Franz Georg von Kees und das josephinische Strafgesetzbuch(3)
著者 Adachi Masakatsu
journal or
publication title
法經論集
volume 48
page range A47‑A73
year 1981‑12‑25
出版者 Shizuoka University. Junior College of Law and Economics
URL http://doi.org/10.14945/00008941
Franz Georg von KeeB und da$ josephinische Strafgesetzbuch (3〉
Franz Georg von KeeB und
das josephinische Strafgesetzbuch (3)
Masakatsu ADACHI
Nr 4. (NachlaB KeeB, Faszikel Kb
Eure Majestat
3 November 1786
In dem Beilage Uberreicht eihe H5chstderselben das Protokoll der
Berathschlagung, welche zwischen der Kompilations Hofkommission und dieser politischen Stelle tiber den von der ersteren anher mitgetheilten Entwurf des politischen Strafgesezes gehalten werden.
Welchem man nur nech die allerunterthtinigste Erinnerung beizurifcken sich verpflichtet htilt, daB das d6m Protokolle angeschlossene Patent von Freyherrn v. Margelick nur eventualiter, und um sogleich ein Beispiel vor Augen zu legen,
entworfen worden, immer aber nach der von Eure Majesttit erfolgten Bestimrriung tiber den eigentlichen Gegenstand des politischen Strafgesetzes, noch erst nothwendig seyn wird, Punkt ftir Punkt, sowoh! die Verbrechen und Strafarten, als das wechselseitige VerhaltniB beider gegeneinander in Ueberlegung zu nehmen, um in einer Sache, die mit dem Ganzen der Gerechtigkeitverwaltung und der gemeinschaftlichen Sicherheit so innig verflochten ist, die dabei auffallenden Betrachtungen, so viel m6glich seyn wird, von allen Seiten ven der Bekanntmachung des Gesetzes zu ersch6pfen.
L. G. v. Klollowrat
Choteck
lch beangenehme tiber diese Vorfragen das Einrathen der Kompilations Hofkommission. Der von der Kompilation entworfene Text ist nach den in der An}age von Mir getroffenen Abtinderungen der SS. abzuandern, und die Sache ehestand geminschtiftlich zu Stande zu bringen.
Joseph
Ad S ,7 ist die Erinnerung des Referenten beizusetzen.
Ad g 12 muB hinzugesetzet werden : daB bei Ausstellung auf die BUhne der Verbrecher um Mittagszeit und mit entb16Btem Haupte durch eine StuRde zu stehen habe, damit jedermann ihn wohl in das Gesicht fassen k6nne.
Ad g 11 sind ZUchtigungen mit Schlagen allemal 6ffentlich zu geben : und hat also der Ausdruck : in Geheim ganz hinwegzubleiben sowohl fttr Manner als Weiber, vie}mehr ist das Wort Ofanllich beizusetzen, weil eine selche
Ztichtigung, so wie alle andere, sie mag wen immer, und was Standes er auch sey, treffen, allemal zum 6ffentlichen Abschreckenden Beispiele dienen rnuB.
Die Art der Strafe muts gesetzet werden, dem Mann nicht mehr als 5e HaselnuBstockstreiche, dem Weibe nicht mehr als 3e Karbatsch‑streiche vom Ochsenzaim, wie von Ruthen. Das durchstrichene Ende des g bleibt ganz aus.
Ad g13 !nuB immer bei einem jeden zu dem Arrest condemnirten, ausgenommen, die wegen Schulden innsitzenden, daB Sauberkeit wegen alles Bettgewand und Strohsacke, wenn sie auch aus eigenem rnitgenommen worden, verboten bleiben, welches also beizusetzen ist.
Ad g 16 ist bei der Strafe xecm Fasten zuzusetzen, auch alle ahdere Tage mit Wasser und Brod.
Ad S 17 muB die anhaltende Strafe statt eines halben, auf ein ganzes Jahr gesetzet werden.
Ad g18 Die Geldstrafelt haben ganz aus dem pelitischen Strafgesetze
auszubleiben, und sind eigends in diesem Artickel zu verbieten, daB nie eine statt haben kann ; da der Reiche sie nicht empfindet, den Armen zu Grunde richtet, und unschuldige Weib und Kinder mehr dadurch gestraft sind, als der schuldige.
Ist ein Schaden gesckehen, so geh6rt ohnehin der Ersatz in den Spruch des
Richters,
Ad g20 geh6rt die Ab$chaffuRg fremder ausser Landes nicht unter die
politischen Strafen, soRdern ist bleB ein Geschtift der Polizey ; da kein Fremder
‑48‑
ein Jus quaesiturn hat sich in einem Staate aufzuhalten ; mithin ist dieser ganze Artickel auszulassen.
gg 21, 22, 23, 24, 25 sind auszulassen, und nur zu sagen:daS, wer durch was immer fUr Verkaufte Giftwaaren seinem Nachsten einen Schaden zuftiget, oder auch nur einen entferntem Anlats zur Beschtidigung gegeben hat, im ersten Falle der hblrtern, im zweyten der gelindem Bestrafung zu unterziehen sey, da, wenn eine versetzliche Absicht hiebei unterwaltet, die Sache ohnehin zum Kriminali geh6ret, weiches sich auch von Apotheckern, welche etwas verbotene Arzneyen Franz Georg von KeeB und das josephinische Strafgesetzbuch (3)
verkaufen, oder falsch zubereiten, zu verstehen ist.
Ad S 26 et 27 Diese haben ebenfalls ganz auszubleiben.
Ad g 28 muB ftir auch die Bestrafung derjenigen beigesetzet werden, die ein Kind, oder $olchen Meschen durch ihre Schuid wegen schnellen Reuten oder Fahren beschtidigen, oder gar fodten.
Ad 5 30 et 31 Sind die gegen Kontumazbrtichige bestehenden Strafen, wo auch der Fali des standrechtmttssigen Verfahrens eintreten kann, hier per eutenoum einzurttcken, damit das Publikum hievon unterrichtet werden.
Ad g 32 hat ad (d) tZbdte azcagmben, auszubleiben, und
Ad S 33 muB die Strafe mit 6ffentlicher Arbeit auf k"rzere oder laftgere Zeit, ohne, oder mit Eisen bestimmt werden, weil er dem Publikum das abzudienen hat, womit er es beleidigt.
Ad g35 ist der ad 〈c) vom Referenten und Praesidis gemachte Beisatz
allerdings einzurttcken.
