Pratytmadharmat
methodischer
Transzendentalismus
Kumataro
Kawada
I Einleitung
In dem Abschnitte des Buddhavacanam (Buddhas Wort) des
(1)
vatara Sutra findet man die Stelle: Von Bhagavan wurde es kundgegeben,
lass der Tathagata auch ein einziges Wort nicht sagte and nicht sagen
wird in der Zwischenzeit zwischen der Nacht, wo er Buddhaschaf t erlangte,
and der Nacht, wo er ins Parinirvanam hineingehen wird. Buddhas Wort
besteht in dem Kein-Wort-Sagen." Und die Stelle lasst den Bhavagan den
Sinn dieses ratselhaften Wortes erklaren. Nach der Erklarung ist es
lapidarischer and anigmatischer Ausdruck (Samdhi) der zwei Wahrheiten,
namlich, Pratyatmadharmata and Pauranasthitidharmata. Das erste
bede-utet die fur sich innerlich verwirklichte Wahrheit and das zweite die von
Alters her fortbestehende Wahrheit an sich. Diese Unterscheidung ruft
viele Probleme wach, and hier wird eins davon, das Problem der
Trans-zendenz and Immanenz der zwei Wahrheiten, erortert werden, and dadurch
wird das Pfad geebnet werden, das zum methodischen Transzendentalismus
fuhrt.
II Transzendenz and Immanenz
(2) W
as ist die Pratyatmadharmata ? Nach dem Texte ist sie so
besch-affen, wie folgt. Was von den fruheren Tathagatas fur sich innerlich
(1) The Lankavatara Sutra, edited by Bunyiu Nanjio, 2nd ed., pp. 142-144. Otani University Press. Kyoto, 1956.
erlangt wurde, das habe ich ihnen ganz gleich erlangt. Zwischen ihnen
and mir gibt es weder Minderheit- noch Mehrheit des Erlangten. Dieses
Bereich der Aktivitat der fur sich innerlich verwirklichten Wahrheit
(Pratyatmagatigocara) ist unsagbar and unbeschreiblich." Das ist die
Pratyatmadharmata. Auch wenn sie unsagbar and unbeschreiblich ist, so
muss sie doch auf irgendeine Weise erreicht werden. Denn, sonst ware
sie ganz and gar unbekannt and ware gleich von Anf ang an keine Rede
davon. Und um sie zu erreichen geht man einen bestimmten Weg, der
gewohnlich als der zur Uberwindung des Leidens fuhrende bekannt ist.
Um diesen Weg zu erganzen and verstarken oder um ihn gangbarer zu
machen, werden die siebenunddreissig Bodhipaksas (die vollkommene
Erkenntnis fordernden Partien) geubt, die aus sieben Partien oder Gruppen
von moralischen, meditativen, and intellectualen Ubungen bestehen. Und
die letzte and kronende Gruppe davon ist der heilige achtgliedrige Weg
(ariya atthan.gika magga), d. i. der zur Uberwindung des Leidens fuhrende
Weg. Wenn man dies Stuck des Systems der buddhistischen Philosophie
(des jnanadarsanam) berucksichtigt, so konnte man sagen: die
Pratyatma-dharmata sei identisch mit der dharmasamata (Gleichheit in Bezug auf
Wahrheit), welche ein Glied der vier dharmasamata (Gleichheit der
Eigenschaften) ist, die die Buddhas untereinander mit haben. Man liest
im Sutram, die vierf
ache Gleichheit lapidarisch and anigmatisch
hind-eutend (samdhaya) sagt irgendeiner der Samyaksambuddhas, dass er
damals Krakucchanda war and andernmals Kanakamuni and auch
ander-nmals Kasyapa. Welche ist die vierfache Gleichheit? Sie ist die der
Buchstaben, die der Sprache, die der Wahrheit and die des Korpers. ...
Die Gleichheit der Wahrheit besteht darin, dass sie (die anderen Buddhas)
gerade sowie ich die siebenunddreissig Bodhipaksas erlangten." Also
konnte man sagen, die Pratyatmadharmata sei identisch mit der
Dhar-masamata, insof ern als die erstere als Zweck der zweiten and die zweite
als Mittel dazu betrachted wird. Auch konnte man, ohne diesen Beweis
(3) Op. cit., p. 141-142.
