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Goethe und doppelte Buchhaltung : Rechnung des Lebens

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Academic year: 2021

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Goethe und doppelte Buchhaltung : Rechnung des Lebens

その他のタイトル ゲーテと複式簿記

著者 Sakai Fumio

journal or

publication title

關西大學商學論集

volume 8

number 1

page range 84‑88

year 1963‑04‑30

URL http://hdl.handle.net/10112/00021643

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Goethe und doppelte Buchhaltung

--Rechnung des Lebens--

Fumio SAKAI Ffm. 18. Juli 1961

Viele Leute zitieren, wenn sie über die doppelte Buchhaltung sprechen, Goethes Worte: ,, Die

doppelte Buchhaltung ist eine der schönsten Erfindungen des menschlichen Geistes".

Aber oft lassen sie dabei ein anderes Goethewort außer acht, das über den Kaufmannsgeist-der

durch die doppelte Buchführung symbolisiert wird-sagt: ,, Gewöhnlich vergeßt ihr aber auch übe;

eurem Addieren und Bilanzieren das eigentliche Fazit des Lebens".

Dieser bedeutsame Gedanke Goethes, der in seinem „Wilhelm Meisters Lehrjahre"

(1.

Buch, 10.

Kap., Goldmanns· Gelbe Taschenbücher, Bd. 527/28, S. 33., Volkmar Muthesius, Geld und

0

Geist

1961, SS. 21-22) niedergeschrieben ist, ist vielleicht nicht leicht zu verstehen, selbst für

(3)

., "' Leute, die über ihr gesamtes Leben „Buch führen". Dagegen glaube ich, daß die folgende Erzählung

„Rechnung der Mutter" aus dem Zyklus der „Bed-Time Stories" das Problem in einfacherer Weise

erklärt.

„Ein Junge, Tom, stand frühmorgens auf. Nachdem er ein Stück Papier, auf das er am vorherigen

Abend etwas aufgeschrieben hatte, auf den Tisch seiner Mutter gelegt hatte, ging er zur Schule.

Seine Mutter lächelte, als sie den Zettel sah. Zum Abendessen Kam Tom nach Hause und freute

sich, daß neben seinem Zettel, einer „Rechnung", 50 Cents lagen.

Als er am nächsten Morgen zum Frühstück kam, fand er einen anderen Zettel vor, wiederum eine

„Rechnung", ähnlich der, die er gestern higelegt hatte. Tom fing an zu weinen, aß hastig sein

Frühstück und lief zur Schule. Indessen gingen ihm seiner Mutter „Rechnung", seine eigene

,,Rechnung" und die 50 Cents ständig im Kopf herum."

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An Mutter:

1) Entgelt für einen Gang zum Markt 10 Cents 2) Entgelt für eine Massage 10 Cents 3) Entgelt für Gartenarbeit 10 Cents 4) Entgelt dafür, daß ich meine kleine Schwester mit zur Kirche genommen habe 10 Cents 5)' Entgelt dafür, daß ich das Haus bewacht habe 10 Cents

Gesamt: 50 Cents

Mutters Rechnung

An Tom:

1) Entgelt für Pflege, als du die Masern hattest 0 2) Ausgaben für Schulbücher, Hefte und Bleistifte 0 3) Ausgaben für tägliches Lunch 0 4) Ausgaben für einen Mantel 0 5) Ausgaben für die Erziehung eines Kindes 0

Gesamt: 0

(5)

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Stellen nicht viele Leute in der heutigen Geschäftswelt Rechnungen auf in der Art, wie es Tom

getan hat? Ja, und sogar nicht nur in der Geschäftswelt. Aber ich glaube, daß ein Nachdenken

über den eigentlichen Wert des Lebens, den die „Rechnung von Toms Mutter" ch~rakterisiert, eine

Art von Beruhigungsmittel in unserer Zeit ist, in der die Geschäftswelt, die mit dem Bezahlen von

Rechnungen beschäftigt ist, unser ganzes· tägliches Leben auszufüllen begint.

Geld umschließt, wie . Herr Y oshihei, der Held in „Shinjitsuichiro - Bedächtig und aufrichtig zu

Leben" (ein Roman von Yuzo Yamamoto, eines großen japanischen Schriftstellers) und wie der

Direktor des Rechnungswesens einer Gesellschaft sagen, nicht nur seinen eigenen Preis-wert,

sondern darüber hinaus alle Arten von Annehmlichkeiten.

Sogenannte „Rechnungen", die dieses Geld kontrollieren, sind einerseits nutzlich, um einen leisen

Verdacht wie den von Herrn Yazu, einem Volksschullehrer von Yoshio (einem Sohn Yoshiheis) zu

erregen. Er glaubte, daß, wenn zwei Jungen da sind und einer von ihnen Geld gefunden hat,

während der andere die gleiche Summe verloren hat, der Finder sicherlich das Geld gestohlen hat.

Aber die sogenannten „Rechnungen" sind andererseits nützlich für die Anwendung eines

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komplizierten und feinen Tricks in der Art des jenigen von Y oshihei, der sagte-als er diesen Fall

behandelte-, daß das verlorene Geld als verlorenes und nicht als gestohlenes Geld zu betrachten

sei, wenn es auch mit der verlorenen Summe übereinstimme.

Was sagt nun Yoshiheis Testament für Fräulein Shizuko, seine Schwiegertochter aus, obwohl·

Yoshihei selbst sein kümmerliches Leben-wegen seiner Heirat ohne Liebe-beendet hat?

Er schrieb in seinem Testament:

„Mein ganzes Leben gleich einer Registrierkasse: ich habe Zahlungen empfangen und eigene

Zahlungen geleistet, und habe ich gelebt, ohne die wesentlicheren Werte gekannt zu ha:ben. Vor

allem bin ich sehr traurig, daß ich nicht mir selbst gelebt habe. Sich selbst leben bedeutet

nicht, egoistisch leben. In anderen Worten: nicht sich selbst leben bedeutet, nicht aufrichtig leben

· oder wahrhaftig leben.

Ich habe abgedroschene Phrasen wie „ja", ,,wenn es so ist" benutzt und habe nicht meine eigene

Sprache gesprochen: es ist gewesen, als ob ich einen Frack von einer fremden Person entliehen

hätte".

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