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Höflichkeit im Deutschen am Beispiel der Verkaufsgespräche

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(1)

H6flichkeit

im

Deutschen

am

Beispiel

der

Verkaufsgesprdche

Hitoshi

YAMAsH]TA

1. Vorbemerkung

ZieldiesesBeitragsi)istes zu klEren:Wie verhalten sich Deutsche

(und

JapaneD

in bestimrntenInteraktionssituationen,welche Bewertungen liegen

dem

jeweiligen

Verhalten zugrunde? Die Ergebnisse

dieser

Untersuchung sollen dem

besseren

gegenseitigen

Verstandnisund derUberwindung m6g]icher

Missverstandnlssezwischen Deutschen und

Japanern

dienen.

IrnFolgendenwerden zuerst einige theoretische Grundlagen,

die

Beschreibung

der

Erhebungsmethode,

sodann die Befunde der Untersuchung dargestellt.

Zum Schlusswird

clie

Umsetzungsm6glichkeit

der

Ergebnisse flir

die

PraxiS

von Deutsch als Fremdsprache in

Japan

diskutiert.

2.

Theoretische

Grundlage

Ich erzZhle zun2chst eine kleineAnekdote: Als ich in Deutschland eine

Untersuchung zum Thema H6flichkeit

durchfUhrte,

hat

ein

Freund

einmal

gesagt,halbernst halbironisch:,,Du untersuchst also, wie die unh6flichen

Deutschen

sich

h6flich

verhalten!"

Da

konnte ichnichtumhin zu 1licheln.Ich

konnte aber auch nichtso reagieren: ,,Das stimmt!" oder ,,Du

hast

Repht!C`Ich

habe

schon vergessen, was

ich

zu

dem

Freund

gesagt

habe.

Dieses

Ereignis

will

mir

iedoch

nichtaus dem

Sinn

gehen.

Daher m6chte ichmit Hilfe

der

Aussage

meines Freundes einjge theoretische Grundlagen

bezUglich

der H6flichkeit

ermitteln. Betrachtenwir noch einmal seine Aussage!

2.1.

Statische

vs. dynamische H6fiichkeit

Zuerst falltauC dass

die

VUbrter ,,unh6flich" und ,,h6flich" auf zwei

1) BcidiesemBeitraghandeltes sich um TeilergebnisSeeiner empirischen Erhebung,

dieich im Rahmen einer umfangreicheren Untersuchung zur kontrastivenSoziolinguistik Deutsch und

Japanisch

durchgeftihrthabe.Diese Untersuchung wird von Pro£ Uirich

Ammon

(Universitlit

Duisburgi sowohl wissenschaftlich betreutwie auch finanziellunterstUtzt.

Weiterhinwurde sie vom

japanischen

KuJtusministerium

(Nr.

10610496) finanziellunterstUtzt.

Ein anclerer Zwischenbericht dieserUntersuchung istbereitsin Yamashita

(2001a)

ver6ffentlicht, in dem einige Uberlappungen mit diesem Beitrag,besonders bei der

(2)

H6flichkeitim Deutschen-am BeispielderVerkaufsgesprljche 83

unterschiedlichen Ebenen verwendet werden, Das erste Adjektiv,,unh6fiichC`

beziehtsich auf die statische Eigenschaftder Deutschen, wlihrend sich

das

Adverb

,,h6flich" auf eine

dynamische

T2tigkeit

bezieht.

Das

statische

Adjektiv

,,hbflich" kann auch einer sprachlichen Form attribuiert werden. Und so kann

man sich mit einer unh6flichen

Sprachform

,,h6flichC` verhalten, genauso wie

man sich mit einer h6flichenForm ,,unh6flich" verhalten kann.Dazu spricht

Braun von

den

,,unh6flichen H6flichkeitsfbrmen"und ,,h6flichen

keitsformen"

