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Kurze Geschichte des japanischen Gartens : vom Urgarten bis zum Steingarten

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滋 賀 大学 教 育 学 部 紀 要   人 文 科 学 。社 会 科 学

No.50, 

PP.7-22,2000

7

Kurze 

Geschichte 

des  japanischen 

Gartens:

    

  vom 

Urgarten 

bis  zum 

Steingarten

Tatsuo  MUGIKURA

    Im  altertumlichen  Japan  wurden  fast  alle  Kulturen  aus  dem  Kontinent  China eingefiirt:meistens  caber  Korea,  aber  auch  unmittelbar  durch  die  aus  China  nach  Japan zuriickgekehrte  altjapanische  Gesandtschaft.  Die  Japaner  nahmen  anfanglich  die  Kultur des  Kontinents  natiirlich  als  Vorbild,  aber  verarbeiteten  sie  dann  nach  and  nach  and entwickelten  daraus  zuletzt  ihre  eigene  Kultur.  Das  gilt auch  fur  den  Garten  bzw.  fur  den Gartenbau.  Die  Japaner  fiihrten  namlich  zuerst  die  Idee,  den  Stil  and  die  Technik  des Gartenbaus,  die  sich  schon  im  damaligen  China  and  Korea  allgemein  verbreitet  hatten, nach  Japan  ein,  and  sie  lieBen  dieselben  dann  im  kulturellen  Klima  von  Japan  Wurzeln schlagen  and  danach  allmahlich  zum  eigentumlichen  japanischen  Garten  oder  zu  dessen Schonheit  entwickeln.

    Welches  ist darum  die  Grundlage  des  japanischen  Gartens?Das  war  der  chinesische Taoismus.  Der  Taoismus  war  einer  von  verschiedenen  Volksglauben,  die  bereits  im  alten Japan  aus  China  eingefiihrt  worden  waren.  Und  dieser  iibte  auch  auf  den  Garten  oder Gartenbau  einen  grogen  Einflug  aus  and  bildete  zugleich  die  Basis  fur  die  Stile  des japanischen  tradit董onellen  Gartens.

    Die  chinesische  taoistische  Idee  soll  schon  friiher  im  3. oder  4. Jh.  v. Chr.  im  alten China  entstanden  sein."H6shi"(so  nennt  man  denjenigen,  der  an  these  Idee  glaubt) behauptete:》Weit  entfernt  auf  dem  Meer  im  Osten  be丘nden  sich  drei  heilige  Berge (bzw.  Inseln)namens  Horai,  Hδj6  und  Eishσ,  wo  die  g6ttlichen,  unsterblichen  Wesen wohnen.  Auf  diesen  Bergen(bzw.  Inseln)gibt  es  auch  das  Lebenselixier.  Wenn  man dieses  Wundermittel  bekame  and  tranke,  so  k6nnte  man  unsterblich  werden.《Es  ist der Kaiser  Shi  von  der  Ts,in・Dynastie(259-210  v.Chr.),  der  im  Zusammenhang  mit  diesem Taoismus  am  bekanntesten  ist. Dieser  Kaiser,  der  nach  der  Vereinigung  des  damaligen Chinas  noch  lange,  lange  leben  wollte,  befahl  namlich  den  Hoshi  namens  Jofuku,  nach der  Insel  Horai  hinzufahren  and  das  Wundermittel  zu  holen.  Zwar  fuhr  Jofuku  mit  vielen geschenkten  Mitteln  and  tausenden  von  Kindern  ah,  kehrte  aber  nie  wieder  zurilck. 〔Eine  andere  Version  besagt,  der  Kaiser  sei  schon  gestorben,  bevor  dieser  zuruckkam.〕 Dann  war  es  Kaiser  Bu(156-87  v.  Chr.)von  der  Ban・Dynastie,  der  sich  nach  diesem Kaiser  Shi  in  die  taoistische  Idee  vertiefte.  Und  seine  Begeisterung  dafiir  fuhrte  dazu, daf3  der  Garten  vom  taotischen  Stil entstand.  Denn  er liel3 die  Welt  der  taoistischen  Idee, die  in  der  Wirklichkeit  nie  zu  gewinnen  war,  schlieglich  in  dem  Teich  Taieichi  in einer vorl百u丘gen  Form  bauen.  Diesen  Garten,  der  aus  dem  allzu  menschlichen  Wunsch  nach dem  ewigen  Leben  entstand,  nennt  man  im  allgemeinen  den  "H6rai-Garten',,  weil  der Berg  Horai  unter  den  drei  heiligen  Bergen  Hdrai,  Hojo  and  Eishu  doch  am reprasentativsten  ist.  Jedenfalls  begann  mit  diesem  "Hδrai・Garten"die

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麦 倉 達 生

Gartengeschichte  in Ostasien.

    Dieser  Horai-Garten  wurde  auch  in  den  spateren  Zeiten  immer  noch  weiter  gebaut. Anfang  des  6.Jhs  z.B.  arbe五tete  der  achte  Kaiser  Senbu(499-511)von  der  Hokugi-Dynastic  den  grofien  Teich  Tennenchi  in  der  damaligen  Hauptstadt  Loyang  zum  Horai・ Garten  um.  Er  lief5 in der  Mitte  diesesTeichs  eine  Insel  aufschiitten.  Auf  dieser  Insel  lief3 er  ein  SchlbSchen  fur  das  gottliche  Wesen  einrichten  and  dberdies  zu  dieser  Insel  noch eine  Briicke  bauen.  Diese  Gartenanlage  kann  man  sich  nach  dem  damaligen  Dokument so  vorstellen,  wie  these  Abbildung【s.  Abb.11  zeigt.  Wenn  wir  dieses  Bild  sehen,  so erkennen  wir  zweifellos  die  Urform  der  japanischen  Garten.  In Wirklichkeit  wurde  dieser Gartenstil  spater-meistens  fiber  Korea  oder  von  den  Koreanern(z.  B.  Michinoko・no-Takumi)一nach  Japan  gebracht  and  ist  die  Grundlage  fur  den  japanischen  Garten geworden.

    Freilich  wurden  auch  von  Japan  aus  Gesandte  mehrmals  nach  China  wahrend  der Zui・and・Tlang・Dynastie(AD581-907)gesandt,  um  die  damalige,  hochentwickelte  Kultur zu  lernen.  Und  aufgrund  der  Informationen,  die  sic  heimgebracht  hatten,  wurde  die Hauptstadt  Fuj三wara-kyo,  Heijo-kyo  and  dann  Heian。kyo  geplant  and  aufgebaut;dabei wurde  auch  der  "H6rai-Garten睡natiirlicherweise  mit  eingefiihrt  and  da  errichtet,  wie Sie  spater  sehen  werden.

    Nebenbei  war  der  Horai-Garten  eng  mit  dem  Kranich  and  der  Schildkrote verbunden,  weil  es  schon  im  alten  China  so  einen  Gedanken  gab,  die  taoistische  Horai-Insel  habe  d互e Form  von  Kranich  oder  Schildkrote.  Dieser  Gedanke  mug  sicher  daher gekommen  sein,  daB  man  damals  im  allgemeinen  glaubte,  Kranich  and  Schildkrbte  seien

so  sehr  langlebige  Lebewesen.  Darauf  grUndet,  dak  wir  spater  im  japanischen  Garten ofters  sogenannte  "Tsuru-jima,  Kame-jima川(lnselchen  oder  Stein  in Form  von  Kran1ch oder  Schildkr6te)feststellen.

    Noch  eins:der  Hdrai-Garten  wurde  eigentlich  aus  dem  Wunsch  nach  der

Langlebigkeit  oder  als.Symbol  des  ewigen  Lebens  gebaut.  Daher  hatte  dieser  so  eine hohe  Bedeutung,  weil  der  Inhaber  den  Segen  im  Sinne  langen  Lebens  gewinnen  konnte. Also  ist  der  Horai・Garten  von  alters  her  der  gluckverheiBende  Garten.  Vermutlich

deshalb  ergibt  sich,  daf360  bis  70%aller  Garten  in Japan  prinzipiell  eben  im  "Kranich-Schildkr6te-H6rai-Garten川ihr  Vorbild  haben.