-453-zu verneinen, die Identitat der zweien grossartig bestatigen. W ie gesagt,
ist die letzte Gruppe der siebenunddreissig Bodhipaksas der heilige,
acht-gliedrige Weg zur LJberwindung des Leidens, der die vierte der vier heiligen
Wahrheiten (cattari ariyasaccani) ist. Und die systematische Struktur
dieser vier Wahrheiten ist die der teleologischen Einheit. Und gemass
dieser Einheit konnen die eine oder zwei oder drei Wahrheiten die ubrigen
drei oder zwei oder eine enthalten. Denn, sonst wi rde die wohl begrundete
teleologische Einheit zuschanden gehen. Das ist das Gesetz der
wechsel-seitigen Einschliessung, das nicht nur von den vier heiligen Wahrheiten,
sondern auch von den sechs Paramitas (Vervollkommnungen) and den
drei Disziplinen (Siksatraya: sila, samadhi and prajna) gilt. Also schliesst
die vierte Wahrheit des Weges die ubrigen dreie ein. Und die vier heiligen
Wahrheiten sind nichts Anderes als das tief sinnige Gesetz der abhangigen
Entstehung des cittam (des Geistes). Und die Pratyatmadharmata ist eben
die innerliche Verwirklichung dieses Gesetzes oder der vier heiligen
Wahrheiten, insof ern die buddhistische Philosophie die
Pauranasthitidh-armata als solches Gesetz oder als solche Wahrheiten erfasst. Die
Unsa-gbarkeit and Unbeschreiblichkeit der Pratyatmadharmata hat den Grund
(4)
darin, dass sie der mittlere Weg ist, welcher von Nagarjuna mit acht
(5)
Verneinungen charakterisiert wird and von Asarnga mit deren zehn. Und
die Verneinungen konnen unbeschrankt vermehrt werden, weil Paare der
Gegensatze der Zahl nach unbeschrankt sind. Aber die enumerative
Auf-zahlung ist mussig, weil es mit der Aufzahlung der hauptsachlichen
Gegensatzpaare geniigt. Und nachst, was ist die Pauranasthitidharmata ?
(6)
Nach der betreff enden Stelle des Sutram ist sie so beschaff en wie f olgt. Sie ist wie Erzader des Goldes, des Silbers, der Perlen u. s. w. Ob die
Tathagatas in die Welt erscheinen oder nicht, besteht fort der
Dharma-dhatu (Wahrheitsursprung), die Dharmata (Wahrheit an sich), die
Dhar-masthitita (Wahrheitsbestand), die Dharmaniyamata
(Walirheitsbestimmt-(4) Madhyamakavrttih, p. 11. Bibliotheca Buddhica, IV. St.-Petersbourg, 1913. (5) Mahayana-Sutralamkara, VI. 1. Ed. par Sylvain Levi. Paris, 1907. (6) The Lankavatdra Sutra, pp. 143-144.
heit), die Tathata (Soheit), die Bhutata (Wirklichkeit) oder die Satyata
(Urwahrheit). Dies ist die Pauranasthitidharmata. Also ist sie die von
Alters her f ortbestehende Wahrheit an sich, welche also zu unterscheiden
ist von der heiligen Wahrheit (aryasatyam), and kann mit Synonymen
wie dem Dharmadhatu, der Tathata, der Satyata and dergleichen
ausge-dri ckt werden. Wenn auch man sie nicht merkt, so besteht sie doch fort . Im Gegenteil, wenn man sie merkt and sie mit tauglichen Mitteln innerlich
verwirklicht, so erscheinen die Samyaksambuddhas in die Welt. Daraus
ist es klar, dass kein Buddha sie aus dem Nichts geschopf t hat oder gesetzt
hat, and dass sie im Gegenteil der Boden ist, aus dem die Buddhas
ent-stehen. Also um Buddha zu werden, braucht man nach der Wahrheit zu
gehen. M. a. W. braucht man von Diesseits nach Jenseits zu gehen. Das
ist gerade das param+.i" and bedeutet die Transzendenz nach der
Urwahrheit (satyata). Und wenn man nach der transzendentalen Wahrheit
(satyata, dharmadhatu u. s. w.) geht and sie fur sich innerlich
verwirkl-icht, so ist das Verwirklichte die Pratyatmadharmata (die heilige Wahrheit,
aryasatyam). Daher kommt es heraus, dass die verwirklichte Wahrheit
der transzendentalen Wahrheit innewohnt, d. i. immanent ist, and sie als
Wurzel oder Ursprung voraussetzt. Aber wenn die immanente
Pratyatma-dharmata sich mit der transzendentalen Wahrheit an sich deckt, anders
ausgedriickt, wenn man die transzendentale Wahrheit totaliter ergreift
and fur sich innerlich verwirklicht, so muss die zwei Wahrheiten identisch
sein and wird zwischen ihnen das Verhaltnis von Transzendenz and
Immanenz nicht zustande kommen. Aber these Identitat ist es, das positiv
and weltgeschichtlich gepruft werden muss. Und die Prufung steht noch
aus, wenn man vernt of tig and wissenschaf tlich denken and reden will.