(Braun

1988).Der Unterschiedbestehtdarin,dassdie statische

H6fiichkeitvon

der

jeweiligen

Situation

weitgehend unabhdngig ist,wtihrend

die

dynamische immer daraufangewiesen ist.Man muss

jedoch

festhalten,

dass,

zum einen, die dynamische T2tigkeitoft aus den statischen Eigenschaften

bestehtund zum anderen,

dass

die

statische

Form

Folge

der

dynamischen

Thngkeit ist Diese Zweiteilungdes Begriffs,,Hdflichkeit" dient zwar der

Bestimmung

des

Untersuchungsgegenstandes,

istaber in

gewissem

Sinnearbindr.D

2.2. H6flichkeit

als

komrnunikative

Kompeteflz

InAnalogiezu Brauns ,,unhOflicher H6flichkeitsform"k6nnte man sich eine

,,grammatikalische"

Unh6flichkeit

vorstellen. Auch wenn eine AuBerung

grarnmatikalisch

korrekt ist,kann sie

ftir

eine

bestimmte

Situation

nlcht

angemessen und insofernnichth6flichsein. Genauso kann eine

grammatikalisch

nicht

ganz

korrekte

AuBerung

h6flich

wirken, wenn sie fur die betreffende

Situation

passend

ist.,,There are rules of use without which the rules of

grammar would be useless"

(Hymes

1972:278).In

diesem

Sinne,

so k6nnte

man meinen, ist

das

hOfiicheVerh21tenein Teil

der

kommunikatlven Kompetenz

(Lakoff

1973,Edelsky 1977,Vgl.Erndl 1998:123).Daher k6nnen dieBefunde

der

diesbezUglichen

Untersuchu.ng

besonders

relevant sein

fur

Deutsch

als

Fremdsprache.

2.3. Kulturspezifischevs. universale Hdflichkeit

DarUber hinausmerkt man, dassdieAussage meines Freundes ein

Stereotyp

enthalt, namlich

die

Deutschen

seien unhdflich. Es

gibt

ljhnlicheVorurteile

gegenUber

bestimmtenV61kern:Englanderseien h6flich,

Griechen

nichth6flich,

usw. Dazu behauptetSifianou

jedoch

mitRecht:,,no nation may

be

objectively

verified as more or lesspolitethan any other,

but

only

polite

in a different, culturally specific way"

(Sifianou

1992:2).

Um

dies

zu

bestatigen,

lehntsie sich

2) Zu dieserZweiteilungdesBegriffsvgl, VCtattsetaL

(1992),

Ernd]

(1998),

Yamashita

(2001a).

Ve'asTypologien derH6Hichkeit anbelangt, so gibtes Brown & Levinsons ,,negative"

und .positive" H6fiichkeit

(Brown

& Levinson 1987),Haferland& P2uls,,elementare",

(3)

84 HitoshiYAMAsHiTA

an Browns und Levinsons

Theorie

der

universalen H6flichkeitan. Das heiBt,

einerseits setzt Sifianouvoraus, dhss es

kulturspezifische

unterschiedliche

HOflichkeitgibt,andererseits nimmt sie an,

dass

man dieseund

jene

H6fiichkeit

mit einem universalen

MaBstab

vergleichen

kann.

Hierin

sieht man eine andere

Unterscheidung

des

BegriffS,nnmlich:

die

kulturspezifischeund dieuniversale

H6Bichkeit

Bei

jeder

kontrastiven

Untersuchung stellt

diese

Unterscheidung

eine methodische

Voraussetzung

dar.

2.4. H6flichkeitund ldeologie '

BeiderAus$age meines Freundeswird

des

Weiterenvorausgesetzt,

dass

das

Phlinomen

des

h6flichen Verhaltens Objekt einer wissenschaftlichen

Untersuchung

ist.Mit anderen Worten, man will

gerne

wissen, wie man sich h6flichverhalt. Wie man sich unh6flich verhalt, wird dagegenweniger untersucht.

Es wird stillschweigend angenommen,

dass

die

Hbflichkeitsowohl in der

allttiglichen Kommunikation als auch in

der

soziolinguistischen Diskussion

relevant ist,ohne darUbernachzudenken, dasssie nur eine von vielen anderen

sozialen Werten

darstellt

(Vgi.