Ad g43 ist in diesem Falle das ganze bestehende Strafpatent anzuftthren;
wobei die darin bestimmten Gelds£rafen, so wie in Maut‑Praevaricationsfallen und dergleichen a!lein noch zu bestehen haben, den Denunzianten zuftillt.
Ad S51 et 52 ist hier auszulassen, und geh6rt die Sdigamie zum
Kriminalgesetz.
Ad S 70 et 71 ist die Meinung der 3 Stimmen anzunehmen.
Ad g 72 ist auch zuzusetzen : wer den andem azof' oj9Centlicher Stva:sse ttm zur
Utacacht xu verleiten ansprickt e7 sey ma'nnlich‑ oder zveiblichen Geschgechts.
Ad g 73 ist zu setzen : gelinderes, oder scharferes GefangniB nach Umstanden, und imnier mit Fasten zu verschtirfen ; der der, den die 2 Stiinmen antragen, ist ebenfalls allda einzurttckefi.
Ad g 75 ist der von den 2 Stimmen angetragene Beisatz einzus¢halten.
Ad g 77 ist immer Fasten beizusetzen, und das, was die 2 Stimmen wegen der Abschaffung aus dem Orte antragen, darunter aber auch, dats alle Mithelfer, es sey als Freunde, oder Diener, die zu solchen Kupplereyelt rnithelfen, ebenfalls als politische Verbrecher zu betrachten seyen.
Ad g 78 ist dahin abzuandern, daB jedermann, er sey Mann oder Weib, der mit seiRem KOrper Gewerb treibt, und mit Unzucht sich Verdienst schafft, ohne weitere Auslegung als ein pelitischer Verbrecher anzusehen sey, und so ist auch Ad g79 dahin abzutindern, daB der Schuldige, wenn er ein Fremder ist abgeschaffet werde.
Ad S 80 Ist die Meinung der 2 Stimmen beizusetzen; jedech der Ausdruck:
wodurch sein Geschlecht verllr7zrgnet wi7zL auszulassen.
Ad g 85 ist nur die geheime Brandmarkung auszulassen.
‑se‑
Franz Georg von KeeB und das josephinische Strafgesetzbuch (3〉
Nr. 5. Prottocoll
ueber den zweyten Theil des Strafgesezes, von den politischen Verbrechen (NachlaB KeeB, Faszikel III)
Presentes
Graf v. Sinzendorf Freyherr v. L6hr Graf v. Sauer Graf v. Rottenhann v. KeeB, Referent Froidevo
v. Rttstl
Horten
Bey Bearbeltung des zweyten Theils des kaiserlichen Strafgesezes, der von poiitischen Verbrechen handelt, hat man sich felgende Grund$aze gegenwXrtig gehalten :
a) es ist nicht thunlich, die Gesezgebung in diesem Fache blos auf jene Verbrechen zu beschrancken, die aus dern Criminalgesez hinweggelassen worden. Andurch wurde die Gesezgebung getheilet, und andurch aus ihrem Zusammenhang gesezet ;
b) eben so wenig ist thun!i¢h in diesem Geseze alle Uebertretungen der politischen Gesezen al$ politische Verbrechen aufzufithren : andurch wurde die Bearbeitung zu sehr erweitert, und die Beschtiftigung der verschiedenen Staatsverwaltungen vermenget.
c) Die Gesezgebung scheinet also eigentlich aus dem Gesichtspunc・kte aufzunehmen zu seyn : daB als politische Verbrechen alle jene Handlungen aber diese allein aufzufifhren sezen, welche Leben, Freyheit, Eigenthum, Ruhe in einem minderen Grade, als der zum Kriminal Verbrechen geeignet ist, stdren, oder welche nach unwandelbaren Gru"dsazen der Moralitat dem Volcke zum ArgemuB gereichen, eder zum VerderbnuBe der Sitten ftthren.
d〉 Da aber diese Begrife in der Anwendung nach dem verschiedenen Reize der Menschheit, uRd nach der se unersch6pfiichen Erfindsamkeit der Boshit so mannighakige Enemeirungen annehmen, daB der Gesezgebung nicht m6glich ist, alle Falle, oder alie Umstande jeder Falls zu ersch6pfen ohne in eine Kasuisterei zu verfaMen, der B16digkeit, Unschu!d zur Schale der Verbrechen zu werden, so hat man sich an die allgemeine Begrife, tmd gemeinere Handlungeri gehalten, und das Gesez dermassen gefas$et, daB sieh selbes an die besondere Falle,'und derselben eigentliche Umstande ganz fifglich anschmiegen kann.
e) DeR Leitfaden, nach welchem der erste Theil des Strafgesezes von Kriminal
Verbrechen bearbeitet ist, ・ward bey dem zweyten ven den politischen
Verbrechen beybehalten, um dadurch das Gesez in seinem Zusammenhange zu
erhalten.
Eben also wurde auf seine h6chste Entschlussungen die schuldige Rtt¢ksicht genohmen, die bey Gelegenheit des bearbeiteten ersten Theils tiber die erstattete Vortrtige erfiossen sind.
S 1 , ad S 1 : Da als eine Folge der angenohmenen Grundstizen vers¢hiedene Gesezes Uebertretungen z. B. Schleichhandl : Schwtirzerei u. d. g. Das ist alle jene hinweggelassen worden, deren Uebl nicht aus der inRerlichen Moralitxt der Handlung fttr sich selbst genohmen, sondern aus dem durch verschiedene Keminerzial, oder FiRanz Speculationen entstaRdenem Geseze, und also aus zufalligen Verfassungen fiiesset, so mutste der g 1 nach dem Entwurfe gefasset werden, um der Idee zuvorzukommeR, als ob durch dieses Strafgesez in allen tibrigen politischen Vergehungen die Strafen aufgeheben ereklaret seyen.
g 2. Hofrath Froidevo : der Appelationsrath Rifstl, und der Prasident glauben, daB die ausser Lande$ geschehene Handlungen kein Gegenstand hieriandigen Gesezes sezen, da der Thater durch eine in fremden Land begangene That Seine Majestat Staat nicht beleidige : die etwo andurch beschtidigte Untertanen aber auch ohne Strafe die Genugthuungs und Entschadigungs Rechten beybehielten.
Ohnehin sezen die pelitische Verbrechen von der Art, daB sie den Staat eben nicht so sehr interessirten, um dem Benehmen des geeigen Staats, wo die That begangen worden, dem also der Thtiter verantwortlich bleibe, vorzugreifen, Schwer seyn jemanden der Absicht zu ifberweiseR, daB er blo$ um die tible That begehen, sich in fremdes Gebieth begeben habe: wenigstens wUrde der verschmizte Thtiter der Strafe immer 'vorzubeugen, eder auszuweichen wissen, und nur der bl6de derse}ben Opter seyn.
