滋 賀 大学 教 育 学 部 紀 要 人 文 科 学 。社 会 科 学
No.50,
PP.7-22,2000
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Kurze
Geschichte
des japanischen
Gartens:
vom
Urgarten
bis zum
Steingarten
Tatsuo MUGIKURA
Im altertumlichen Japan wurden fast alle Kulturen aus dem Kontinent China eingefiirt:meistens caber Korea, aber auch unmittelbar durch die aus China nach Japan zuriickgekehrte altjapanische Gesandtschaft. Die Japaner nahmen anfanglich die Kultur des Kontinents natiirlich als Vorbild, aber verarbeiteten sie dann nach and nach and entwickelten daraus zuletzt ihre eigene Kultur. Das gilt auch fur den Garten bzw. fur den Gartenbau. Die Japaner fiihrten namlich zuerst die Idee, den Stil and die Technik des Gartenbaus, die sich schon im damaligen China and Korea allgemein verbreitet hatten, nach Japan ein, and sie lieBen dieselben dann im kulturellen Klima von Japan Wurzeln schlagen and danach allmahlich zum eigentumlichen japanischen Garten oder zu dessen Schonheit entwickeln.
Welches ist darum die Grundlage des japanischen Gartens?Das war der chinesische Taoismus. Der Taoismus war einer von verschiedenen Volksglauben, die bereits im alten Japan aus China eingefiihrt worden waren. Und dieser iibte auch auf den Garten oder Gartenbau einen grogen Einflug aus and bildete zugleich die Basis fur die Stile des japanischen tradit董onellen Gartens.
Die chinesische taoistische Idee soll schon friiher im 3. oder 4. Jh. v. Chr. im alten China entstanden sein."H6shi"(so nennt man denjenigen, der an these Idee glaubt) behauptete:》Weit entfernt auf dem Meer im Osten be丘nden sich drei heilige Berge (bzw. Inseln)namens Horai, Hδj6 und Eishσ, wo die g6ttlichen, unsterblichen Wesen wohnen. Auf diesen Bergen(bzw. Inseln)gibt es auch das Lebenselixier. Wenn man dieses Wundermittel bekame and tranke, so k6nnte man unsterblich werden.《Es ist der Kaiser Shi von der Ts,in・Dynastie(259-210 v.Chr.), der im Zusammenhang mit diesem Taoismus am bekanntesten ist. Dieser Kaiser, der nach der Vereinigung des damaligen Chinas noch lange, lange leben wollte, befahl namlich den Hoshi namens Jofuku, nach der Insel Horai hinzufahren and das Wundermittel zu holen. Zwar fuhr Jofuku mit vielen geschenkten Mitteln and tausenden von Kindern ah, kehrte aber nie wieder zurilck. 〔Eine andere Version besagt, der Kaiser sei schon gestorben, bevor dieser zuruckkam.〕 Dann war es Kaiser Bu(156-87 v. Chr.)von der Ban・Dynastie, der sich nach diesem Kaiser Shi in die taoistische Idee vertiefte. Und seine Begeisterung dafiir fuhrte dazu, daf3 der Garten vom taotischen Stil entstand. Denn er liel3 die Welt der taoistischen Idee, die in der Wirklichkeit nie zu gewinnen war, schlieglich in dem Teich Taieichi in einer vorl百u丘gen Form bauen. Diesen Garten, der aus dem allzu menschlichen Wunsch nach dem ewigen Leben entstand, nennt man im allgemeinen den "H6rai-Garten',, weil der Berg Horai unter den drei heiligen Bergen Hdrai, Hojo and Eishu doch am reprasentativsten ist. Jedenfalls begann mit diesem "Hδrai・Garten"die
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Gartengeschichte in Ostasien.
Dieser Horai-Garten wurde auch in den spateren Zeiten immer noch weiter gebaut. Anfang des 6.Jhs z.B. arbe五tete der achte Kaiser Senbu(499-511)von der Hokugi-Dynastic den grofien Teich Tennenchi in der damaligen Hauptstadt Loyang zum Horai・ Garten um. Er lief5 in der Mitte diesesTeichs eine Insel aufschiitten. Auf dieser Insel lief3 er ein SchlbSchen fur das gottliche Wesen einrichten and dberdies zu dieser Insel noch eine Briicke bauen. Diese Gartenanlage kann man sich nach dem damaligen Dokument so vorstellen, wie these Abbildung【s. Abb.11 zeigt. Wenn wir dieses Bild sehen, so erkennen wir zweifellos die Urform der japanischen Garten. In Wirklichkeit wurde dieser Gartenstil spater-meistens fiber Korea oder von den Koreanern(z. B. Michinoko・no-Takumi)一nach Japan gebracht and ist die Grundlage fur den japanischen Garten geworden.
Freilich wurden auch von Japan aus Gesandte mehrmals nach China wahrend der Zui・and・Tlang・Dynastie(AD581-907)gesandt, um die damalige, hochentwickelte Kultur zu lernen. Und aufgrund der Informationen, die sic heimgebracht hatten, wurde die Hauptstadt Fuj三wara-kyo, Heijo-kyo and dann Heian。kyo geplant and aufgebaut;dabei wurde auch der "H6rai-Garten睡natiirlicherweise mit eingefiihrt and da errichtet, wie Sie spater sehen werden.
Nebenbei war der Horai-Garten eng mit dem Kranich and der Schildkrote verbunden, weil es schon im alten China so einen Gedanken gab, die taoistische Horai-Insel habe d互e Form von Kranich oder Schildkrote. Dieser Gedanke mug sicher daher gekommen sein, daB man damals im allgemeinen glaubte, Kranich and Schildkrbte seien
so sehr langlebige Lebewesen. Darauf grUndet, dak wir spater im japanischen Garten ofters sogenannte "Tsuru-jima, Kame-jima川(lnselchen oder Stein in Form von Kran1ch oder Schildkr6te)feststellen.
Noch eins:der Hdrai-Garten wurde eigentlich aus dem Wunsch nach der
Langlebigkeit oder als.Symbol des ewigen Lebens gebaut. Daher hatte dieser so eine hohe Bedeutung, weil der Inhaber den Segen im Sinne langen Lebens gewinnen konnte. Also ist der Horai・Garten von alters her der gluckverheiBende Garten. Vermutlich
deshalb ergibt sich, daf360 bis 70%aller Garten in Japan prinzipiell eben im "Kranich-Schildkr6te-H6rai-Garten川ihr Vorbild haben.
