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Die Aufforderungsausdrücke von lassen

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(1)

Die Aufforderungsausdrücke von lassen

SUZUKI Yasushi

Summary

In this article I present research on the various request expressions of lassen (let). In contrast to the auxiliary verbs, lassen has the grammatical form of the imperative lass!, lasst!, which can occur both as a full verb and as an auxiliary verb. („Lass das!“,

„Lass (du) mich reden!“) The last infinitive construction with lassen consists of three elements: the grammatical subject of the con- struction (du), the semantic subject of the infinitive (mich) and the infinitive (reden). As the grammatical subject of the imperative is taken to be the second person, the impera tives of this construction are divided into the three groups. In the first group, the grammatical subject is different from the semantic subject. i.e. „Lass mich reden!“ (du ≠ mich). The one causes the emergence or the continuation of the infinitive facts. It is lassen of the causative system. The meaning of lassen in this system is „Zulassen (permit)“, if the semantic subject of the infinitive is the first person (mich).

When the semantic subject is the third person: a human being, then the meaning of lassen is „Aufforderung (request)“ or „Lassen (let)“.

It is dependent on the context. The meaning is „Lassen (let)“ or

„Zustandebringen (achieve or bring about)“, when the subject is the

(2)

third person: a thing. In the second group, the grammatical subject and the semantic subject are same. The sentence is reflexive. It characterizes lassen of the passive system. The construction „lassen + sich + Inf.“ is regarded as synonymous with the passive. However, passive and the lassen construction are not always equiva lent. In contrast to the passive, this construction can form the imperative:

„Lass dich von ihr waschen!“ The third and final group is that of the „adhortative“: the grammatical subject (speaker) is contained in the semantic subject, i.e. „Lass uns gehen!“ There is little difference between lâzen (Middle High German of lassen) und lassen concerning the expression of requests in the causative- and passive system. The adhortative is produced by the form „– e(n) wir!“ in Middle High German.

Keywords: lassen (let), infinitive construction with lassen , imperative, Request expressions, lassen + sich + Infinitiv, adhortative, lâzen

(Middle High German of lassen)

In diesem Aufsatz möchte ich die verschiedenen Aufforderungsausdrücke von lassen und lâzen (Mittelhochdeutsch von lassen) untersuchen, indem ich die vorangehende Literatur über lassen analysiere.

Neben den sechs Modalverben wie können, müssen, sollen, wollen, mögen, dürfen werden lassen und brauchen als Quasimodalverb betrachtet.

1

Nicht nur lassen, sondern auch brauchen verbinden sich mit dem Infinitiv des Verbes und fügen dem Verb eine andere Bedeutung hinzu.

2

(1) Er lässt mich immer warten.

(2) Morgen brauchst du nicht (zu) arbeiten.

Das Verb lassen unterscheidet sich von den sechs Modalverben und brauchen darin, die grammatische Form des Imperativs: lass!, lasst! zu haben, obwohl die Modalverben und brauchen in der Regel keinen Imperativ bilden können.

3

(3) Lass das! Lasst uns gehen!

(4) *Könn(e) das ! *Braucht das !

Beim lassen ist der Imperativ sowohl als Hauptverb wie auch als Hilfsverb möglich.

Die letztere Konstruktion, die sich mit dem Infinitiv des Verbes verbindet, besteht

(3)

aus drei Elementen, nämlich dem grammatischen Subjekt dieser Konstruktion, dem semantischen Subjekt des Infinitivs und dem Infinitiv. Daher ist sie etwas komplizierter.

Ich beginne meine Diskussion mit lassen als Hauptverb.

4

Ⅰ Die Aufforderungsausdrücke von lassen als Hauptverb

Die Bedeutungen von lassen als Hauptverb bestehen nach den japanischen Wörterbüchern aus 1. „unterlassen“, „aufgeben“, 2. „belassen“, „überlassen“ und 3.

„zulassen“ (mit dem Richtungswort).

5

Jedes Beispiel wird aus den literarischen Texten angeführt.

1. „unterlassen“, „aufgeben“

(5) » Nein, Hanno «, sagte er [Kai], » ich gehe nicht hin. Du vielleicht? . . . « . . . Hanno aber antwortete: » . . . Ja, nun laß das nur, Kai, und erzähle weiter. . . . «

(Thomas Mann: Buddenbrooks, S. 623)

Die Ausdrücke wie „Lass das Weinen!“, „Lassen Sie das!“ werden auch in der Umgangssprache oft verwendet. Es gibt auch eine Form ohne Akkusativ wie „lass nur!“.