Die$e Stimmen wollen alse den zweyten Saz diese$ g hinweglassen.
Wann nun aber dieser Saz hinwegfallt, so glaubet der President, auch der erste
Saz folglich der ganze g seyn Uberfitissig. Dann‑wann das Strafgesez einerseiths nur auf die Kayserliche Unterthanen wUr¢ket‑‑‑wann aRderseiths in den Kayserlichen Landen nur eiRe und die nemli¢he Verfassung herrschet, so entstehe hieraus eine aligemine gleiche Anwendung des Besezes : die That mdge in dieser oder jener ProviRz‑in diesem oder jenem Orte .einer Provinz erfoiget seyn.
A!le "brige Stimmen finden mit dem Referenten beide Saze beyzubehalten:
der erste Saz mag zwar in Betref vielen, vieieicht der meisten pelitischen Verbrechen ifbertltissig seyn, weil in den meisteR Fallen, tihnliche Vorsichten in allen Orten jeder Provinz, vieleicht auch in allen Provinzen bestehen werden, allein durchgehends ist der Saz dennoch nicht Uberdtissig : dann es kommen doch Falle vor : wo der Saz seine schicksame und thunliche Anwendung hat. z. B. Die
m52‑‑‑
Franz Gecrg voR KeeB und das josephini$che Strafgesetzbuch (3) Vorsichten bey dem Giftverkaufe kdnnen unmdglich die nemliche in den Haupt‑
oder Provinzialstadten und in den Marckten, und D6rfern sey. u. d. g.
Der zweyte Saz dagegen ist unvermeidlich bey der grossen Vermischung Kayserlichen Provinzen mit fremden Gebiethe, wie z. B. die Vorlanden darstellen, bey denen so ungemein weit ausgebreiteten Granzen der Kayserlichen Monarchie werden viele b6se und schtidliche Handlungen nicht hindanngehalten werden, wann um selbe ungestraft zu begehen, es dem Thater nur auf eine kleine Bewegung in ein fremdes Gebieth ankame, das oft nicht tausend Schritte entferRet seyn mag. In dem Entwurfe ist je nicht die Rede ven denen im fremden Lande geschehenen MiBhandlungeR tiberhaupt, sondern nur von jeRen, die Seine MajestEt Unterthanen austiben, zu deren Ausifbung sich in das fremde Gebieth eigends begeben worden, wo die Folgen der That auf Seiner Majesttit Landen wttrcken. Diese Massigungen l6sen alle Bedencken auf, die gegen den Saz bey dem ersten Blicke auffallen. Die Erweisung der b6sen Absicht, ist nicht nur allein
nicht unm6g!ieh, sondern nicht besonders schwer. Kann der Kayserliche Unterthan keine andere wahrscheinliche Veranlassung der Betrettung fremden Gebieths angeben, und darthun, ist er bey seiner KUrz vor der That unternohmenen Begebung in das fremde Gebieth aller Anschickung zu dem bald darauf erfolgten Verbrechen tiberwiesen, was die Dauer der MiBhandlung auch die Dauer seines Aufenthalts im fremden Gebiethe, stellet alles was der That vorgegangen ist, oder nachgefolget hat, keine andere Beziehung, als auf die That dar, so wird wohl dem Richter die b6se Absicht in einer solchen Art vorliegen, die zur Anschuldigung zureichend ist. Die Geseze werden deswegen nicht ifberflifssig, oder bedencklich, weil ihnen die Arglist, oder Bosheit auszuweichen weis. Die Richtigkeit dieser Begrifen liget deutlicher vor, wenn sie auf veschiedene in dern Geseze vorkommende Falle po!itischer VerbrecheR angewendet werden.
S3, ad g7. Finden die einhellige Stimmen den von dem Referenten angetragenen Beysaz als "berfitissig, und zur Sache nicht geh6rig hinweg‑
zulassen. Der Referent aber wM ihR von darumen beyfttgen, darmit das Volck wisse, daB wegen Uebergebung des Thaters an den Kriminal Richter das von ihm begangene pQlitische Verbrechen nicht ungerUcht bleiben, und das eine wegen des andere ni¢ht vergessen werde. Billig ist, daB der ZusammenfiuB mehrerer MiBhandlungen die Gradazion in der Strafe$ausmessung wUrcke.
Nebst deme kommt andurch eine mehrere Analogie in das Strafgesez : dann
dieses ordnet auch in dem ersten Theile g., daB bey Kenkurrenz eines grossere
und minderen Kriminal Verbrechens, die Strafe zwar auch dem grdsseren
ausgemessen, aber auch auf das mindere zur Verscharfung Rttcksicht genoimeR
werden solle.
S4. ad S12. Finden Freyherr v. L6hr, und Graf v. Sauer keine Ursach:die Strafe ofentlicher ZUchtigung mit Streichen auf das weibliche Geschlecht unanwendbar zu ercklaren, da in dem Ubrigen Strafgeseze nirgends aus dem Geschlecht des Thaters ein Unterscheid der Behandlung entnohnten ist, und oft auch bey diesem Geschlechte die ofentliche Erspieglung n6thig ist.
Allein die mehrere Stimmen glauben: bey derley ZUchtigungen k6nne die BeobachtuRg alles m6glichen Anstandes nie verhindern, daB nicht die Strafesart dem Publico in einer Art auffalle, so die Hindannhakung derley Sonnen
rathlicher macht.
g5. ad gi2. u. 15: Erachtet man einhellig, da$ Gesez k6nne sich gegen die Nonslations in jenen politischeR Verbrechen, auf welche ganzgeringe Strafen gesezet sind, einer mehreren Gelindigkeit bedienen. Da in einige derselben auch der redliche senstgesittete Mann verfallen kann, und dieser dahero deBwegen keine solche Behandlung verdienet, die sein erwerbenes Ansehen herabzusezen verm6gend wtire. Die Gleichhaltung in selchen Fallen wtirde eine URgleichheit, und also eine Ungerechtigkeit seyn: da die nemlicke Strafe gegen die verschiedene Klassen der Standen nicht die nemliche ist. Folglich nur in Criminali, we der ThXter durch das Verbrechen seinen Stand galtz veriieret, die gleiche Bestrafung rathlich, gerecht und einigermassen n6thig ist.