Noch einen dritten Punkt den Gartenbau betreffend mochte ich erwahnen:bei dem H6ra量 一Garten wurden urspriinglich drei taoistische互nseln Hora玉, Hojo and Eishu klar and deutlich gezeigt. Aber spater sind these drei meistens nur noch mit einer Insel, "N
akajima"(Mittelinsel)genannt, zusammengefagt worden.
Jetzt wollen wir die Geschichte des japanischen Gartens anschaulich behandeln and erklaren!So mochte ich zuerst den nachgelassenen Garten im Tempelbezirk von Miidera in meiner Stadt Otsu besprechen. Denn dies ist der alteste and einzige Garten in Japan, der in der Asuka-Zeit(AD593-709)gebaut wurde and auch jetzt noch besteht. Es ist schwierig, das Jahr des Gartenbaus genau zu bestimmen, aber Ohashi(Haruz6)halt das Jahr 669 fur das Entstehungsjahr.
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Tempel)daher, daf3 das Wasser des heiligen Brunnens im Tempelbezirk einmal fur drei
Tennδs:Tenchi(626・671),Tenmu(?一686)and Jito(645-702)zum ersten Bad nach der
Geburt gebraucht wurde. Neben diesem Brunnen befindet sich eine Gruppe von Ste五nen, an der man vorbeigehen wurde, wenn man nicht genug aufmerksam ware. Eben these Anordnung von Steinen ist der wichtige, hinterlassene Teil des noch einzig bestehenden
Gartens aus der Asuka・Zeit. Hierbei gibt es auch Leute, die sagen, these Steinanordnung sei der "Karesansui(Garten aus Sand and Stein)von der Asuka・Zeit韓. Aber das ist nicht richtig. Denn der "Karesansui,, ist der Stil des Gartenbaus, der eigentlich viel spater, erst in der Muromachi-Zeit(1334-1573)herauskam. Andererseits gibt es auch Menschen, die in dieser Steinanordnung "Sanzon。seki四(Trinitat-Stein)sehen wollen. Das ist aber auch falsch. Denn der "Sanzon-seki鴨, der da Buddha and Bodhisattvas symbolsiert,1St die Steinanordnug, die erst seit Mitte Heian-Zeit(794-1185)herauskam, wo die Jodo・ Schule sich verbreitete. Dagegen ist es nicht ganzlich falsch, in dieser Steinanordnung etwa diejenige von Shumisen・Berg erkennen zu wollen. Denn der Shumisen。Berg ist der heilige Berg, der au㎏rund der buddhistischen Weltanschauung eben in der Mitte der Welt aufragt, and die Steinanordnung, die diesen heiligen Shumisen・Berg symbolisch ausdrUckte, soll schon von der Asuka-bis zur Nara-Zeit am meisten in Mode gewesen sein.
Ich pers6nlich glaube, man sollte nicht aus dieser Steinanordnung nur drei Steine herausnehmen and these drei fur"Sanzon・seki'「oder"Shumisen-Berg四halten, sondern vielmehr die ganze Steinanordnung als "Horai-Steinanordnung"←Steinanordnung, die den Horai・Berg ausdrUckt)betrachten. Es besteht kein Zweifel, daI3 es friiher in der Asuka・Zeit hier in der Gegend einen groBen Teich oder Teichgarten gab, obwohl wir heute nur noch die hinterbliebene Steinanordnung sehen. Also ware es sehr natiirlich
, SO zu denken, daf3 das Hinterlassene im ganzen sicher den Horai-Berg jenseits des Teichs ausdrUckte.Uberdies gibt es die historische Tatsache, daB der damals aus China eingefiihrte Stil des Gartenbaus, wie vorher erwahnt, hauptsachlich auf dem Taoismus gegrUndet war. Koukreter gesagt, konnte man die drei Steine in der Mitte fur die g6ttlichen Wesen, den vorderen Stein von rechts fur die Schildkrote als Symbol der Langlebigkeit and denjenigen von links fur den Kranich(gleichfalls als Symbol der Langlebigkeit),also das Ganze fur den Horai-Berg halten. Augerdem ist es einleuchtend, neben dem heiligen Brunnen den Horai・Berg oder die "Harai-Steinanordnung"als
Symbol der Unsterblichkeit aufzustellen, um die Langlebigkeit von den drei Tennos herzlich zu wunschen, da das heilige Wasser dieses Brunnens bei ihrer Geburt zum ersten Bad gebraucht worden war.
Eine allgemeine Redewendung besagt:》Garten in Kioto, Buddhastatue in Nara.《 Das bedeutet, wenn man Garten sehen mochte, so sollte man nach Moto fahren, and wenn Buddhastatuen, so nach Nara. Zwar gibt es viele Leute, die nach Nara hinfahren
, um Buddhastatuen im Horyuji・Tempel oder im Todaiji・Tempel zu sehen
, aber keine, die dorthin fahren, um Garten zu sehen。 Das hel偲t, dag die Tempel in Nara, angefangen mit HδryUji4'empel, fast keine sehenswUrd量gen Garten haben. Aber das bedeutet nicht, daβ es da gar keinen einzigen Garten gibt. Deno wir kSnnen heutzutage den Garten von der Nara・Zeit(710-793),n註mlich den Tδin-Garten im Heijo。Kyu sehen, der mit den Gebauden
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zusammen vollig restauriert worden and se五t Friihjahr 1998 der Offentlichkeit zuganglich gemacht worden ist.(s. Abb.2.)
In dem Gebaude in der Mitte fanden gelegentlich Zeremonien oder Festmahle statt. Dies Gebaude nenne ich jetzt vorlaufig Haupthalle. Siidlich von der Halle breitet sich der Teich weit nach Osten and Westen aus;so ist es einem in der Haupthalle zumute, als ob
these auf dem Wasser schwimmen wurde. Ostlich von der Haupthalle ist eine flache Brucke erbaut worden. Rechtwinklich dazu erhebt sich eine Bogenbriicke, and zwar nach hinten verlegt. Das bedeutet, dal3 diese BogenbrUcke zli der hinteren Steinanordnung fiihrt. Denn, von der Haupthalle aus gesehen,1st these Steinanordnung die Hauptansicht and zugleich das Hauptthema von diesem ganzen Teichgarten. Da die Bogenbriicke eigentlich den Regenbogen symbolisiert, deutet sie darauf hin, da偲man dariiber von der diesseitigen Welt zu einer anderen Welt gelangt. Deshalb ist es angemessen, zu denken, die Steingruppe am anderen Ufer bedeute den Horai-Berg. So ist also die Haupthalle selbst nichts anders als das Schlogchen im Horai・Berg, and die sudliche Mittelinsel wiederum stellt die taoistische Insel dar. Also kann man schlieSlich auslegen, dag der ganze Toin-Garten eben die taoistische Horai-Welt ausdriickt. Dadurch kann man noch weiter folgendes belegen:die Hauptstromung des Gartenbaus in der Nara-Zeit bestand zweifellos darin, den taoistischen "Horai-Garten「, zu bauen.