Insof ern konnte man nicht das Verhaltnis fiber Bord werf en. Und dieses
Verhaltnis wird sich begreif en lassen, wenn man denkt an die vier Erke-nntnisse and die drei Korper des Buddha im System der Yogacaramati.
(7)
Die vier Erkenntnisse (adarsa=, samata=, pratyaveksa= and krtyanusthana=
(7) Mahayanasutralariikara, IX, 67.
-451-jnanam) sind vom tat-prstha-labdha-jnanam eingeschlossen and zusammen
mit diesem dem funften mula-avikalpa-jnanam immanent. Diese funfte
Erkenntnis, die in dem spaten Mahayana dharmadhatv-atmaka-jnanam
genannt wird, hat, wenigstens, Anteil an dem transzendentalen
dharmad-hatu (Wahrheitsursprung), welcher der svabhavika-dharma-kaya ist. Und
entweder ob die Anteilnahme wortlich participatio ist oder ob sie in
Wirklichkeit identitas ist, darin steckt ein wichtiges Problem. Besonders
bejaht das spate Mahayana (Mantra= and Vajrayana) die identitas, and
behauptet, dass die funfte Erkenntnis totaliter mit dem Dharmadhatu, der
Pauranasthitidharmata, identisch sei. Das war der deutlichste
Absolutheit-sanspruch der buddhistischen Philosophie, der die Entgegensetzung des
Hinduismus wach ruf to and damit sich selbst relativierte. Um nach dem
Pro-blem der Transzendenz and Immanenz zuruckzukehren, sind die zwei Korper,
(8)
der sambhogika and der nairmanika, dem svabhavika dharmakaya
imma-nent sind.
III Das Problem and die Universalgeschichte der Philosophie
Wie oben erortert, hat die buddhistische Philosophie schon innerhalb
der Grenzen des indischen Buddhismus, die vielsagende Erfahrung des
Denkens der Transzendenz and Immanenz der Wahrheit. Diese Erf ahrung
wurde von der Geschichte des chinesischen and des japanischen
Buddh-ismus bereichert. Nur wurde sie selten genugend nachgedacht and f
rucht-bar benutzt. Nun, welche Bewandnis hat these Denkerf ahrung in der
Universalgeschichte der Philosophie ?
A In Indien nahm der Buddhismus die Absolutheit f ortwahrend fur
sich in Anspruch. Aber ihm stritten andere Philosophien den Anspruch
ab, die sich orthodox nannten, and je fur sich die Absolutheit in Anspruch
nahmen. Diese Tatsache bedeutet, dass viele neben= oder gegeneinander
stehenden Absolutheiten nicht mehr Absolutheiten sind, weil sie sich
selbst relativier'en. Und die Wahrheiten der sogenannten orthodoxen
Philo-(8) Op. cit. IX, 60.
-450-sophien sind der Wahrheit der Vedas immanent, and die letztere ist in
Bezug auf sie transzendental. Diese transzendentale Wahrheit ist von den
orthodoxen and ihr immanenten vorausgesetzt. Also nehmen die
ortho-doxen and immanenten Wahrheiten an der transzendentalen Anteil. Aber,
wie? totaliter oder partialiter ? Die Streite der orthodoxen Philosophies
miteinander um die Absolutheit entstehen dem Anspruch der totalen
Ant-eilnahme an, d. h. dem Anspruch der Identitat mit der transzendentalen
Wahrheit der Vedas. Dasselbe gilt auch von dem Kampf gegeneinander
der orthodoxen and der heterodoxen Philosophien, weil sie, insof ern sie
um die absolute Wahrheit kampfen, wenigstens methodisch die
transzen-dentale Wahrheit voraussetzen and sich selbst dieser Wahrheit immant,
nolens volens, erklaren.