(6) » . . . ich [Christian] will es dir [dem Konsul] ganz genau beschreiben . . . Es ist . . . «

» Laß nur «, sagte der Konsul kalt. (Th. Mann: Buddenbrooks, S. 404)

Der Ausdruck „lassen wir ~“ ist ein Adhortativsatz von „unterlassen“

(7) » Lassen wir den Pomp «, sagte der Konsul; » du [Tony] bist wieder verheiratet, und es ist ganz einfach, als hättest du niemals aufgehört, es zu sein. «

(Th. Mann: Buddenbrooks, S. 355–6)

2. „belassen“, „überlassen“

(8) » Grünlich macht auch grade Toilette . . . « » Laß ihn [Grünlich] nur, mein Kind; ich will ihn hier unten erwarten. . . . « (Th. Mann: Buddenbrooks, S. 211) (9) » Hast du die Schlüssel zum Silberzeug? — Gut. Laß dem übrigen seinen Lauf. . . . «

(Th. Mann: Buddenbrooks, S. 570)

Diese Redewendung wird oft mit der Präpositionalphrase verwendet wie „Lass mich

(4)

in Ruhe!“ Dabei wird –wie unten geschildert– die Aufforderung, mit etwas aufzuhören (Zigarren, Finessen), um den Akkusativ (mich, andere Leute) „in Ruhe“ zu lassen, mit + Possessivpronomen (mit deinen (Ihren)) dargestellt.

6

(10) » . . . Tun Sie mir doch die Liebe, noch eine Zigarre zu nehmen . . . « » . . . Lassen Sie mich mit Ihren Zigarren in Ruhe! Bezahlen Sie . . . «

(Th. Mann: Buddenbrooks, S. 207)

(11) » Tue es doch! Handele doch danach! Aber rede nicht darüber! Schwatze nicht darüber! Laß andere Leute mit deinen widerlichen Finessen in Ruhe! . . . «

(Th. Mann: Buddenbrooks, S. 319)

3. zulassen (mit dem Richtungswort)

(12) » Mach End’, o Herr «, sagte sie [Tony], und alles hörte ihr regungslos zu — » mach End‘ mit aller seiner Not; stärk’ seine Fuß’ und Hände und laß bis in den Tod . . . «

(Th. Mann: Buddenbrooks, S. 685)

Ⅱ Die Aufforderungsausdrücke von lassen als Hilfsverb

Neben dem Hauptverb bildet lassen als Hilfsverb eine Infinitivkonstruktion. Diese Konstruktion mit lassen besteht aus drei Elementen, dem grammatischen Subjekt der Konstruktion, dem semantischen Subjekt des Infinitivs und dem Infinitiv. Aus diesen drei Elementen und dem Kontext, in dem lassen verwendet wird, entstehen verschiedene Bedeutungen der Konstruktion mit lassen. Beim Satz „Hans lässt mich reden.“ ist „Hans“

das grammatische Subjekt, „reden“ ist der Infinitiv und „mich“ ist das semantische Subjekt des Infinitivs. Wie kann man diese Konstruktion mit lassen interpretieren?

Wie Ide (1988), (1996) ausführlich erwähnt,

7

sind zwei Bedeutungen von lassen in fast allen deutschen Wörterbüchern und grammatischen Beschreibungen zu finden, nämlich „zulassen“ und „veranlassen“. Die Bedeutung von lassen hängt von der Eigenschaft des Infinitivs und dem Kontext ab. Welche Bedeutung lassen im Satz

„Hans lässt mich reden.“, nämlich „zulassen“ oder „veranlassen“ hat, hängt vom Kontext

ab.

8

Man kann auch erwähnen, dass „zulassen“ in japanischen Wörterbüchern und

Grammatikbüchern „kyoka (erlauben)“, „Hohnin (belassen)“ und „veranlassen“ „Shieki

(bewirken)“ entspricht. In der Beschreibung der Wörterbücher und Grammatikbücher ist

die Bedeutungsklassifikation von lassen aber unklar.

(5)

So hat Ide (1996) versucht, durch verschiedene Kriterien die Bedeutungen der Konstruktion mit lassen zu definieren. Dabei hat Ide zwei Kriterien verwendet. Ein Kriterium ist eine zeitliche Beziehung zwischen zwei Sachverhalten, wenn die Tätigkeit oder der Sachverhalt des Infinitivs schon vor der Beteiligung des grammatischen Subjekts andauert und sich auch nach der Beteiligung weiter fortsetzt [DURATION (die Fortsetzung vom Infinitivsachverhalt)], wird das Kriterium als [+DUR] bezeichnet.

Wenn der Sachverhalt des Infinitivs erst durch die Beteiligung des grammatischen Subjekts entsteht, nämlich wenn es keine Fortsetzung gibt, wird das Kriterium als [−

DUR] bezeichnet.

Ein anderes Kriterium besteht darin, welche Intention den Sachverhalt des Infinitivs bewirkt. Wenn der Sachverhalt des Infinitivs vom grammatischen Subjekt ausgelöst wird, wird das Kriterium als [+ INT, Subj-l (= Subjekt von lassen)] bezeichnet. Wird es vom semantischen Subjekt des Infinitivs beeinflusst, wird das Kriterium als [+ INT, Subj-Inf. (= Subjekt des Infinitivs) ] bezeichnet. Das hängt oft vom Kontext ab, und zwar welche Intention den Sachverhalt bewirkt.

Bei [+ INT] ist sowohl das grammatische Subjekt als auch das semantische Subjekt des Infinitivs in der Regel der Mensch. Bei [−INT] ist ein jedes von beiden Subjekten der Mensch oder beide Subjekte sind keine Menschen. Dabei wird in „menschlich“ und

„sachlich“ unterteilt, ob das grammatische Subjekt der Mensch ist oder nicht. In der folgenden Tabelle wird die Bedeutungsaufteilung der Konstruktion mit lassen durch diese Kriterien dargestellt.

