Kobe Shoin Women’s University Repository
Title Gottes Wort und Menschwerden bei Luther
Author(s) Hiroichi Gotoh
Citation キリスト教論藻,No.13:1-17
Issue Date 1980
Resource Type Bulletin Paper / 紀要論文
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Right
GOTTES
WORT
UND
WERDEN
BEI
LUTHER
Hiroichi
Gotoh
( 1 )
Das Interesse Martin Luthers gait dem Verhaltnis von Gott und dem
Menschen. Den Menschen betrachtet er stets in seinem Verhaltnis zu Gott.
Bei Luther sind Theologie und Anthoropologie so sehr verbunden, da,3
wir seine Theologie als Bestimmung des Verhaltnis von Gott als Erloser
und den Menschen als Sunder verstehen konnen(1.)
Seine Fragestellung ist :
Wie kann der Mensch vor Gott gerecht sein? Wie kann der Mensch
Christ werden?(2)Er
stellt seine Frage mit seiner ganzen Existenz. Diese
personliche Frage von Luther entwickelte sich zur Reformation als
geschichtlicher Bewegung, dabei stand er unter dem Einflui3 vom
politischen und sozialen Faktor in seiner Zeit.
Die reformatorischen Prinzipien sind "allein ans Glauben" (sola fide)
und "allein aufgrund der Bibel" (sola scriptura). Diese zwei Prinzipien
lassen sich auf das Menschwerden anwenden, das ich spater betrachten
will. Das Problem der Reformation ist, wie mir scheint, das Problem
des wahren Menschwerdens.
Es gibt zwei Wege, auf denen Gott und der Mensch sich begegnen.
Der erste Weg ist zu denken als Aufstieg von unten nach oben, auf dem
sich der Mensch Gott nahern will, der andere dagen ist als Abstieg von
oben nach unten aufzufassen, auf dem sich Gott dem Menschen nabern
will. Den letzten begreift Luther als richtigen Weg. Er leugnet ausd
riicklich den ersten Weg. Dies kann man an der Haltung ersehen, die
Luther zu den Schwarmern einnimmt. Bei den Schwarmern entspringt
die Ordnung des Heils (ordo salutis) aus der Askese. Niemand kann
(3
erlost werden, ohne sich griindlich der Askese zu unterziehen. Nur wenn
der Mensch die Askese griindlich vollzieht, kann er Gottes Geist
empfangen. Die Schwarmer kiimmern es nicht wie Gottes Geist zu uns
(4)
kommt, sondern wie wir zu Gottes Geist kommen sollen Das ist
mensch-liches Werk. Die Schwarmer wollen den Ursprung des Heils in den
men-schlichen Bemiihungen erkennen. Diese Meinung orientiert sich am Aufs
tieg, der sich von der Erde her zum Himmel richtet. Luther findet bei
Schwarmern die falsche Meinung, die das Selbst als den Ursprung des
Heils erkennen will, also leugnet Luther durchaus diese Meinung.
Die Ordnung des Heils bei den Schwarmern steht die bei Luther
gegenaber; sie entspringt aus Gott. Luther meint, da 13 zwischen Gott
und dem Menschen eine unerme13liche ethische Entfernung steht und der
Mensch sich nicht mit seinen Bemiihungen Gott nahern kann.
Evangelium ist Verhei,3ung der Versohnung, die aus Gott kommt. Der
Mensch stellt das Verhaltnis zu Gott wieder durch die existentielle
Erwid-erung her, sich vor der Gottes Verheif3ung ein uneigenniitziges Selbst
hinzuwerfen. Luther und Schwarmer stehen in gegeniiber. Luther greift
die Schwarmer in seiner Schrift "Wider die himmlischen Propheten,
von den Bildern und Sakrament" (1525) scharf an.
