RudolfHilferd主ng.
AusW呈enmachBerlin
M inoru KURATA
Inhaltsverzeichnis 1.NachrolgerYonKarlKautsky 2.DieLeidendesJungenHilferd‑ing 3.Parteischule
4.RudolfsFlucht 5.Pa:rteischullehrer 6.Trotzki
7. ̀̀DasFinanzhapital"
8.Zentrismus
1.NachfolgervonKarlKTaulsky
WieViktorAdlerseinenAnhangerHilferdingsah?Erschrieb 1904 an seinem Freund KarlKautsky. ''Hil,ferding wird ja hof‑ fentlichauchaufzutrei‑bensein."1)
Doch dachteKautskyschon in diesen Jahren an seineNachfoL ger.Im gleichen Jahrberichteteerklardartiberin seinem Brief
1)Victor Adler an Kautsky,Wien 2/II [1904?].主n: Vihtor Adler BT・iefwechsellnitA払guStBebelundKarlKaLLtShy.Gesammeltunder‑
1autertvonFriedrichAdler,Hrsg.V.Parteivorstand̲derSozialistisIChen PaTteiOsterreichs.VerlagderWieneTVolksbuchhandlung.Wien1954
(nachherabgektirzt,AdleT・Briefwechsel).S.428.
〔45〕
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an Adler,18.Okt.1904."ich denkeauch schon aneinen Nachfol gerftirmich.WashaltstDu vom Jungen Hilferding ?Ermacht auf mich einen sehr guten Eindruck." 2) Bisher hatte er schon freilich Hilferdings"Schutzzoll","Generalstreik",''B6hm‑Kritik"
gelesen.Abererentschiedsi°hれochnichtftirHilferdingalsseinen Nachfolger.
1904wurdeKarlMarx'"TheorieniLberdenMehrwert'',Bd.I. ver6ffentlicht,die von K. Kautsky,den Engelsvertrieb,heraus‑
gegeben wurde.Kautsky teiltedasAdlermュt. "DerersteTeildes sogenannten 4.Bandesistendlich fertig geworden
‑
ich babedas Ding untereinem anderen Titelherausgegeben,weilderTitel"4.Band"falscheErwartungenhervorrufenwi irde.Nunhandeltessich um die Besprechung. Hilferding hatdie Aushangebogen gelesen und m6chtedasBuch gem ftirEuch [‑"Arbeiter‑Zeitung"] be‑
sprechen.FallsDudieBesprechungnichtselbstmachenwillst,was mirdasliebstew畠re,S畠.heauchichesgerm,wennH.[ilferding] es beiEuchbespr畠.che,dennerverstehtetwasYonderSache.'' 3)
Sofortstellteerdie Frage mach seinem Nachfolgers.''Ubri‑ gends,washalstDuYonH.[iferding]?Eristjetztaneinem Schei‑ dewege angelangt, schwankt, Ob er si°h praktischen Medizin zuwenden soiloder nicht,und ich weiL3 nicht,wozu ihm raten.
Sickeristes,daB erein groBesTalelltftirtheoretischeOkonomie hat,einerderWenlgendesNachwuchsesist,aufdieich Wertlege