9

/+ INT/ /− INT/

Subj.-l. Subj.-inf. Menschl.Subj.-l Sachl.Subj.-l /+ DUR/

AUFFORDERN ZULASSEN

LASSEN

URSACHE

/− DUR/ ZUSTANDE-

BRINGEN

Die Duration übt keinen Einfluss auf die Bedeutung von „Auffordern“ und „Zulassen“

aus. Wenn die Intension des grammatischen Subjekts den Sachverhalt des Infinitivs

bewirkt, ist die Bedeutung von lassen gleich „Auffordern“. Von der Intension des

semantischen Subjekts ausgelöst ist die Bedeutung gleich „Zulassen“. Welche Intension

das ist, hängt oft vom Kontext ab. Wenn das semantische Subjekt des Infinitivs nicht

wichtig ist und ausgelassen wird, wird die Bedeutung als ein „Auffordern“ betrachtet.

(6)

(Sieh. Unten Beispiel 1, hier wird „den Zimmermann“ ausgelassen.) Wenn es beim Bestehen des Infinitivsachverhaltens keine Intension des Menschen und die Fortsetzung des Sachverhaltens gibt, ist die Bedeutung von „Lassen (belassen)“ wie im Beispiel 3. Wenn der Sachverhalt erst durch die Beteiligung des grammatischen Subjekts (er) entsteht und es keine Fortsetzung gibt, ist die Bedeutung „Zustandebringen“ (Beispiel 4.). Im letzten Beispiel ist das grammatische Subjekt das Ding oder die Sache und hat keine menschliche Intension. Die Bedeutung ist „Ursache“. Wenn man den Imperativ der Konstruktion mit lassen untersucht, handelt es sich um die ersten vier Beispiele 1.–4.

(Beispiele sind vom Verfasser)

1. Er ließ (den Zimmerman) ein Haus bauen. [Auffordern]

2. Er lässt mich reden. [Zulassen]

3. Er lässt das Licht brennen. [Lassen]

4. Er lässt den Arm sinken. [Zustandebringen]

Er lässt den Präsidenten schweigen.

5. Die Frage ließ sie erröten. [Ursache]

Aufgrund dieser Forschung werden die Aufforderungsausdrücke der Infinitivkonstruktion mit lassen konkret untersucht.

10

Da das grammatische Subjekt der Konstruktion beim Imperativ als die 2. Person (du, ihr und Sie) betrachtet wird, möchte ich die Imperative dieser Konstruktion in drei Gruppen aufteilen, die aus dem Zusammenhang zwischen dem grammatischen Subjekt und dem semantischen Subjekt des Infinitivs entstehen. Die Beispiele der ersten Gruppe wurden schon wiederholt angeführt. Hier unterscheidet sich das grammatische Subjekt vom semantischen Subjekt.

Das eine bewirkt das Entstehen oder die Fortsetzung des Infinitivsachverhaltes, z.B.: „Er ließ mich reden.“ (er ≠ mich). Das ist lassen vom „Kausativsystem“.

11

Bei der zweiten Gruppe sind das grammatische Subjekt und das semantische Subjekt gleich, der Satz ist reflexiv, z.B. „Du lässt dich von ihr waschen.“ (du = dich) Das ist lassen vom „Passivsystem“. Die letzte Gruppe ist der „Adhortativ“. Hier ist das grammatische Subjekt (Sprecher) im semantischen Subjekt mit enthalten, z.B. „Lass uns trinken!“ Beim Adhortativ gibt es außer dem Imperativ einen konjunktiven Ausdruck:

„Lassen wir ~“.

12

Zusammenfassend wird das wie folgt gezeigt.

Der Imperativ der Infinitivkonstruktion mit lassen.

1. Der Imperativ der Infinitivkonstruktion mit lassen im Kausativsystem

(7)

1) Das semantische Subjekt des Infinitivs ist die erste Person, Singular (mich) 2) Das semantische Subjekt des Infinitivs ist die dritte Person, der Mensch 3) Das semantische Subjekt des Infinitivs ist die dritte Person, das Ding (Tier)

oder der Sachverhalt

2. Der Imperativ der Infinitivkonstruktion mit lassen im Passivsystem

Das semantische Subjekt des Infinitivs ist die zweite Person (dich euch und sich) und reflexiv.

3. Der Adhortativ

1) lass uns ~! , lasst uns ~! , lassen Sie uns ~!

Das semantische Subjekt des Infinitivs ist die erste Person, Plural (uns) 2) lassen wir ~

Betrachten wir die konkreten Beispiele des Imperativs in der Infinitivkonstruktion mit lassen in einigen literarischen Texten.

1. Der Imperativ der Konstruktion mit lassen im Kausativsystem

1) Das semantische Subjekt des Infinitivs ist die erste Person, Singular (mich) Unter der Konstruktion mit lassen wird dieser Imperativ sehr oft verwendet. Beim Beispiel (16) wird „mich“ ausgelassen. Die Initiative, die die Tätigkeit des Infinitivs bewirkt, gehört klar zum semantischen Subjekt (mich). Nach der Aufteilung von Ide ist die Bedeutung hier „Zulassen“.