Marui etaL 1996).Hierin sieht man eine gewisse

Beziehung

zwischen HOflichkeitund Ideologie.

Zu

diesem

Thema hat

spielsweise Watts

(1999)

den,engenZusammenhang zwischen .politeness" und

englischer

Standardsprache

des achtzehnten

Jahrhunderts

er12utert und Held

(1999)

das Verhaltniszwischen Mdcht und H6flichkeit.Yamashita

(2001b)

behandelt auch

die

ideologischeSeiteder H6flichkeitsforschungin

Japan.

Dieser

Aspekt

istftirdieSoziolingutistikzwar sehr interessant,kann aber im

Rahmen diesesBeitragsnichtweiter erfasst werden.

2.5. Gegensttinde

der

H6flichkeitsfbrschung

SchlieBlich

scheint es ratsam, vielftiltige GegenstZndederH6flichkeitsfbrschung

zu erwtihnen. Da

h6fliches

Verhalten

fast

Uberallzu

beobachten

ist,

sind diezu untersuchenden Gegenst2nde sehr weit

gefasst.

Nicht nur bestimmte

Sprach-formen, wie

die

Anredeform

(Ammon

1972,Yarnashita

1992,

Besch 1996)

oder

die

Auffbrderung

(Yamashita

1993,LUger 2001),sondern auch dasganze

Gesprljch

einer sozialen Gruppe

(Keim

2001)werden thematisiert und erhoben.

Sowohl Lehrmaterialien ftirDeutsch als Fremdsprache

(Erndl

1998,

Vorderwtilbecke 2001) als auqh e-mai1-Texte

(GUnther

2001),

Texte

auf

Anrufbeantworter

(Hammer

2001)und sogar

Gesprache

von Bettlernin

der

U-Bahn

(Ehlers

1996)werden zum

Gegenstand

der wissenschaftlichen

Untersu-chung. Theoretischk6nnen also

fast

alle Interaktionenvon

diesem

Gesichtspunkt

(4)

H6flichkeitim Deutschen- am Beispielde[Verkaufsgesprdche 85

3. Methodologische Vorgehensweise

Obwohl

s.chriftliche Befragungen und Interview-Erhebungenzur Ermittlung

der

prliskriptivenVerwendung von statischen

Sprachfbrmen

geeignet

sind,

liefernsie keineAuskUnfte tibernadirliches Sprachverhalten

(Vgl.

Yamashita

1992,

1993).Daher wird

fur

die

vorliegende

Untersuchung

das Verfahren

der

teilnehmenden Beobachtung gewAhlt:FUr verschiedene

Szenen

werden, sowohl

in Deutschland wie auch in

Japan,

versteckte Tonbandaufriahmen erstellt.3)

MuttersprachlicheBeobachterwerten

die

Aufaeichnungen nach

fblgenden

drei

Kritenen aus:

-,,H6flichkeit"

(sehr

h6flich

/

hbflich

/

neutral

/weniger

h6Hich

/

garnicht h6flich),

-,,Freundlichkeit"

(sehr

freundlich

/

freundlich

1

neutral

/

weniger freundlich

/

gar

nicht

freundlich),

-,,Distanz"

(sehr

distanziert

/

distanziert

/

neutral

/

weniger

distanziert

1

garnichtclistanziert).

Vor

der

Untersuchungwurden dieExploratodnnen

dazu

auigefordert, ihrerseits

bezifglichder Hdflichkeitunterschiedliche Slitzezu schreiben,

dann

wurden

' ebeten, beiderUntersuchung auf

dem

Niveau ,,h6flich" zu

bleiben.

jeweilige

Einschatzung wurde direktnach

der

Beobachtung in einem

5sle

welter g

DieProtokollbogen

miteventuellen

Zusatzbemerkungen

festgehalten.