    Noch  einen  dritten  Punkt  den  Gartenbau  betreffend  mochte  ich  erwahnen:bei  dem H6ra量 一Garten  wurden  urspriinglich  drei  taoistische互nseln  Hora玉,  Hojo  and  Eishu  klar  and deutlich  gezeigt.  Aber  spater  sind  these  drei  meistens  nur  noch  mit  einer  Insel, "N

akajima"(Mittelinsel)genannt,  zusammengefagt  worden.

    Jetzt  wollen  wir  die  Geschichte  des  japanischen  Gartens  anschaulich  behandeln  and erklaren!So  mochte  ich  zuerst  den  nachgelassenen  Garten  im  Tempelbezirk  von  Miidera in meiner  Stadt  Otsu  besprechen.  Denn  dies  ist der  alteste  and  einzige  Garten  in Japan, der  in  der  Asuka-Zeit(AD593-709)gebaut  wurde  and  auch  jetzt  noch  besteht.  Es  ist schwierig,  das  Jahr  des  Gartenbaus  genau  zu  bestimmen,  aber  Ohashi(Haruz6)halt  das Jahr  669  fur  das  Entstehungsjahr.

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Kurze  Geschichte  des  japanischen  Gartens:vom  Urgarten  dis  zum  Steingarten

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Tempel)daher,  daf3  das  Wasser  des  heiligen  Brunnens  im  Tempelbezirk  einmal  fur  drei

Tennδs:Tenchi(626・671),Tenmu(?一686)and  Jito(645-702)zum  ersten  Bad  nach  der

Geburt  gebraucht  wurde.  Neben  diesem  Brunnen  befindet  sich  eine  Gruppe  von  Ste五nen, an  der  man  vorbeigehen  wurde,  wenn  man  nicht  genug  aufmerksam  ware.  Eben  these Anordnung  von  Steinen  ist der  wichtige,  hinterlassene  Teil  des  noch  einzig  bestehenden

Gartens  aus  der  Asuka・Zeit.  Hierbei  gibt  es  auch  Leute,  die  sagen,  these  Steinanordnung sei der  "Karesansui(Garten  aus  Sand  and  Stein)von  der  Asuka・Zeit韓.  Aber  das  ist nicht richtig.  Denn  der  "Karesansui,,  ist der  Stil  des  Gartenbaus,  der  eigentlich  viel  spater, erst  in der  Muromachi-Zeit(1334-1573)herauskam.  Andererseits  gibt  es  auch  Menschen, die  in  dieser  Steinanordnung  "Sanzon。seki四(Trinitat-Stein)sehen  wollen.  Das  ist aber auch  falsch.  Denn  der  "Sanzon-seki鴨,  der  da  Buddha  and  Bodhisattvas  symbolsiert,1St die  Steinanordnug,  die  erst  seit  Mitte  Heian-Zeit(794-1185)herauskam,  wo  die  Jodo・ Schule  sich  verbreitete.  Dagegen  ist es  nicht  ganzlich  falsch,  in  dieser  Steinanordnung etwa  diejenige  von  Shumisen・Berg  erkennen  zu  wollen.  Denn  der  Shumisen。Berg  ist der heilige  Berg,  der  au㎏rund  der  buddhistischen  Weltanschauung  eben  in  der  Mitte  der Welt  aufragt,  and  die  Steinanordnung,  die  diesen  heiligen  Shumisen・Berg  symbolisch ausdrUckte,  soll  schon  von  der  Asuka-bis  zur  Nara-Zeit  am  meisten  in  Mode  gewesen sein.

    Ich  pers6nlich  glaube,  man  sollte  nicht  aus  dieser  Steinanordnung  nur  drei  Steine herausnehmen  and  these  drei  fur"Sanzon・seki'「oder"Shumisen-Berg四halten,  sondern vielmehr  die  ganze  Steinanordnung  als  "Horai-Steinanordnung"←Steinanordnung,  die den  Horai・Berg  ausdrUckt)betrachten.  Es  besteht  kein  Zweifel,  daI3  es  friiher  in der Asuka・Zeit  hier  in  der  Gegend  einen  groBen  Teich  oder  Teichgarten  gab,  obwohl  wir heute  nur  noch  die  hinterbliebene  Steinanordnung  sehen.  Also  ware  es  sehr  natiirlich

, SO zu  denken,  daf3  das  Hinterlassene  im  ganzen  sicher  den  Horai-Berg  jenseits  des  Teichs ausdrUckte.Uberdies  gibt  es  die  historische  Tatsache,  daB  der  damals  aus  China eingefiihrte  Stil  des  Gartenbaus,  wie  vorher  erwahnt,  hauptsachlich  auf  dem  Taoismus gegrUndet  war.  Koukreter  gesagt,  konnte  man  die  drei  Steine  in  der  Mitte  fur  die g6ttlichen  Wesen,  den  vorderen  Stein  von  rechts  fur  die  Schildkrote  als  Symbol  der Langlebigkeit  and  denjenigen  von  links  fur  den  Kranich(gleichfalls  als  Symbol  der Langlebigkeit),also  das  Ganze  fur  den  Horai-Berg  halten.  Augerdem  ist es  einleuchtend, neben  dem  heiligen  Brunnen  den  Horai・Berg  oder  die  "Harai-Steinanordnung"als

Symbol  der  Unsterblichkeit  aufzustellen,  um  die  Langlebigkeit  von  den  drei  Tennos herzlich  zu  wunschen,  da  das  heilige  Wasser  dieses  Brunnens  bei  ihrer  Geburt  zum ersten  Bad  gebraucht  worden  war.

    Eine  allgemeine  Redewendung  besagt:》Garten  in  Kioto,  Buddhastatue  in Nara.《 Das  bedeutet,  wenn  man  Garten  sehen  mochte,  so  sollte  man  nach  Moto  fahren,  and wenn  Buddhastatuen,  so  nach  Nara.  Zwar  gibt  es  viele  Leute,  die  nach  Nara  hinfahren

, um  Buddhastatuen  im  Horyuji・Tempel  oder  im  Todaiji・Tempel  zu  sehen

, aber  keine,  die dorthin  fahren,  um  Garten  zu  sehen。  Das  hel偲t,  dag  die  Tempel  in Nara,  angefangen  mit HδryUji4'empel,  fast  keine  sehenswUrd量gen  Garten  haben.  Aber  das  bedeutet  nicht,  daβ es  da  gar  keinen  einzigen  Garten  gibt.  Deno  wir  kSnnen  heutzutage  den  Garten  von  der Nara・Zeit(710-793),n註mlich  den  Tδin-Garten  im  Heijo。Kyu  sehen,  der  mit  den  Gebauden

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麦 倉  達 生

zusammen  vollig  restauriert  worden  and  se五t Friihjahr  1998  der  Offentlichkeit  zuganglich gemacht  worden  ist.(s.  Abb.2.)

    In  dem  Gebaude  in der  Mitte  fanden  gelegentlich  Zeremonien  oder  Festmahle  statt. Dies  Gebaude  nenne  ich  jetzt  vorlaufig  Haupthalle.  Siidlich  von  der  Halle  breitet  sich  der Teich  weit  nach  Osten  and  Westen  aus;so  ist es  einem  in der  Haupthalle  zumute,  als  ob

these  auf  dem  Wasser  schwimmen  wurde.  Ostlich  von  der  Haupthalle  ist eine  flache Brucke  erbaut  worden.  Rechtwinklich  dazu  erhebt  sich  eine  Bogenbriicke,  and  zwar nach  hinten  verlegt.  Das  bedeutet,  dal3  diese  BogenbrUcke  zli  der  hinteren Steinanordnung  fiihrt.  Denn,  von  der  Haupthalle  aus  gesehen,1st  these  Steinanordnung die  Hauptansicht  and  zugleich  das  Hauptthema  von  diesem  ganzen  Teichgarten.  Da  die Bogenbriicke  eigentlich  den  Regenbogen  symbolisiert,  deutet  sie  darauf  hin,  da偲man dariiber  von  der  diesseitigen  Welt  zu  einer  anderen  Welt  gelangt.  Deshalb  ist  es angemessen,  zu  denken,  die  Steingruppe  am  anderen  Ufer  bedeute  den  Horai-Berg.  So ist also  die  Haupthalle  selbst  nichts  anders  als  das  Schlogchen  im  Horai・Berg,  and  die sudliche  Mittelinsel  wiederum  stellt  die  taoistische  Insel  dar.  Also  kann  man  schlieSlich auslegen,  dag  der  ganze  Toin-Garten  eben  die  taoistische  Horai-Welt  ausdriickt.  Dadurch kann  man  noch  weiter  folgendes  belegen:die  Hauptstromung  des  Gartenbaus  in  der Nara-Zeit  bestand  zweifellos  darin,  den  taoistischen  "Horai-Garten「,  zu  bauen.