(13) Gräfin. Heiß mich nicht gehen, o laß mich um dich bleiben.

(Schiller: Wallenstein Ⅱ, S. 111)

(14) » Aber, daß du jetzt kommst, und so kommst, pardon, das ist eine Dummheit, mein Kind! . . . Ja . . . laß mich zu Ende sprechen ! — . . . «

(Th. Mann: Buddenbrooks, S. 380)

(15) Gerda, du bist noch schöner geworden, komm, laß mich dich küssen.

(Th. Mann: Buddenbrooks, S. 298)

(16) Ei, ei, Tonychen, Fieber? Laß [mich] mal fühlen, mein Kindchen . . .

(Th. Mann: Buddenbrooks, S. 337)

2) Das semantische Subjekt des Infinitivs ist die dritte Person, der Mensch

(17) Marie konnte das nie verstehen, ein großer Teil ihrer katholischen Erziehung bestand

(8)

. . . , im Rahmen des » Laßt sie [Jungen] Fußball spielen, damit sie nicht an Mädchen denken. « (Heinrich Böll: Ansichten eines Clowns, S. 98) (18) Adieu! Gute Besserung übrigens! Laß [den Zahnarzt] ihn ausziehen! Immer gleich

raus damit, das ist das beste . . . (Th. Mann: Buddenbrooks, S. 676) (19) » Was legst dich (Sabine) mit der Traudl an «, sagt auch Frau Bauer. » Hast einen

Verstand und eine Zukunft, da lass die Traudl reden. «

(Irina Korschunow: Ein Anruf von Sebastian, S. 212)

Man lässt die Jungen Fußball spielen, damit sie nicht an Mädchen denken. Das ist eine katholische Erziehungsweise zur Disziplin. Die Intention gehört nicht den Jungen, sondern dem grammatischen Subjekt. Beim Beispiel (18) wird das semantische Subjekt des Infinitivs „den Zahnarzt“ weggelassen. Daher ist die Bedeutung ein „Auffordern“.

Bei (19) gehört die Intension dagegen dem Wortstreitgegner Traudl.

3) Das semantische Subjekt des Infinitivs ist die dritte Person, das Ding (Tier) oder der Sachverhalt

(20) » Schnier «, sagte er, » lassen Sie doch das Vergangene vergangen sein . . . «

(Heinrich Böll: Ansichten eines Clowns, S. 92)

(21) » Lasst das meine Sorge sein «, antwortete Potilla.

(Cornelia Funke: Potilla und der Mützendieb, S. 113) (22) Und nun den Kopf hoch . . . und die Arme ruhig hängen lassen . . .

(Th. Mann: Buddenbrooks, S. 485)

Der Sachverhalt des Infinitivs dauert im Beispiel (20) nach der Beteiligung des grammatischen Subjekts an. Deshalb ist die Bedeutung „Lassen (belassen)“. Beim Beispiel (21), (22) entsteht der Sachverhalt des Infinitivs erst nach der Beteiligung des grammatischen Subjekts. Die Bedeutung ist „Zustandebringen“. Das Beispiel (22) ist ein Imperativ von Infinitiv. Der Satz wird wie folgt umgeschrieben. „Lass die Arme ruhig hängen!“

Beim Imperativ der Infinitivkonstruktion mit lassen im Kausativsystem, wenn

das semantische Subjekt die erste Person, Singular (mich), der Sprecher des Satzes ist,

ist die Bedeutung „Zulassen“. Wenn das Subjekt die dritte Person (das Ding) ist, ist die

Bedeutung „Lassen“ oder „Zustandebringen“. Wenn das Subjekt die dritte Person (der

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Mensch) ist, ist die Bedeutung „Auffordern“ oder „Zulassen“ Das hängt oft vom Kontext ab. Auch beim Imperativ kann man die Bedeutung der Konstruktion mit lassen unter der Aufteilung von Ide verstehen.

2. Der Imperativ der Infinitivkonstruktion mit lassen im Passivsystem

Wenn das semantische Subjekt des Infinitivs die zweite Person (dich, euch, sich) ist, wird der Satz reflexiv. Die Konstruktion „lassen + sich + Infinitiv“ wird als das Synonym oder die Konkurrenz mit dem Passiv betrachtet. Aber diese Konstruktion ist nicht immer dem Passiv gleich. Während das Passiv – wie Suzuki (2007: 56) erwähnt– in der Regel keinen Imperativ bilden kann, kann die Konstruktion lassen + sich + Infinitiv leicht den Imperativ bilden.

Wie Ide (1989), (1996) erwähnt,

13

wird die Konstruktion „lassen + sich + Infinitiv“, deren Subjekt das Ding oder die Sache ist, in Wörterbüchern mit den Ausdrücken 1) werden - Passiv mit können, 2) sein + zu Infinitiv und 3) sein + Adjektiv mit der Endung -bar / -lich gleichgesetzt. Zum Beispiel:

(23) Das Problem lässt sich leicht lösen.

(24) Das Problem kann leicht gelöst werden.

(= Das Problem ist leicht zu lösen. Das Problem ist leicht lösbar.)