g 6. Bey dem g 17 glaubt man in Ausmessung der Dauer der Strafzeit zwischen der zeitlichen und anhaltenden Strafe ein Strafe ein bMiges EbenmaaB gefunden zu haben ; damit aber dieses Strafgesez in seine wahre Verbindung komme, der erste Theii mit dem zweyten in jenem VerhaltnuBe Harmornie, in welchem Kriminal Verbrechen gegen pelitische stehen, so wird die h6chste ErlaubnuB zu erbitten seyn, den ersten Grad der Dauer in Criminali da anzufangen, wo der lezte Grad der Dauer in Politico auth5ret, und also ilt g auszudrUcken, daB die zeitliche Criminal Strafe nie auf weniger als auf ein ha!b Jahr zu bestimmen seyn.
g7. ad g18: Glaubt der Referent, und Graf v, Sauer den Geldstrafen zwey Beschrtinckungen beyzuftigen : erstens : daB sie nie aus der Substanz, sondern immer nur aus den Einkttnften bezogen werden sollen, weil sogar in Criminali
dieser gelindere Saz angeRohmen, und S des ersten Theils die
Geldstrafen einer Modalitat zugefuhret worden, wodurch die Substanz nie geschmaler£ wird : 2wewtens : dats die Geldstrafen ein von jenen abgenohmen werden sollen, welche vom Feldbaur leben, weilen widerholte h6chste
Resoluzionen im Mittel liegen, so die Belegung der Unterthanelt mit Geldstrafen verbiethen.
AIIein den mehreren Stimmen schienen diese Beschrtinckungen nicht rtithlich :
‑54 ‑‑
Franz Geerg von KeeB und das jesephinische Strafgesetzbuch (3〉
Sie legen zum Grunde, daB die Geldstrafen nur dann ein Uebei sezen, wann sie jenem zufiiessen, der die Strafe zu verhangen hat, allein diesem Bedencken ist in dem Geseze vorgebeuget, welches die Verwendung der Geldstrafe zu einem gemeinn"zigen Endzwecke gebrathete ausser deme wird die Geldstrafe ven darumen als eine der zweckmassigste Strafesarten betrachtet, weil sie am wenigsten die Ehrbegierde schwtichet, deren ErhaltuRg dem gemeinen Wesen vieles gelegen ist. Worinnen die Ursache bestanden seyn mag, daB die Ge$eze der alten deutschen die Geldstrafe gegen alle Verbrechen bestimmte.
Auch dem vom Feldbatt lebenden Unterthan kann eine angemessene
Geldesstrafe in den Rttcksicht gedeilicher als jede k6rperliche Ztichtigung seyn, oft weil andurch das Verbrechen geheimer bleibet, und also die haus!iche Ruhe minder verletzet wird : eft wei! aus Arreste seiner Feldwirtschaft, seinen Handl durch Zeit versaumnuB gr6sseres Schaden zugehet.
Dahero dann die hOchste EntschlUssungen, die von den minderen Stimmen zum Grunde genohmen worden, von den mehreren Stimmen nur auf die Einstellung jenen Unftiges verstanden werden, gemtiB dessen sich die Obrigkeiten eft der Gelegenheit bedienet habeR, zu ihrem eigenen Vortheile die Unterthanen zu pressen, welches solchenmass ‑auf die Falle, wo der vom Feldbau lebende Unterthan sich gegen deR Staat vergangen hat, nicht wohl angewendet werden kann.
S 8. Ad g 20 glauben die mehrere Stimmen in dem Strafgeseze die geheime Brandmarckung ganz zu ifbergehen: da sie auf die Erwerbung redlichen Nahrungs$taRds einen zumachtigen EinfluB hat, und gegen die politische Verbrechen in keinem VerhaknuBe stehet. Nur der Referent, und Hofrath Froidevo glauben, gegen Fremdeseze sie als eine Folge der geschehenen Abschaffung von darumen rathlich um der Polizei die Entdeckung gemein‑
schadlicher Leuthe zu erleichtern : die abgeschafte aber desto sicherer von ihrer R"ckkehr hindannzuhalten.
g 9. Ad g 21, 22 und 23 will Hofrath Froidevo, mit welchem auch der Prasident sich einverstanden hat, alles jenes was auf den widerrechtlichen Giftverkauf Beziehung hat, sie weglassen. Es sind mehrere Ltinder, als da in speisi Hungarn, und die Schweiz bekannt, wo der Handl mit Giftwaare nicht verbotten ist, ehne daB deswegen ein schadlicher EinfikiB auf das Verbrechen der Vergiftung zu bemercken seyn : Nicht eines jeden Sache ist, die Eigenschaft der Waare, und dessen Gifthaltigkeit zu erkennen : Selb$t die erkannte Giftwaaren sind vielfaltig zu gemeinntizigen unentbehrlichen Gebrauch in gemeinen Haushaltungen sogar, noch haufiger aber in jenen der Handwercker, und Kttnstler : der Verkaufer hat in keinem Falle fttr die Art des Gebrauchs seiner Waare zu stehen, und kann ihm
so wenig der MiBbrauch zu Last geleget werden, als wann der verkaufte
Terzerole, Hacken, Messer zum Morde miBbraucht werden wollten. Es seze also keine Ursach die menschliche Freyheit im Handl und Wandl bey dem Verkaufe mit Giftwaare einzuschrtincken.
Allein die Ubrige mehrere Stimmen tretten der Meinung des Referentens bey, daB die Sicherheit ftir das Leben des Men$chens viel zu wichtig seyn, um nicht dahin befiissen seyn, mit guter Vorsicht dem Uebl lieber zuvorzukommen, als dern geschehenen Httlfe zu suchen. Auch ohne Absicht des Mordes kann die Nachltissigkeit mit Giftwaare in einem einzigen Falle vielen Menschen, oft einer ganzen Familie Gesundheit uRd Leben kosten, In Vorattssezung der Absicht des Mordes aber werde durch die Unachtsamkeit des Gesezes der leichteste, zugleich unvermeidlichste Weeg zu diesem Laster ge6fnet, da auch der feigeste B6swicht zur Vergiftung geeignet ist, und wider diese Art Angrifes gar keine
Vertheidigung Plaz greifet. Die Nothwendigkeit einer giftfifhrenden Waare tritt so selten ein, daB sie w"rklich unr unter die Ausnahme von der allgemeinen Regl geh6rt, deswegen wird der Handl mit Gift nicht ganz verbotten, sondern nur durch jene Vorsichten erschweret, so die Po}izei nach den local Umsttinden thunlich findet. Eine Beschrtinckung der natUrlicher Freyheit in dieser Art ist eine Wohlthat fttr die Menschheit im ganzen, und eine unvermeidliche Folge der gesellschaftlichen Verfassung.