    Und  noch  ein  anderer,  bemerkenswerter  Punkt  an  diesem  H6rai-Garten  ist, daB  die Leute  damals  diesen  Garten  bauten,  nicht  als  etwas  nur  von  augen  Anzuschauendes,

sondern  vielmehr  sozusagen  als  eine  Art"Paradies  innerhalb  der  Wirklichkeit',.  Wie vorher  erw註hnt,  war  der  Horai・Berg  eigentlich  die  traumhafte  Welt  auf  dem  Meer  im fernen  Osten.  Wenn  sie  aber  nach  and  nach  bemerkten,  daB  these  Welt  unmoglich  zu

erreichen  war,  so  war  es  sehr  natiirlich,  daf3  sie  dieselbe  innerhalb  ihrer  Wirklichkeit vorlaufig,  ja  in  einer  vorlaufigen  Form  errichten  wollten.  Der  "H6rai・Garten"war  also

die  Verwirklichung  ihres  Traumes,  ja,  nichts  anders  als  das  Paradies  innerhalb  der Wirklichkeit。  Und  sie wiinschten,  wenn  auch  fur  kurze  Zeit,  dieses  Paradies  zu  genieBen,

indem  sie  darin  Leib  and  Seele  erlabten.  Der  Garten  in Japan  war  also  urspr伽glich  ein Erholungsplatz.

    'Hier  mug  ich  auch  noch  die  Eigentumlichkeit  des  japanischen  Gartens  erwahnen, die  bereits  an  dem  Toin・Garten  bemerkbar  ist;d.  h.  die  Japaner  hatten  schon  friiher  in der  Nara・Zeit  gerne  schone  Landschaften  um  sich  herum  wie  Teich,  FluB,  Wasserfall, Hugel  and  vor  allem  sch6ne  Aussichten  auf  die  See,  wie  z. B.  diejenigen  der  Seto。 inlandsee  in  den  Garten  aufgenommen  and  sie  da  reprasentieren  and  rekonstruieren wollen。  Indem  she  solche  Landschaften  der  Natur  idealisierend  erfaSten  and  these  wieder im  Garten  symbolisch  darstellen  wollten,  folgten  sie bei  ihrem  Gartenbau  eben  der  Natur oder  sie  versuchten,  der  Natur  zu  folgen.  In  diesem  S五nne  besteht  die  Grundlage  des japanischen  traditionellen  Gartens  zweifellos  in  dem  sogenannten  "〔Natur一 〕 Landschaft-Garten「,.  Mit  anderen  Worten,  muBte  der  japanische  Garten  daher notwendigerweise  einen  unsynmetrischen  Stil  bekommen.'Selbstverstandlich  ist ln  der Natur  die  Kurve  viel  natiirlicher  als  die  Gerade,  and  daher  viel  mehr  zu  beobachten. Deswegen  gibt  es  im  unsymmetrischen  Landschaft-Garten  japans  fast  keine  gerade Linie,  sondern  nur  noch  krumme  Linie.  Das  kann  man  bereits  auch  im  Toin・Garten  von der  Nara-Zeit,  z. B.  an  der  Kurve  des  Sandstrandes  deutlich  erkennen.  In  diesem  Punkt

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Kurze  Geschichte  des  japanischen  Gartens:vom  Urgarten  dis  zum  Steingarten

bildet  der  japanische  Garten  schon  einen  klaren  Gegensatz  zu  europaischen  Garten,  in denen  kiinstliche,  gerade  Linien  viel  mehr  gebraucht  sind.

    Der  typische  Garten  in  der  Heian・Zeit(794-1185)ist  der  sogenannte  "Shinden-zukuri-Garten',,  der  an  dem  Anwesen  vom  Shinden-zukuri(Baustil  des  Heian・Adels) eingerichtet  wurde.  Bei  diesem  "Shinden・zukuri-Garten',  wird  siidlich  vom Hauptgeb註ude,  genannt  Shinden,  der  flache  Sand-bzw.  Erde・Gatten(Nantei)eingerichtet

and  noch  siidlicher  von  diesem  Nantei  verbreitet  sich  der  Teich(Nanchi).  In  diesem Teich  befindet  sich  die  Mittelinsel(Nakajima),and  an  oder  hinter  dem  Teich  gibt  es  ein

HUgelchen  mit  Baumen(Tsukiyama)oder  Rock-bzw.  Steinanordnung.  Neben  dem

Shinden  fliegt  ein  klarer  Strom(Yarimizu)zum  Teich  hin.  Die  charakterischsten Elemente  an  diesem  Garten  sind  der  Teich  mit  der  Mittelinsel  and  Nantei.  Obwohl  dieser Shindenzukuri・Garten  heute  in Kioto  leider  ganz  and  gar  nicht  mehr  besteht,  ist es  doch m6glich,  ihn  aus  verschiedenen  historischen  Materialien  wieder  herzustellen.  Dessen typisches  Beispiel  kann  man  an  dem  restaurierten  Modell(s.  Abb.3)sehen.

    Wie  man  in  diesem  Modell  sieht,  befinden  sich  im  Teich(Nanchi)meistens  drei Inseln:Hδrai,  Hδjδund  Eishα.  Und  zu  diesen  Mittelinseln  sind  die  rotlackierten BogenbI髄cken  geschlagen.  Die  Bogenb!vcke  dient  dazu,  da億man,  wie  vorher  erwahnt, zur  ersehnten  Horai・lnsel  gehen  kann.  Also  zeigt  der  ganze  Teich-Garten,  der  in  der Mitte  die  Mittelinsel  hat.  unverkennbar  die  taoistische  Horai-Welt.

       ,

    In  diesem  Garten  als  Hdrai-Welt  wurden  Zeremonien  wie  Jahresfeste  and gelegentlich  prachtvolle  Gastmahle  veranstaltet.  Dabei  schwammen  prunkvolle  Kahne auf  dem  Teich  and  es  wurde  Musik  gespielt  and  getanzt.  Fur  Heian-Adlige  war  die  Horai-Welt  nicht  mehr  diejenige,  die  weit  entfernt  auf  dem  Mees  nur  als  Sehnsucht  dawar, sondern  eine  Welt,  die  sie  nun  w1rklich  genieken  konnten,  indem  sie  selber  auf  der B!Ucke  hinUbergingen.  In diesem  Sinne  kann  man  sagen,  auch  der  Shindenzukuri・Garten sei eine  Art"Paradies  innerhalb  der  Wirklichkeit閂gewesen.

    Ubrigens,  wie  Sie  selber  bemerkt  haben,  ist fur  den  japanischen  Garten  ja  das Wasser  von  Anfang  an  ein  unentbehrliches  Element  gewesen.  SelbsWerstand11ch  ist das Wasser  auch  fur  den  europaischen  Garten  ein  wichtiges  Element  and  spielt  eine  groge Rolle.  Jedoch  ist das  Wasserspiel  z. B.  in  franz6s1schen  Garten,  wie  das  Blumenbeet, etwas  ganz  Kunstliches  and  nur  zur  Zierde  da,  and  durch  den  geometrischen, rationalistischen  Geist  angeordnet  and  geleitet.  Das  ist kein  natiirliches  Wasser,  WO Fische  oder  Seegraser  schwimmen,  sondern  das  farblose,  durchsichtige  Wasser,  and auch  der  Teich  ist kreisfdrmig  oder  viereckig.  Dagegen  ist das  Wasser  bzw.  der  Teich  in unserem  Land  ganz  anders.  Auch  aus  dem  Teich,  der  zwar  kiinstlich  gebaut  wurde,1St ein  natiirlicher  Teich  geworden.  Er  wird  namlich  gebaut,  nicht  indem  man  die  Natur zahmt  und  miβbraucht,  sondern  indem  man  ihr  folgt.  In  Japan  sind  also  die  Kunst  and die  Natur  untrennbar  miteinander  verschmolzen,  was  freilich  auch  fur  den  ganzen  Garten gilt,  aber  eben  am  Teich  am  deutlichsten  zum  Ausdruck  kommt.  Der  Unterschied zwischen  dem  europaischen  and  dem  japanischen  Garten  wird  am  Beispiel  des flief3enden  Wassers  noch  deutlicher.  Im  ersteren  flieat  das  Wasser  durch Wasserleitungen,  steigt  in  der  Fontane  empor  and  n益fat fallend  die  Marmorstatuen.  Da sieht  man  den  Triumpf  des  Rationalismus,  der  das  Wasser  kontrolliert  and  beherrscht.