Wenn das Subjekt aber der Mensch ist, wird der Umstand anders. Während das Passiv nur den Vorgang, keinen Willen des Subjekts darstellt, nämlich keinen Imperativ bilden kann, wird in der Konstruktion „lassen + sich + Infinitiv“, deren Subjekt der Mensch ist, oft darauf hingewiesen, dass sich das Subjekt intensiv an dem Vorgang beteiligt.

14

Hier wird der Imperativ möglich. Betrachten wir die grammatischen Beispiele und das Beispiel aus der Realität.

(25) Du lässt dich von ihr waschen. Lass dich von ihr waschen!

(26) Du wirst von ihr gewaschen. *Werde von ihr gewaschen!

(27) Er [Alasar] bemerkte sie erstmals an Magaura. Es begann damit, dass sie sich morgens nicht mehr von ihm anziehen lassen musste, sondern selbst in Rock und Umhang schlüpfte. [. . .] Sie ließ sich auch nicht mehr von ihm baden und die Haare waschen, das alles konnte sie nun selbst.

(Jenny-Mai Nuyen: Das Drachentor, S. 88f.)

(10)

Das Beispiel (25) kann wie folgt umgeschrieben werden: „Du veranlässt (lässt zu), dass du von ihr gewaschen wirst.“

15

Dieser Satz beschreibt nicht nur den Vorgang selbst (gewaschen werden) wie das Passiv „Du wirst von ihr gewaschen.“, sondern auch die Teilnahme des Subjekts (du) am Vorgang. Auch im Beispiel (27) gibt es Magauras Intention, unabhängig von ihrem Bruder zu sein. Im Unterschied zum Passiv deutet dieser Satz auf die Ablehnung von Magaura gegen den Vorgang, dass sie sich von ihrem Bruder anziehen, baden und die Haare waschen lässt, hin. Der Satz „Sie ließ sich auch nicht mehr von ihrem Bruder baden und die Haare waschen.“ kann nicht mit dem Passiv umgeschrieben werden. Das bezieht sich darauf, dass das Passiv das Subjekt vom

„Patiens“ vorzieht. Wegen dieser Intention des Subjekts in der Konstruktion „lassen + sich + Infinitiv“ wird der Imperativ hier möglich, der das Subjekt vom „Agens“ vorzieht.

Betrachten wir Beispiele aus den literarischen Texten.

(28) Max. . . . Hört mich, Obersten! Lass dich beschwören, Fürst!

(Schiller: Wallenstein Ⅰ, S. 90)

(29) » Bitte «, sagte ich, » ich höre jedes Wort . . , laß dich nicht dadurch stören, daß ich die Augen geschlossen habe. « (Heinrich Böll: Ansichten eines Clowns, S. 153) (30) Fahrt Kahn! Fahrt doch mit dem schönen Schiffchen auf dem lieben See herum!

rudert, bitte laßt euch rudern ! (Erika Mann: Stoffel fliegt übers Meer, S. 10) (31) » Lassen Sie das, Doktor «, sagte ich, » lassen Sie sich nicht bestürzen und beneiden Sie mich nicht, . . . « (Heinrich Böll: Ansichten eines Clowns, S. 94)

3. Der Adhortativ

Bei der ersten Person, Plural gibt es ein paar Adhortative wie „~ en wir! (Gehen wir!)“, „wollen wir ~! (Wollen wir gehen!)“ und „lass uns ~! (Lass uns gehen! )“.

16

Vor allem werden beim lassen verschiedene Ausdrücke möglich: „Lass uns ~ !“ (gegen einen Adressanten), „Lasst uns ~!“ (mehr als zwei Adressaten) , „Lassen Sie uns~!“ (auch mehr als zwei Adressaten des Siezens ).

17

1) Das semantische Subjekt des Infinitivs ist die erste Person, Plural (uns)

(32) Lass uns nachher zusammen spielen, ja? (Cornelia Funke: Potilla, S. 58)

(33) Freunde, lasst uns einen Krombacher (trinken)! (Die Werbung von Krombacher)

(34) O lassen Sie uns fliehen, liebe Mutter! (Schiller: Wallenstein Ⅱ, S. 46)

(35) Lassen Sie uns immer das Beste hoffen! (Th. Mann: Buddenbrooks, S. 563)

(11)

Das Beispiel (32) ist der letzte Satz der Erklärung vom Hausarzt , der Thomas mitgeteilt hat, dass der Krankheitszustand seiner Mutter sehr ernst ist.

2) lassen wir ~ (Die 3. Person als das semantische Subjekt des Infinitivs ist möglich.)

(36) Lassen wir die Stadt erleuchten, dem Schwedischen zur Ehr‘, . . . .

(Schiller: Wallenstein Ⅱ, S. 92)

(37) Ich sehe nicht ein, lieber Freund, inwiefern meine Gegenwart . . . aber gleichviel. Da du es wünschest, so sei es. Lassen wir dies Vergnügen über uns ergehen.

(Th. Mann: Buddenbrooks, S. 344)

Im Unterschied zu „lass(t) uns ~“ kann man beim „Lassen wir ~“ das Agens der dritten Person (ihn) als das semantische Subjekt nehmen: „Lassen wir uns ihn arbeiten!“

III Die Aufforderungsausdrücke von lâzen, lân

Auch bei lâzen, lân (Mittelhochdeutsch von lassen) ist der Imperativ sowohl als Hauptverb wie auch als Hilfsverb möglich. Hier werden „Das Nibelungenlied“ und „Der arme Heinrich“ von Hartmann von Aue untersucht.