g 10. Ad 23, Graf v. Sauer, Froidevo, und Rttstl sind von darumen mit dem Stize nicht verstanden, weil die Schwere der Strafe blos nach der Moralitat der Handlung. Das ist nach dem Grade der 'Bosheit, oder Schuld, und nieht nach derselben Folgen zu bestimmen seyn. Die Folge seyen ausser der Gewalt des Thaters, und konnten also selben Richt angeschuldet werden. Sonst k6nnten und
mifsten zwey von Seithen des Thaters ganz ahnliche Handlungen auf
verschiedene Arte bestrafet werden, so nicht billig scheine. Diese Stimmen wollten noch dahin gehen lassen, wenn einer in sich selbst b6sen Handlung alle Folgen zugelastet wUrden. Bey einer Handlung aber, wie der ohne alle b5se Absicht geschehene Giftverkauf ist, die ihrer Natur nach nicht strafbar wtire, sondern wo die Strafmassigkeit nur aus dem Verbottsge$eze flieBt, da scheine diesen Stimmen zu hart die Folgen, an denen der Thater keinen Antheil hat, selbem dennech zu Last zulegen.
Die tibrige Stimmen verkennen zwar das auffallende dieser Erinnerungen in abituate nicht. Sie sehen aber in menschlicher Gesezgebung die Sache ganz anders an : der Grund der menschlichen Gesezgebung lieget nur in Erhaltung der ofentlichen allgemeinen Ruhe, und Sicherheit. Nach dem Grade, nach welchem diese verlezet werden kann, oder verlezet worden ist, nach diesem Grade straft der weltliche Richter: das immer der Seele, den Grad der Bosheit, kann derselben nur dann beurtheilen und bestrafen, wann er $ich in Absicht auf die Umsttinde, und Folgen, so die That begleiten, dar$te!let. Selbst in Criminali wird
‑56‑
Franz Georg ven KeeB und das jo$ephinische Straigesetzbuch (3) bey Ausmessung der Strafe die Gr6sse des aus der That mitstandenen Schadens, immer in Erwegung gezogen: irm so vielmehr muB dieB in den politischen Verbrechen geschehen, we die That allein redet. Wann das Gesez in der Bestrafung nur auf die Handlung sehen, una ihre Folgen ganz ifbergehen wol!te, se lage dem Thtiter zusehr daran, seine That auch dann verborgen zu halten, wann wtircklichen in seiner Macht wtire, die Folgen nech zur Theil zu verhindern, das Gesez htitte also der gemeinen Sicherheit ofenbar geschadet.
Sll. Nach dem g23 wollte der Referent mit dem sich der Prasident einverstanden hat, neue Absaz einschalten, der von jenen Anmessungen handelt, mit dem B16d seinigen oft gefahrlicher t6dliche Arzneien beybringet, weil derley Unternehmen gewis unter die Handlungen geh6ret, die dem Leben der Mitbttrger gefahrlich werden k6nnen, und also der Gesezgebung daranliegt, dem Uebl vorzubeugen.
Allein die ttbrige Stimmen glauben es seze hievon nichts zu erwtihnen, wollte man nemlichen die uRbefUgte Keren zu weit ausdehnen, so wUrden auch heilsame menschenfreundliche Handlungen in die Strafe gezogen, und die Hiflfe, die auf dem Lande gedeilich, oft n6thig beschrancket werden, wollte man aber dieses Unternehmen nur unter den entworfenen Beschrankungen in die Klasse der Verbrechen ziehen, so seyen die Falle so selten, die hiebey n6thige Bestimmungen des Richters so schwer, daB rtithlicher ware, die Sache ganz zu tibergehen.
S 12. Ad g 26. Dem Hofrath Froidevo scheinet da$ Verbrechen der Ansteckung mit der Lustseuche seyn zu ttbergehen.
Allein die ttbrige Stimmen finden den Fall fUr das gemeine Wesen von solcher Wichtigkeit, daB er die Aqimercksamkeit der Gesezgebung allerdings lohne.
gi3. Ad g28 will der Appellazien$rath Herten auch jene Sorglosigkeit bestrafet wissen, aus welcher das Uebl zwar annoch nicht entstanden ist, aber zu selbem die ofenbare Gefahr bestande, weil es immer rathlicher wtire, dem Ueb!
vorzubeugen, als dem geschehenen Httlfe zu suchen: die Handlung der
Sorglosigkeit aber immer strafbar wtire, wenn auch zuftilliges Glttck des Uebel hieraus nicht entstanden i$t.
Allein alle tibrige Stimmen fanden, daB man hiebey wttrcklichen gar zu weit gehen, und eine Anordnung erlassen wtirde, die in der BefolguRg unm6glich ware : die Mtissigung wie sie von den mehreren Stimmen angetragen ist, stimmet ganz mit dem angenohmenen Haupt‑Saze des politischen Strafgesezes ttbereins, woraus die schtidliche That den Grund der Bestrafung abzugeben hat.
g14. Nach dem S29 will der Referent mit dem sich Graf Rottenhann
einverstehet, einen Absaz einschalten von dem Verbett des Geheime
Gewtihrtragens. Dieser Verbott bestehet in den tiltere Gesezen schon wttrcklieh.
Es scheinet diesen Stimmen in einigen Provinzen Seine Majestat z. B, in den walschen Confiniren, in dem g6rz‑ und triesteren Bezircke von Wichtigkeit, und ein Mittl zu seyn vielen Nachstellungen zum Morde vorzubeugen, die Zanckereien und Raufhandl dem Leben der Mitbtirger minder gefahrlich zu machen, und alse von wahrem NUzen zu seyn.
Allein alle Ubrige Stimmen glauben hievon ganz zu proscindiren. Schon ftir sich ist bedencklich jedermann die Mittl der Vertheidigung aus den Htinden zu reissen, die auch,ausser dem Falle der Reise n6thig werden kann. Die Bestimmung, was ein blos zum Merde geeignetes Instrument seze, ist schwer.
