seien die wichtigsten Abkürzungen und Symbole in dem Artikel erläutert:

UM = ‘menschlich’; IST = ‘Institution’; OGG = ‘zählbarer materieller Gegenstand’;

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NR = Restriktionen für Nomina; A = Akkusativ; A/3 = Perfektbildung mit avere / wie amare (= Nr. 3 der Konjugationstabelle) konjugiert; A/4 = Perfektbildung mit avere / wie mangiare (= Nr. 4 der Konjugationstabelle) konjugiert; ! = Abweichungen zwischen beiden Sprachen; >> = ‘entspricht im Italienischen …’.

15 Hierzu vgl. Fischer (1990:15f.), Hashimoto (1994:58f.), Welke (1988:36f.). Bianco (1996:24) schreibt hingegen dem Subjekt die Eigenschaft der Subklassenspezifik zu, weil „einige Verben es selegieren und andere wiederum es nicht in ihrer syntaktischen Umgebung verlangen.“ Die letzteren Verben sind aber auf wenige Hilfs- und unpersönliche Verben beschränkt und stellen nach meiner Auffassung kein überzeugendes Argument fürs Subjekt als subklassenspezifisches Element dar.

16 Bianco (1996:48) beschränkt die Situativergänzung auf ein obligatorisches Element.

17 Diese Auffassung der Äquivalenz vertritt Bianco (1996:13, 97) selbst, indem sie Engel/Savin (1983:58) zitiert: „wobei wirklich äquivalent nur die jeweils nebeneinanderstehenden Beispiele sind.“

18 Diese Präpositionen weisen zwar so vielfältige Verwendungsweisen auf, wie es bei den anderen Präpositionen nicht der Fall ist - so entspricht a z.B. an, auf, bei, in in lokalem Sinne, an, auf, in, zu in direktionalem Sinne, in, um in temporalem Sinne usw - . Dies rechtfertigt aber nicht die Bildung der eigenen Ergänzungsklassen. Vgl.

auch Curcio (1999:66f.).

19 Im Lexikonteil aber ist sie mit Recht als obligatorisch eingestuft.

20 Eine andere Möglichkeit ist, zwei Varianten dieses Verbs danach zu unterscheiden, ob entgeltlich oder unentgeltlich vermietet wird. Denn in diesem Fall kann man von einer semantischen Differenz sprechen, und die entgeltliche Variante hat um eine Ergänzung mehr als die unentgeltliche, nämlich um eine Adverbialergänzung für Entgelt. Es ist allerdings fraglich, ob eine (kleine) Differenz dieses Maßes berücksichtigt werden sollte. Ein solches Verfahren ist zwar theoretisch sauber, würde aber den Rahmen eines realen Wörterbuchs sprengen.

21 Die Nummerierung ist auch irreführend, weil es einerseits das salutare ohne Nummerierung gibt, andererseits seine Varianten mit Nummerierung gibt. Darüber hinaus kommen als Entsprechung dafür auch andere deutsche Verben in Frage, nämlich sich verabschieden/2 und winken/3 - Bianco (1996:763, 834) - . Insgesamt geht es hier also um fünf verschiedene Varianten, und dementsprechend sollten alle diese Varianten durch durchgehende Nummerierung kenntlich gemacht werden.

22 Der zweite Teil des vorliegenden Beitrags „Kontrastive Verbvalenzlexikographie (2) - Projekt VALBU und neue Vorschläge - “ ist in Vorbereitung.

23 Zur feldmäßigen Beschreibung des Lexikons vgl. Sommerfeldt/Schreiber

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(1996:6f.): „Wortfelder ermöglichen u.E. am besten, die vielfältigen Beziehungen zwischen den sprachlichen Einheiten zu verdeutlichen: die Gemeinsamkeiten und Unterschiede, den Grad der Überordnung und Unterordnung, die Art des Aufeinanderbezogenseins und der gegenseitigen Bedingtheit, das Übergreifen in andere Felder usw.“

24 Ein Wortfeld ist nach Sommerfeldt/Schreiber (1996:7f.) „ein lexikalisches Subsystem, das von sprachlichen Einheiten gebildet wird, die auf paradigmatischer Ebene bedeutungsverwandt sind, einerseits gemeinsame Seme besitzen, sich andererseits aber durch Oppositionsseme oder durch spezielle Seme, die nur mit bestimmten Semen anderer Lexeme kompatibel sind, voneinander unterscheiden“.

25 Dazu kritisch vgl. Helbig (1992:171).

26 Sommerfeldt/Schreiber selbst sprechen nicht von Ergänzungen, sondern von Valenzpartnern oder von Aktanten.

27 Nach diesem Modell sollen angegeben werden: auf Stufe I die logische Struktur/Stelligkeit des Prädikats (Anzahl der semantischen Leerstellen), auf Stufe II inhärente (valenzrelevante und valenzirrelevante) Merkmale des Prädikats, auf Stufe III semantische Kasus, auf Stufe IV semantische Restriktionen für Aktanten, auf Stufe V Satzgliedwert und morphosyntaktische Charakterisierungen der Aktanten und auf Stufe VI Anzahl der Aktanten und Obligatheit/Fakultativität.

28 Die im Artikel benutzten Abkürzungen und Symbole sind: V = Verb; A = Adjektiv; S = Substantiv; Sn = Substantiv im Nominativ; Sp = Substantiv mit Präposition; Sd = Substantiv im Dativ; Sa = Substantiv im Akkusativ; Sg = Substantiv im Genitiv; a, b, c = Kennzeichnung der Aktanten.