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Dagegen  lassen  wir  Japaner  in unserem  Garten  das  Wasser  als  Yarimizu  in  moglichst natUrlicher  Form  nieβen,  Wir  leben  so  mit  dem  fliegenden  Wasser  im  Einklang  mit  der Natur.  Jedenfalls  besteht  die  Eigenart  des  japanischen  Gartens  darin,  daf3  die  Kunst  and die  Natur  innig  verbunden  sind,  indem  man  der  Natur  folgt.

    Der  Buddhismus,  der  bereits  in der  ersten  H51fte  des  6. Jhs.  nach  Japan  eingefiih!t worden  war,  wurde  Mitte  der  Heian-Zeit(etwa  Mitte  des  10.  Jhs.)als  Jddo-Schule

anerkannt,  als  sich  der  Gedanke  des  Weltenendes  verbreitete.  J6do  bedeutet  Ubrigens das  buddhistische  Reine  Land  im  fernen  Westen,  wo  Amida-Buddha  and  Bodhisattvas wohnen.  Wenn  der  Mensch  an  das  Gel廿bde  des  Amidabuddhas  glaubt  and  inbriinstig

betet,  in das  buddhistische  Reine  Land  einzugehen,  so  kommt  Amidabuddha  mit  anderen Bodh1sattvas  sicher  in seiner  letzten  Stunde  her,  um  ihn  in dieses  buddhistische  Paradies hinzufuhren.  Das  ist die  Lehre  der  Jodo-Schule.

    In  der  spaten  Heian-Zeit  mu3ten  auch  die  Heian・Adligen,  die  bis  dahin  das  Leben genossen  hatten,  doch  wegen  des  Weltenendes  in der  Unruhe  der  Zeit  leben;sie  wollten daher  irgendwie  die  Ruhe  der  Seele  finden,  indem  sie  z。 B.  die  Amidabuddha・Halle  in ihrem  Shinden-zukuri。Garten  bauten  oder  ihre  Villa  mit  dieser  Amida・Halle  zusammen zum  Tempel  schenkten.  Auf  these  Weise  1st an  die  bisherige  taoistische  Horai・Welt  die Amidabuddha-Welt  getreten.  Das  heiRt,  anstatt  der  Horai-Welt  als``Paradies  innerhalb

der  Wirklichkeit"wurde  das  buddhistische  Reine  Land  Jodo  als"Paradies  auBerhalb  der Wirklichkeit"gesetzt,  das  sich  freilich  nicht  in dieser  Welt  befande,  also  nur  noch  ideell zu  suchen  ware.  Andererseits  war  es  allmahlich  popular  geworden,  so  einen  Tempel  zu bauen,  der  schon  von  Anfang  an  mit  dem  das  Jodo  darstellenden  Garten  ausgestattet  war. Also  begannen  jetzt(um  Spat・heian-Zeit  herum)der  Garten  and  die  Religion ←Buddhismus),sich  miteinander  zu  verbinden.  Und  solch  ein  Garten,  der  irgendwie  das buddhistische  Reine  Land  Jodo  darstellt,  wird  in  der  gegenwdrt五gen  Gartengesch三chte der  ``J6do-Ga!ten"genannt.

    Bei  diesem  Jodo-Garten  hatte  man  zwar  das  Ziel,  darin  das  Jodo  symbolisch auszudrUcken,  aber  in  Wirklichkeit  war  these  Jodo-Welt  nur  noch  der  Ersatz  der bisherigen  Horai-Welt.  Deshalb  hat  dieser  Jodo-Garten,  was  den  Gartenbau  selbst anbetrifft,  fast  keinen  eigenen,  unabhangigen  Stil,  sondern  in verschiedenen  Punkten unverkennbare  Ahnlichkeiten  oder  Gemeinsamkeiten  mit  dem  Horai-Garten.  wie  z. B.

                                                                                                                  ,

der  Teich  sudlich  von  der  Haupthalle,  Hugelchen  oder  Steinanordnung  am  Wasser,  die mit  der  Brucke  geschlagene  Mittelinsel  usw.

    Noch  heute  bestehen  mehrere  solcher  Jodo-Garten.  Davon  mochte  ich  hier  als musterhaftes  Beispiel  den  Garten  vom  Byodo-ln  Tempel  in  Uji erwahnen.  Dieser  Tempel wurde  von  Yorimichi  Fujiwara  im  Jahre  1053  gebaut。  Die'Amida-Halle,  in  der  die Amidabuddha-statue,  Meisterwerk  von  Jocho,  aufgestellt  ist, wird  im  allgemeinen  H66-do (die  Phbnix-Halle)genannt.  Die  Form  dieses  Gebdudes  ist  namlich  dem  Phbnix  mit ausgebreiteten  Flugeln  ahnlich.  Dieser  Byodo-ln  Tempel  wurde  schon  damals  fur  die sichtbare  Verwirklichung  des  paradiesischen  Jodo  gehalten,  so  dag  die  Leute  sagten:》 Wenn  man  sich  nicht  vorstellen  kann,  wie  das  buddhistische  Paradies  aussahe,  so  gehe and  sehe  einmal  den  Tempel  in  Uji.《Der  Garten  vom  Byodo。ln,  der  als  Vorbild  and Gipfel  des  Jodo。Gartens  angesehen  wird,  besteht  hauptsachlich  aus  dieser  Ph6nix-Halle

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Kurze  Geschichte  des  japanischen  Gartens:vom  Urgarten  dis  zum  Steingarten

and  dem  Teich,  der  sich  davor  ausbreitet.  Die  Schδnheit  dieses  Gebaudes  oder  des Ga質ens  ist nicht  vom  Wasser  oder  vom  Teich  zu  trennen.  Bei  so  einem  Jodo-Garten  ist jenseits  des  Teichs  das  buddhistische.Paradies  Jodo  da,  and  diesseits  desselben  these reale  Welt.  Von  dieser  Welt  zum  Jodo  ist  die  Bogenbrucke  geschlagen . Allein  die BogenbrUcke  des  Jδdo-Gartens  ist diejenige,  iii)er  die  Amida-Buddha  selbst  mit  vielen Bodhisattwas  zusammen  vom  Jodo  im  fernen  Westen  her  zu  dieser  Welt  heruberkommt

, um  die  Seele  des  Verstorbenen  abzuholen,  wahrend  die  Heian-Adligen  einmal  selber Uberjene  BogenbrUcke  des  Shinden-zukuri-Ga質ens  zur  Horai・Welt  hin  gegangen  waren .     Heute  wird  der  Garten  vom  Byddd-ln  restauriert,  um  die  friihere  Form  wieder herzustellen.  Aufanglich  war  n註mlich,  wie  Sie  im  Abb。4sehen,  die  flache  Briicke  zuerst von  der  diesseitigen  Welt  hiniiber  zur  kleinen  Mittelinsel  and  dann  die  Bogenbrilcke  von derselben  zur  Welt  von  Amida・Buddha  geschlagen  worden . Was  bedeutet  das?Der  Platz, auf  dem  die  Phonix・halle  jetzt  steht,  ist  eigentlich  die  Mittelinsel  des  ehemaligen Shinden・zukuri-Gartens;so  braucht  man  im  Jodo・Garten  prizipiell  keine  andere Mittelinsel  mehr.  Dennoch.hatte  es  in  der  urspriinglichen  Form  des  Byodo-ln-Gartens noch  eine  andere  kleine  Mittelinsel  gegeben.  Diese  kleine  Mittelinsel  ist meiner  Ansicht nach  nichts  anders  als die  Spur  des  Shinden・zukuri-Gartens  oder  des  Horai-Gartens .     Wie  Sic  selber  schon  festgestellt  haben,  ist  das  Wasser  bzw.  der  Teich  beim japanischem  Ga宜en  sicherlich  ein  unentbehrliches  Element.  Allein  das  Wasser  bzw.  der Teich  d6s  frUheren  H6rai-oder  Shinden。zukuri・Gartens  stellte  etwa  das  Meer  oder  einen weiten  and  freien  See  vor.  Dagegen  bekommt  das  Wasser  vom  Jodo・Gar  en  jetzt  einen anderen,  ganz  neuen  Sinn.  Das  Wasser  des  Teichs  vor  der  Phonix・Halle  z. B.  ist nicht mehr  etwas,  was  da  das  Meer  oder  irgendeinen  See  nur  noch  kopiert,  sondern  schon etwas  Unentbellrliches,  das  uns  als  Vorstufe  zum  Jodo  hin,  zu  diesem  buddhistischen Reinen  Land  hiniibergeleitet.  Denn  unsere  Seele  mug  doch  zuerst  ganzlich  gereinigt worden  sein,  bevor  wir  in das  buddhistische  Paradies  aufgenommen  werden  konnen;and es  ist eben  das  Wasser,  das  uns  so  etwas'erm6glicht . Das  s伽dig  fliegende,  klare  Wasser ist rein,  hat  so  eine  Kraf  , Schmutz  oder  Unreinlichkeit  abzuspiilen