BeiderAnalyse

der Interaktion wurde sodann versucht, Zusammenhange zwischen dem

beobachteten

Verhalten und

den

Bewertungen herauszufinden.SchlieBlich

werden diese Ergebnisse

in

einem

deutsch-japanischen

Kontrast-Vergleich

gegentibergestellt.`)

Als vergleichbare Interaktionen wurden u.a. Verkaufssituationen in

Parfiimerien,

Kosmetikgeschliften, Lederwarengeschliften, Kaufhausern,

Buchhandlungen, auf

der

Post und beiOptikern aufgenommen. Dabei wurde

natUrliches Sprachverhalteninitiiert

durch

Fragenwie: ,,Ich

brauche

ein Geschenk.

Was wUrden Sieempfehlen?" Die Daten wurden anschlieBend anonymisiert.

4. Ergebnisse '

Die Aufhahmen umfassen 77

Situationen

mitdeutschenund 71

mit

japanischen

Sprechern.

Zur Ermittlungvon h6fiichemVerhalten

beschr2nke

ich

mich

hier

auf

funf

typische,

qualitativ

zu analysierende, deutsche Interaktionen;eine

statistische

Auswertung

rnuss hierleideraus PlatzgrUndenunterbleiben.

3) Zu den

juristisch-ethischen

Aspektenvgl. Brinker&Sager

(1996)

S,25f

4) Die Erhebungen wurden inDeutschland

(Nordrhein-VUestfalen>

vom 2,7.1996-23. 1.1997 und in

Japan

(Kafisaigebiet)

vom 6.-17.3.1999 durchgefuhrtund fanden

jeweils

in mitte]groBen Stljdten

(mit

100000 bis500000 Einwohnern) statt,

(5)

86 HitoshiYAMAsHITA

4.1. PrtiskriptiveHOfiichkeitsformen

Urn einen

Uberblick

Uber

die

M6glichkeitender deutschen H6Aichkeit zu

gewinnen,

soilen zuntichst die

praskriptiven

H6flichkeitsformendargestellt

werden. Bei den fblgenden

Bejspielen

1)

bis

5')

handelt es sich um

die

AuBerungen,

die

die

zwei deutschen muttersprachlichen

Exploratorinnen

vor

derUntersuchung fbrmuliett

haben.

DieseSatzewerden nicht inderwirklichen

Interaktionverwendet, sondern nur spontan ausgedacht. Insofernsind sie

kein

natUrliches Verhalten,sondern pralskriptiveFormen,

die

zeigen, wie man sich

von ,,gar nicht

h6flich"

bis,,sehr h6Hich`CauBern kann

bzw,

soll,

Beispiel

(1):

Prttskriptive

H6flichkeitsformen

'

gar nicht h6flich:1)Ich brauch 'nen Duft, so was

Frisches.

Haben Sie

da

was? 1')Ich

brauche

Parfiim.

weniger h6flich:2) Ich

brauche

ein

Geschenk

fur

meine Mutter,am besten

einen

Duft.

2b Haben

Sie

Parftim?

neutral: 3) Guten Tag, ich htittegern einen

Duft

fUr meine Mutter.Ve'as

k6nnten

Sie

mir empfehlen? 3')

Guten

Tag,ichsuch' ein Parflimfurmeine

Mutter.

h6flich:4)

Guten

Tag,ichsuche einen Duft furmeine Mutter. Kbnnten Sie

mir etwas empfehlen? 4') Guten

Tag,

ich suche ein Parfum fUr meine

Mutter.K6nnen Siemir etwas empfehlen?

sehr h6flich:

5)

Guten

Tag,ich suche einen sch6nen Duft ftirmeine

Mutter.

Kdnnten Sie mir vielleicht behilflichsein und rnir etwas empfehlen? 5')

Guten

Tag,entschuldigen

Sie

bitte.

Ich htittegernein Geschenk fiirrneine

Mutter.K6nnten

Sie

mir

bitte

weiterhelfen?

Aus den Beispielen

(1)

kann man ehtnehmen, dasses im Deutschen, genauso

wie im

Japanischen,

verschiedene M6glichkeiten

des

sprachlichen

Ausdrucks

der

H6flichkeitgibt.