Dann nicht die Schietsgewehre allein sezen hinzu geeigRet: auch solche Werckzeuge, die zum anderweiten Gebrauch im menschlichen Leben dienen, als da Massen, Sttircke $tecken u. d. g. sezen hinzu geeignet, und da man diese nennenden Verbiethen k6nne so zeige sich, daB die Absicht des Gesezes $chon ftir sich nicht wohl zu erwtircken seze. Sobald jemaAd bey zu sich Stehmung mordtaugliche Instrumenten der Absicht Uberwiesen seze, jemanden andurch nach dem Leben zu stellen, seze ein solcher Thtiter ohnehin zum Criminali geeignet. Wer aber blos zu seiner Ruhe, und Sicherherheit derley Instrumenten
・trage, k6nne auch eines politischen Verbrechens nicht wohl beschuldiget werdeR, Dahero diese Stimmen erachten, den Absaz hinwegzulassen.
S 15. Ad S 35 will e7stens Hofrath Froidevo und der Appellazionsrath Rttstl jenes, was von Holz Entfremdungen gesaget ist, hinweglassen, und diese Art Diebstah!e unter'die allgemine Regl ziehen, da es widersprechend wtire, eine gelindere Behandlung gegen die in freiem austtbende Diebstahle einzufuhren, bey denen doch das Gesez mit mehrerer Strenge wachen so!l, weil siCh die particulie zu schtizen, nicht so verm6gend ist.
Allein die ifbrige Stimmen. haben hiebey jenen ausdrUcklichen h6chsten Befehl zum Grund genohmen, der in diesem Geschafte erflossen ist, gnd seinen Grund theils in deme haben mag, daB in diese$ Vergehen oft arme sonst red!iche Bauer$
leich leuthe verfallen, die mit Criminalien herumzuziehen, dem gemeinen Wesen selbst nicht vortheilhaft seze, daB die Leichtigkeit der Begehung ohnehin nur dann einschreite, wann der Diebstahl in wenigen, in kleinen Baumen bestehet, und also der Schaden rninder betrachtlich ist, wo dagegeR Considerable Holz Diebsttihle nicht so leicht, und untermerckt begangen werden k6nnen, daB der Gerechtigkeit an der auch im politischen Weege erfolgenden Bestrafung genug geschehe.
S16. Ad g35 zwaytens eben aber um in der Gesetzgebung Censequent zu bleiben, wollte der Referent, uRd der Prasident, was ven den Holz
‑58‑
Franz Georg von KeeB und das josephinische Strafgesetzbuch (3) Entfremdungen gesaget ist, auch auf die andere freien Feld und Baurnfrttchten erstrecken, da sich eine ratio difterentio nicht leicht au$findelt laBt.
Allein alle ifbrige Stimmen wollen bey dem Buchstaben der h6chsten
Resoluzion, so blos von Holz Entfremdungen redet, stehen bleiben, fittden keine Ursach einer Erweiterung, und wollen dahero diesen Beisaz ttbergehen.
g17. Prittens wohl aber hatte eine sich einhellig einverstanden, unter die politische Verbrechen auch bey gr6sserem Weithe des entfremdeten Guts die Wild Diebsttihle einzuziehen, die von einem der Jagtbarkeit nicht befitgten Thtiter auf was immer Art, obschon auch allenfalls auf eigenem Grund und Boden unternohnien worden, wann nicht erst k"rzlich in dem neuefi Jagerei Patente das Gegentheil geordnet, uRd die Wild Diebstlihle ad Crimina!e gezogen worden waren.
g 18. Ad g 39. Hofrath Froidevo und der Appellazions Rath Rtstl fiden die in diesem g dem falschen Spieler aufgesezte Strafe nur fifr jenen anpassend, der hieraus gleichsam sein Gewerb gemacht hat, fUr die tibrige Falle aber zu strenge, besonders scheint ihnen hart, daB die Schandbtthne und ofentliche Arbeit sogleich eintretten solle, sobald der Betrug im Spiele er m6ge noch unbetrachtlich seze, gegen einen neuderjahrigen ausgedbet wordeR. Sie glauben also Rur gegen jenen falschen Spieler, der in dieser Gattung Betruges sein Gewerb gesuchet hat, die Aufstellung auf die SchandbUhne, und ofentliche Arbeit, oder Abschafung zu bestimmen. FUr den Fall des durch das falsche Spiel zugefttgten betra¢htlichen Schadens zeitliches hartes GefangnuB, im ifbrigen aber zeitliches gelinderes GefangnuB, oder Geldstrafe zu bestimmen.
Die ttbrige Stimrnen aber sehen den falschen Spieler gegen andere Gattung der Betrtiger, nicht von einem so bestXchtlichen Unterscheid an, daB mit selbem mit gar zu gelinder Strafe fergegangen werden sollte, wo dagegen andere BetrUger mit weit empfindiichere Criminalstrafe beleget werden. Der mehrere Reiz zu einem Verbrechen, die gr6ssere Leichtigkeit der Begehung fordern die gr6ssere
Strenge der Gesezgebung auf, um ihren・ersten Endzweck nemlich die
Abschreckung zu erwttrcken. Es liegen zu viele Beyspiele vor, wo junge IL,euthe durch derley in sich wahre Betrttger in die Falle gezogen, und betrachtlich beschXdiget worden: dahero dann die angetragene Bes£rafungsart ganz angemessen zu seyn scheinet, ,
g 19. Ad g 49 und 50 ist zu bemercken, daB die Frage aufgefallen, ob nicht auch
von den Mitschuldigen des Ehebru¢hs, das ist von jenen ledigen Personen zu
handeln $eze, die sich mit einer verheiratheten vergangeft haben ; allein einhellig
ward befunden, hievoR zu prasisediren : theils damit nicht boshaften Eheleuthen
Gelegenheit zur esrroquerie gegeben wtirde: theils weil die Bestrafung eines
Mitschuldigen mit dem Befehle Unwiderspruch stUnde, daB der Hauptschuldige, nur auf Verlangen des beleidigten Ehegattens bestrafet werdeR solle ; ohnehin bleibt dem Ehegatten wegen zugeftigter Unbild das Recht der Genugtuung wider den Mitschuldigen mittels Civil action anzusehen bevor : bey dem Ehebruch ist immer der hauslichen Ruhe, der HindannhaltuRg des AergernuBes in der Familie, selbst der Ehre des Beleidigten angemessener, alles aufsehen so viel m6glich hindannzulkalten. Man hat also nicht thunlich befunden die Mitschuld des Ehebruchs als ein besenders Verbrechen aufzufuhren.
S 20. Ad S 51. Hofrath Froidevo will das Verbrechen der Eingehung nichtigen Ehekontactes tibergehen, weil es eben auf das gemeine Wesen keinen wichtigen EinfiuB hat, und die Ftille derley Vergehens zu selten $ind, um der Aufmerck‑
samkeit des Gesezgebers zu lohnen.