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1. lâzen, lân als Hauptverb

Die Bedeutung ist „unterlassen“, „aufgeben“, und „belassen“ usw. wie lassen als Hauptverb.

(38) nu lâzet iuwer weinen (N. 551) = Nun lasst Euer Weinen. (Reclam, S. 163) (39) nu lât iz, Gunther (N. 663) = Nun lasst das, Gunther. (S. 195)

(40) nû lât daz gedingen! (H. 194) = Nun lasst das Hoffen! (Reclam, S. 21)

2. lâzen, lân als Hilfsverb

2.1. Der Imperativ der Konstruktion mit lâzen, lân im Kausativsystem 1) Das semantische Subjekt des Infinitivs ist die erste Person, (mich, uns) (41) lât mich rehte hœren (N. 349) = lasst mich genau hören. (Reclam, S. 105) (42) daz lâzet uns vernemen (N. 1993) = so lasst uns das wissen. (S. 577)

(43) lâ mich bezzern lôn enphân (H. 634) = lass mich besseren Lohn empfangen.

(Reclam, S. 47)

(12)

2) Das semantische Subjekt des Infinitivs ist die dritte Person, der Mensch (44) lâzet iuwer swester für iuwer geste gân (N. 272)

= Lasst Eure Schwester vor den Gästen erscheinen. (Reclam, S. 83)

(45) si ist ein küneginne, und lât si fürgân. (N. 1777) = Sie ist eine Königin, und lasst sie vorübergehen. (S. 515)

(46) lât se uns her nâher baz (N. 1836) =lasst sie noch näher an uns herankommen. (S.

533)

3) Das semantische Subjekt des Infinitivs ist die dritte Person, das Ding (Tier) oder der Sachverhalt

(47) diu ros lâzet stân. (N. 596) = Lasst die Pferde stehen. (Reclam, S. 177) (48) lât niht di brende vallen ûf iuwer helmbant. (N. 2116)

= lasst die Brände nicht auf Euer Helmband fallen, (S. 613)

(49) daz lâ dir alles geschehen. (H. 1255) = das lass immerzu an dir geschehen. (Reclam, S. 107)

Auch beim Imperativ von lâzen im Kausativsystem ist die Bedeutung „Zulassen“

(41) (42) (43), „Aufforderung“ oder „Zulassen“ (44) (45) (46), und „Lassen“ oder

„Zustandebringen“(47) (48) (49) wie lassen im modernen Deutsch.

2.2. Der Imperativ der Infinitivkonstruktion mit lâzen, lân im Passivsystem (reflexiv)

(50) nu lât iu sin bevolhen mîne bürge unt ouch diu lant. (N. 521)

= Nun lasst Euch meine Burgen und auch die Länder anvertrauen. (Reclam, S.

155)

(51) lâ iuz niemen sagen. (N. 1083) = Das lasst Euch von niemandem einreden. (S. 317) (52) lât iuch unbilden niht mîne rede dar umbe. (N. 1468)

= Lasst Euch meine Worte nicht ungelegen sein. (S. 427)

Ide (1996: 104ff, 257f.) erwähnt den Unterschied zwischen lâzen im Mittelhochdeutsch und lassen im modernen Deutsch: Die Interpretationstypen Auffoerdern, Zustandebringen und Ursache sind bei lâzen kaum zu finden. (S. 259). In Buzug auf die Aufforderungsausdrücke im Kausativ- und Passivsystem gibt es –so scheint es mir–

wenig Unterschied zwischen lâzen und lassen.

ˆ

(13)

2.3. Adhortativ

Im Mittelhochdeutsch tritt die Form lass(t) uns ~ als Adhortativ sehr selten auf.

Dafür wird die Form –e(n) wir verwendet.

(53) nu rûme ouch wir den tan. (N. 943) = Lasst auch uns nun den Wald verlassen!

(Fischer, S. 211)

(54) nu rîten (wir) vreuden âne heim in unser lant. (N. 1091)

= Nun lasst uns freudlos in unser Land zurückreiten. (Fischer, S. 241)

Nachtrag: Die Aufforderungsausdrücke der anderen Quasimodalverben

Bosmanszky (1976: 198f.) führt am Ende der Aufforderungsausdrücke der Modalverben lassen und brauchen als Quasimodalverben an. Wie Bosmanszky erwähnt, wird brauchen mit dem zu-Infinitiv nur im Verneinungssatz imperativisch verwendet.

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(55) Du brauchst ihm ja nicht in die Augen zu sehen.