, ist also  heilig.  DaB das  Wasser  die  geheimnisvolle  Kraft  hat,  Laib  and  Seele  zu  reinigen,  das  besagt  vor allem  eben  die  Tatsache,  daE  der  Wasserbehalter血r  reines  Wasser  Qosui)auch  heute nicht  nur  am  Shintoschrein,  sondern  auch  am  buddhistischen  Tempel  am  Eingang aufgestellt  ist, damit  der  Glaubige  vor  dem  Eintreten  in  den  heiligen  Bezirk  den  Mund spiilen  and  die  H註nde  waschen  kann.

    Das  Wasser  hat  auch  noch  die  wundersame  Kraft,  uns  zur  fernen  Welt  zu血hren.  Es hat  n盗m11ch  die  Kraft,  uns  zu  einer  traumhaften  Welt  jenseits  der  Wirklichkeit herauszulocken.  Wenn  wir  die weite  and  breite  Wasserflache  sehen , ob  es das  Meer  oder der  See  sei, sehnt  sich  unsere  Seele  nach  einer  anderen  Welt,  nach  einer  noch  schoneren Welt  als  der  Wirklichke互t,  also  nach  der  jenseitigen  Welt.  Das  Wasser  selbst  ist nichts anders  als  das  wirkliche  Wasser,  dennoch  hat  es  wunderbarerweise  die  Kra仕

, unsere Seele  zu  einer  unwirklichen,  Uber-wirklichen  Welt  zu  fiihren.

    Noch  dazu  ist das  Wasser  sozusagen  der  Spiegel,  der  alle  Dinge  widerspiegelt,  and zwar  so  ein  Spiegel,  der  alles  noch  schbner  widerspiegelt,  als  es  in Wirklichkeit  ist . Die Gestalten,  die  sich  im  Wasser  umgekehrt  spiegeln

, sind  nicht  mehr  diejenigen  von  dieser realen  Welt.  Das  Geheimnis  des  Wassers  lal3t namlich  alle  Dinge  sich  so  spiegeln,  als ob

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sie  in  der  von  uns  ersehnten  Welt  waren.  Daher  kommt  vielleicht  auch,  daB  man  im Wasser  den  Tod  sucht,  fest  glaubend,  dag  es  doch  darin  sicherlich  eine  herrliche, unirdische  Welt  geben  musse.  Eben  jenseits  des  Wassers  kann  sich  das  Jenseits befinden,  and  zwar  gerade  das  Wasser  tragt  uns  zu  dieser  jenseitigen  Welt.  Genau deswegen  mug  das  Wasser  bzw.  der  Teich  im  Jodo・Garten  das  unentbehrliche  Element sein.

    Doch  die  Bedeutung  des  Wassers  im  Jodo-Garten,  der  von  Mitte  der  He1an-Zeit  bis zur  spaten  Kamakura-Zeit  etwa  300  Jahre  lang  die  Hauptstromung  gewesen  war,  grog nach  and  nach  teilweise  verloren.  Oder  mit  anderen  Worten:es  trat  nun  ein  Garten  auf,

in dem  man  ganz  and  gar  kein  Wasser  sieht.  Das  hei億t,  durch  den  Einflug  des  Zen-buddhismus,  der  sick  in  der  Kamakura-Zeit(1186-1333)entw五ckelt  hatte,  trat  der sogenannte  "Karesansui"auf。 〔"Karesansui睡(一Garten)ist  der  merkwiirdige  Garten,  in dem  man  als  Material  des  Gartenba心s  nur  noch  Sand  and  Stein,  also  kein  Wasser gebraucht.】

    Es  ist der  Saihoji・Tempel,  der  die  Ubergangszeit  vom  Jodo-Garten  zum  Karesansui zeigt.  Der  Garten  vom  Saihoji-Tempel  ist im  allgemeinen  als"Moosgarten"bekannt,

weil  der  ganze  Garten  mit  dem  schbnen  Moos  bedeckt  ist. Er  bestebt  aus  zwei  Teilen: aus  dem  unteren  Teichgarten  and  dem  oberen  "Karesansui,,.  Geschichtlich  gesehen,1St der  untere  Teichgarten  alter,  wahrend  die  obere  Steinanordung  des  Wasserfalls  spater neu  gebaut  wurde,  aber  als"Karesansui"doch  das  alteste  Musterbeispiel  ist.

    Dieser  Saih6ji・Tempel  wurde  zuerst  in  der  Nara-Zeit  von(M6nch)Gy6kigegrUndet.

Und  danach  in  der  friihen  Kamakura-Zeit  wurde  der  verfallene  Tempel.von  H6nen wiederaufgebaut  and  dabei  auch  der  Teichgarten  des  Jodo-stils  dazu  gebaut.  Aber  spater, als  Zenmeister  Muso  Soseki  1339  Hauptpriester  dieses  Tempels  wurde,  bekehrte  auch die  Schule  sich  von  der  bisherigen  Jodo-Schule  zur  neuen  Zen-Schule.  Der  Garten  wurde dabei  gleichfalls  auf  zenbuddhistische  Art  umgebaut,  obwohl  der  Teich  selbst  im  Grunde fast  unver謹ndert  l)lieb.  Gerade  deshalb  sehen  wir  heutzutage  in diesem  Garten  zwei  Teile oder  zwei  Elemente=J6do-Garten  and  Karesansui  vom  Zen-Stil.  Am  Teich  z. B.,  wo  es

noch  heute  groBe  Mittelinseln  gibt,  ist  der  Hauch  der  ehemaligen  Kahnfahrt  noch deutlich  zu  spuren.  Und  auch  jetzt  noch  ist dieser  Teil  des  Gartens  so  schon,  wie  man sich  damit  wohl  an  das  buddhistische  Paradies  Jodo  vorstellen  k6nnte.  Trotzdem  ist der Teich  vom  ehemaligen  Platz'der  Vergniigung  zu  demjenigen  des  Denkens  and  des Anschauens  dadurch  verandert,  daf3  er  nun  von  einem  schmalen  Paf3  umgeben  wurde, um  darauf  meditierend  spazierenzugehen.  Dazu  ist es  aus  ihm  der  sogenannte  "Shinji-ike',  geworden,  der  fur  den  Teich・Garten  vom  zenbuddhistischen  Tempel  typ互sch  ist. Dieser  "Shin-ji-ike,「hei偲t廿brigens  so  ein  Teich,  dessen  Form  nach  der  chinesischen.