Ailein die ttbrige Stimmen finden die Sache in sich selbstwichtig: die Gelegenheit zur Uebertretung besonders in denen Confinien zu bequenn, und in Absicht auf die VerfUhrung, dann auf das Schicksaal der aus derley nichtigen Ehekontrackten entstehenden Kinder zu bedencklich als daB der Genezgeber tiber diese Vergehung sich hinaus sezen, und sie strafles lassen sollte.
g21, Ad g 59, 60, 61 und 62 wollen Graf Sauer und Froidevo alle diese Snze auslassen. Die Verleumdung seze schon in dem CriminalgeseZ aufgefUhrt.
Freylich werde dort die b6se Absicht, als der Hauptgrund der Zumttthung eines Crimilal Verbrechens erfordert : die nicht immer erweislich $eyn. Allein in sich selbst geh6re die Ehrabschneidung zur Civilaction, und in dem Beicht$tuhl : in der AusfUhrung ohnehin wUrde es ungemein schwer seyn, zu bestimnnen bis anf welchem Grade man hiebey der politischen Bestrafung mitgehe.
Alle Ubrige Stimmen aber haben erwogen, das Entwurf beschranke ohnehin die Schmahung so viel rn61ich, da er (a) ven jener, die durch Worte geschiehet, und also vorgbergehend ist, ganz prljsisedire: und Rur jene als Verbrechen behandeln, die in SchmXhschriften, und Schandbildern, folglich auf eine gleiehem stets heilwehrende Art gescheihet: da er 〈b) fordere, daB eine gesezwidrige Handlung und zwar falschlich angeschaldet werde.
We also so wichtige Umstande eintretten, da scheine wohl jeder Staatsbtirger mit Grunde von der Gesezgebung fordern zu k6nne, daB so wie durch Strafe sein Verm6gen zu s¢huzen getrachtet wird, also auf gleiche Art seine Ehe geschuzet werde, an der jedem redlich und wehl denckenden Mann gewis mehr als an seinem Verm6gen gelegen seyR muB.
S22. Ad S67 hat man die Gottesltisterung in jene allgemeine Beghfe zusammengezogen, die einem Geseze angemessen sind, das allgemein fttr alle Lander Seiner Majestat, ftir alle Zeiten, fUr alle Nazionen anpassend bleiben
‑‑ 6e‑
Franz Geerg ven KeeB und das josephinische Strafgesetzbuch 〈3〉
solle, und folglichen jene Specifi¢irungen, und Casuistereien, die in den vorigen Gesezen einfliessen, tibergangen ; und da hier und in den folgenden gg. des funften Kapitls die hacklichsten Gegenstnnde nemlichen die Reigions und fieischeliche Vergehungen einfiiessen, so hat man sich mit aller Behutsamkeit gegenwartig gehalten, in den Schranken reiner Philosophie zu verbleiben, und in Sachen weder zu viel noch zu wenig zu thun. Die GrundliRie hiebey scheint in deme zu bestehen, daB ofentliches AergernuB, allgemeines VerderbnuB der Sitten verminden, degegen jenes, was in geheim in dem Kopfe, und Herzen der Mitburger, in der Wohnung jeden einzelnen Mitbtirgers, die gleichsam seine Freystadt ist, dissiemliret werde. Dann bis dahin reicht die Gewalt der Gesezen ist. Se wichtig auch dem Staat ist, daB jeder BUrger in sich selbst, uRd nicht blos in dem ausserli¢hen Anschein ein Mann von Religion, Rechtschafenheit, und Sitten seyn, se kann doch dieser Endzweck des Staats nicht durch Strafgeseze erwUrcket werden, deren Gesichtspunckt immer nvr das Universum ist. Aus diesem Grundsaze hat man einige Handlungen, die vormals sogar in das
Criminale eingezogen gewesen, hinweggelassen : wie in der Folge sich darstellet.
g 23. Ad g 69 sieht Freyherr von L6hr die Religionsst6rung zur anha!tenden, alle ttbrige Stimmen aber zur zeitlichen Strafe geeignet an. Eben also will der Referent, und Freyherr 'von L6hr als einen erschwerenden Um$tand beysezen, Wann der Thater selbst zu jener Religion sich bekannt, gegen die er das AergernuB, oder die St6ruRg austibet, weil nicht blos die MoralitXt der HaRdlung ihn schuldiger darstellet, sondern auch das Aergemu6 im Volcke gr6sser ist, und die Handlung auf die auswertige ReligionsVerwandten eine schadlichere Folge fur die Religion haben kaltn.
Allein die Ubrige Stimmen wollen diesem Unterschiede nicht stattgeben : da das politische Strafgesez seine Bestimmung nur aus der That selbst, und nicht
aus der Moralitat herleitet : im tibrigen die nemlichen Staatsb"rger dahin geleitet
werden mUssen, sich wechselweis, und zwar ohxe Unterschied in ihren ReligionsUebungen zu respectiren.
g 24. Ad g 70. Die Verfijhrung zum Abfall vom Glauben will der Referent mit
dem Freyherrn von L6hr und Horten nicht blos auf die ofentliche Lehrer
beschrancken, sondern auch auf jeden einzelnen Verfiihrer, die oft gefahrlicher
als die ofentliche Kehrer sind, weil sie der Aufmercksamkeit der Pelizei 1tinger
entgehen, und die ttble Folgen sich im Stillen fortschleichen. Nebst deme ist
keine Ursach bey der bestehenden Sorgfalt der pelitici dem Volcke geprUfte,
t"chtige Lehrer, und Kanzel Redner zu verschafen, warum jedem partinlier
gestattet werden solle, sich als einen Propheten, oder Lehrer darzustellen und da
die Geschafte nicht wenige Beyspiele darstellet, was fur traurige Folgen in
Anruhen, Aufstanden und Emporm6gen aus derley 6fterlichem, die anfanglich
nur im Stillen glimmten entstanden sezen, so fordert auch die Aufrechthaltung gemeiner Ruhe und Sicherheit eine aengstlichere Sorgfalt des Gesezes aR Aufrechthaltung der reinen Lehre des Evangeliums ist gewis dem Staate selbst gelegen, dahero auch diese drey Stimmen, nicht von den verschiedenen Untertheilungen der ¢hristlichen Religion, sondern Uberhaupt nur von der christ!ichen Religion in dem Geseze die Bestimmung gefaBt haben.