(Doderer: Mord, S. 87. Bosmanszky (1976: 199))

(56) » Genug! « rief der Senator zornig. » Schweig! Ich will gar nichts mehr hören! Du brauchst nichts herzusagen! … « (Th. Mann: Buddenbrooks, S. 511)

Außer lassen gibt es manche Verben, die zum Kausativsystem gehören und auch als Hilfsverb verwendet werden : z.B. helfen, lehren, lernen, machen und heißen. In der Umgangssprache ist der Imperativ dieser Verben als Hilfsverb zu finden: „Hilf mir arbeiten!“, „Lerne Deutsch sprechen!“

20

Zusammenfassung

Hier wurden die verschiedenen Aufforderungsausdrücke von lassen und lâzen

untersucht. Im Unterschied zu Modalverben hat lassen die grammatische Form des

Imperativs: lass!, lasst!. Dieser Imperativ ist sowohl als Hauptverb wie auch als Hilfsverb

möglich. („Lass das!“, „Lass (du) mich reden!“) Die letztere Konstruktion, die sich mit dem

Infinitiv des Verbes verbindet, besteht aus drei Elementen, nämlich dem grammatischen

Subjekt dieser Konstruktion (du), dem semantischen Subjekt des Infinitivs (mich) und

dem Infinitiv (reden). Da das grammatische Subjekt der Konstruktion beim Imperativ als

die 2. Person (du, ihr und Sie) betrachtet wird, werden die Imperative dieser Konstruktion

in drei Gruppen aufgeteilt, die aus dem Zusammenhang zwischen dem grammatischen

(14)

Subjekt und dem semantischen Subjekt des Infinitivs entstehen. In der ersten Gruppe unterscheidet sich das grammatische Subjekt vom semantischen Subjekt. Das eine bewirkt das Entstehen oder die Fortsetzung des Infinitivsachverhaltes, z.B.:„Lass (du) mich reden!“ (du ≠ mich). Das ist lassen vom „Kausativsystem“. Hier im Kausativsystem, wenn das semantische Subjekt die erste Person, Singular (mich), der Sprecher des Satzes ist, ist die Bedeutung „Zulassen“. Wenn das Subjekt die dritte Person (das Ding) ist, ist die Bedeutung „Lassen“ oder „Zustandebringen“. Wenn das Subjekt die dritte Person (der Mensch) ist, ist die Bedeutung „Auffordern“ oder „Zulassen“. Das hängt oft vom Kontext ab. Auch beim Imperativ kann man die Bedeutung der Konstruktion mit lassen unter der Aufteilung von Ide (1996) verstehen.

Bei der zweiten Gruppe sind das grammatische Subjekt und das semantische Subjekt des Infinitivs gleich, der Satz ist reflexiv. Das ist lassen vom „Passivsystem“. Die Konstruktion „lassen + sich + Infinitiv“ wird als Synonym oder als Konkurrenz mit dem Passiv betrachtet. Aber diese Konstruktion ist nicht immer dem Passiv gleich. Während das Passiv in der Regel keinen Imperativ bilden kann, kann diese Konstruktion leicht den Imperativ bilden: „Lass dich von ihr waschen!“ Die letzte Gruppe ist der Adhortativ. Hier ist das grammatische Subjekt (Sprecher) im semantischen Subjekt mit enthalten, z.B.

„Lass uns trinken!“.

Auch bei lâzen, lân (Mittelhochdeutsch von lassen) ist der Imperativ sowohl als Hauptverb wie auch als Hilfsverb möglich. In Bezug auf die Aufforderungsausdrücke gibt es –so scheint es mir– wenig Unterschied zwischen lâzen und lassen. Im Mittelhochdeutsch wird die Form (nicht „lass uns ~“, sondern „–e(n) wir“) als Adhortativ verwendet, z.B.: „nu rûme ouch wir den tan“.

** Im Jahr 2010 habe ich einen Aufsatz über die Aufforderungsausdrűcke von lassen auf Japanisch (Suzuki (2010)) geschrieben. Während eines Forschungsaufenthaltes als Fellow am FRIAS (Freiburg Institute for Advanced Studies) im Studienjahr 2015–16 habe ich mit deutschen Forschern über dieses Problem diskutiert und das Thema weiter ausgebaut. Der vorliegende Aufsatz ist eine überarbeitete deutsche Fassung des genannten Aufsatzes. An dieser Stelle sei dem gesamten FRIAS, Herrn Professor Peter Auer, Frau Professor Monika Fludernik, Herrn Karl Lüke, Herrn Markus Pilshofer und Frau Lena Murakami mein tiefster Dank für die Unterstützung meiner Arbeit ausgesprochen,

(15)

Anmerkungen

1 Vgl. Suzuki Yasushi: Die Aufforderungsausdrücke der Modalverben im Deutschen. In: Gengo to Bunka 19, 2008, S. 1–20. Im folgenden werden der Autor, das Erscheinungsjahr und die Seite in der Literatur wie Suzuki (2008: 1–20) angegeben.

2 Die Gefühlsverben wie sehen, hören und auch die Verben wie helfen, lehren, lernen, machen und heißen verbinden sich mit Infinitiv des Verbes und werden als Hilfsverb verwendet. Vgl.

Weinrich (1993: 282f.) Später wird der Imperativ dieser Verben betrachtet.

3 Nur wollen kann den Imperativ bilden, z.B.: „Du kannst! so wolle nur! Die Tür steht offen.“

(Goethe: Faust) Vgl. Suzuki (2018a: 2f.).