29 Siehe Anmerkung 23.

30 Wie wichtig eine solche Analyse ist, zeigt folgendes Beispiel: Im Deutschen gehören essen und trinken zu den grundsätzlichsten Verben der Nahrungsaufnahme.

Die japanischen Übersetzungsäquivalente hierfür, die in allen deutsch-japanischen Wörterbüchern als erste genannt sind, sind 食べる(taberu) bzw. 飲む(nomu). Das Kriterium, das zwischen essen und trinken unterscheidet, ist jedoch anders als das, das zwischen食べるund 飲むunterscheidet. Beim ersteren Verbpaar geht es darum, ob man einen Besteck benutzt oder etwas direkt von einem Gefäß verzehrt. Die japanischen Verben hingegen unterscheiden sich dadurch, ob man etwas kaut oder nicht. In diesem Sinne haben die vier Verben jeweils eine unterschiedliche Konnotation.

281

(31)

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シンチンゲル,ロベルト/山本明/南原実(編)(1980):『現代和独辞典』.東京:三修 社.

梗 概

動詞結合価辞典に関する対照言語学的研究(1)

―日独動詞辞典のための理論的前提―

橋本兼一

二言語辞書は、その使用者および使用目的により4つのタイプに分類でき る。例えばドイツ語・日本語の場合、以下のようになる。

日本人ドイツ語学習者との関連で言うと、タイプBに属する独和辞典はこ れまで数多く―初心者向けのものから中上級者向けのものにいたるまで―出 版されてきたが、タイプAに属する和独辞典、とりわけ中上級レベルの学習 者が伝達意図に応じた正しい語彙の選択をしうるために十分な統語的・意味 的情報を提供してくれる和独辞典は見当たらない。従来からあるこのタイプ の辞書では、日本語の見出し語がアルファベット順・五十音順に並べられ、

それに対応するドイツ語表現が羅列されているだけであり、類義語間の意味 的関連を把握することが困難である。そのため、文法規則はかなりよく習得 している中上級の学習者にも語彙選択上の誤りがしばしば見られることにな

(34)

る。さらに、日本語を学習するドイツ語話者のために作られた辞書は、たい てい個々の漢字の意味・用法を説明するものであり、タイプCかタイプDか という区別以前の段階にある。そのため、彼らが日本語で何かを表現しよう とする際、日本人がドイツ語の文章を理解するために使うタイプBの独和辞 典を使わざるをえないという状況が生じている。こうした辞書編纂上の、と りわけ発信用の辞書に関する欠落を補うため、動詞に特化した二言語辞典を 作成することは有意義なことであると言えよう。動詞に特化する理由は、伝 達はたいてい文の形を取って行われるものであり、この文の基本的骨組みを 決定するのが動詞(の結合価,  Valenz)だからである。そうした辞典が上述 の中上級レベルのニーズに応えうるには、アルファベット順の見出し語配列 ではなく意味的関連に基づいた配列が望ましいであろうし、個々の見出し語 に関するコロケーションの制限、文体上の特性なども含む詳細な意味記述が 必要である。

本稿においては、先ず従来の動詞辞典に関する理論的および実践的諸問題 を、この分野でのパイロット・スタディ的性格を持つEngel/Savin  (1983)、最 近の成果であるBianco (1996)、Sommerfeldt/Schreiber (1996)を例として批判的 に検討する。主な批判点としては、結合価という根本概念の定義が統一性を 欠くため、それに付随する統語的操作が曖昧さを残すものとなり、個々の動 詞に関する結合価の確定が困難になるという点(理論的側面)、そして本来 その理論的土台から導き出されるはずの帰結が辞書記述において反映されて いなかったり、同じ動詞に関して複数の辞書の間で異なる記述がなされるこ とになるという点(実践的側面)などが挙げられる。こうした作業の結果、

新たな日独動詞辞典のための枠組み、ひいては動詞結合価の対照記述全般の ための枠組みを策定する上での以下のようなテーゼが得られる。

1) 結合価の概念規定にあたっては、相容れないような複数の定義を併用す べきではなく、(両言語に共通する)一つの定義を用いる。

2) 上述の結合価の定義に従い、補足成分(Ergänzung)と見なされるべき成 分を過不足無く補足成分として規定する。

3) 補足成分に関して、その必須性・随意性に関する情報を提供する。

4) 補足成分のクラス分けにあたっては、当該の結合価の定義から導き出さ 285

(35)

れる基準のみを一貫して適用するべきであり、特定のクラスにのみ恣意 的に別な基準を適用すべきではない。

5) 一方の言語の記述に適した補足成分の分類モデルを、無思慮に他方の言 語にすべきではなく、当該の言語に即したモデルを作る。

6) 両言語における補足成分のクラス自体が対応するという前提から出発す べきではない。

7) 意味記述にあたっては、内在的意味(動詞自体の意味)、関係的意味(動 詞と補足成分の間にある動作主体、被動作主などの関係)、カテゴリー的 意味(いわゆる選択制限)を扱う。

8) 内在的意味は、詳細な意味分析に基づき、意味的に関連する動詞間にあ る様々な関係(類義、反意、上位概念など)を明らかにする。

9) 結合価とは直接関係のない情報(受動態に関する制限、機能動詞結合、

名詞化などの造語)も、当該の動詞を正しく使うために必要な情報であ るので考慮する。

Contrastive Lexicography of Verbal Valency (1) –– Theoretical Prerequisites for a German-Japanese Plan ––

Kenichi HASHIMOTO

参照

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