Und noch ein anderer, bemerkenswerter Punkt an diesem H6rai-Garten ist, daB die Leute damals diesen Garten bauten, nicht als etwas nur von augen Anzuschauendes,
sondern vielmehr sozusagen als eine Art"Paradies innerhalb der Wirklichkeit',. Wie vorher erw註hnt, war der Horai・Berg eigentlich die traumhafte Welt auf dem Meer im fernen Osten. Wenn sie aber nach and nach bemerkten, daB these Welt unmoglich zu
erreichen war, so war es sehr natiirlich, daf3 sie dieselbe innerhalb ihrer Wirklichkeit vorlaufig, ja in einer vorlaufigen Form errichten wollten. Der "H6rai・Garten"war also
die Verwirklichung ihres Traumes, ja, nichts anders als das Paradies innerhalb der Wirklichkeit。 Und sie wiinschten, wenn auch fur kurze Zeit, dieses Paradies zu genieBen,
indem sie darin Leib and Seele erlabten. Der Garten in Japan war also urspr伽glich ein Erholungsplatz.
'Hier mug ich auch noch die Eigentumlichkeit des japanischen Gartens erwahnen, die bereits an dem Toin・Garten bemerkbar ist;d. h. die Japaner hatten schon friiher in der Nara・Zeit gerne schone Landschaften um sich herum wie Teich, FluB, Wasserfall, Hugel and vor allem sch6ne Aussichten auf die See, wie z. B. diejenigen der Seto。 inlandsee in den Garten aufgenommen and sie da reprasentieren and rekonstruieren wollen。 Indem she solche Landschaften der Natur idealisierend erfaSten and these wieder im Garten symbolisch darstellen wollten, folgten sie bei ihrem Gartenbau eben der Natur oder sie versuchten, der Natur zu folgen. In diesem S五nne besteht die Grundlage des japanischen traditionellen Gartens zweifellos in dem sogenannten "〔Natur一 〕 Landschaft-Garten「,. Mit anderen Worten, muBte der japanische Garten daher notwendigerweise einen unsynmetrischen Stil bekommen.'Selbstverstandlich ist ln der Natur die Kurve viel natiirlicher als die Gerade, and daher viel mehr zu beobachten. Deswegen gibt es im unsymmetrischen Landschaft-Garten japans fast keine gerade Linie, sondern nur noch krumme Linie. Das kann man bereits auch im Toin・Garten von der Nara-Zeit, z. B. an der Kurve des Sandstrandes deutlich erkennen. In diesem Punkt
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bildet der japanische Garten schon einen klaren Gegensatz zu europaischen Garten, in denen kiinstliche, gerade Linien viel mehr gebraucht sind.
Der typische Garten in der Heian・Zeit(794-1185)ist der sogenannte "Shinden-zukuri-Garten',, der an dem Anwesen vom Shinden-zukuri(Baustil des Heian・Adels) eingerichtet wurde. Bei diesem "Shinden・zukuri-Garten', wird siidlich vom Hauptgeb註ude, genannt Shinden, der flache Sand-bzw. Erde・Gatten(Nantei)eingerichtet
and noch siidlicher von diesem Nantei verbreitet sich der Teich(Nanchi). In diesem Teich befindet sich die Mittelinsel(Nakajima),and an oder hinter dem Teich gibt es ein
HUgelchen mit Baumen(Tsukiyama)oder Rock-bzw. Steinanordnung. Neben dem
Shinden fliegt ein klarer Strom(Yarimizu)zum Teich hin. Die charakterischsten Elemente an diesem Garten sind der Teich mit der Mittelinsel and Nantei. Obwohl dieser Shindenzukuri・Garten heute in Kioto leider ganz and gar nicht mehr besteht, ist es doch m6glich, ihn aus verschiedenen historischen Materialien wieder herzustellen. Dessen typisches Beispiel kann man an dem restaurierten Modell(s. Abb.3)sehen.
Wie man in diesem Modell sieht, befinden sich im Teich(Nanchi)meistens drei Inseln:Hδrai, Hδjδund Eishα. Und zu diesen Mittelinseln sind die rotlackierten BogenbI髄cken geschlagen. Die Bogenb!vcke dient dazu, da億man, wie vorher erwahnt, zur ersehnten Horai・lnsel gehen kann. Also zeigt der ganze Teich-Garten, der in der Mitte die Mittelinsel hat. unverkennbar die taoistische Horai-Welt.
,
In diesem Garten als Hdrai-Welt wurden Zeremonien wie Jahresfeste and gelegentlich prachtvolle Gastmahle veranstaltet. Dabei schwammen prunkvolle Kahne auf dem Teich and es wurde Musik gespielt and getanzt. Fur Heian-Adlige war die Horai-Welt nicht mehr diejenige, die weit entfernt auf dem Mees nur als Sehnsucht dawar, sondern eine Welt, die sie nun w1rklich genieken konnten, indem sie selber auf der B!Ucke hinUbergingen. In diesem Sinne kann man sagen, auch der Shindenzukuri・Garten sei eine Art"Paradies innerhalb der Wirklichkeit閂gewesen.
Ubrigens, wie Sie selber bemerkt haben, ist fur den japanischen Garten ja das Wasser von Anfang an ein unentbehrliches Element gewesen. SelbsWerstand11ch ist das Wasser auch fur den europaischen Garten ein wichtiges Element and spielt eine groge Rolle. Jedoch ist das Wasserspiel z. B. in franz6s1schen Garten, wie das Blumenbeet, etwas ganz Kunstliches and nur zur Zierde da, and durch den geometrischen, rationalistischen Geist angeordnet and geleitet. Das ist kein natiirliches Wasser, WO Fische oder Seegraser schwimmen, sondern das farblose, durchsichtige Wasser, and auch der Teich ist kreisfdrmig oder viereckig. Dagegen ist das Wasser bzw. der Teich in unserem Land ganz anders. Auch aus dem Teich, der zwar kiinstlich gebaut wurde,1St ein natiirlicher Teich geworden. Er wird namlich gebaut, nicht indem man die Natur zahmt und miβbraucht, sondern indem man ihr folgt. In Japan sind also die Kunst and die Natur untrennbar miteinander verschmolzen, was freilich auch fur den ganzen Garten gilt, aber eben am Teich am deutlichsten zum Ausdruck kommt. Der Unterschied zwischen dem europaischen and dem japanischen Garten wird am Beispiel des flief3enden Wassers noch deutlicher. Im ersteren flieat das Wasser durch Wasserleitungen, steigt in der Fontane empor and n益fat fallend die Marmorstatuen. Da sieht man den Triumpf des Rationalismus, der das Wasser kontrolliert and beherrscht.