B In der Geschichte der chinesischen Philosophie findet sich das
Problem der Ubereinstimmung oder Nicht-Ubereinstimmung der drei Lehren,
Konfucianismus, Taoismus and Buddhismus. In Japan gesellt sich der
Schintoismus zu ihnen and die vier kampfen um die Absolutheit. Auch
dieser Kampf macht es klar, dass er die transzendentale Wahrheit als
gemeinsamen Grund voraussetzt. Und der Kampf wird verursacht von dem
Anspruch auf den Alleinbesitz der vorausgesetzten and transzendentalen
Wahrheit. Und dieser Anspruch hat wohl ihren Ursprung in der naiven
and bornierten Menschennatur, die grundlich gepruft and korrigiert werden
muss.
C, Seit dem Jahre 1868 trat die europaische Philosophie Uberwartigend
ins Sehfeld der japanischen Philosophie, als deren wichtige Komponente,
man den Buddhismus findet. Die europaische Philosophie hat zwei
Richt-ungen, die des Physismus, d. h. der griechischen Philosophie and die der
christlichen Philorophie. Die physistischen Philosophie, deren Starke im
Gebiete der Physica liegt, nimmt fur sich die Absolutheit in Anspruch
and schatzt die orientalische Philosophie gering oder will sie nicht richtig
verstehen. Auch gibt es hier bekanntermassen Ausnahmef alle, wie A.
Schopenhauer, P. Deussen, F. Max Muller, Sylvain Levi, W. D. Whitney,
C. G. Jung, H. Zimmer and andere mehr. Und wie die physistische
-449-sophie verhalt sich auch die christliche Philosophie, die durch das (9)
stentum bestimmt ist, das den Absolutheitsanspruch hat, wenn auch seine
Absolutheit nur geglaubt and nicht bewiesen wird. Und dock will die
christliche Philosophie die Andersartige als gleichberechtigte and
eben-fburtige Philosophie nicht gelten lassen . Diese ihre starke Neigung hat
sick wohl hauptsachlich in der Geschichte der Auseinandersetzung mit
rider griechischen, judischen and arabischen Philosophie gebildet
inne-rhalb der schmalen mediterranen Welt and herrscht noch heute, wo die
Gestalten der, orientarischen Philosophien ziemlich klar herausgesteilt
sind. Und seit dem Jahre 1945 riickte die amerikanische Philosophie der
Wissenschaften als noch eine, neue and imposante Grosse in das Sehfeld
der japanischen Philosophie. Aber wenn man sie genau betrachtet, so ist
sie ihrem Wesen nach eine neue Gestalt der physistischen Philosophie.
Und die Neuheit besteht darin, dass sie ein tekhnokratischer Materialismus
ist, anstatt des wissenschaftlichen Materialismus in der Mitte des
neun-zehnten Jahrhunderts.
Nun, wenn diese Philosophien, die die Absolutheitsanspruche haben,
genau betrachtet werden, so stellen sich zwei Gruppen davon: die eine
ruppe nimmt die Absolutheit exklusiv fur sich in Anspruch and andere
inklusiv. Der ersten Gruppe gehoren, z. B., der Atomismus des Epikurus,
der Materialismus des L. Feuerbachs and des K. Marx, der tekhnokratischer
TVIaterialismus and andere. Und diese Philosophien, die den exklusiven
Absolutheitsanspruch haben, sind, schon des Anspruchs wegen, relativ
and kennen die transzendentale Wahrheit nicht, der sie in Wirklichkeit
immanent sind. Dagegen kennen die Philosophien der zweiten Gruppe,
die den inklusiven Absolutheitsanspruch haben, kraf t des Anspruchs,
einig-ermassen eigene Relativitat. Aber bis heute wissen sie noch nicht die
Relativitat zur Geniige zu erkennen and sich selbst, wenigstens einmal,
unerbittlich zu relativieren and sich selbst bewusst der transzendentalen
Wahrheit immanent zu machen. Daher kommt es, dass sie aus sich selbst
(9) Hessen, Johannes: Der Absolutheitsanspruch des Christentums, S. 13. Ernst Reinhardt Verlag. Miinchen, 1962.