Zweitens; Luther lehnt die Moglichkeit einer unmittelbaren
Gottes-erkenntnis ab und lath eine mittelbare Erkenntnis Gottes zu. In den
Thesen 19 und 20 der Heidelberger Disputation (1518) sagt er; "Nicht
der heii3t mit Recht ein Theologe, der Gottes unsichtbares Wesen durch
seine Werke wahrnimmt und versteht, sondern der heidt mit Recht ein
Theologe, der das, was von Gottes Wesen sichtbar und der Welt
(5)
zugewandt ist, als in Leiden und im Kreuz dargestellt, begreift.
" Darin
werden zwei Standpunkte beschrieben. Der eine ist der unmittelbare
Standpunkt, der Gottes Herrlichkeit ohne Mittel, zu erkennen sucht.
Luther lehnt diesem Standpunkt als Teologia gloriae ab. Der andere ist der mittelbare Standpunkt, in dem Gott sich in seiner Hinterseite , in den Leiden und in der Niedrigkeit und Schmach des Kreuzes zeigt. Davon kann man aus der menschlichen Vernunft keine Vorstellung haben . Luth-erkennzeichnet diesen Standpunkt als Theologia crucis ,
Das Kreuz ist Verhiillung Gottes und Verborgenheit Gottes ,(7) Wir konnen Gottes Herrlichkeit nicht direkt , sondern nur indirekt, durch das "Wort"
, sein Verborgensein im Kreuz erkennen, Luther schreibt; so ist das Evangelium doch durch das Medium der Sprachen gekommen
und hat auch dadurch zugenommen, mud auch dadurch behalten (8)
werden. "
Zusammengefa,3t besagt Luthers Ansicht des Verhaltnisses von Gott und Mensch also: "Das Heil kommt aus Gott" und "Mittelbarkeit des Gotteserkenntnis" Diese zwei Prinzipien bedeuten die Heilige Schrift als
"W
ort Gottes", in dem Gott sich dem Menschen offenbart . Luthers
(9)
The
ologia crucis ist Theologie des Gottes Wortes. Er braucht keinen Beweis anzutreten, dad er das Wort Gottes in der Heiligen Schrift
(Ii) f
indet. Er steht gehorsam daruber gegen die Tradition der Kirche . Gott redet den Menschen durch das Mittel der Heiligen Schrift an . Luther behauptet, dad es kein anders Mittel als die Heilige Schrift gibt .
Was ist das fur ein Mensch, dem Gott durch das Mittel der Heiligen Schrift anredet? Luther meint, da d der Mensch in der Sande ist. Es wird anerkannt, da,3 er viele ausgezeichnete Vermogen im Vergleich mit andern Lebenswesen hat. Wegen seiner vielen ausgezeichneten Vermogen fallt er in Versuchung. In der historischen Welt hat er viele Zivilisa-tionen und viele Kulturen hervorgebracht , als htte er nichts, was er nicht hervorbringen kann. Weil er dabei egosentisch seinen Vorteil verfolgt, verursacht er die gegenwartige Verunreinigung der Umwelt und beschwort die Gefahr der Vernichtung des Menschengeschlechts herauf .
Der Mensch trachtet nach seinem Reichtum, seiner Ehre seiner Weisheit und seinem Vermogen. Luther halt diesen Egozentismus fur Siinde(.I1) Doch dessen ist sich der Mensch nicht bewudt. Luther bezeichnet das als Blindheid. " Menschliches Wesen ist namlich blind, so da d es die eignen Krafte oder vielmehr die Krankheit nicht kennt, als dann in seinem
Hochmut
sich einbildet, alles zu kennen
und zu vermogee Der Mensch
als Sunder kann in der Heiligen Schrift als Wort Gottes Gott begegnen ,1131 d
er den Menschen aus der Bindung seiner Siinde befreit.