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Dagegen lassen wir Japaner in unserem Garten das Wasser als Yarimizu in moglichst natUrlicher Form nieβen, Wir leben so mit dem fliegenden Wasser im Einklang mit der Natur. Jedenfalls besteht die Eigenart des japanischen Gartens darin, daf3 die Kunst and die Natur innig verbunden sind, indem man der Natur folgt.
Der Buddhismus, der bereits in der ersten H51fte des 6. Jhs. nach Japan eingefiih!t worden war, wurde Mitte der Heian-Zeit(etwa Mitte des 10. Jhs.)als Jddo-Schule
anerkannt, als sich der Gedanke des Weltenendes verbreitete. J6do bedeutet Ubrigens das buddhistische Reine Land im fernen Westen, wo Amida-Buddha and Bodhisattvas wohnen. Wenn der Mensch an das Gel廿bde des Amidabuddhas glaubt and inbriinstig
betet, in das buddhistische Reine Land einzugehen, so kommt Amidabuddha mit anderen Bodh1sattvas sicher in seiner letzten Stunde her, um ihn in dieses buddhistische Paradies hinzufuhren. Das ist die Lehre der Jodo-Schule.
In der spaten Heian-Zeit mu3ten auch die Heian・Adligen, die bis dahin das Leben genossen hatten, doch wegen des Weltenendes in der Unruhe der Zeit leben;sie wollten daher irgendwie die Ruhe der Seele finden, indem sie z。 B. die Amidabuddha・Halle in ihrem Shinden-zukuri。Garten bauten oder ihre Villa mit dieser Amida・Halle zusammen zum Tempel schenkten. Auf these Weise 1st an die bisherige taoistische Horai・Welt die Amidabuddha-Welt getreten. Das heiRt, anstatt der Horai-Welt als``Paradies innerhalb
der Wirklichkeit"wurde das buddhistische Reine Land Jodo als"Paradies auBerhalb der Wirklichkeit"gesetzt, das sich freilich nicht in dieser Welt befande, also nur noch ideell zu suchen ware. Andererseits war es allmahlich popular geworden, so einen Tempel zu bauen, der schon von Anfang an mit dem das Jodo darstellenden Garten ausgestattet war. Also begannen jetzt(um Spat・heian-Zeit herum)der Garten and die Religion ←Buddhismus),sich miteinander zu verbinden. Und solch ein Garten, der irgendwie das buddhistische Reine Land Jodo darstellt, wird in der gegenwdrt五gen Gartengesch三chte der ``J6do-Ga!ten"genannt.
Bei diesem Jodo-Garten hatte man zwar das Ziel, darin das Jodo symbolisch auszudrUcken, aber in Wirklichkeit war these Jodo-Welt nur noch der Ersatz der bisherigen Horai-Welt. Deshalb hat dieser Jodo-Garten, was den Gartenbau selbst anbetrifft, fast keinen eigenen, unabhangigen Stil, sondern in verschiedenen Punkten unverkennbare Ahnlichkeiten oder Gemeinsamkeiten mit dem Horai-Garten. wie z. B.
,
der Teich sudlich von der Haupthalle, Hugelchen oder Steinanordnung am Wasser, die mit der Brucke geschlagene Mittelinsel usw.
Noch heute bestehen mehrere solcher Jodo-Garten. Davon mochte ich hier als musterhaftes Beispiel den Garten vom Byodo-ln Tempel in Uji erwahnen. Dieser Tempel wurde von Yorimichi Fujiwara im Jahre 1053 gebaut。 Die'Amida-Halle, in der die Amidabuddha-statue, Meisterwerk von Jocho, aufgestellt ist, wird im allgemeinen H66-do (die Phbnix-Halle)genannt. Die Form dieses Gebdudes ist namlich dem Phbnix mit ausgebreiteten Flugeln ahnlich. Dieser Byodo-ln Tempel wurde schon damals fur die sichtbare Verwirklichung des paradiesischen Jodo gehalten, so dag die Leute sagten:》 Wenn man sich nicht vorstellen kann, wie das buddhistische Paradies aussahe, so gehe and sehe einmal den Tempel in Uji.《Der Garten vom Byodo。ln, der als Vorbild and Gipfel des Jodo。Gartens angesehen wird, besteht hauptsachlich aus dieser Ph6nix-Halle
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and dem Teich, der sich davor ausbreitet. Die Schδnheit dieses Gebaudes oder des Ga質ens ist nicht vom Wasser oder vom Teich zu trennen. Bei so einem Jodo-Garten ist jenseits des Teichs das buddhistische.Paradies Jodo da, and diesseits desselben these reale Welt. Von dieser Welt zum Jodo ist die Bogenbrucke geschlagen . Allein die BogenbrUcke des Jδdo-Gartens ist diejenige, iii)er die Amida-Buddha selbst mit vielen Bodhisattwas zusammen vom Jodo im fernen Westen her zu dieser Welt heruberkommt
, um die Seele des Verstorbenen abzuholen, wahrend die Heian-Adligen einmal selber Uberjene BogenbrUcke des Shinden-zukuri-Ga質ens zur Horai・Welt hin gegangen waren . Heute wird der Garten vom Byddd-ln restauriert, um die friihere Form wieder herzustellen. Aufanglich war n註mlich, wie Sie im Abb。4sehen, die flache Briicke zuerst von der diesseitigen Welt hiniiber zur kleinen Mittelinsel and dann die Bogenbrilcke von derselben zur Welt von Amida・Buddha geschlagen worden . Was bedeutet das?Der Platz, auf dem die Phonix・halle jetzt steht, ist eigentlich die Mittelinsel des ehemaligen Shinden・zukuri-Gartens;so braucht man im Jodo・Garten prizipiell keine andere Mittelinsel mehr. Dennoch.hatte es in der urspriinglichen Form des Byodo-ln-Gartens noch eine andere kleine Mittelinsel gegeben. Diese kleine Mittelinsel ist meiner Ansicht nach nichts anders als die Spur des Shinden・zukuri-Gartens oder des Horai-Gartens . Wie Sic selber schon festgestellt haben, ist das Wasser bzw. der Teich beim japanischem Ga宜en sicherlich ein unentbehrliches Element. Allein das Wasser bzw. der Teich d6s frUheren H6rai-oder Shinden。zukuri・Gartens stellte etwa das Meer oder einen weiten and freien See vor. Dagegen bekommt das Wasser vom Jodo・Gar en jetzt einen anderen, ganz neuen Sinn. Das Wasser des Teichs vor der Phonix・Halle z. B. ist nicht mehr etwas, was da das Meer oder irgendeinen See nur noch kopiert, sondern schon etwas Unentbellrliches, das uns als Vorstufe zum Jodo hin, zu diesem buddhistischen Reinen Land hiniibergeleitet. Denn unsere Seele mug doch zuerst ganzlich gereinigt worden sein, bevor wir in das buddhistische Paradies aufgenommen werden konnen;and es ist eben das Wasser, das uns so etwas'erm6glicht . Das s伽dig fliegende, klare Wasser ist rein, hat so eine Kraf , Schmutz oder Unreinlichkeit abzuspiilen
, ist also heilig. DaB das Wasser die geheimnisvolle Kraft hat, Laib and Seele zu reinigen, das besagt vor allem eben die Tatsache, daE der Wasserbehalter血r reines Wasser Qosui)auch heute nicht nur am Shintoschrein, sondern auch am buddhistischen Tempel am Eingang aufgestellt ist, damit der Glaubige vor dem Eintreten in den heiligen Bezirk den Mund spiilen and die H註nde waschen kann.