Buchstabe  Shin(心)gebildet  ist.  Dieses  Shin  wiederum  bildet  den  Kern  der

zenbuddhistischen  Lehre,  da  dieses  Shin  doch  so  etwas  ist, wessen  Dasein  nicht  zu beweisen,  aber  wessen  Nicht-Dasein  gleichfalls  nicht  zu  beweisen  ist,  obwohl  alles Wesen  and  alle  Phanomene  in der  ganzen  Welt  gerade  aus  diesem  unbeweisbaren  etwas heraus  kommen  and  wieder  zu  diesem  etwas  zuriickkehren.  Jedenfalls  ist  der Moosgarten  nun  durch  Zenmeister  Muso  Soseki  derjenige  geworden,  wo  man  nicht  mehr die  imitierten  Landschaften  oder  die.Kahnfahrt  geniegt,  sondern'seinen  Shin(auf

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Kurze  Geschichte  des  japanischen  Gartens二vom  Urgarten  dis  zum  Steingarten

                                       

japanisch  Kokoro:Geist  oder  Seele)n註hrt.  Anders  ausgedrUckt:der  Garten  ist jetzt  als mit  einem  ganz  neuen,  geistigen  Sinn  erfiillt  erschienen  and  verlangt  von  einem  die geistige  Haltung,  nach  der  religiosen  Wahrheit  zu  suchen.  Das  wird  noch  deutlicher gerade  an  der  oberen  Steinanordnung  des  Wasserfalls.

    Dieser  Wasserfall,  wie  vorher  erwahnt,1St"Karesansui四,  nur  fliegt  hier  freilich  kein Wasser.  Wenn  das  Wasser  wirklich  flofie,  so  wurde  der  Wasserfall  blofg  eine  Imitation der  Natur  sein.  Wenn  es  aber  kein  Fallen  des  Wassers  gibt,  erst  woraus  der  Wasser  all als  Wasserfall  besteht-was  bedeutet  dann  dieser  Wasserfall,  and  was  symbolisiert  er denn?Oder  wo血r  ist er  ein  Symbol.geworden?…Dieser  Wasserfall  ist mit  20m  Lange,

12m  Breite  and  etwa  240ml  GrHe  aufSerordentlich  eindriicklich  eine  nie  dagewesene Steinanordnung.  Diese  Form  von  Wasserfall  ist beispiellos  and  augerst  selten.  Er  ist dreistu且g  au㎏ebaut.  Wenn  ich  these  drei  von  oben  nach  unten  vorlau丘g  die  obere,  die mittlere  and  die  untere  Stufe  nenne,  so  gibt  es  zwischen  der  oberen  and  der  mittleren, and  zwischen  der  mittleren  and  der  unteren  Stufe  jeweils  eine  ziemlich  grofie waagrechte  Ebene.  Auf  der  oberen  Ebene  sind  zwei  Zazen-Steine  einander  gegenuber

aufgesetzt.  Es  mussen  Lehrer  and  Schuler  auf  d五esen  Steinen  gesessen  haben,  um miteinander  den  zenbuddhistischen  Dialog  abzuhalten.  Auf  der  mitteleren  Ebene  konnen 6-7Wanderpriester(Unsui)bequem  Zazen  uben.  Auf  der  unteren  Ebene  werden  e wa  10 Personen  genug  Zazen-Platz丘nden  kbnnen.  Wenn  es  nun  so  ist, versteht  man  schon,  da∬ dieser  dreistu∬ge  Wasserfall  nicht  blog"Karesansui,1-Garten,  sondern  vielmehr  als Platz  fur  die  Zazen-Ubung  gebaut  worden  war.  Hier  war  namlich  die  Zazen-Halle  im Freien,  die  sozusagen  nach  der  Anweisung  von  Shakamuni-Buddha  gebaut  worden  war.     Was  hier  noch  dazu  nicht  zu  ubersehen  ist, ist der  sogenannte  Karpfenstein.(s.  Abb.

5)In  diesem  Wasserfall  ist  der  Karpfenstein  etwas  links  auf  der  mittleren  Ebene angeordnet.  Der  Karpfen  schwimmt  gegen  die  oberere  Stufe  des  Wasserfalls.  Ubrigens hatte  Shakamuni  Buddha  einmal  angewiesen,  daf3  man  sich  dreistufig(unten-Mitte-oben)iiben  sollte.  Andererseits  fahrt  der  Karpfen  auf  ahnliche  Weise  den  dreistufigen Wasserfall  aufwarts。  Diese  beiden  Inhalte  sind  namlich  in die  eine  Form``Karpfenstein四 hinein  gebildet.  Der  Karpfen,  der  halsbrecherisch  den  Wasserfall  aufwarts  bis  zum  Ende erklommen  hat,  verwandelt  sich  in einen  Drachen,  so  berichtet  eine  alte  Oberlieferung von  China.  Also  deutet  dieser  Wasserfall  den  sogenannten"RyUmon・no-taki,l  an.  Und wenn  der  asketische  Monch  gleicherweise  auf  Leben  and  Tod  die  dreistufige  Ubung bestanden  hat,  dann  gelangt  er  zur  Erleuchtung.》   Also  befleifge  dich  durch  asketische

Obung  auf  Tod  and  Leben  bis  zur  Erleuchtung!《 一das  war  die  symbolische  Bedeutung des  Wasse㎡alls  gewesen.  Der  Wasserfall  des  Moosgartens  war  nie  so  etwas,  was  wie sonst  so  gebaut  wurde,  daB  man  der  Natur  folgte  and  sie  moglichst  realist…sch nachahmte.  Nein,  hier  wollte  man  vielmehr  die  Natur  symbolisch  gestalten.  Bis  dahin war  man  immer  nur  realistisch  der  Natur  gefolgt.  Aber  der  neue  Garten,  der  jetzt  auf  der

Grundlage  des  Zenbuddhismus  and  dessen  Naturanschauung  gebaut  wurde,  stammte aus  solch  einer  geistigen  Haltung,  die  Natur  symbolisch  darzustellen.  So  wurde  der Garten  von  Saihoji  Tempel  in  der  ersten  Halfte  des  14.  Jhs.  eben  das  friiheste  Werk dieser  geistigen  Haltung.

Der  Tenryuji  Tempel  wurde  fast  zur  gleichen  Zeit  mit  Saihoji  Tempel  and  sogar  von

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dem  gleichen  Zenmeister  Muso  Soseki  gebaut.  Der  Shogun  Ashikaga  Takauji  bat namlich.diesen  Zenmeister  den  Tempel  Tent・yuji  zu  bauen,  um  die  Seele  von  Tenno Godaigo  zu  beruhigen,  der  im  Ungliick  in  Yoshino  hingeschieden  war.  Im  Jahr  1345 wurden  alle  Tempelhallen  vollendet;auch  der  Garten  gleichzeitig  von  Muso  gebaut. Eben  deshalb  gibt  es  gemeinsame  Punkte  zwischen  dem  Garten  von  Saihoji  Tempel  and demjenigen  von  Tenryσji  Tempel.  Das  heft,  die  beiden  Garten  haben  vor  allem  das gemeinsame  Thema:"Ryαmon・no・taki'「.〔Ryumon  ist der  Ortsname  des  Wasserfalls  am Mittellauf  des  gelben  Flusses  in China,  and  der  Karpfen,  der  diesen  Wasserfall  aufwarts bis  zum  Ende  gefahren  ist, wird  Drache;das  ist die  Uberlieferung廿ber  den  Wasserfall Ryumon-no-taki.〕   Dennoch  ist der  Gartenstil  in diesen  beiden  Garten  ganz  verschieden. Woher  ruhrt  das?Der  Garten  von  Saihoji  Tempel  hatte  in  der  Mitte  des  Teichs  noch groBe  Inseln,  war  also  prinzipiell  ein  Jodo・Garten  and  sein  Wasserfall  war  der Ubungsplatz  im  Freien,  wo  der  asketische  Winch  sich  hart  bemiihte,  um  zur Erleuchtung  zu  gelangen,  Dagegen  ist der  Garten  vom  Tenryuji  Tempel  zwar  ein Teichgarten,  doch  derjenige  fur  den  seligen  Tenno  Goda1go,  der  sozusagen  bereits  in die erleuchtete  Welt  eingegangen  war:er  hat  schon  den  Wasserfall  erklommen  and  hat  sich in einen  Drachen  verwandelt,  An  diesem  Wasserfall  ist der  Karpfenstein  also  ganz  oben