Al!ein alle ifbrige Stimnten finden auch hier, daB das Gesez zu weit geheR wttrde, wenn es sich auf etwas anders als die Anmassung ofentli¢her Lehre einliesse. Wemm sogar BUcher, die von Religionsgegenstanden nach ver.
schiedenen Begrifen handeln, allgemein gestattet werden, so lasseR sich nicht wohl in dem gemeinen Leben privat Unterredung beschrtinken, die Bestimmung, was Irrlehre seyn, ist zu schwer : es kann also nur die publicittit ein Objeckt des politischen Strafgesezes werden.
S 25. Uebrigens oft bey diesem S 70 ztt bemercken, daB man den Abfall vom christlichen Glauben selbst als ein Verbrechen nicht aufgeftihret hat : da das Gesez zwar mit Grunde die VerfUhrung verhindern, keinen der Bttrger aber durch Strafe zwingen kann, was er sich fur Begrife von dem VerhaltnuBe zwischen dem Gesch6pf und dem Sch6pfer, und von der Art, wie lezterem
Furcht, und Liebe zu bezeigen seyn, zu machen finde : alse daB hierumen nur mit jener klugen Vorsicht, die Seine Majestat wegen des vorltiufig zu ertheilendeR Unterrichts ausgezeichnet haben, keinerdings aber durch Strafgeseze zu helfen
ist.
g 26. Nach dem g 73 wollen der Referent und Freyherr von L6hr a"ch die die Verfolgung einer unbescholtenen Weibsperson auf ofendibhe Weege mit denen in ihrem Entwurfe aus gedrUckten Massigungen einschalten, weilen sie einerseiths dieB als ein Mittl ansehen, deT Verftthrung und also dem Laster vorzubeugen, weil sie andererseiths zur guten Ordnung, und Hindannhaltung ofentliches AergeMu6es zu geh6ren, glauben, daB jede unbescholtene Welbsperson ihren Weeg ungekrtinckt wandeln k5nne.
Allein alle tibrige Stimmen finden die Befolgung des anzutragenen Absazes zu schwer. Die Auszeichnung der eigentlichen Grade der strXfiichen Verftihrung beinahe unm6glich, tibrigens die Sache selbst von keiner Wichtigkeit. Dann endweder hat eine derley Verfolgung ihre Witrckung oder nicht. Hat sie keine WtirckuRg, se ist keine Veranlassung zur Strafe. Hat sie aber eine Wixckung, so wird die von dem Geseze geforderte Anklage nicht geschehen, und also das Gesez von dieser Seithe kraftlos'bleiben. Die Civilacktion bleibt einer sQlchen Persen, die sich durch unanstandige Antrage beschimpft, oder beleidigt htilt immer ofen.
‑62 ‑‑
Franz Georg von KeeB und das jesephinische Straigesetzbuch (3) g 27. Ad S 75 wollen Freyherr von L6hr mit dem Referenten den einer Sodornie schuldigen a loco delicti entfernen, um die Erinnerung, und das hieraus entstehende Aergernuts zu entfernen.
Allein die mehrere Stimmen finden die Abschafungen so viel m6glich zu verschralt¢ken: da sie neuer auf die Nahrungsstand, und also die kunftige Sittlichkeit des Be$traften einen zu wichtigen EinfluB haben. Beinebens die Sicherheit gegen den Rtickfall ehe da zu erwarten ist, we der Schu}dige bekannter geworden, und also auf ihR von Seithen der Obrigkeit eine gr6ssere Aufsicht getragen wird.
g28. Ad S77 will Freyherr von L6hr mit dem Referenten auch die der Kupplerei Schuldige a loco delicti entfernen,um ihre Bekanntschaften zu zerstreuen, uRd sich also gegen den RUckfall zu versichern.
Allein die mehrere Stimmen sind aus denen erst angefehrten Grdnden anmit nicht verstanden.
g 29. Bey dem ,g 78 und den folgenden kommt zu erinnern: daB alle jene fieischliche Vergehungen, wel¢he in geheim ohne Aufsehen, und ofentlichen ArgernuB, begangen werden, die kein Gesez der Welt hindannhalten kann, damals wenn keine VerfUhrung unterlaufen, ganz ttbergangen, wie auch daB man das agravans, das aus der Verschiedenheit der Religionen hergeleitet worden, einer philosophischen Gesezgebung nicht angeme$sen gefunden habe.
S30. Ad g78 wollte der Referent die Hurerei in mehreren Fallen als ein pelitisches Verbrechen behandeln, und der Strafe unterziehen, und seines Ermessens waren die angerathene Massigungen diejenige, wo Gesundheit, und Verm6gen geschonet, und also dieselbe dem Staat minder schtidlich werde.
Allein alle ttbrige Stimmen finden jenes, was ad a, b, c von dem Referenten angetragen ist, nicht wohl rath!i¢h. Man kann einer derley Person nicht mit Billigkeit auftragen, sich der Obrigkeit selbst anzuzeigen, und sie wird auch ohne derley Anzeige einer wohl geordpeten Polizei nicht verborgen bleiben. Man kann von solcher Person nicht fordern, sich um das Alter, und den Taufschein desjeRigen zu erkundigen, der von ihr die Befridigung jener Lifsten fordert : weder kann man dem Gewerbe mit Billigkeit einen Preis sezen, oder ihr die Gelegenheit verschranken, hiebei jeden msglichen Vortheii zu ziehen, Es ist also das ganze blos dahin zu ziehen, daB die Pmblicitat vermieden werde.
g31. Ad g8e will Freyherr von L6hr mit dem Referenten auch die
Maskirungen unter die poiitischen Verbrechen ziehen, weii sie nicht nur allein
fUr $ich unansttindig, sondern oft das Mittl sind, wedurch anderweite
Verbrechen aus ge"bet, sich der nachferschenden obrigkeitlichen Aufmerck‑
samkeit entzogen, folglich durch ihre Hindannhaltung verschiedenen ander.
weiten Vergehungen vorgebeuget werden kann.
Allein die mehrere Stimmen erachten hievon nichts zu erwahnen : da sie ftir sich allein, eben nichts so wichtiges bedenkliches haben, bey Coltcurrirung eines anderweiten Verbrechens aber lezteres ohnehin bestrafet wird.
S 32. Ad S 85 siehet das Prasidium die geheime Brandmarkung als eine zu strenge Behandlung der blossen Revortirung an.
Allein alle ttbrige Stimmen betrachten selbe nicht als eine Strafe, sondern als eine politische Vorsicht um nemlichen denjenigen, der bereits durch die wider ihR verhtingte Abschafung als ein gemeinschtidlicher oder wenigstens gefahr.
Iicher Mann erkennet worden, desto sicherer zu entdecken.
'