Das Wasser hat auch noch die wundersame Kraft, uns zur fernen Welt zu血hren. Es hat n盗m11ch die Kraft, uns zu einer traumhaften Welt jenseits der Wirklichkeit herauszulocken. Wenn wir die weite and breite Wasserflache sehen , ob es das Meer oder der See sei, sehnt sich unsere Seele nach einer anderen Welt, nach einer noch schoneren Welt als der Wirklichke互t, also nach der jenseitigen Welt. Das Wasser selbst ist nichts anders als das wirkliche Wasser, dennoch hat es wunderbarerweise die Kra仕
, unsere Seele zu einer unwirklichen, Uber-wirklichen Welt zu fiihren.
Noch dazu ist das Wasser sozusagen der Spiegel, der alle Dinge widerspiegelt, and zwar so ein Spiegel, der alles noch schbner widerspiegelt, als es in Wirklichkeit ist . Die Gestalten, die sich im Wasser umgekehrt spiegeln
, sind nicht mehr diejenigen von dieser realen Welt. Das Geheimnis des Wassers lal3t namlich alle Dinge sich so spiegeln, als ob
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sie in der von uns ersehnten Welt waren. Daher kommt vielleicht auch, daB man im Wasser den Tod sucht, fest glaubend, dag es doch darin sicherlich eine herrliche, unirdische Welt geben musse. Eben jenseits des Wassers kann sich das Jenseits befinden, and zwar gerade das Wasser tragt uns zu dieser jenseitigen Welt. Genau deswegen mug das Wasser bzw. der Teich im Jodo・Garten das unentbehrliche Element sein.
Doch die Bedeutung des Wassers im Jodo-Garten, der von Mitte der He1an-Zeit bis zur spaten Kamakura-Zeit etwa 300 Jahre lang die Hauptstromung gewesen war, grog nach and nach teilweise verloren. Oder mit anderen Worten:es trat nun ein Garten auf,
in dem man ganz and gar kein Wasser sieht. Das hei億t, durch den Einflug des Zen-buddhismus, der sick in der Kamakura-Zeit(1186-1333)entw五ckelt hatte, trat der sogenannte "Karesansui"auf。 〔"Karesansui睡(一Garten)ist der merkwiirdige Garten, in dem man als Material des Gartenba心s nur noch Sand and Stein, also kein Wasser gebraucht.】
Es ist der Saihoji・Tempel, der die Ubergangszeit vom Jodo-Garten zum Karesansui zeigt. Der Garten vom Saihoji-Tempel ist im allgemeinen als"Moosgarten"bekannt,
weil der ganze Garten mit dem schbnen Moos bedeckt ist. Er bestebt aus zwei Teilen: aus dem unteren Teichgarten and dem oberen "Karesansui,,. Geschichtlich gesehen,1St der untere Teichgarten alter, wahrend die obere Steinanordung des Wasserfalls spater neu gebaut wurde, aber als"Karesansui"doch das alteste Musterbeispiel ist.
Dieser Saih6ji・Tempel wurde zuerst in der Nara-Zeit von(M6nch)Gy6kigegrUndet.
Und danach in der friihen Kamakura-Zeit wurde der verfallene Tempel.von H6nen wiederaufgebaut and dabei auch der Teichgarten des Jodo-stils dazu gebaut. Aber spater, als Zenmeister Muso Soseki 1339 Hauptpriester dieses Tempels wurde, bekehrte auch die Schule sich von der bisherigen Jodo-Schule zur neuen Zen-Schule. Der Garten wurde dabei gleichfalls auf zenbuddhistische Art umgebaut, obwohl der Teich selbst im Grunde fast unver謹ndert l)lieb. Gerade deshalb sehen wir heutzutage in diesem Garten zwei Teile oder zwei Elemente=J6do-Garten and Karesansui vom Zen-Stil. Am Teich z. B., wo es
noch heute groBe Mittelinseln gibt, ist der Hauch der ehemaligen Kahnfahrt noch deutlich zu spuren. Und auch jetzt noch ist dieser Teil des Gartens so schon, wie man sich damit wohl an das buddhistische Paradies Jodo vorstellen k6nnte. Trotzdem ist der Teich vom ehemaligen Platz'der Vergniigung zu demjenigen des Denkens and des Anschauens dadurch verandert, daf3 er nun von einem schmalen Paf3 umgeben wurde, um darauf meditierend spazierenzugehen. Dazu ist es aus ihm der sogenannte "Shinji-ike', geworden, der fur den Teich・Garten vom zenbuddhistischen Tempel typ互sch ist. Dieser "Shin-ji-ike,「hei偲t廿brigens so ein Teich, dessen Form nach der chinesischen.