←im  Sinne  der  vollendeten  Erleuchtung)angeordnet,  Aus  diesem  Grund  hat  der  Teich vom  Tenryuji-Tempel  in seiner  Mitte  keine  Mittelinseln  mehr  and  ist daher  weit  and  frei geworden.(s.  Abb.6)Statt  dessen  liegt  nun  der  Hauptakzent  oder  das  Hauptthema  des weiten  and  breiten  Teichs  eben  in  der  Steinanordnung  des  Wasserfalls.  Und  dieser Wasserfall"Ryumon-no-taki"fordert  streng  von  den  Monchen,  daf3  sie  sich  auf  Leben and  Tod  bemuhen  sollen,  um  wie  Tenno  Godaigo  zur  Erleuchtung  zu  gelangen. Deswegen  hat  nicht  nur  die  Steinanordnung  des  Wasserfalls,  sondern  auch  die  jenige  in and  an  dem  Teich  ja  so  strenge,  scharfe  Atmosphere,  wie  man  sie  bisber  niemals  je gekannt  hat.  Zusammenfassend  wurde  ich  sagen,  da億 「man  hier  die  Strenge  des Zenbuddh五smus  spuren  kann.  Dennoch  hat  dieser  Garten  im  ganzen  ja  sicher  eine ruhige,  freie  and  unbefangene  Klarheit  and  eine  offene  Grokherzigkeit.  Das  kommt  ohne Zweifel  daher,  dak  dieser  Garten  im  ganzen  so  eine  Welt  der  Erleuchtung  darstellt,  wie

sie  der  Tenno  Godaigo  bereits  erreicht  hat.  Die  ausgezeichnete  and  eigentumliche Verbindung  bzw.  Einheit  zwischen  dieser  Strenge  and  der  GrofSherzigkeit  mug  der

Grund  dafur  sein,  daS  dieser  Garten  oder  der  Tenryuji  Tempel  in das``Weltkulturerbe', eingetragen  worden  ist.

    Der  Garten  oder  die  Gartenkunst  machte  durch  den  Einflug  des  Zenbuddhismus  vor allem  wahrend  der  Muromachi・Zeit(1334-1573)eine  besondere  Entwicklung  durch. Dadurch  wurde  namlich  der  symbolische,  abstrakte  and  eigentumliche  Garten geschaffen。  Der  Gartenstil  "Karesansui"ist  ein  bezeichnendes  Beispiel  dafiir.  Jetzt mochte  ich  den  Garten  von  Ryoanji  Tempel(Mitte  der  Muromachi-Zeit)als  Muster  vom "K

aresansui1「 ・Garten  beschreiben.  Er  kann  sozusagen  ein  HShepunkt  in  der  Garten-geschichte  von  Japan  genannt  werden.

    Der  Garten  vom  Ryoanji  Tempel  ist im  allgemeinen  als  "Steingarten,「bekannt. "St

eingarten',  nennt  man  einen  Garten,  in  dem  man  weder  Wasser  noch  Pfianzen, sondern  nur  noch  Sand  and  Stein  verwendet.  Anders  gesagt,  ist es  ein  Garten,  in dem  der

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Kurze  Geschichte  des  japanischen  Gartens:vom  Urgarten  dis  zum  Steingarten

Stein  absolut  den  Anblick  des  Ganzen  bestimmt.  Weil  die  Grbge  des  Steins  begrenzt  ist, mug  der  "Steingarten"notwendigerweise  ein  kleiner  Garten  sein.  Daher  wird  man  auf den  ersten  Blick  meistens  den  Eindruck  haben,  als gabe  es  im  kleinen  Steingarten  nichts besonders  SehenswUrdiges.  Auch  beim  Steingarten  vom  Ryoanji  Tempel  gibt  es  ja wirklich  fast  nichts  zu  bewundern.  Was  es  da  gibt,  sind  nur  noch  funkelnder  weif3er  Sand and  15  groge  and  kleine  Steine  auf  der  etwa  330m2  Flache,  die  von  einer  Lehmmauer umgeben  ist. Man  wurde  daher  nach  einigen  Minuten  schon  mude  sein,  den  Gar{en  zu betrachten,  wenn  man  nicht  auf  der  Veranda  vor  der  Klause  saf3e  and  das  Ganze betrachtend  an丘nge,  z. B.  folgendermaBen  zu  denken:was  stellt  dieser  Garten  dar?was sollte  er denn  aussagen  oder  andeuten?(s.  Abb.7)

    Hier  erinnere  ich  mich  daran,  daf3  ich  als  Student  ein  deutsches  Ehepaar  aus MUnchen(der  Mann  war  Arzt)in  Kioto  umherfuhrte  and  ihm  dabei  auch  den  Steingarten vom  Ryδanji。Tempel  zeigen  wollte.  Kaum  hatten  die  Beiden  den  Garten  gesehen,  SO

sagten  sie:》   Hier  gibt  es  nichts  zu  sehen.  Verlassen  wir  den  Garten!《Sicher  ko血nten sic  daran  kein  Interesse  haben,  aber  ich  selber  verlor  die  Lust,  die  Beiden zuriickzuhalten  and  alles  zu  erklaren.  Und  so gingen  wir  sogleich  weg.

    Wir  sollten  uns  aber  die  Zeit  nehmen,  ruhig  vor  diesem  Garten  zu  sitzen  and zunachst  nachzudenken,  was  er  aussage  oder  andeute.  Dann  wurden  wohl  die  meisten

Menschen  zuerst  an  das  Meer  denken.  Der  weige  Sand  mit  schbn  gefiihrten  Linien  sahe wie  ruhiges,  blaues  Meer  aus,  and  zerstreute  Steine  andererseits  wie  Inselchen  auf  dem

Meer.  Man  wUrde  fUhlen,  als  ob  sich  ein  weites  and  freies  Meer  and  ein  hoher  Himmel vor  den  Augen  ausbreiteten.  Oder  wer  eher  Berge  liebt,  wurde  sich  das  Wolkenmeer vorstellen,  aus  dem  Gipfel  herausragen.  Oder  wenn  man  die  Anordnung  der  Steine

aufmerkam  betrachtet,  so  bemerkt  man,  daf3  sie  in  einer.  bestimmten  Richtung  schief stehen.  Und  wenn  man  darum  Felsblocke  sahe,  die  gegen  den  reigenden  Strom standhalten,  so  wurde  der  Garten  auch  wie  ein  Giegbach  zwischen  den  Bergen  aussehen. Wenn  man  also  hier  einen  reigenden  Strom  sahe,  darn  konnte  man  akzeptieren,  daft dieser  Garten  von  alters  her  als  `'Tora-no・kowatashi"(die  alte  Uberlieferung  von  China: Muttertiger  setzt  ihre  Kinder  gegen  den  reigenden  Strom  uber)bekannt  ist. Oder  der Mensch,  der  buddhistische  Kenntnisse  hat,  kann  in den  Steinen  die  Gestalten  der  16 spazierengehenden  Junger  Buddhas  erkennen.

    Jedenfalls  sind  verschiedene  Sehweisen  mogl量ch,  and  jede  davon  kann  ohne  weiteres anerkannt  werden,  Mit  anderen  Wo質an,  man  muB  mit  eigenen  Augen  betrachten,  selber denken,  sich  selbst  Uberzeugen.  Ein  solcher  Garten  ist der  Steingarten  vom  Ryoanji Tempel.  Also  mochte  ich  auch  wagen,  meine  eigene  Sehweise  and  meinen  Komentar dazu  darzulegen.