Luther sieht von der Sprache als eines bloden Mittels der Kommunika-tion von Mensch zu Mensch alp. Er betont die Sprache als ein dem Menschen gegebenes Instrument. Der Mensch soil durch den Gebrauch desselben sich nicht selbst aussagen, sondern es im Dienste Gottes verwenden. Die Heilige Schrift ist freilich menschliche Sprache, weil sie in menschlicher Sprache geschrieben 1st. Aber sie wirkt als Wort Gottes mit Wirkung des Heiligen Geistes°.5)
Das Problem des Wortes und das Problem, wie der Mensch zum Menschen wird, ist nach Luther schliedlich das Problem des Wortes Gottes und das Problem, wie der Mensch zum Christen wird. Wie begegnet Gott dem Menschen als Sunder durch das Mittel des Wortes Gottes? d. h. Wie nimmt der Mensch die Verheidung der Versohnung aus Gott an und wie wird er Christenmensch? Der Mensch wird Christen nicht durch die allmahliche Bildung als die Vermehrung des Wissens und der Erfahrung, sondern durch eine tiefgreifende Wendung des menschlichen Lebens, d. h. durch die Wendung vom uneigentlichen zum eigentlichen Selbst.
( 2 )
Wenn Luther vom Wort Gottes spricht, so differenziert er es in zwei,
as) d
Gottes zeigt sich 5uderlich als das dem Menschen wahrnehmbare Wort.
Das innerliche Wort Gottes ist Gottes Reden zum Herzen und das dem
Menschen au derlich unwahrnehmbare Wort. Zum au t3erlichen Wort
Gottes gehoren das schriftliche und das mandliche Wort Gottes.
Das schriftliche
Wort Gottes stellt die Heilige Schrift dar. Das mandliche
Wort Gottes ist die menschliche Sprache, die als Predigt und Zuspruch
von menschlichen Lippen gesprochen und mit den Ohren gehort wird.
Gott redet mit dem Menschen nicht direkt, sondern unter der Verhullung
der menschlichen Sprache und bringt ihm Christenmensch zu werden. In
der Zeit des Alten Bundes hat Gott durch die Vermittlung der
Patriarchen und Propheten zur Menschheit und in der Zeit des Neuen
Bundes durch die Vermittlung der Apostel gesprochen. In unsrer Zeit
spricht er durch die Vermittlung der Prediger, die uns das Wort Gottes
erklren. Ein Christenmensch wird man im Horen des Wort Gottes,
nicht durch gute Taten und Ubungen.
Ein Christenmensch wird geboren nicht durch die Askese, sondern
on d
urch das Horen des Wort Gottes. Horen setzt Reden voraus. Daraber
schreibe ich eingehend im Kapitel (3) . Es ist allerdings nicht genug,
Wort Gottes zu horen. Wir milssen Wort Gottes verstehen. Luther
unt-erscheidet einen zweifachen Wortsinn, den natiirlichen literalen Wortsinn
OR)
und den eigentlich geistlichen oder theologischen Wortsinn Die Erfassung
des natarlichen und des geistlichen Wortsinnes ist notwendig zum
Verstehen des Wortes Gottes.
Aber das Fundament alien Verstehens ist die Aufnahme des Wortes in
seinem natiirlichen Sinn. Durch Horen des Wortes Gottes konnen wir
semen natarlichen literalen Wortsinn haben. Wenn wir ihn nicht haben,
sind wir unwissendiiber
den Wortsinn und Grammatik.(19)
Das Wort
Gottes, das die Ohren des Menschen erreicht, kann nicht allein weiter in
das Herz des Menschen eingehen. Luther erkennt, da,3 es unmoglich ist,
fiber die Herzen des Menschen zu herrschen. ' 'Derin ich nicht in meiner Gewalt oder Hand ihre Herzen der Menschen als der Hafner den Leimen, mit ihm zu schaffen nach meinem Gefallen. Ich kann nicht
(20) weiterkommen denn zu den Ohren: ins Herz kann ich nicht kommen" . Wir konnen das Wort Gottes nur an die Ohren des Menschen bringen , aber nicht ins Herz kommen . Wir brauchen die Wirkung des Geistes Gottes, urnden geistlichen Sinn zu haben0 Das auderliche Wort Gottes ist nicht allein mdchtig. Ohne die Wirkung des Geistes Gottes bleibt das
(22)
auderliche Wort Gottes nur menschliches Wort . Luther spricht daruber; 'Kein Men sch nimmt auch nur ein Jota in der Schrift wahr
, er nicht ( 2 ) d
en Geist Gottes hat'
Das innerliche Wort Gottes ist das Wirken des Heiligen Geistes , der uns das vorher gehorte duderliche Wort Gottes im Herzen verstehen la,3t.