‑ essind merkwtirdig allesentwederHollanderoderOsterreich‑
er,die jetztals Marxisten etwas leisten
‑
G. Eckstein,Zetter‑baum,0.Bauer,M.Adleretc.
‑
ObHil一.[erding]alsArztetwas 2)Ebenda,S.434.3)KautskyanAdler,8/121904.Ebenda,S.439
RudolfHilferdingausWienmachBerlin 47 Besonderesleisten kann,weiB ich nicht; jedenfallsgibtesaber auch guteArztin vielgr6L3ereZahlalsguteMarxisten.Insofern wtirdeichesdahernitden gr66tenBedauernsehen,wenner,wie beabsichtigt,einen Kassenarztposten annahme. Denn gleichzeitig alsgewissenhafterArztund orlglnellerTheoretikerderOkonomie t畠.もigzuseュn,halteichftirunm6glich
lch babe ibm daher anfangs entscheiden Yon der Arztstelle abgeredet,habeaberjetztdamitaufgeh6rt,weilichnichtweiL3,0b ic九 esverantworten kann,ihn aufdieschriftstellerischeLaufbahn zudr畠.ngen,d.h.Ob erdem damitverbundenen Leben gewachsen ist.Esistdoch immerbeiuns,namentlich in seinen Anfangen, eineArtboh占meLeben,WenlgStenSim BezugaufdieSicherheitdes Erwerbs."4)
Kautsky setztefort. "Ich babeaberden Eindruck gewonnen, daB H.[ilferding] und mehr noch seine Frau si°h ohne feste, sicheresozialePositionsehrunglticklichftihlenwtirden,‥.‥‥
SolltestDuausdieserSituationeinenAuswegwissen,d.h.eine Position ftir ihn,die ihm erm6glicht,die Theorie weiter zu be‑
treiben,unddabeidocheinengewissen6knomischenRtickhaltgibt, damnwtirdestDudem MarxismuseinengroBenDienstleisten."5)
Kautsky sorgtrreundlicherweise ftir Hilferding.Er istgltick‑
1ich,einensolchengutenSeniorzuhaben.WeilAdlerdiesesProb‑
lem nichtIbsenkonnte,antworteteernichtdarauf.AberHilferding hatte zweiJahre spater den "Ausweg gef〟 unden. Das Schicksal wirdanseineTiirklopfen
4)Ebenda,S.439‑440 5)Ebenda,S.440
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2. DieLeidendosjun9en Hilferding
HilferdingstudierteNationa16konomle,dochdachteerimmer, Wien waredaftir nichtpassend,ersollte mach Berlin gLehen,Wo KautskyundRosaLuxemburgwaren.ZwischenzweiMbglichkeiten schwankte er him und her, mal hoffnungsvoll und mal pest s主mistisch.Dasistaberselbstverstarrdlich,wellernochjungwar.
Das Problemナ aufzu16sen,war wieer seinen Lebensunterhaltin Berlin verdienen sollte.Er hatte keine andere M6glichkeitals die medizinische Tatigkeit. Man konnte damalsnichtdaran denken, nitderMarxschen Okonomie‑Forschung sein TaglichesBrotzu verdienen. Einen solehen Beru fgab es damals nicht,nitAus‑
nahmebeiXautsky.
Spaterbeschrieberesauchbedauernd."DerMarxististaber in einerelgenttimlichenLage;ausgeschlossenvondenUniversit畠.t‑ en, die die nbtigen Zeit ftir wissenschaftlichen Forschungen gewaren, ister gezwungen, die wissenschaftliche Arbeitin die Mussestl⊥nden二ZllVerlegen,dieihm dieKampfstunden derPolitik lassen.n6)
Hilferding schrieb 1905tiberdieseSituation an Kautsky. "Ich habeHeimsuch mach Berlin u.Sehensuchtmach Ihnen u.dieseist oft・sostark,dassicham liebstenAlleshierhinwerfenm6chte,um mach Friedenau zu kommen,wom6glich aufimmer.Ich‥.denke oft,dassesUnrechtwar,Ihnenu.Rosanichtgefolgtzuhabenu.
inBerlingebliebenzuseュn.'' 7)
W主eschon erwahnt,WeilKautsky Hilferdingfiireinen Kandi‑
6)Hilferding,DasFinanzkapital.inこ"Marx‑Sludien",Bd.3,Wien 1910,S.ⅠⅩ
RudolfHilferdingausWienmach Berlin 49 daten rtir seine Nachfolge hielt,fragte er Hilferding einmalm上t Sorge,ob er''werde Medizinerwerden u.dieParteiaufgeben.'' Hilferdingantwortetedarauf,"DasbrauchenS呈enunabsolutnich上 zuftirchten,・ichweiBnicht,wannichdieMedizinwerdeaufgeben k6nnen,aberich weiL3,dassich in ersterLiniesocialistbleiben werdeu.sick darandurchkeineauBerlichenUmst畠.ndewurdehin‑
dernlassen."8)
Aber es gab riir ihn keinen Ausweg. Er war elgentlich ein Mann,derft主rimmerinWienbleibenmuBte.Dochwerkonntevo‑
raussehen,daB eseinen MomentauseinergroBen Affare,diein RuL31andstattfand,kommenwtirde?
3.Parteischule
Die erste russische Revolution war eine revolutionare Volks‑
massenbewegung,dieim Januar1905nitden ''blutigenSonntag'' in Petersburg begann.DasbeeinfluBtedieeuropaischen Sozialis‑
ten,vorallen hinsichtlich derMassenstreiksbewegung und deren Dispute.Abernichtnurdas.
Heinrich Schulz,ein deutscherSozialdemokratund Fachmann ftirBildungsfragen,hatteschonim Junil904einen Vorschlag ftir die'Parteischule'inder"NeuenZeit"9)geschrieben.