Darifber

hinaus

etgibt sich,

dass

eine Hinzufligungder

GruBform, die Verwendung des Kionjunktivsund/oder eines Modalverbs,

AuBerungen mit ,,bitte" und zurUckhaltendes

Verhalten

Elemente derdeutschen

H6flichkeitausmachen. Eineweitere

Analyse

der

Konstruktiondiesernormativen

Formulierungen wird hiernicht vorgenommen.

4.2.Ergebnisseder natiirlichen Interaktionen

In Tab. 1 werden

die

Bewertungen

der Exploratorinnendargestellt.S) 5) Bei

[1]

und

[S]

handelt es sich um Kommunjkationssituadonen inParfUmerien, bei

[2]

und

[4]

in Lederwarengeschliftenund

[31

betrifftcin Gesprlichin einem Kauthaus

(6)

,

H6flichkeitim Deutschen-am Beispie]derVerkaufsgesprliche 87

H6flichkeit Freundlichkeit Distanz

[1]

sehrh6flich freundlich djstanziert '

[2]

h6flich sehrFreundlich neutral

[3]

hdfiich frcundlich ncutral

[4]

wenigeth6flich wenigerfreundlich fleutral

[5]

garnichth6flich garnichtfreundlich wenigerdistanziert

Tab. 1: Bewertungen derdeutschenInteraktionen

Tab. 1 zeigt, dassdieInteraktionen

[1]

bis

[5]

unterschieclliche Bewertungen erfahren. Um

festzustellen,

worin

dieser

Unterschledliegt,werden nun einige

Ausschnitteder authentischen Interaktlonenhe.tangezogen.Bei den

folgenden

Beispielen

(2)

handelt

es sich urn

die

Prasentationeines Parfums.Die Interaktion

[1]

wird

hinsichdich

der

H6flichkeit,,sehr h6flich"und

[5]

,,gar nichth6flich`f

bewertet,

wie es inTab. 1 steht.

Beispiel

(2):

Pr"sentationeines Parflims

[1]O05

B:

j2[...]

O06 V: ichwUrde ihnengernemal auf diehautspnihen wenn ichdarf

O09 Bi: mhm

OIO V: es istein frisches

jaT

'n sanftes blumcnbukett was clenk6rperschOn mit einer frischeumhtillt es istkein aufdringlicher duft also der* mensch steht im vordergrund beidiesem duft es umhUllt einfach nur

[5]O15

B; mhm

O16 V: kann ichihnenmal so `n bisschenauf diehauttun

O17 B: und ih was kostetdasso ungefahr**

O18 V: dasistein frischerduft*2*

Wenn man

die

Beispiele

(2)

durchgeht,merkt man sofbrt, dassderBewertung

derBeobachterdieVerwendung derin4.1.festgestelltenElemente derdeutschen

H6Hichkeit entspricht. Wljhrend in

[1]

bei

der

Frage

des

Sprtihenssowohl

Konjunktiv

(,,ich

wUrde`b als auch eine RUckversicherung

(,,wenn

ich darfiD

und

praziser

Ausdruck

(,,auf

dieHaut sprUhen`) verwendet werden, findetman

in

[5]

nur Modalverb

(,,kann

ich`Dund Modalpartikel

(,,mal

so `n

bisschen`).

Auch bei der Erklljrungdes Parfums werden in

[1]

nicht nur treffende

(7)

88 HitoshiYAA{AsHiTA

nette

Ausdrticke

k6nnten

auch m.it

der

H6Hichkeit zusammenh2ngen. In

[5]

wirddagegen einfach nur

die

Tatsache,,das istein

frischer

Duft"

mitgeteilt Es

wird

gezeigt,

dass

die

hOflichen

Sprachfbrmen

gerade

ordnungrgemaB mit

,,h6flich" bewertetwerden k6nnefi.Hier

k6nnte

man

also

von der ,,h6fiichen

H6fiichkeitsfbrmen`Csprechen. .

Die

folgenden

Beispielein Lederwarengeschaftenzeigen

jedoch,

dass

dies

nicht immer

der

Fall

ist.

Die Beispiele

(3)

zeigen

die

Prasentationvon

SchlUsseletuis.