(24)
Es ist Reden Gottes mit dem Heiligen Geist. Das duderliche Wort Gottes wird erst das wahre Wort Gottes, wenn es das innerliche Wort Gottes wird. Erst dann ha ben wir den naturlichen und geistlichen Wortsinn . Das duderliche Wort Gottes geht voran, dann kommt der Heilige Geist , Diese Ordnung ist nicht zu verandern. "Er (Gott) will niemand den
(21)
Geist noch Glauben geben ohn das auderliche Wort und Zeichen". Das Wirken des Geistes im Herzen ist also auf alle Fdlle an das Horen des au derlichen Wort Gottes gebunden. Der Heilige Geist redet nichts anderes 6) als das duderliche Wort Gottes. Warum nimmt Gott diese Weise auf? Luther antwortet; Es hat Gott so gefallen, durch das auderliche Wort Gottes den Heiligen Geist zu verleihen(2.7) Er lehnt ab, den Grund des gottlichen Willens zu erforschen. 'Es gentigt zu wissen, dad Gott so will".
Die Verbindung des Heiligen Geistes mit dem duderlichen Wort Gottes gibt keine neuen Offenbarungen, sondern macht das du derliche Wort Gottes machtig, so data es den Menschen im Herzen als das innerliche
Wort Gottes wirkt. Der Heilige Geist ist unter der Verballung des
(29)
erlichen Wortes Gottes verborgen. Das auderliche Wort Gottes ist das Vehikel far den Heiligen Geist. Wenn der Heiligen Geist durch das dud-erliche Wort Gottes wirkt, wird es das innerliche Wort Gottes, d. h. offenbart sich die Wahrheit von Gott. So haben wir das Verstehen des Wortes Gottes. Das ist kein Ergebnis unsrer Bemuhungen, sondern wird als Gabe gegeben.
Esist Luthers Anschauung vom Wort Gottes und dem Heiligen Geist, dad der Heilige Geist durch die Vermittlung des Wortes wirkt. Dies wird ) als Einheit von Geist und Wort bezeichnet.(3° Bedeutet die Einheit von Geist und Wort; wo das Wort Gottes 1st, da 1st immer auch der Heilige Geist? Sie bedeutet, dad wir den Heiligen Geist ohne Wort Gottes nicht haben.
Wenn der Heilige Geist vom Wort Gottes frei ist, konnen seine In-spirationen alles Mogliche enthalten. Damit ware ein andere Weg zum Heil als das Evangelium vom Wort Gottes aufgetan(.31) Man konnte ein anderes innerliches Wort Gottes, eine andere Wahrheit als das innerliche Wort Gottes behaupten, das durch die Bindung des Heiligen Geistes an das auderliche Wort Gottes erzeugt wird. Dann ware das Evangelium mehrdeutig. Die Gebundenheit des Heiligen Geistes an das auderliche Wort Gottes sichert die Eindeutigkeit des Evangeliums(3.4 Luther ist gegen die Unmittelbarkeit des Heiligen Geistes, wie die Schwarmer sie woken. Er ist besorgt darum, dad das Evangelium einen anderen Weg auftate. Uberdies darf man bier nicht annehmen, da,3 der Heilige Geist gleichzeitig mit dem Horen des auderlichen Wort Gottes wirkt und die Wahrheit sich offenbart. Luther unterscheidet das Horen des Wortes Gottes von der Wirkung des Heiligen Geistes. Wenn man das Wort Gottes in die Ohren gefadt hat, dann kommt der Heilige Geist und wirkt, aber nicht immer sogleich.
Der Heilige Geist macht das au Perliche Wort Gottes nicht zum Trager
seiner Wirkung. Er wirkt durch das au Perliche Wort Gottes in seiner
Freiheit. Er macht auch nicht den Verkundiger zum Trager seiner
Wirkung.