4 Nach Eguchi (1997) ist die Verwendungshäufigkeit von lassen als Hauptverb in der Zeitung im Vergleich mit lassen als Hilfsverb niedrig (13%). Wenn man sich aber auf den Imperativ beschränkt, würde sich die Häufigkeit von lassen als Hauptverb, so scheint es mir, erhöhen. In Wirklichkeit beträgt die Häufigkeit lassen als Hauptverb unter allen Imperativen von lassen in Buddenbrooks 35 %. Auch im Corpus (wie Cosmas) wird wohl eine ähnliche Folgerung gezogen.

5 Vgl. „Doku-wa Daijiten“ (Shogakukan 1990) und „Shin Akusesu Doku-wa jiten“ (Sanshu-sha 2010), wo lassen in das Hauptverb und Hilfsverb unterteilt und beschrieben wird.

6 Über diese Verwendung von „mit + Possessivpronomen“, vgl. Suzuki (2018b: 37).

7 Vgl. Ide (1988: 24–28), Ide (1996: 25–47).

8 Vgl. Brinkmann (1971: 293) , Ide (1996: 29). Das Gleiche wird auch in Weinrich (1993: 284) und Hentschel / Weydt (1994: 76) erwähnt.

9 Vgl. Ide (1991: 43). Es gibt auch einen Fall, in dem das Kriterium kein [+INT] wird, auch wenn beide Subjekte Menschen sind.

10 Wenn man den Imperativ in die Indirekte Rede umsetzt, werden die Modalverben wie sollen und mögen verwendet. Wenn man den Imperativ von lassen in die indirekte Rede umsetzt, wird das auch mit dem Modalverb sollen (sollest) umgeschrieben.

Direkte Rede. Sie sagt: „Lass ihn reden!“

Indirekte Rede. Sie sagt, du sollest ihn reden lassen.

Bei der Umsetzung in die „Erlebte Rede“, vgl. Suzuki (2005: 76f., 150f.).

11 Auch „Lassen (belassen)“ gehört zum Kausativsystem, weil es kausale Beziehung auch zwischen dem grammatischen Subjekt der Konstruktion mit lassen und dem Infinitivverhalten gibt.

12 Nedjalkov (1976: 205f.) teilt die Imperative von lassen in vier Gruppen.

1. Das semantische Subjekt des Infinitivs (1. und 3. Person) Lass mich / ihn arbeiten!

2. Der Adhortativ Lass uns arbeiten!

3. Der Imperativ vom Infinitiv (Alle) arbeiten lassen!

4. Lassen wir ~ Lassen wir ihn arbeiten!

Er führt weiter (S. 223f.) auch den Imperativ der Infinitivkonstruktion mit lassen im Passivsystem an.

5. Er weiß ihre Wohnung, laß dich von ihm führen. (S. 225)

Diese Verteilung unterscheidet sich zwar von mir, aber das Muster ist gleich. Nedjalkov (1976:

(16)

204–230) hat zwar viele Imperative der Infinitivkonstruktion mit lassen an, aber sie sind manchmal schwer zu verstehen, weil sie ohne Kontexte zitiert werden.

13 Vgl. Ide (1993: 143f.), Ide (1996: 67–79).

14 Ide benutzt den Begriff „Willentlichkeit“. Vgl. Rottluff (1982: 337f.), Ide (1993: 147f.), Ide (1996:

73f.), Ide (1998: 282). Sekiguchi (1964: 241) nennt die Konstruktion „lassen + sich + Infinitiv“

das „Willenspassiv“.

15 Nach Helbig / Buscha (1981: 156) wird der Satz „Das Kind läßt sich waschen.“ wie folgt umgeschrieben. „Das Kind veranlässt (od. lässt zu), dass es (das Kind) gewaschen wird.“ Über die Besonderheit von „sich“ (In der Infinitivkonstruktion mit lassen wird mit „sich“ eigentlich nicht auf das Kind hingewiesen.) Vgl. Kuroda (1998).

16 Über die geschichtliche Verwendung vom Adhortativ Vgl. Kurrelmeyer (1900), Erben (1961). In Nedjalkav (1976: 206f.. 214, 222 und 228) werden viele Beispiele angeführt.

17 Über den Vergleich mit dem englischen „let-construction“ Vgl. Davies (1986: 247), Takahashi (2009).

18 Hier wird die Strophennummer (Nibelungenlied (N)) oder die Zeile (Der arme Heinrich (H)) angegeben. Die Űbersetzung ins Neuhochdeutsch wird aus „Das Nibelungenlied (Reclam)“,

„Das Nibelungenlied (Fischer)“ und „Der arme Heinrich (Reclam)“ entnommen. Auch im Althochdeutschen tritt der Imperativ von lassen (laz [lazan]) auf.: Lángo, líobo druhtin mín, láz imo thie dága sin, (Otfrid: Ludwig, 35, S. 2).

19 Vgl. Bosmanszky (1976: 198 f.). Wunderlich (1981) betrachtet „nicht brauchen“ als ein Modalverb.

In Schönherr (2011: 90) wird „ni tharf“ (Athhochdeutsch von „nicht brauchen“) als Modalverb betrachtet.

20 Im Sudermanns Drama „Heimat“ gibt es ein folgendes Beispiel.

„Lern du dem Herrgott danken, daß er dir deinen Vater bis heute gelassen hat.“

(Hermann Sudermann: Heimat, S. 77)

Texte

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参照

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