    Der  Steingarten  vom  Ryoanji  Tempel  ist, wie  vorher  erwahnt,  nur  noch  aus  weiBem Sand  and  15  Steinen  konstruiert.  Die  Komposition  von  diesen  15  Steinen  richtet  sich nach  der  traditionellen  Methode  der  Steinanordnung:7-5-3.  Die  Zahl  15  als  Summe  von 7+5+3wird  nach  der  Theorie  von  Yin  and  Yang  im  alten  China  fur die  Zahl  gehalten,  die die  Struktur  der  ganzen  Natur,  inbegriffen  der  Kosmos,  symbolisch  darstellt.  Die Zahlenfolge  7・5・3symbolisiert  namlich  das  Naturgesetz,  nach  dem  die  ganze  Sch6pfung als Verbindung  von  Yin  and  Yang  herauskommt.  Merkwurdigerweise  sind  aber  these  15 Steine  vom  Ryoanji。Steingarten  so  angeordnet,  daf3  man  nur  14  Steine  sieht,  von  wo  aus

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man  sie auch  anschaut,  d. h.  so  angeordnet,  data  ein  Stein  auf  alle  Falle  verborgen  bleil)t. Es  ist nicht  klar,  ob  ein  Stein  sich  zufallig  verdeckt  bleibt  oder  ob  man  bewu8t  so konstruiert  hat.  Jedenfalls  sind  alle  15  Steine  nicht  gleichzeitig  zu  sehen,  von  welchem Standpunkt  wir  sie  auch  ansehen.  Sollte  das  vielleicht  nicht  bedeuten,  daf3  wir  zuert unseren  menschlichen  Standpunkt  aufgeben  muf3ten,  wenn  wir  alle  15  Steine  auf  einmal uberschauen  wollten?Anders  gesagt,  wir  mOBten  unseren  eigenen  Standpumkt  oder

Gesichtspunkt  aufgeben  and  auf  einem  ganz  anderen  Stand-oder  Gesichtspunkt  stehen. Erst  dann  wdrden  wir  alle  15  erkennen  konnen.  Den  menschlichen  Stand-bzw. Gesichtspunkt  aufzugeben,  heigt  schlieglich  das  Ich  wegzuwerfen.  Und  das  Ich wegzuwerfen,  heilit,  auf  dem  Uber-lch-Gesichtspunkt,  mit  anderen  Worten,  auf  dem

Gesichtspunkt  Buddhas  zu  stehen.  Auf  dem  Gesichtspunkt  Buddhas  zu  stehen,  heiにt wiederum,  zum  ewigen,  universellen  Leben  zuriickzukehren,  indem  wir  bemerken,  da億 wir  eigentlich  von  Anfang  an  nichts  anders  als  Offenbarung  dieses  universellen  Lebens sind,  also  ein  Lebewesen,  das  das  Leben  Buddhas  lebt.  Dann  werden  wir  von  selbst bemerken,  dag  alles  in  der  Natur  oder  die  ganze  Schopfung  nichts  anders  als Offenbarung  des  Buddha-Lebens  ist,  and  daf3  alles  in  der  Natur  zugleich  in  diesem universellen  Leben  Buddhas  miteinander  verbunden  ist.  Jetzt  wissen  wir,  daB  wir Menschen  mit  anderen  Menschen,  mit  alien  Lebewesen,  mit  der  ganzen  Natur  eben  in diesem  universellen  Leben  Buddhas  tief and  eng  verbunden,  ja eins  sind.      ・     Die  Inselchen  auf  dem  Meer  schienen,  einzeln  voneinander  getrennt  zu  sein,  aber

sie  sind  in Wirklichkeit  am  Meeresgrund  verbunden.  Die  Gipfel  auf  dem  Wolkenmeer schienen  gleichfalls  einzeln  zu  sein,  aber  wenn  die  Wolke  sich  verzogen  hat,  dann  stehen sie auch  an  der  Bergkette  doch  in Verbindung.  Auch  wir  Menschen  leben  gewohnlich  als einzelnes  Wesen,  indem  wir  irgendeinen  menschlichen,  ja  allzu  menschlichen Gesichtspunkt  haben,  unsere  eigenen  Meinungen  behaupten  and  uns  dadurch  ofters miteinander  streiten.  Dennoch  sind  wir  eigentlich,  ob  man  das  glaubt  oder  nicht,  im ewigen,  universellen  Leben  Buddhas  miteinander  verbunden.  Wenn  wir  solcherweise unseren  gemeinen,  allzu  menschlichen  Stand-bzw.  Gesichtspunkt  aufgegeben  and  uns  in die  Sicht  Buddhas  eingelebt  haben,  dann  nennt  man  das  gewohnlich  "Erleuchtung".

    Der  Ryoanji  Tempel  ist ein  zenbuddhistischer  Tempel.  Deshalb  mug  auch  dessen Steingarten  sicher  so  einen  Sinn  gehabt  haben,  dag  er  die  asketischen  MSnche  dazu zwang,  den  menschlichen  Gesichtspunkt  aufzugel)en,  das  Ich  wegzuwerfen  and  sogleich in die  Welt  Buddhas  einzutreten.  Auch  heute  mug  dieser  Garten  weiterhin  die Touristen, die  ihn  besuchen  and  davor  sitzen,  ohne  Worte  in  diesem  Sinn  beeinflussen.  Die gespannte  Stimmung,  die  wir  ahnungslos  fuhlen,  wenn  wir  davor  sitzen,  wird  wohl  davon herrUhren.

    Damit  habe  ich  die japanische  Gartengeschichte  im  Galopp  vom  Anfang  bis  zu  einem H6hepunkt:Steingarten  vom  Ryoanji  Tempel  dargestellt.  Dadurch  werden  Sie  wohl schon  verstanden  haben,  dag  gerade  die"Natur,'darin  immer  im  Mittelpunkt  stand.  Das heist,  der  Schwerpunkt  des  Gartenbaus  lag  immer  darin,  die  Natur  darzustellen  oder anzudeuten,  indem  wir  der  Natur  folgten,  sie  nachahmten  oder  s1e  gestalteten.  Wir Japaner  haben  namlich  eben  in  der"Natur睡eine  ideale  Welt  suchen  wollen,  these idealisierte  Natur  naher  an  uns  herangezogen  and  so  auch  im  Garten  dargestellt.  Am

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Kurze  Geschichte  des  japanischen  Gartens:vom  Urgarten  dis  zum  Steingarten

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Karesansui  oder  Steingarten  als  Symbolsierung  bzw.  Abstraktion  der  Natur  wollte  man uns  schlieglich  spiiren  lassen,  da∬wir"Menschen',  eigentlich  durch  das  ewige, universelle  Leben  mit  der"Natur"innig  verbunden  sind,  nur  wenn  wir  einmal  unseren allzu  menschlichen  Gesichtspunkt  aufgegeben  haben  and  auf  demselben  Buddhas  stehen wUrden.  Genau  das  lehrt  uns  heute  interessanterweise  die  allerneueste  "Technik" , durch  die  wir  Menschen  so  etwas  wie  `space-shuttle,  entwickelt  haben.  Diese allerneueste  Technik  hat  uns  namlich  moglich  gemacht,  daB  wir  Menschen  uns  einmal von  der  Erde  trennen  and  sie  von  einem  ganz  anderen  Gesichtspunkt  aus  iiberschauen kbnnen.  Wenn  die  Erde  so  von  auf3en  gesehen  wird,  dann  wird  es  auf  einmal  sichtbar,  ja allzu  klar,  daf3  nicht  nur  die  Natur  auf  der  Erde  miteinander  eng  verbunden , sondern auch  die  Natur  and  alle  Lebewesen,  also  Natur  and  Menschen  innig  verbunden  sind . Dadurch  wird  ganz  deutlich,  daf3  das  Leben  des  Menschen,  sogar  die  Menschheit  selbst als Folge  des  Mikbrauchs  zur  Vergeltung  zerst6rt  wurde,  wenn  die  Natur  als Umwelt  des Menschen  einmal  zerstbr  wUrde.  Jedenfalls  ist es  die  allerneueste  "Technik「,,  die  uns alle  Menschen  auf  der  Erde  gelehrt  hat,  daf3  die  Natur  and  der  Mensch  untrennbar miteinander  verbunden  sind.  Aber  genau  das  hatte  uns  schon  vor  mehreren  hundert Jahren  eben  der  japanische  Garten  oder  die  "Technik"des  japanischen  Gartenbaus gelehrt.

    (Dieses  Referat  habe  ich  am  Symposium  zu  EKO-Haus  der  Japanischen  Kultur  in Diisseldorf  gehalten,  das  vom  5.一8.  April  2000  unter  dem  Hauptthema》Garten  im Westen  and  im  Osten《stattfand.  Dabei  muSte  ich  es  aber  leider  wegen  der  zeitlicben Einschrankung  betrachtlich  verkUrzen.  Also  mochte  ich  es  hier  im  Original ver6ffentlichen.)

(14)

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Abb.2  T6in  Garten

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Abb.3  Restauriertes  Modell  von  Higashisanjoden

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Kurze  Geschichte  des  japanischen  Gartens:vom  Urgarten  dis  zum  Steingarten

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Abb.4 

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(nach  der  vollendeten  Restaurierung)

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Abb.5 

Saih6ji!rempe1:Karesansui(RyOmon-no-taki)

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Abb.6 

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