Gott macht das vorher gehorte Wort Gottes durch seine Geisteswirkung
wirksam. Es ist unbestimmt, da p wann und wen er seinen Geist
wirksam machen will. Wir miissen auf den Heiligen Geist warten, auch
wenn wir vorher das Wort Gottes gehort haben. Die Geisteswirkung
erreicht nicht aile Menschen, die das Wort Gottes gehort haben. Sie
wird die bestimmten Gewahlten erreichen. Gott bestimmt nicht nur in
(33)
seiner Freiheit das Wann, sondern auch das Wen. Warum Gott so
handelt, ist sein Geheimnis. " Dieser Wille ist nicht erforschen, mit
Ehrfurcht anzubeten als das bei weitem ehrwfirdigste Geheimnis der
gottlichen Majestat".1) Wir konnen nicht das Wann und das Wen
voraussehen. Darauf miissen wir uns vorbereiten warten. "
da
jen-er (Gottes) Geist frei ist und weht nicht so, wir wollen, sondjen-ern wo jen-er
will, jene Regel des Paulus zu beachten: Halte an, es sei zu rechter Zeit
(35)
oder zur Unzeit. wir wissen nicht, zu Stunde der Herr kommen wird".
P. Althaus fa Pt die enge Beziehung von Heiligen Geist und Wort Gottes
in zwei Satzen.
1) Der Geist redet nicht ohne das Wort.
2) Der Geist redet durch das Wort, im Wort.
Der erste Satz zeigt: Der Heilige Geist wirkt nicht unmittelbar, sondern
mittelbar. Der zweite Satz zeigt: Der Heilige Geist wirkt nicht abhangig
von Wort Gottes, sondern in seiner Freiheit. Wir verstehen Kier: In der
Moglichkeit, ein Christenmensch zu werden, auger dem Horen und dem
natiirlichen Verstehen des Wortes Gottes, hat Gott bei ihm den
grundlichen Teil – das Verstehen des Wortes Gottes— Offenbarung der
Wahrheit.
( 3 )
Vorher miissen wir das au,3erliche Wort Gottes horen, dann kommt der Heilige Geist. Er macht es innerlich machtig, da,3 wir es als das in-nerliche Wort Gottes einnehmen. Im Verlauf dieses Christenmensch-werdens konnen wir nur mit dem Horen des Wortes Gottes zu tun haben. Das Horen braucht das Reden. Es gibt zwei sprachliche Mitteilungsweisen, das Reden — Horen und das Schreiben — Lesen. Luther halt das Reden — Horen fur wichtig und betont das Reden . "Denn im Neuen Testament wird das Evangelium, das ist nichts and-eres als das Wort, gepredigt, in dem der Geist und die Gnade zur
(37)
Vergebung der Siinde dargeboten wird ... Er weist darauf hin, da,3 Christus den Predigtamt als die Auslegung des Wortes Gottes aufgetragen
(3s)
wird. In der Tat schrieb Christus nichts und die Apostel nur ein
(39)
wenig, aber sie ,redeten viel. Der Unterschied zwischen dem schriftlichen
40) W ort Gottes und dem miindlichen ist nicht inhaltlich, sondern formal.
Die Form des schriftlichen Wortes Gottes ist der Buchsta be. Der ist ein menschliches Ding und steht in der menschlichen Gewalt, als Gegenstand des Wissens zu erforschen. Die wissenschaftliche Forschung ist auf unser menschliches Vermogen gegriindet. Bei der Erforschung der Heiligen Schrift herrschen wir iiber die Buchstaben. Wenn wir die Heilige Schrift wissenschaftlich erforschen, werden sich die israelische Geschichte, Sitten und Gebrauche und das Ereignis Christi (Geburt, Wunder, sein Tod und Auferstehung) uberzeugt. Dadurch wird kein Christenmensch. "Wenn du von der inneren Klarheit sprichst, nimmt kein Mensch auch nur ein Jota in der Schrift wahr, wenn er nicht den
(4z)
Geist Gottes hat". Die Heilige Schrift enthalt nicht nur die Geschichte, sondern die Offenbarung. Das schriftriche Wort Gottes wird gegenwartig dadurch, dai3 es als Predigt, geredet wird. Das Evangelium, das im
schriftlichen Wort Gottes, im Buchsta
ben, gestorben ist, wird lebendig
im miindlichen, im gepredigten Wort Gottes. Also ist das Evangelium
nicht anders a
ls das milndliche Wort Gottes.(43)
Wir konnen Christo in der Heiligen Schrift dadurch begegnen, da r3 das
in der Welt verborgene Evangelium von Person zu Person geredet wird.