Buchstabe Shin(心)gebildet ist. Dieses Shin wiederum bildet den Kern der
zenbuddhistischen Lehre, da dieses Shin doch so etwas ist, wessen Dasein nicht zu beweisen, aber wessen Nicht-Dasein gleichfalls nicht zu beweisen ist, obwohl alles Wesen and alle Phanomene in der ganzen Welt gerade aus diesem unbeweisbaren etwas heraus kommen and wieder zu diesem etwas zuriickkehren. Jedenfalls ist der Moosgarten nun durch Zenmeister Muso Soseki derjenige geworden, wo man nicht mehr die imitierten Landschaften oder die.Kahnfahrt geniegt, sondern'seinen Shin(auf
Kurze Geschichte des japanischen Gartens二vom Urgarten dis zum Steingarten
japanisch Kokoro:Geist oder Seele)n註hrt. Anders ausgedrUckt:der Garten ist jetzt als mit einem ganz neuen, geistigen Sinn erfiillt erschienen and verlangt von einem die geistige Haltung, nach der religiosen Wahrheit zu suchen. Das wird noch deutlicher gerade an der oberen Steinanordnung des Wasserfalls.
Dieser Wasserfall, wie vorher erwahnt,1St"Karesansui四, nur fliegt hier freilich kein Wasser. Wenn das Wasser wirklich flofie, so wurde der Wasserfall blofg eine Imitation der Natur sein. Wenn es aber kein Fallen des Wassers gibt, erst woraus der Wasser all als Wasserfall besteht-was bedeutet dann dieser Wasserfall, and was symbolisiert er denn?Oder wo血r ist er ein Symbol.geworden?…Dieser Wasserfall ist mit 20m Lange,
12m Breite and etwa 240ml GrHe aufSerordentlich eindriicklich eine nie dagewesene Steinanordnung. Diese Form von Wasserfall ist beispiellos and augerst selten. Er ist dreistu且g au㎏ebaut. Wenn ich these drei von oben nach unten vorlau丘g die obere, die mittlere and die untere Stufe nenne, so gibt es zwischen der oberen and der mittleren, and zwischen der mittleren and der unteren Stufe jeweils eine ziemlich grofie waagrechte Ebene. Auf der oberen Ebene sind zwei Zazen-Steine einander gegenuber
aufgesetzt. Es mussen Lehrer and Schuler auf d五esen Steinen gesessen haben, um miteinander den zenbuddhistischen Dialog abzuhalten. Auf der mitteleren Ebene konnen 6-7Wanderpriester(Unsui)bequem Zazen uben. Auf der unteren Ebene werden e wa 10 Personen genug Zazen-Platz丘nden kbnnen. Wenn es nun so ist, versteht man schon, da∬ dieser dreistu∬ge Wasserfall nicht blog"Karesansui,1-Garten, sondern vielmehr als Platz fur die Zazen-Ubung gebaut worden war. Hier war namlich die Zazen-Halle im Freien, die sozusagen nach der Anweisung von Shakamuni-Buddha gebaut worden war. Was hier noch dazu nicht zu ubersehen ist, ist der sogenannte Karpfenstein.(s. Abb.
5)In diesem Wasserfall ist der Karpfenstein etwas links auf der mittleren Ebene angeordnet. Der Karpfen schwimmt gegen die oberere Stufe des Wasserfalls. Ubrigens hatte Shakamuni Buddha einmal angewiesen, daf3 man sich dreistufig(unten-Mitte-oben)iiben sollte. Andererseits fahrt der Karpfen auf ahnliche Weise den dreistufigen Wasserfall aufwarts。 Diese beiden Inhalte sind namlich in die eine Form``Karpfenstein四 hinein gebildet. Der Karpfen, der halsbrecherisch den Wasserfall aufwarts bis zum Ende erklommen hat, verwandelt sich in einen Drachen, so berichtet eine alte Oberlieferung von China. Also deutet dieser Wasserfall den sogenannten"RyUmon・no-taki,l an. Und wenn der asketische Monch gleicherweise auf Leben and Tod die dreistufige Ubung bestanden hat, dann gelangt er zur Erleuchtung.》 Also befleifge dich durch asketische
Obung auf Tod and Leben bis zur Erleuchtung!《 一das war die symbolische Bedeutung des Wasse㎡alls gewesen. Der Wasserfall des Moosgartens war nie so etwas, was wie sonst so gebaut wurde, daB man der Natur folgte and sie moglichst realist…sch nachahmte. Nein, hier wollte man vielmehr die Natur symbolisch gestalten. Bis dahin war man immer nur realistisch der Natur gefolgt. Aber der neue Garten, der jetzt auf der
Grundlage des Zenbuddhismus and dessen Naturanschauung gebaut wurde, stammte aus solch einer geistigen Haltung, die Natur symbolisch darzustellen. So wurde der Garten von Saihoji Tempel in der ersten Halfte des 14. Jhs. eben das friiheste Werk dieser geistigen Haltung.
Der Tenryuji Tempel wurde fast zur gleichen Zeit mit Saihoji Tempel and sogar von
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dem gleichen Zenmeister Muso Soseki gebaut. Der Shogun Ashikaga Takauji bat namlich.diesen Zenmeister den Tempel Tent・yuji zu bauen, um die Seele von Tenno Godaigo zu beruhigen, der im Ungliick in Yoshino hingeschieden war. Im Jahr 1345 wurden alle Tempelhallen vollendet;auch der Garten gleichzeitig von Muso gebaut. Eben deshalb gibt es gemeinsame Punkte zwischen dem Garten von Saihoji Tempel and demjenigen von Tenryσji Tempel. Das heft, die beiden Garten haben vor allem das gemeinsame Thema:"Ryαmon・no・taki'「.〔Ryumon ist der Ortsname des Wasserfalls am Mittellauf des gelben Flusses in China, and der Karpfen, der diesen Wasserfall aufwarts bis zum Ende gefahren ist, wird Drache;das ist die Uberlieferung廿ber den Wasserfall Ryumon-no-taki.〕 Dennoch ist der Gartenstil in diesen beiden Garten ganz verschieden. Woher ruhrt das?Der Garten von Saihoji Tempel hatte in der Mitte des Teichs noch groBe Inseln, war also prinzipiell ein Jodo・Garten and sein Wasserfall war der Ubungsplatz im Freien, wo der asketische Winch sich hart bemiihte, um zur Erleuchtung zu gelangen, Dagegen ist der Garten vom Tenryuji Tempel zwar ein Teichgarten, doch derjenige fur den seligen Tenno Goda1go, der sozusagen bereits in die erleuchtete Welt eingegangen war:er hat schon den Wasserfall erklommen and hat sich in einen Drachen verwandelt, An diesem Wasserfall ist der Karpfenstein also ganz oben
←im Sinne der vollendeten Erleuchtung)angeordnet, Aus diesem Grund hat der Teich vom Tenryuji-Tempel in seiner Mitte keine Mittelinseln mehr and ist daher weit and frei geworden.(s. Abb.6)Statt dessen liegt nun der Hauptakzent oder das Hauptthema des weiten and breiten Teichs eben in der Steinanordnung des Wasserfalls. Und dieser Wasserfall"Ryumon-no-taki"fordert streng von den Monchen, daf3 sie sich auf Leben and Tod bemuhen sollen, um wie Tenno Godaigo zur Erleuchtung zu gelangen. Deswegen hat nicht nur die Steinanordnung des Wasserfalls, sondern auch die jenige in and an dem Teich ja so strenge, scharfe Atmosphere, wie man sie bisber niemals je gekannt hat. Zusammenfassend wurde ich sagen, da億 「man hier die Strenge des Zenbuddh五smus spuren kann. Dennoch hat dieser Garten im ganzen ja sicher eine ruhige, freie and unbefangene Klarheit and eine offene Grokherzigkeit. Das kommt ohne Zweifel daher, dak dieser Garten im ganzen so eine Welt der Erleuchtung darstellt, wie
sie der Tenno Godaigo bereits erreicht hat. Die ausgezeichnete and eigentumliche Verbindung bzw. Einheit zwischen dieser Strenge and der GrofSherzigkeit mug der
Grund dafur sein, daS dieser Garten oder der Tenryuji Tempel in das``Weltkulturerbe', eingetragen worden ist.