DieserVorschlag schlieBlich Anfang1906angenommen,weil 7)RudolrHilferding an KarlKautsky,W呈en,14 Ⅲ.05,1nternationaal InstituutvoorSocialeGeschiedenis,Amsterdam, (nachherabgektirzt,
ⅠISG) KautskyArchiev,KDX588
8)Ders.anKautsky,Wien,10.Ⅲ.06,HSGXDX599
9)HeirichSchulz,ZweiJahreArbeiterbildung̲in・.N.Z.1907/08̲Bd.
2.S.883
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dieSPD dachte,esseinotwendig,dieinnerparteilicheBildungzu verstarken,damitsi°h die Bewegung noch intensiver entwickeln k6nnte.DieSPD beschloB,1906in Berlin eineZentralparteischule aufzubauen,um dievorhandenen Arbeiterbildungsschulen zu ver‑
starken.Siesollteim Herbsterdffnetwerden.''Thenew creation wastobemoreofaneliteschool,totrainsuitablecandidatesfrom constituencyorganizationsandtradeunionswhowouldinturnbe‑
cameteachersoractiviststhemselves." 10) DieseFunktionaresol1‑ teneinhalbesJahrausgebildetwerden.ll)
AugustBebelschrieb am 7.Juli1906an Kautsky, "vorstand hat heute beschliessen, ftir die sechs MonateUnterricht 3000.
‑Mark zu zahlen.Ob wirdreiLehrkr畠.fterestanstellen,solュerst nachsteWochesich entscheiden.VorstandwtirdebeizweiHilferd‑
ingP[annekoek]vorziehen."12)
DerParteivorstandgab schon Hilferdingalseinen Kandidaten ftirden Lehrerposten in derParteischulean.Erwardurch seiner Werke, "B6hm‑Kritik", ''Massenstreik" und anderes schon bekanntundvielleichtempfahlihn Kautsky.Bebelakzeptiertefast immerKautskysRatschlagezuProblemeninWissenschaftundBiL dung. Bebelsagte fort,''Ich bitte Dich,setze Dic九 sorortnit 10)J.P.Nettl,RosaLuxeTnburg.0Ⅹford1966,vol.1,p.388.''DieNeu‑
grtindungsolltemehreineEliteschulesein;siesolltegeelgneteKandi‑ daten ausden Wahlkreisorganisationen derParteiund 乱usden Gew‑
erkschaftenzuFunktionarenundAgitatorenausbilden." (PeterNettl,
RosaLuxeTnburg,KらlnBerlin1967,S.374.)
ll)Alexander Stein schrieb, dab sie in der Parteischule''ein Jahr lang" ausgebildetwurde,aberesistfalsch.Siehe,Stein,RudolfHil‑ ferdingunddiedeutscheArbeiterbewegung,Hamburg [1947],S.6. 12)BebelanKautsky,7.Juli1906.in:AzLguStBebelsBriefwechselTnit
Karl KazLtShy, Hrsg v. Karl Kautsky Jr., Assen 1971,(nachher abgektirzt,BebelsBriefwechsel)S.176.
RudolfHilferdingausWienmach Berlin 51 H[ilferding]in Beziehung. Ich denke,wenn H[ilferding]si°h an NeueZeitundVorwdrtsbeteiligtund leztererihm ftirtheoretische ArtikelftinfMark mehrgibtalssonst,esihm m6glich seinwird, bequem noch 2000. ‑Mark zu verdienen,namentlich wenn ermal eingerichtetist.DerKursuswirdvorMitteNovembernichter6ffnet werdenk6nnen."13)
Kautsky brauchte nicht, Selbst nit Hilferding Kontakt aurzunehmen,daHilferfingschoneinenBriefanBebelschrieb,der ihnspatestensvondem 7.hisll.Julierreichte.
BebelschriebanKautskyam ll.Juli,''H[ilferding]‑Wienhat mirgeschrieben.Vorstand wtinschteinstimmig,daBH[ilferding]
annehme.ErsolュNational∂konomle,Soziologleund materialistis‑
Che Geschichtsauffassung lehren. Lehrstunden w6chentlich8‑10. AllezweiでagezweiStunden dourim Unterrichtslokal,um allen‑
fallsige Anfragen der Schtiler infolge ihrer Arbeiten zu beanト worten.AlsoeineArtAufsichtsdienst.
GehaltftirsechsMonate3000.‑Mark.Zahlungpranumerando.
KursussolltediesesJahrMitteNovemberbeglnnen,naChstes JahrAnfangOktober.DauersechsMonate."14)
DieOrganisationunddieLehrinhaltederParteischulewurden, wiewirwissen,indieserZeitbestimmt.DerParteivorstandwollte Hilferding.Erschriebwahrscheinlichunmittelbardanacheinenan‑
derenBrief15)anBebelunderkundigtesi°hbe主ibm tiberdieSchu‑
1angelegenheiten.ErhattevielleichtnichtdieSchluBfolgerunggez0‑
gen, Lehrer zu werden. Rebel setzte seinen Brief fort, "H 13)Ebenda
14)Ebenda,S.176‑7
15)DieserBriefistnichtvorhanden.