Glauben wird taglich aufs neue gebildet und wirkt lebendig in der Gegen
-
w ard. Darum ist es notig, das Word Gottes zu reden und des
Evangeliums gegenwartig zu sein. In diesem Sinn legt Luther Gew
icht
auf die Predigt. " Weil a Iles Gottesdiensts das gror3te und vornehmste
Stuck ist Gottes Wort predigen und lehren
" "
Selbsverstandlich miissen wir eine gemeinsame Sprache ha ben, damit
die Mitteil
ungsweise das Reden
Horen wirksa
m ist. Die offi
zie
!le
Sprache in Luthers Zeit in Europa war La
tein, und es war im
Gottesdienst gebraucht. Aber es war die gemeinsame Sprache fur einen
gewissen Kreis der Gebildeten, und das Volk konnte es nicht verstehen.
Das mandliche Word Gottes, la
tei
nisch gesprochen, konnte das Volk
horen, a ber selbst den literalen Wortsinn konnte es nicht erfassen. Seit
dem Anschlag des 95 Thesen 1517 kampfte Luther fur Reformation, und
er hielt auch eine Neuordung des Gottesdienstes in der Volkssprache, der
das Ha
u
ptleben fur die Christen ist, fur notig. Luther hat die
grundlegende Frage gestellt, ob es eine heilige Sprache gibt, in der allein
(45 d
as Wort Gottes aufbewahrt oder Gott recht verehrt werden kann.
Luth-er entfaltet dieses Problem in seinen Schriften
: " An die Ratsherren alter
Stadte deutschen Landes, d a ,3 sie christliche Schulen aufrichten und
halten sollen" ( 1524) und " Deutsche Messe und Ordnung des
Gottesdienstes" (1526).
Die Heilige Sprache ist nach Luther diejenige Sprache, in der das
Wort Gottes verfa
i3t ist. Konkret gesagt ist das fur das Alte Testament
(40 di
e hebraische und fiir das Neue Testament die griechische Sprache. Es
10
ist die unbegreifliche Wohl Gottes, dap in diesen zwei Sprachen das
4)
Wort Gottes verfapt ist. Die Heiligung der Sprache griindet sich nicht auf die Eigenschaft der Sprache als solche, sondern ganz auf Wohl Gottes. Es ist denkbar, dap andere Sprachen auger dem Griechischen und Hebraischen zur Heiligen Sprache werden, wenn sie das Wort Gottes aufbewahren.
Durch die Ubertragung des Wortes Gottes aus dem Griechischen und Hebraischen in andere Sprachen werden diese also selbst zu heiligen Sprachen. " aus derselben (Neue Testament), als aus einem Brunnen, in andere Sprach durchs Dolmetschen geflossen ist und sie
(40
auch geheiligt hat-. Das bedeutet, dap diejenigen Sprachen, in die die Heilige Schrift aus den heiligen Sprachen iibertragen worden ist, grundsatzlich mit den heiligen Sprachen gleichgestellt werden und heilige Sprachen sind, da in ihnen das ,Wort Gottes aufbewahrt wird. Luthers Meinung nach ist es unnotig, eine einzige bestimmte Sprache zum Reden des Wortes Gottes zu gebrauchen. Also hat er die Heilige Schrift in die Volkssprache, d. h. ins Deutsche, iibersetzt und er ist zu einer Neu-ordnung des Gottesdienstes in der Volkssprache gekommen. Endlich kann das Volk im Gottesdienst eine gemeinsame Sprache haben und das miindliche Wort Gottes verstehen.