Der Garten oder die Gartenkunst machte durch den Einflug des Zenbuddhismus vor allem wahrend der Muromachi・Zeit(1334-1573)eine besondere Entwicklung durch. Dadurch wurde namlich der symbolische, abstrakte and eigentumliche Garten geschaffen。 Der Gartenstil "Karesansui"ist ein bezeichnendes Beispiel dafiir. Jetzt mochte ich den Garten von Ryoanji Tempel(Mitte der Muromachi-Zeit)als Muster vom "K
aresansui1「 ・Garten beschreiben. Er kann sozusagen ein HShepunkt in der Garten-geschichte von Japan genannt werden.
Der Garten vom Ryoanji Tempel ist im allgemeinen als "Steingarten,「bekannt. "St
eingarten', nennt man einen Garten, in dem man weder Wasser noch Pfianzen, sondern nur noch Sand and Stein verwendet. Anders gesagt, ist es ein Garten, in dem der
Kurze Geschichte des japanischen Gartens:vom Urgarten dis zum Steingarten
Stein absolut den Anblick des Ganzen bestimmt. Weil die Grbge des Steins begrenzt ist, mug der "Steingarten"notwendigerweise ein kleiner Garten sein. Daher wird man auf den ersten Blick meistens den Eindruck haben, als gabe es im kleinen Steingarten nichts besonders SehenswUrdiges. Auch beim Steingarten vom Ryoanji Tempel gibt es ja wirklich fast nichts zu bewundern. Was es da gibt, sind nur noch funkelnder weif3er Sand and 15 groge and kleine Steine auf der etwa 330m2 Flache, die von einer Lehmmauer umgeben ist. Man wurde daher nach einigen Minuten schon mude sein, den Gar{en zu betrachten, wenn man nicht auf der Veranda vor der Klause saf3e and das Ganze betrachtend an丘nge, z. B. folgendermaBen zu denken:was stellt dieser Garten dar?was sollte er denn aussagen oder andeuten?(s. Abb.7)
Hier erinnere ich mich daran, daf3 ich als Student ein deutsches Ehepaar aus MUnchen(der Mann war Arzt)in Kioto umherfuhrte and ihm dabei auch den Steingarten vom Ryδanji。Tempel zeigen wollte. Kaum hatten die Beiden den Garten gesehen, SO
sagten sie:》 Hier gibt es nichts zu sehen. Verlassen wir den Garten!《Sicher ko血nten sic daran kein Interesse haben, aber ich selber verlor die Lust, die Beiden zuriickzuhalten and alles zu erklaren. Und so gingen wir sogleich weg.
Wir sollten uns aber die Zeit nehmen, ruhig vor diesem Garten zu sitzen and zunachst nachzudenken, was er aussage oder andeute. Dann wurden wohl die meisten
Menschen zuerst an das Meer denken. Der weige Sand mit schbn gefiihrten Linien sahe wie ruhiges, blaues Meer aus, and zerstreute Steine andererseits wie Inselchen auf dem
Meer. Man wUrde fUhlen, als ob sich ein weites and freies Meer and ein hoher Himmel vor den Augen ausbreiteten. Oder wer eher Berge liebt, wurde sich das Wolkenmeer vorstellen, aus dem Gipfel herausragen. Oder wenn man die Anordnung der Steine
aufmerkam betrachtet, so bemerkt man, daf3 sie in einer. bestimmten Richtung schief stehen. Und wenn man darum Felsblocke sahe, die gegen den reigenden Strom standhalten, so wurde der Garten auch wie ein Giegbach zwischen den Bergen aussehen. Wenn man also hier einen reigenden Strom sahe, darn konnte man akzeptieren, daft dieser Garten von alters her als `'Tora-no・kowatashi"(die alte Uberlieferung von China: Muttertiger setzt ihre Kinder gegen den reigenden Strom uber)bekannt ist. Oder der Mensch, der buddhistische Kenntnisse hat, kann in den Steinen die Gestalten der 16 spazierengehenden Junger Buddhas erkennen.
Jedenfalls sind verschiedene Sehweisen mogl量ch, and jede davon kann ohne weiteres anerkannt werden, Mit anderen Wo質an, man muB mit eigenen Augen betrachten, selber denken, sich selbst Uberzeugen. Ein solcher Garten ist der Steingarten vom Ryoanji Tempel. Also mochte ich auch wagen, meine eigene Sehweise and meinen Komentar dazu darzulegen.