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[ilferding] fragtwegenNaturalisatiionan.Dieseistnichtm6g・lich Frau H[ilferding]k6nneauchnach Naturalisation nichtalsvollw‑
ertigeArztinpraktizieren;daserfordertedeutschesStaatsexamen praktizierenkannsienitdererw亘hntenEinschr良nkung."16'
Frau Dr.Margarethe Hilferding warauch praktischeArztin und als sic mach Berlin tibersiedelte, wollte sic ihren Berruf austiben. Bebelschrieb,"Verwies Hlilferding]aufMitarbeitan NewerZeitund Vorwarts,daL31etzterer sehr n6tig gute Artikel brauchtundentsprechendhonorierenk6nnte..
Habeihn (lHilferding]) gebeten,bevorersichentscheidett, mュtDirzuReden了 17)
Bebelsagteauch,''Ⅰm Vorstandwareinstimm主gdieMeinung, dab,wenn esnichtgelange,H[ilferding]zu gewinnenn,wirftir dasn岳ChstehalbeJahraufDichrechnenmtiBten.EsmtiBtedann Arrangementnitde・rNeuenZeitgetroffenwerden."18'Bebeldrohte den schwachenKautskyinseine・rspeziellenWeise.KautskymuBte jedeWoche''DieNe弘eZeit''herausgeben,also konnteerabsolut nichtals王」ehrerarbeiten.BebelwuBtedasganzgenau.
DochwarBebelsForderungunn6tig.ZweiTagedanachschrieb Bebel,''Hiferding hatsich erboten,aufein halbes Jahrversuch‑
sweisedenKursusz̲utibern ehmen;damitsindwireinverstanden.
Alles andere wei8 er.'' 19) Hilferding entschloB si°h in diesen Tagen,diやP'ositionalsLehrerzutibernehmen.
KautskyschlugHilferdingspatervor,beider''NeuenZeit''zu 16)̲BebelanKautsky,ll.Juli1906.in:BebelsBriefwechsel,S.177
17)Ebenda 18)Ebenda 19)Ebenda
RudolfHilferdingausWienmachBerlin 53 arbeiten.Hilferding antwortete, "IhrerVorschlag mussich wohl acceptleren.DieAussichtan lhrerSeitearbeitenzukdnnen u. die HoffnungSievielleichtinmancherHinsichtentlassenzuk6nnen,ist zu verlockend,vom widerstehen ztlk6nnen.Wenn ich wei8, dass meineArbeitlhrefreieZeitvermehrt,soweiBichzegleich,dasssie tiberausnutzbringendseinwird.''Ersetztefort,''Allerdingswi irde ichjanitden EintrittindieN.‑Z.definitivmachBerlingehen.Ich m6ChtemiraberjedenfallsftirdaserstehalbeJahrLdieM6glichkeit desRtickkehrsorfenhalten.''Wiegesagtichrreuemichsehraurdie Th畠.tigkeitftirdieN.Z.vielleiehtmehr̲alsaufdieSchule. Hof‑ fentlich hatder Parteiverstand nichtdagegen".20'sogar war es BebelsAbsicht.
Die wichtigsten Frag・en auf den Parteitag SPD 1906 zu Mannheim (23. bis 29. Sep.) waren tiberMassenstreikund Bil‑ dungsprobleme.H.SchluzreferiertezusammenmitC.Zetkintiber 'SozialdemokratieundNationalbildung'.BeideschlugenderPartei vor, einen ZentralbildungsausschuB zu gr也nden. Nach dem Parteitagam 7.N̲ov.wurdeervon7AusschuBmitgliederngegrtin‑
det: Dr.Eduard David, Karl拡orn, Dr.Franz Mehring,Georg von Vollmar,Clai.a Zetkinund HeinrichSchulz. Ein Delegierter desParteivorstandeswarBebel.Der AusschuB warauch ftirden Betrieb derParteischuleverantwortlich.SchulzwarderLeiterder Schp1e.
Doch wurden fastalleersten Lehrkrafteschon von Bebelbes‑
timmt.Anfan gOktober,einen MonatvorderGrtindungdesAuss‑
chusses,fand die‑erstmaligeVersammlung der Lehrkr畠fte statt. 20)HilferdinganKautsky,6.9.06,IISG ‑KDX602