Obwohl in

der

Interaktion

[4]

h6flicheSprachfbrmen mit

dem

Konjunktiv verwendet werden,

wird sie, wie aus der Tab. 1 zu entnehmen ist,,,weniger

h6flich`C

bewertet.

Dagegen

wird

die

Interaktion

[2]

trotz der mangelnden Verwendung von

oberflAchlichen H6flichkeitsformen,,h6flich" und ,,sehr freundlich"eingeschatzt.

Daraus ergibt sich, dass

die

Verwendung der h6flichenElemente allein nicht

immer

zur

dynamischen

HOflichk

¢it,flihrt.

Bei

[N

wird nebenbei angemerkt: ,,Die Verkiuferinschien etwas

genervt

zu

sein, weil ich ,,nur" ein

SchlUsseletui

suchte, wahrend noch andere Kunden

warteten, dievielleicht etwas Teureteskaufenwollten." Das zweimal wiederholte

,,ja

ja"

(Zeile

022)zum Beispielk6nnte etwas aufdringlich wirken, so als ob die

Verkauferinsagen wollte: ,,ja,

ja,

klar,

das

sieht man, nichtwahrP" Die Art und

VC'eise,

wie die Verktiuferinsich Kunden gegenUber verh21t,

ist

also

nicht

kooperativ,sondern eher einserdg, und

daher

wirkt

das

Ganze

trotz des

Konjunktivs ,,weniger h6flich".

/

Beispiel

(3):

Prasentationeines Sehltisseletuis

[4]

O17B: inbraunl mhm

O18V: inbraunJ *4* na daswblre.ietzt hiervon Picamal* daisthiernoch mal so `n kleines* reiBverschlUsschen*

/

021 B: wie `n

portmonnaiene

022 V:

ja

ja

daskann mdn also schlUsselbund und man k6nnte

hier

jetzt

mal `n schein und da 'n paargroschenrein

[2]

039 B: 'j2genau

040 V: dasnaturleder macht

ja

immer mehr herda lebtdastedereigendich richtig ne

mit so ner farbe

041 B:istauch nicht so:* so <Uber>schick ne

042 V: ne:J dasistnrichtigsch6nes schlUsselctui

was Siebenutzenk6nnen auch <ohne angst> daB man vielleicht mal n fleckendaran

macht LACHT denn diedUrfen

ia

so n biBchenpatinakriegenmit derzeit dannsehen

(8)

H6flichkeitim Deutscheh-am BeispielderVetkaufsgesprljche 89

Anmerkungen

zur Interaktion

[2]

lauten:,,Die Verkauferinistnett, engagiert

und auf angenehme VUeise kommunikativ, d.h.sie spricht UberihreWare, ohne

dass

man ihr

die

Infbrmanionenaus derNase ziehen muss und ohne aufdringlich

zu sein." Eine etwas saloppe Zustimmung ,,ne:i "

bei

der

Interaknion

[2]

(Zeile

042)

klingtim Vergleichzu ,,ja,

ja"

bei

[4]

ehrlich. Die folgendenErklirungen

der

VUaresind auch, wie angemerkt, informadv und kooperativ.Wahrscheinlich

k6nnteman schon sagen, dassehrliche, infbrmativeund kooperativeInteraktionen

zu einer angenehmen Kommunikation flihrenund fblglich,,h6flichC` wirken,

sogar h6flicher

als

oberflljchliche H6flichkeitsformen,

Ein weiterer Aspekt derdynamischen H6flichkeit,namlich

VUitz

und

Humor

der

AuBerungen,

wird

in

den

folgenden

Beispielen

gezeigt.

Beispiel

(4)

stellt

eine

Prtisentation

eines Rasierers

dar,

der

dem

Freund

geschenkt

werden soll.