Der Steingarten vom Ryoanji Tempel ist, wie vorher erwahnt, nur noch aus weiBem Sand and 15 Steinen konstruiert. Die Komposition von diesen 15 Steinen richtet sich nach der traditionellen Methode der Steinanordnung:7-5-3. Die Zahl 15 als Summe von 7+5+3wird nach der Theorie von Yin and Yang im alten China fur die Zahl gehalten, die die Struktur der ganzen Natur, inbegriffen der Kosmos, symbolisch darstellt. Die Zahlenfolge 7・5・3symbolisiert namlich das Naturgesetz, nach dem die ganze Sch6pfung als Verbindung von Yin and Yang herauskommt. Merkwurdigerweise sind aber these 15 Steine vom Ryoanji。Steingarten so angeordnet, daf3 man nur 14 Steine sieht, von wo aus
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man sie auch anschaut, d. h. so angeordnet, data ein Stein auf alle Falle verborgen bleil)t. Es ist nicht klar, ob ein Stein sich zufallig verdeckt bleibt oder ob man bewu8t so konstruiert hat. Jedenfalls sind alle 15 Steine nicht gleichzeitig zu sehen, von welchem Standpunkt wir sie auch ansehen. Sollte das vielleicht nicht bedeuten, daf3 wir zuert unseren menschlichen Standpunkt aufgeben muf3ten, wenn wir alle 15 Steine auf einmal uberschauen wollten?Anders gesagt, wir mOBten unseren eigenen Standpumkt oder
Gesichtspunkt aufgeben and auf einem ganz anderen Stand-oder Gesichtspunkt stehen. Erst dann wdrden wir alle 15 erkennen konnen. Den menschlichen Stand-bzw. Gesichtspunkt aufzugeben, heigt schlieglich das Ich wegzuwerfen. Und das Ich wegzuwerfen, heilit, auf dem Uber-lch-Gesichtspunkt, mit anderen Worten, auf dem
Gesichtspunkt Buddhas zu stehen. Auf dem Gesichtspunkt Buddhas zu stehen, heiにt wiederum, zum ewigen, universellen Leben zuriickzukehren, indem wir bemerken, da億 wir eigentlich von Anfang an nichts anders als Offenbarung dieses universellen Lebens sind, also ein Lebewesen, das das Leben Buddhas lebt. Dann werden wir von selbst bemerken, dag alles in der Natur oder die ganze Schopfung nichts anders als Offenbarung des Buddha-Lebens ist, and daf3 alles in der Natur zugleich in diesem universellen Leben Buddhas miteinander verbunden ist. Jetzt wissen wir, daB wir Menschen mit anderen Menschen, mit alien Lebewesen, mit der ganzen Natur eben in diesem universellen Leben Buddhas tief and eng verbunden, ja eins sind. ・ Die Inselchen auf dem Meer schienen, einzeln voneinander getrennt zu sein, aber
sie sind in Wirklichkeit am Meeresgrund verbunden. Die Gipfel auf dem Wolkenmeer schienen gleichfalls einzeln zu sein, aber wenn die Wolke sich verzogen hat, dann stehen sie auch an der Bergkette doch in Verbindung. Auch wir Menschen leben gewohnlich als einzelnes Wesen, indem wir irgendeinen menschlichen, ja allzu menschlichen Gesichtspunkt haben, unsere eigenen Meinungen behaupten and uns dadurch ofters miteinander streiten. Dennoch sind wir eigentlich, ob man das glaubt oder nicht, im ewigen, universellen Leben Buddhas miteinander verbunden. Wenn wir solcherweise unseren gemeinen, allzu menschlichen Stand-bzw. Gesichtspunkt aufgegeben and uns in die Sicht Buddhas eingelebt haben, dann nennt man das gewohnlich "Erleuchtung".
Der Ryoanji Tempel ist ein zenbuddhistischer Tempel. Deshalb mug auch dessen Steingarten sicher so einen Sinn gehabt haben, dag er die asketischen MSnche dazu zwang, den menschlichen Gesichtspunkt aufzugel)en, das Ich wegzuwerfen and sogleich in die Welt Buddhas einzutreten. Auch heute mug dieser Garten weiterhin die Touristen, die ihn besuchen and davor sitzen, ohne Worte in diesem Sinn beeinflussen. Die gespannte Stimmung, die wir ahnungslos fuhlen, wenn wir davor sitzen, wird wohl davon herrUhren.
Damit habe ich die japanische Gartengeschichte im Galopp vom Anfang bis zu einem H6hepunkt:Steingarten vom Ryoanji Tempel dargestellt. Dadurch werden Sie wohl schon verstanden haben, dag gerade die"Natur,'darin immer im Mittelpunkt stand. Das heist, der Schwerpunkt des Gartenbaus lag immer darin, die Natur darzustellen oder anzudeuten, indem wir der Natur folgten, sie nachahmten oder s1e gestalteten. Wir Japaner haben namlich eben in der"Natur睡eine ideale Welt suchen wollen, these idealisierte Natur naher an uns herangezogen and so auch im Garten dargestellt. Am
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Karesansui oder Steingarten als Symbolsierung bzw. Abstraktion der Natur wollte man uns schlieglich spiiren lassen, da∬wir"Menschen', eigentlich durch das ewige, universelle Leben mit der"Natur"innig verbunden sind, nur wenn wir einmal unseren allzu menschlichen Gesichtspunkt aufgegeben haben and auf demselben Buddhas stehen wUrden. Genau das lehrt uns heute interessanterweise die allerneueste "Technik" , durch die wir Menschen so etwas wie `space-shuttle, entwickelt haben. Diese allerneueste Technik hat uns namlich moglich gemacht, daB wir Menschen uns einmal von der Erde trennen and sie von einem ganz anderen Gesichtspunkt aus iiberschauen kbnnen. Wenn die Erde so von auf3en gesehen wird, dann wird es auf einmal sichtbar, ja allzu klar, daf3 nicht nur die Natur auf der Erde miteinander eng verbunden , sondern auch die Natur and alle Lebewesen, also Natur and Menschen innig verbunden sind . Dadurch wird ganz deutlich, daf3 das Leben des Menschen, sogar die Menschheit selbst als Folge des Mikbrauchs zur Vergeltung zerst6rt wurde, wenn die Natur als Umwelt des Menschen einmal zerstbr wUrde. Jedenfalls ist es die allerneueste "Technik「,, die uns alle Menschen auf der Erde gelehrt hat, daf3 die Natur and der Mensch untrennbar miteinander verbunden sind. Aber genau das hatte uns schon vor mehreren hundert Jahren eben der japanische Garten oder die "Technik"des japanischen Gartenbaus gelehrt.
(Dieses Referat habe ich am Symposium zu EKO-Haus der Japanischen Kultur in Diisseldorf gehalten, das vom 5.一8. April 2000 unter dem Hauptthema》Garten im Westen and im Osten《stattfand. Dabei muSte ich es aber leider wegen der zeitlicben Einschrankung betrachtlich verkUrzen. Also mochte ich es hier im Original ver6ffentlichen.)
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Abb.1
Karin-en Garten
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Abb.2 T6in Garten
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Abb.3 Restauriertes Modell von Higashisanjoden
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Abb.4
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(nach der vollendeten Restaurierung)
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