-448-die transzendentale Wahrheit machen and sick selbst andere Philosophien immanent zu machen versuchen. Man denke an die aristoteliko-thomistische.
Philosophie, die Wissenschaft der Idee des G. W. Fr. Hegels and die
anderen. Dieser Gruppe gehoren die Philosophie des Hinduismus and des,
Buddhismus.
Nun, weil dem so ist, scheint es, dass es auf dem Plan der
Universal-geschichte der Philosophie die Philosophie, die die transzendentale Wahrheit
totaliter hat, nicht einzig, sondern viel sind. Ja, es scheint so, and es ist
nur Schein, weil viele Absolutheiten nichts anderes als so viele
Relativit-aten rind. Die Philosophien der zweiten Gruppe kennen, wenn auch unklar
and undeutlich, das Verhaltnis der transzendentalen Wahrheit zur ,
imma-nenten. Weil dem so ist, sollen sie einen schweren Schritt vorwarts tun
and wenigstens einmal unerbittlich sich relativieren and sick and andere
der transzendentalen Wahrheit immanent machen and in der and durch
die transzendentale Wahrheit die eine Philosophie werden. Der Such nach
der einen Philosophie wird am besten der methodische Transzendentalismuss
genannt werden. Die GrUndung des methodischen Transzendentalismus
ware die Auf Babe, die die Universalgeschichte der Philosophie der Gegen
wart and der Zukunf t auferlegt. Die Auf gabe f ordert nicht: jede
Philo-sophie soil sich aufgeben, sondern fordert es von ihr, dass jede sich and
andere unerbittlich and grundlich pruf en soil and sich and andere der
gemeinsamen transzendentalen Wahrheit immanent machen soll. Dasselbe
kann auch so ausgedruckt werden: Jede Philosophie von weltgeschicht
licher Grosse hat wenigstens partielle Wahrheit and jede halt ihre eigene
Wahrheit fur die totale. Indem jede dasselbe tut, wird jede eben dadurch
relativiert and jede kann nicht umhin, sich als eine relative zu erkennen.
Dies ware marterndes Fegefeuer. Aber die Universalgeschichte der Philo
sophie erlegt jeder Philosophie die Auf gabe auf, erst das schmerzliche
Fegef ewer hindurch zu gehen and genau zu priif en, ob die totalitas odes
das Transzendentale, die jede fur sich in Anspruch nimmt, von vielen
anderen oder von Allen als solches anerkannt werde oder nicht. Als
Resultat dieser reinigenden Priifung wird eigene Philosophie oder andere
-447-Philosophie oder eine dritte als die gesuchte totale and transzendentale
Wahrheit, sich herausstellen. Die Zeit ist gekommen, wo eine ))Summa((
(10)
der Philosophia Perennis et Universalis geschrieben werden muss. Die Aufgabe fur die buddhistischen 'Philosophen besteht darin, dass sie aus dem Zeitalter der Gegenwart einen sicheren Schritt dazu machen. Und dasselbe gilt eben in demselben Masse von alien anderen Philosophen.
IV Schluss
Zum Schluss werden zwei Punkte hervorgehoben. Der erste besteht darin, dass der Aufsatz sich nicht mit der Eschatologie der
Universalges-chichte der Philosophie beschaf tigt. Er will sagen, der eine Vorwartsschritt von der Gegenwart in die Zukunft sei sehr wichtig. Und er will die Art and Weise des Schrittes zeigen. Der zweite Punkt betrifft die transzendentale oder totale Wahrheit. Das Ganze, welches die Wahrheit der Philosophie Hegels ist, ist die vom Standpunkt des Protestantismus, mit Hilfe der Dialektik Platons and des anylon eidos des Aristoteles durchgef iihrte, wunderbare Zusammenschmiedung der europaischen Philosophien, die auf den Plan der Geschichte traten. Eben darum ist es ein Beispiel der partiellen
Wahr-heit, die sich als totale behauptet. Die geforderte totale Wahrheit ist fur die heutigen Philosophen das zu bestimmende X.
(10) Cf. Zimmer, H.: Mythen and Symbole in indischer Kunst and Kultur, S. 243, Anmerkung von Dr. Ananda K. Coomaraswamy. Rascher Verlag. Zurich, 1951.