( 4 )
Die Predigt ist der Mittelpunkt der Reformation, denn das Evangelium kommt durch die Vermittlung des Wortes Gottes . Luther meint, da P das Wort Gottes geredet werden mug. Die Predigt und der Gottesdienst in der Volkssprache sind unsre Vorbereitungen fiir die Moglichkeit, ein Chr-istenmensch zu werden. Es ist Luthers Leistung in der Reformation , dap er die Initiative dafi_ir ergriffen hat. Wo steht die Aufgabe der Verkiindigung, durch die Vermittlung des Wortes Gottes ein
istenmensch zu werden, in der Erziehung? In der Folge werde ich
versuchen, was fur eine padagogische Stellung die Aufgabe hat.
In der uberlieferten Auffassung von der Erziehung lassen sich zwei
Grundauffassungen von Wesen des Erziehungsvorgangs unterscheiden, die
(49) i
n der Geschichte der Padagogik immer wiederkehren.
Die eine Auffassung von der Erziehung leitet diesen Begriff vom
hand-werklichen Tun ab. Erziehen bedeutet hier die Formung des Menschen
0)
nach einem bestimmten Ziel, d. h. ein mechanisches Machen von auPen. Die andere Auffassung von der Erziehung sieht diesen Begriff in Analogie
zum pflanzlichen Wachstum. "Der Mensch ist eben nicht ein beliebig zu formendes Material, sondern entfaltet sich von innen her nach dem ihm
(51)
eigenen Gesetz zu dem in ihm selber angelegten Ziel". Also ist das Erziehen das organische Wachstum von innen. Um es kurz zu sagen, beruht die Erziehung entweder auf einem mechanischen Machen von aupen oder auf einem organischen Wachsen von innen. Beide Auffassungen haben eine gemeinsame Voraussetzung, dal der Mensch in a Ilmahlicher Vervollkommnung erzogen werden kann. Das kann man als eine stetige Form in der Erziehung zusammenfassen.
Die existenzphilosophische Auffassung vom Menschen wird von 0. F. Bollnow wie folgt zusammengefa pt. " da P es im Menschen einen letzten, innersten, von ihr mit dem far sie charakteristischen Begriffff als
"Existenz" bezeichneten Kern gibt
, der sich grundsatzlich jeder bleibenden Formung entzieht, weil er sich immer nur im Augenblick
(52)
alisiert, aber auch mit dem Augenblick wieder dahinschwindet. " Das eigentliche Selbst realisiert sich nur im Augenblick, aber im Nu stiirzt es wieder im uneigentliche alltagliche Selbst ab. In der existentiellen Ebene gibt es kein Leben in stetigen Aufbau oder in stetiger Entwicklung, sondern nur in unstetigen Vorgangen. Nach dem letzten Krieg hat die Existenzphilosophie auf allen Gebiete einen gewaltigen EinfluP ausgeiibt.
Trotzdem hat sie lange Zeit auf die Padagogik kaum Einflul9 gehabt .
In letzter Zeit ist die Padagogik von der Existenzphilosophie a ngeregt
werden, und 0. F. Bollnow hat sein Buch " Existenzphilosophie und
Padagogik 1959" veroffentlicht. Darin nimmt er unstetige Vorgange in
der Existenzphilosophie auf der Seite der Padagogik auf und versucht die
Moglich keit einer Padagogik unstetiger Vorgange.
Auf dem Gebiet des Lebens und der Erziehung bis her vernadassigte
Erscheinungen wie Krise, wie die Erweckung, wie die Erma hnung und
wie die Begegnung sind in der unstetigen padagogischen Theorie
fruchtbar aufgenommen. Vor a Item ist auf die Begegnung na her
eingegangen.