Beispiel

(4):

Prnsentationeines Rasierers

[3]139

B: mhm"

140 V: und dasmesser istbeidenen

ja

identischJ** nur dashalthieralles* alles mit drinistim prinzipsoJ

141B: mhm LACHT

142 V: und damtinner

ja

doch`n bisschen*gernespielen

ja

brauchtman nur so `n

bisschen mehr LACHT so 'n paar anzeigen dran

Der Witz bestehtdarin,dass die Information,dass Mtinnergerne spielen,

gerade

furdieweibliche Kundin interessantund lustigist.Wie Tab.1 zeigt,wird

dieseInteraktion

[3],

genausowie bei

[2],

auch trotz dermangelnden Verwendung

von H6flichkeitselementenals ,,h6flich" angesehen. Eindeutige sprachliche

Merkmale spielen wiederum weniger eine Rolle als die Interaktionssituation

und

dje

Eigenschaften

des

Partners.

Festzuhalten

sei

also

die

Vermutung,

,,dass

h6flicheAuBerungen sehr oft auch von Humor

geprdgt

sind"

(Yamashita

2001a:327).

5. Ausblick

Zurn Schlusssoll diskutiertwerden, wie die oben dargestelkenErgebnisse

fur

die

Praxisvon

Deutsch

als

Fremdsprache

in

Japan

umgesetzt werden

k6nnen.

Es scheint zwar, dass dieVariantender prtiskriptivenH6flichkeitsforrnen,

wie siein4.1.gezeigtwerden, sich etwas leichterim Zusammenhang mit

dem

Grammatikunterricht

lehrenlassen.

Jedoch

istihreVerwendung wahrscheinlich

schwierig, weil

die

Grammatik

oft nichtim Hinblickauf diekonkreteSituation unterrichtet wird. Die H6Hichkeitsformen sollten den Lernenden, auch im

(9)

90 HitoshiYAMAsHITA

Rahmen

des

Grammatikunterrichtes,

im

Zusammenhang

mit einer m6glichen

Verwendungssituation

vermittelt werden.

Die

dynamischen

HOHichkeitselemente,wie. ehrliche, infbrmative,kooperative

und humorvolle Interaktionen,sind noch schwieriger im Unterricht zu

praktizieren,weil sie nichtdirektmit der Grammatik in Verbindung stehen.

Wenn dieseElemente Teil

der

kommunikativen

Kompetenz

im Deutsche'nsein

sollen, so muss man nun darUber nachdenken, wie man

diese

Kompetenz unterrichten kann. Zuvor muss natUrlich

behutsam

untersucht werden, was eigendich diekommunikative Kompetenz ausrnacht.6)

Fallses

gelingt,

wie weit auch imrner, zu kltiren,wie sich deutsche

Muttersprachlerverhalten, taucht wiederum eine ・Frage auC nlimlich ob die

japanischen

Muttersprachlersich auch so verhalten sollen, wie

die

deutschen.

Mit diesenFragen kdnnen wir uns hiernichtweiter befassen.Siestehen zur

anregenden Diskussionoffen.

Verzeichnis ****3,5**4:50*

(..,

,..)T,>vielleicht< <manchmal> LACHT derTransk IRONISCH

[・・.]

riptionszeichen ・

kurze Pause

(bis

max,1/2 Sekunde) etwas ]tingerePause

(bis

rnax.1 Sekunde)

1tingerePause mit ZeitangabeinSekunden ,

1llngerePausc mit ZeitangabeinMinuten und Sekunden unversttindliche Sequenz(dreiPunkte = Silbe)

steigende Intonation

(z.B.

konvmttdumitl) faltendeIntonation,(z.B.y'et atJtimmt esJ)

leiser

(relativ

zum Kontext)

lauter

(relariv

zum Kontext)

VC'iedergabenichtmorphemistisierter AuBerung auf derSprecherzeile inGfoBbuchstaben

Kommentar zur AuBerung

(auf

derKommentarzeile)

AuslassunginTranskriptenCggfmit nAheren Angaben zum Umfang o.li.,Ertauterungauf derKommentarzeile)

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6) Als eine M6glichkeitflireinen interaktivenUnterricht, H6flichkeitselemente eflebt werden k6nnen,siehe V6gel

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Tab. 1: Bewertungen der deutschen Interaktionen

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