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Der erste Deutschlehrer an der japanischen Regierungsschule:

Jakob Kaderli Q\n -L87 4)

alias Jakob Kaderly oder Jacques Kaderli

SHIROOKA Keiji

Jakob Kaderli, in Japan unter der Namensform Jakob Kaderly bekannt, war der erste Deutschlehrer, den die japanische Regierung offiziell ftir den Staat anstellte. Erwarvon 1869 bis 1871 an derRegierungsschule ftig. Diese

Schule hieB zuerst Kaisei-Gakko, dann Daigaku Nanko, und als 1871 das japanische Kultusministerium gebildet wurde, wurde sie einfach Nanko genannt. Kaderli hatzvrar nur zweieinhalb Jahre an dieser Schule gearbeitet, er hat aber wiihrend dieser ZeitieleJapaner als Deutschlehrer ausgebildet und eine S22seitige deutsche Grammatik verfasst. Mit AIHARA Shigemasa, einem japanischen Lehrer der Regierungsschule, hat er an einem deutsch-japanischen Wtirterbuch gearbeitet. Es ist nie erschienen und es sind keine Teile erhalten. Es wiire das erste deutsch-japanische Wtirterbuch gewesen. Nachdem der Vertrag mit Nanko abgelaufen war, arbeitete Kaderli ein halbes Jahr in Yokohama an einer privaten Schule, die von TAKASHIMA Kaemon gegrtindet worden war. Dort hat er Deutsch und Franzijsisch unterrichtet. Das ist schon ziemlich alles, was man in Japan bis kurz vor Ende des 20. Jahrhunderts i.iber ihn wusste. Wie alt war Kaderli? Wann hat erJapan verlassen? Wohin ist er gegangen? Was machte er, bevor er nach Japan kam? Alle diese Fragen waren offen.

Diese Situation der Unwissenheit i.iber Jakob Kaderly hat sich seit Kurzem geindert. 1991 ist in Japan die bisher unveriiffentlichte Autobiographie eines Kollqen Kaderlis an der japanischen Regierungsschule namens Erwin Knipping in i]bersetzungerschienen. Er beschreibt Kaderli als Hauslehrer und berichtet, dass er iiber Sibirien nach Japan kam.

lm Historischen Lerikon der Schwecz (HLS), dessen GroBprojekt seit 1988

besteht, findet man einen Eintrag tiber Jakob Kaderli. Obwohl Kaderli in Japan die Namensform Kaderly venrendete, handelt es sich eindeutig um dieselbe Person. Die ijbereinstimmungen sind unverkennbar:

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Japanaufenthalt, Hauslehrer, Einreise nach Japan iiber Sibirien.

Der Artikel im Historischen Lexikon der Schweiz basiert auf einer Biographie Jakob Kaderlis, die 1898 von einem Pfa:rer verfasst wurde. Dieser

Quelle zufolge wurde Kaderli, ein anner Bauernknecht mit

Dorfschulabschluss, zuertSildner in Neapel. Wlihrend des Krimkriegs stand er im Dienst der Franzosen. Spiter reiste er nach Russland und Polen. In Warschau geriet er in einen Streit mit dem franziisischen Konsul und zwei Polizisten. Er bereiste dann England, Schottland, Irland, Sibirien, China, Japan, Amerika und Kanada. Er arbeitete als Hauslehrer in Neapel, Warschau, Jekaterinaburg und Nikolajewsk.

ln dem Buch The Swiss in Ontario, das 199l vonJoan Mageegeschrieben wurde, begegnet man wieder Kaderli, der nun Jacques Kaderli heiBt. Er war angeblich ,,the distinguished scientist and traveller Jacques Kaderli, a professor of minerology from Berne, who was refurning from a scientific expedition to Japan". Kaderli war eigentlich kein beriihmter Professor und auch nicht einmal Forscher von Mineralogie. Er hat wahrscheinlich nie Mineralogie unterrichtet und keine Expedition nach Japan gemachl Kaderli leitete trotzdem eine Forschungsreise an den Nipissing-See und schrieb unter dem falschen Namen Jacques Kaderli einen Bericht ftir zuki.inftige Einwanderer in die Region.

Durch die vorliegende Arbeit wissen wir nun, dass der erste Deutschlehrer in Japan kein normaler Deutschlehrer, sondern ein flihiger, flei8iger Weltreisender voller Eitelkeit war, der auch vor Betrtigereien und Unwahrheiten nicht zuriickschreckte. Erwar nicht das, was er sein wollte.

Er hat in seinen Briefen gelogen und falsche Angaben gemacht, indem er behauptete, dass er in Japan natunnrissenschaftliche F?icher unterrichtg iiber Mineralogie forsche und 1580 mineralogische Exemplare gesammelt habe.

Bewundernswert ist sein Durchsetzungsvermifen. Mit geringer Ausbildung und ohne groBe finanzielle Mittel reiste er um die Welt und kam bis Japan.

DieJapaner sind stob auf den ersten Deutschlehrer, der eine groBe deutsche Grammatik geschrieben hat. Kaderli selbst war es anscheinend nicht, weil er an seine Bekannten in der Heimat nichts dartiber geschrieben hat.

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