In der Begegnung trifft der Mensch auf eine fremde Wirklichkeit , wie
z. B. einen a ndern Menschen oder ein Kunstwerk . Da wird er im Kern
seiner Existenz erschattert und gezwungen, seine bisherige Lebensweise
zu unterbrechen Lind grundsatzlich zu sich selber um z ukehren . Nur in
der Begegnung kommt der Mensch zu sich selbst. Die Begegnung war
eigentlich als Begegnung von Mensch zu Mensch erwa chsen. Aber der
Begriff der Begegnung kann auf eine geschichliche Literatur oder auf
ein Kunstwerk angewandt werden. Die aberlieferterf stetigen
Erzie-hungsformen werden nicht durch solche unstetigen existentiellen
Erzie-hungsformen ersetzt. Es geht nur darum , die beiden Formen in ein
Verhaltnis der gegenseitigen Erganzung zu stellen . Wir wissen nicht,
wo und wann die Begegnung im breiten geistes geschichtlichen
Bereich zu uns kommt . Wie der Mensch ein Kunstwerk schon lange
kennen kann, ehe Bann eines Tages die Wahrheit plotzlich iiberspringt .
So geht es hier darum , aller vor aller Begegnung erst einmal die
Breite der Moglichkeiten bereitzustellen3) Das ist unsre Vorbereitung auf
die Begegnung . Die geduldige Bildungsarbeit behalt ihre hohe
Bedeu-tung far das Gelingen einer Begegnung .(541
Wenn der Mensch das innerliche Wort Gottes hiirt, wird er griindlich erschiittert und kommt die griindliche Umkehr vom uneigentlichen Selbst her nach dem eigentlichen. Das eigentliche Selbst ist nach Luther nichts anders als Christenmensch zu werden. Der Glaube vollbringt im Augenblick, aber dauert nicht an. Es ist in der Notwendigkeit der
im-mer erneuten Anstrengung. In diesem Sinn konnen wir Luthers Behauptung > Glauben wird taglich wieder erneuert < gut verstehen. Von den Christen wird also verlangt, dap sie immer wieder Gottes Wort
horen und Gottesdienst hal ten.
An der Vorbereitung und Verkiindigung des a UPerlichen Wort Gottes hat der Mensch von seiner Seite aus die Moglichkeit, ein Christenmensch zu werden. Es behalt fur die Moglichkeit, ein Christenmensch zu werden, eine hohe Bedeutung, das auperliche Wort Gottes a usda uernd vorzubereiten. Das auperliche Wort Gottes ha ngt mit unserer Anstrengung zusammen. Das innerliche Wort Gottes hangt niemals damit zusammen und kann nicht bewu t herbeigefiihrt werden. Wenn es zu uns kommt, ware das Gnade. Luthers Christenmensch durch die Vermittelung des Wortes Gottes gehort der Ka tegorie der unstetigen Erziehungsformen an. Und da bei wird die Moglichkeit, ein Chri-stenmensch zu werden, dadurch vollbracht, dap die stetige Form als die Vorbereitung durch das au perliche Wort Gottes und die unstetige Form als Gnade durch das innerliche Wort Gottes einander erganzen.
ANMER KUNGEN Abkiirzungsverzeichnis
Mii3 = Miinchner Ausgabe 3 Auflage.
Martin Luther Ausgewahlte Werke, hrsg. von H. H, Borcherd and Georg Merz,
Min Erg. = Miinchner Ausgabe ErOnzungsreihe 3 Adage. 14
(1) (2) (3) (4) (5) (6) (7) (8) (9) (10) (11) (12) (13) (14) (15) (16) (17 as. (19) (20) (21) (22) (23) (24) (25) (26) (27, (2a
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libersetzung von rneinern Aufsatzl "Luther niokeru Kotoba to Ningen-der schon in dieser Zeitschrift 5, 1971 aul japaniseh verblicntliebt wurde,
Im Grunde Aufsatzen. Ausdriicke
genommen gibt es
Dr. Udo Hofmann
korrigiert. FUr seine
inhaltlich keinen
in TUbingen hat
Hilfe mochte ich
grossen Unterschied zwischen
mein Manuskript gelesen and
hier ihm herzlich danken .
beiden unklare